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Kinderarzt Dr. Posth

Dr. Rüdiger Posth - Entwicklung von Babys und Kleinkindern

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Antworten von Dr. Posth zum Stichwort: Fremdeln
Frage:   Gibt es eine Erklärung warum mein Sohn so fremdelt?

Unser Sohn ist 1Jahr alt.Seit er 5 Mon alt ist, fremdelt er. Anfangs waren wir in Krabbelgruppen aber er hat sich von Mal zu Mal mehr aufgeregt, sehr geweint und lies sich nicht mehr beruhigen. Ich hatte ihn ausschliesslich auf dem Arm und bin immer sofort auf sein Weinen eingegangen. Schnell haben wir die Gruppen aufgegeben und einige Monate auch kaum Besuch empfangen, weil es da das Gleiche war.Ich hatte gehofft, dass es sich bessert, doch wenn wir nun, sehr selten, Besuch bekommen (1-2 Personen) steigert er sich wieder sehr hinein, weint, zittert und ich kann ihn überhaupt nicht mehr beruhigen. Gehe ich mit ihm in den vollen Supermarkt machen ihm die vielen fremden Menschen komischerweise gar nichts aus. Ich mache mir grosse Sorgen, ob dieses Verhalten noch im Rahmen ist oder ob ich irgendwas falsch mache oder falsch gemacht habe. Gibt es eine Erklärung für sein Verhalten? Was kann ich tun? Ich kann leider nicht verhindern, dass wir ab und an Besuch bekommen. Was raten Sie?

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Hallo, Fremdeln ist auch Ausdruck charakterlicher Veranlagung. In der Hauptsache ist es natürlich der Beweis der eingegangenen Bindung. Starkes Fremdeln bedeutet also Ängstlichkeit und in spezieller Weise auch soziale Ängstlichkeit. Es gibt heutzutage meines Wissen keine prospektiven Studein, die einen Zusammenhang zwischen frühem und starkem Fremdeln und späterer Sozialangst nachweisen können. Das ist ein Manko. Aber so hat man bisher noch gar nicht gedacht. In meiner eigenen Praxisstudie kann ich inzwischen solche Zusammenhänge herstellen. D.h. aber nicht, dass dieser Verlauf unausweichlich wäre.
Nur eines ist klar: durch die Herausforderung von viel Kontakten im ersten oder zweioten Lebensjahr lässt sich die Veranlagung nicht "beheben". Genau das Gegenteil ist der Fall (wie so oft). Nur in der Bindungssicherheit kann das Kind sich sein Urvetraeun erhalten und Selbstvertrauen entwickeln. jede andere Vorgehensweise führt zu einem vermeidenen Verhalten mit Schwächung der Bindung und orientierungslosem Verhalten fremden Menschen gegenüber. Im Moment steckt Ihr Sohn in der Phase der Anhänglichkeit (s. gezielter Suchlauf), die noch einmal Ängste vor Fremden reaktiviert.
Die Situation im Supermakrt ist anders. Sie ist in der Regel ganz unpersönlich und damit ohne jede soziale Herausforderung. Aber ganz schwierig sind Treffen mit vielen anderen kleinen Kindern. Wenn das wieder ansteht, können Sie sich gerne auch wieder melden. Viele Grüße

 
Frage:   Fremdeln

Hallo Herr Dr.Posth,
meine Tochter ist jetzt fast 13 Monate alt und hat bisher kaum gefremdelt.Skeptische Blicke am Anfang sind alles, sie schaut mir nicht mal hinterher, wenn ich gehe.Wenn ich sie von der KITA abhole, ist sie gar nicht so erfreut darüber, dann bin ich natürlich enttäuscht.(Sie ist seit dem 8.Monat in der KITA)
Dabei haben mein Mann und ich uns immer viel mit ihr beschäftigt und sie war noch nie über Nacht woanders.Woran liegt das?
Viele Grüsse und Danke F.

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Hallo, das Ergebnis meiner Beobachtungen zum Fremdelverhalten und zur Anhänglichkeit ist das, daß sowohl der Fremdeleaffekt als auch die Anhänglichkeit stark von angeborenen Anlagen und Voraussetzungen im Temperament abhängig sind. Dabei sind die Kinder, die als Säugling schwach gefremdelt haben (skeptische Blicke ist Fremdelstadium 1) - eine gesunde psychosoziale Entwicklung vorausgesetzt- auch die, die weniger anhänglich sind. Davon abweichend spätere starke Anhänglichkeit, wie auch vermeidendes Verhalten (so tun, als ob einen das alles nicht berührt) ist in der Regel ein Zeichen für falschen Umgang mit dem fremdelnden Säugling oder ein Zeichen für häufiges Schreien-lassen. D.h. man kann durch falschen Umgang schwache Fremdler ängstlich und unsicher machen. Umgekehrt ist es etwas schwieriger, aber ein stark fremdelndes Kind profitert sehr von einem behütenden Umgang.
So frühe Fremdbetreuung ist in diesem hoch sensiblen Geschehen immer ein Risiko. Es gelingt weitgehend atraumatisch eigentlich nur über eine geeignete Ersatzbezugsperson. Viele Grüße

 
Frage:   S.g.Dr. Posth...Tochter 8 Monate, sicher gebunden?

Ich habe ja schon öfter mal geschrieben und bin froh das es Sie hier gibt!!
Heute geht es um meine 8 Monate alte Tochter. Da ich mal bei Ihnen
gelesen habe das Baby´s die schreien gelassen werden, ehr andere
Menschen anlächeln, das aber nicht positiv zu bewerten ist. Das leuchtet
mir ein!
Aber, ich lasse meine Kinder nicht schreien! Und nun bin ich etwas
verunsichert, denn meine Tochter hat um den 6. Monat herum etwas
gefremdelt, zumindest hat sie die Mundwinkel nach unten gezogen und
angefangen zu weinen wenn sie jemand anderes, fremdes, auf dem Arm
genommen hat. (habe sie dann gleich wieder an mich genommen). Aber das
war nicht lange, kurze Zeit später lächelte sie wieder JEDEN an. Und
jeder der hier zu Besuch kommt und ihr die Arme entgegenstreckt, da geht
sie gern lächelnd hin und fummelt an den Leuten rum (Kette, Pulli). Und
klatscht mit der Hand auf ihnen.
Sogar als wir neulich mit ihr das erste mal privat auf einer Feier
waren, ca. 15 Leute am späten Nachmittag, war sie fröhlich uind lachte
wie immer. Und ging zu jedem hin. Wobei sie bei manchen lieber als bei
anderen war.
Ich habe immer aufgepasst und beobachtet, aber alles war gut. Nach einer
gewissen Zeit habe ich sie dann aber wieder zu mir genommen. Von meinem
Sohn, jetzt 4 Jahre, kenne ich das gar nicht so von seiner Säuglingszeit.
Ist das alles normal so???? Oder haben wir keine gute Bindung????
Sie wird noch gestillt und schläft bei mir mit im Bett. Sie braucht
Abends auch viel Nähe, wenn sie schläft und ich mich "rausschleiche"
dauert es oft nicht lange und sie ruft/weint wieder. Ich gehe immer ganz
schnell wieder hin.
Unsere Tage sind meist geregelt, außer den "großen" in Kiga bringen und
Turnen, und ich sehe zu das sie am Tage ihren Schlaf bekommt, wie sie
ihn braucht.

Vielen herzlichen Dank für Ihre Antwort und eine schöne Adventszeit!!!

Viele Grüße Blandina

Ach so: sie lacht überhaupt viel, mit ihrem Bruder vor allem. So doll, das sie kaum
Luft bekommt ..:-)))) Einfach nur schön!

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Hallo, es gibt solche frohgemuten Säuglinge, die prinzipiell wenig fremdeln und zunächst einmal jeden Menschen anlächeln, der freundlich auf sie zu kommt. Das kann allerdings ganz schnell kippen und in einem großen Geschrei enden. Es ist also wichtig, dass ie Mutter in der Nähe bleibt und die Szene beobachtet. Fremdeln ist ein sicheres Zeichen von Eingehen der Bindung, aber die Säuglinge fremdeln deutlich unterschiedlich je nach charakterlicher Veranlagung und Temperment . Ängstlich veranlagte Kinder fremdeln eindeutig stärker. Man kann also schon im Säuglingsalter ein bisschen den charakter eines Kindes herauslesen, vorausgesetzt, dass es zu einer normalen psychosozialen Entwicklung kommt.
Dazu kommt, dass das Fremdeln stark von der Tagesform abhängig ist und von der Laune des Kindes. Die sehr neugierigen und allgemein zugewandten Säuglinge irritieren häufig etwas, weil man das Fremdeln immer nur mit Ablehnung und Angstgeschrei verbindet. Aber das stimmt so nicht. Ein sensibler Wert ist immer, vom wem sich der Säugling bei Unruhe und Ungemach am schnellsten trösten lässt oder überhaupt vom wem. Das ist dann die Hauptbezugsperon. Viele Grüße

 
Frage:   Nur die Mutter?

Hallo Hr. Dr,
mein Sohn MIke ist nun 7 monate alt und es ist nicht möglich, dass ich ihn für eine kurze Zeit (ca. 1 Stunde) beim Vater (ist auch wg.Selbständigkeit viel zuhause) oder sonstigen Mike vertrauten Personen zu lassen. ER schreit wie am Spiess , bis ich wieder zurück bin..
Was kann man tun? Ich kann doch nicht immer zuhause bleiben oder ihn mitnehmen?
Haben Sie einen Rat?
Danke und Gruss Dorthe +Mike

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Liebe Dorthe, Mike befindet sich jetzt in der Fremdelphase, die offenbar stark ausgeprägt ist. Fremdeln bedeutet, daß die Erkenntnisleistung des Säuglings einen großen Sprung macht, und zwar dahingehend, daß vertraut, bzw. beruhigend und fremd, bzw. beängstigend genau auseinandergehalten werden können. Da der Säugling eine Art Personalunion mit seiner primären Bezugsperson, die bei Ihnen wohl Sie sind, eingeht, irritiert es ihn stark, wenn Sie ihn unvertrauten Personen "anvertrauen". Die Fremdelangst kann sich auch schon mal bis auf den Vater ausdehnen. Das aber in der Regel nur kurz, wenn sich der Vater nämlich liebevoll um die Rückgewinnung des Vertrauens seines Kindes bemüht. Damit entlastet er dann die Mutter.
Säuglinge, die so stark fremdeln, werden häufig auch stark anhänglich mit ca. 1 Jahr sein. Dies umso mehr, je stärker man sie fremden Personen aussetzt, also ganz anders, als viele Leute behaupten. D.h. Vertrauen zu fremden Menschen ist eigentlich keine Gewöhnungssache. Erst, wenn das Gefühl der Fremde und der Bedrohung aufgelöst ist, kann die Gewöhnung beginnen. Das ist die Grundlage für alle Antworten auf Babysitterfragen.
Sie müssen also die wenigen Monate des starken Fremdelns mit Ihrem Sohn aushalten, um ihm die Gewöhnung an Ersatzbezugspersonen zu ermöglichen (vielleicht eine Großmutter oder Freundin) und um eine allzu große, von (Verlust-)Angst geprägte Anhänglichkeit zu vermeiden. An diesem "Balanceakt" in der frühen Mutter-Kind-Bindung entzünden sich entscheidende Verhaltensweisen des Säuglings in der späteren Kindheit (und darüber hinaus). Viele Grüße

 
Frage:   Fremdeln schon mit 4 Mo.

Sehr geehrter Dr. Posth,
unser Bqaby ist 4 Mo. alt und es sollte letzte Woche einen Nachmittag bei der ihr bekannten Oma (Whg. auch bekannt) bleiben. Nach ca. 4 Std. war unsere Kleine nicht mehr zu beruhigen... als wir daraufhin heimgefahren sind und wir zur Tür reinkamen strahlte Sie uns an und alles war i.O. hat die Oma irgendwas falsch gemacht oder fremdelt ein 4 Mo. altes Baby schon. Ich trau mich gar nicht mehr Sie weg zu geben....

VG
Sabine

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Liebe Sabine, ja etwas sensiblere Säuglinge fremdeln schon mit 4 Monaten. Die Geschichte von der Achtmonatsangst, die immer wieder voneinander abgeschrieben wird, stimmt nicht (s. mein Langstext, Teil 2, link oben links). Ich habe in meiner Praxis sogar zwei Säuglinge erlebt, die schon mit 3 Monaten eindeutige Fremdelerscheinungen zeigten. Früher hätte das niemand geglaubt, aber es gibt soviel "Märchen" über Säuglinge und Meinungen und Behauptungen, die nicht stimmen. Leider findet man sie auch in vielen Ratgebern wieder. Viele Grüße

 
Frage:   Fremdeln?

Hallo Dr. Posth,
meine Tochter (4 Mon.) weint neuerdings, wenn sie von Opa oder Oma auf den Arm genommen wird (stärker beim Opa). Dabei kennt sie Oma und Opa seit ihrer Geburt und sieht sie regelmäßig (idR jede Woche). Bisher war das auch kein Problem. Auch sonst ist sie ein sehr fröhliches "ausgeglichenes" Baby! Ist das jetzt fremdeln? Warum bei ihr doch gut bekannten Personen? Mache mir Gedanken, da jetzt auch meine Mutter/Vater wöchentlich 3 Std auf sie aufpassen sollen wg. Rückbildungsgymn.? Ist das möglich, auch wenn sie zur Zeit immer gleich weint? Ich möchte nicht, dass sie dann Angst hat. Auch mache ich mir Sorgen, da ich in 3 Mon. wieder Teilzeit arbeiten möchte und sie dann eigentlich 2 Tage die Woche in die Krippe gehen soll. Ist sie vielleicht besonders ängstlich, so dass das zu früh für sie sein könnte? Was kann ich tun?
Vielen Dank für ihre Antwort!
MfG Ursel

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Liebe Ursel, das ist eindeutig fremdeln, was Ihre Tochter jetzt zeigt. Fremdeln bedeutet, daß es ein Säugling gelernt hat, zwischen fremd und vertraut zu unterscheiden. Das ist wichtig für ihn, um seine Bindung einzugehen. Diese sog. primäre Bindung ist exclusiv, was erklärt, warum auch Großeltern und häufig sogar der Vater angefremdelt werden. Es handelt sich also um einen normalen Vorgang und ist kein Zeichen besonderer Sensiblität. Wenn man in dieser Phase mit einer frühen Fremdbetreuung beginnen möchte, so ist das immer recht kompliziert. Es geht grundsätzlich nur mitttels einer Ersatzbezugsperson, die liebevoll und mit Geduld eingeführt werden muß und die dann manchmal mit der leiblichen Mutter in Konkurrenz tritt. In der Regel aber bildet des Säugling eine Hierarchie seiner Bezugspersonen. Besser ist es jedoch für den Säugling, das erste Lebensjahr ganz in der Obhut der Mutter zu bleiben und erst im zweiten Lebenjahr im Rahmen der ohnehin einsetzenden Loslösung vorsichtig mit Ersatzbezugspersonen zu "operieren". Der Vater käme da natürlich absolut gelegen, wäre also die hundertprozent geeignete Person, bis dann eine oraganisierte Fremdbetreuung im Kindergarten möglich wird. Viele Grüße

 
Frage:   Extremes Fremdeln

Meine Tochter ist 6 Monate und 1 Woche alt. Sie fremdelt seit sie ca. 3 Monate alt ist extrem. Sie lässt sich nur von meinem Mann und mir halten, auch bei den Großeltern (die sie regelmäßig sieht) lässt sie sich nicht halten. Maximal können sie sich neben die Kleine setzen und mit ihr spielen. Bei Leuten die sie nicht so oft sieht, reicht oft schon ein Blick um sie zum weinen zu bringen. Sie brüllt dann extrem los und beruhigt sich sehr rasch, wenn mein Mann und ich sie hoch nehmen. Wenn sie mit uns alleine ist, ist sie ein unkompliziertes und fröhliches Kind. Mir ist unklar ob und wie ich etwas gegen das Fremdeln tun kann/soll? Es ist schwierig, dass ich sie nicht einmal für eine halbe Stunde bei den Großeltern lassen kann. Es wird mir dann gesagt, dass ich sie halt schreien lassen soll und gehen, sie wird dich schon wieder beruhigen. Das will und kann ich aber nicht!
Ich wäre sehr dankbar für einige Tipps bzw. Info, da ich mir Sorgen mache, dass dieses Verhalten nicht normal ist.

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Hallo, gegen das Fremdeln kann man nichts tun. Es handelt sich sich um ein emotionales Verhalten im Zuge der eingehenden Bindung. Fremdeln drückt Angst aus und ist damit auch ein Zeichen einer genetischen Veranlagung. Natürlich verschlimmert sich das Fremdeln, wenn man es missachtet und den Säugling zwingt, Nähe bei einem Menschen auszuhalten, den er anfremdelt. Dadurch wird die Bindung unsicher und am Ende des 1. Lebensjahres hat man ein ängstlich anklammerndes Kind (ambivalent-unsichere Bindung), das es bei keiner fremden Person wirklich aushält.
Zwingt man aber das Kind, das Fremdeln durch Schreien zu überstehen, dann sieht man vermeidend ängstliche Kinder im zweiten Lebensjahr, die sich zwar abgeben lassen, aber körperlich messbare Angstsymptome haben. Unsicher Bindungen sind aber ein Risiko für das weitere Bindungsgeschehen in Richtung Loslösung und die kommende Selbstentstehung.Es ist also ganz falsch, das Fremdeln des Säuglings zu übergehen. Es geht von alleine vorüber, und zwar um so schneller, je sicherer das Kind gebunden ist. Viele Grüße

 
Frage:   Fremdeln

Hallo
meine tochter ist 4 monate alt und zeigt keine anzeichen mal zu fremdeln im gegenteil sie lacht jeden an ob familienmitglieder oder fremde menschen, jeden lacht sie an.ich finde das nicht so gut. sie geht auch zu jedem auf den arm. ist das normal und wann beginnt die fremdelphase? mache mir etwas sorgen deswegen

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Hallo, meinen Beobachtungen nach fremdeln höchsten 25% aller Säugling schon mit 4 Monaten, etwa 50% fremdeln mit einem halben Jahr und der Rest erst mit ca. 9 Monaten. Die Frühfremdler sind meist auch die sehr sensiblen Kinder.
Ihre Tochter hat demzufolge also noch Zeit. Sie müssen aber bedenken, daß langes Mustern eines fremden Gesichts, merkwürdige Ernsthaftigkeit und die Mundwinkel verziehen auch zum Fremdeln gehören. Viele Grüße

 
Frage:   Fremdeln

Lieber Hr.Dr.Posth,
mich würde Ihre Einschätzung interessieren:
Mein Sohn ist 14,5 Mon alt.Er hat relativ stark gefremdelt und war/ist sehr anhänglich. Keine Frembetreuung,wurde nie weinen gelassen, darf ins Elternbett, Papa voll akzeptiert, kann ihn ins Bett bringen etc. und ich "darf" auch mal weg :-)
Jetzt ist es seit ca. 3 Wo. wieder so, dass er extrem stark fremdelt: Oma, die er 1xwöch. sieht bekommt zur Begrüßung keinen Kuss mehr, erst zum Abschied, wird er angesprochen, würde er am liebsten in mich reinkriechen, braucht lange, bis er warm wird.
Ich gehe auf ihn ein und lasse ihm die Zeit, dränge ihn zu nichts.
Mich wundert nur dieses plötzliche Wiederaufkeimen. Passiert ist nichts.
Was meinen Sie dazu?
Vielen herzlichen Dank. Maria

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Liebe Maria, Fremdeln ist in der Hauptsache Ausdruck einer Veranlagung, was nicht daran hindert zugleich aus Zeichen der eingegangenen Bindung zu sein. Folglich ist der Grad der Anhänglichkeit bei sicherer Bindung etwa identisch mit dem Fremdeln und ebenfalls Ausdruck der Veranlagung. Allerdings trägt die sichere Bindung bis zu einem gewissen Grad zur Entspannung und Angstfreiheit bei.
Mit etwa 1 1/2 verstärkt sich die Angst vor Fremden noch einmal vorübergehend durch die Tatsache, daß das Kleinkind jetzt das endgültige Getrenntsein von der primären Bezugsperson erkennt (Spiegeltest). Aber wie gesagt, das ist nur vorübergehend. Wenn die Loslösung dann normal weiter voranschreitet, kommt sofort wieder das Erkunden und Ausschwärmen, um das Neue zu erfahren. Viele Grüße

 
Frage:   Trennen/Fremdeln - gern auch an alle! (lang)

Hallo,
ich habe die Frage schon Dr. Busse gestellt,möchte aber gern aus Ihrer Sicht noch eine Einschätzung.Vielen Dank!

Meine Tocher ist jetzt 21 Mon. alt. Sie wurde selten "fremdbetreut", das erste Mal im Dezember während meiner Kur. Die Eingewöhnungszeit wurde erschwert, da sie krank war. Nun sind wir aber seit drei Wochen zu Hause und es geht ihr sehr gut.
Jetzt ist es so, dass ich gern jede Woche einmal abends weggehen möchte, mein Mann aber nicht rechtzeitig zu Hause ist. Eine befreundete Familie kümmert sich gern um sie, sie müsste aber dort schlafen für diese Nacht. Wir sind einmal die Woche da zum spielen, sie kennt das Haus und die Familie.

Kann ich ihr das zumuten? Sie fremdelt fast schon immer und ist auch anhänglich. Einerseits möchte ich, dass sie es lernt, auch mal ohne Mama zu sein, andererseits möchte ich ihr natürlich auch nicht schaden.

Babysitter haben wir noch keinen gefunden, der auch mal abends aufpassen würde bei uns zu Hause!

Vielen Dank
Sylvia

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Liebe Sylvia, ein großer Fehler besteht in der Auffassung, Trennungen könnte der Mensch lernen, oder es gäbe die Möglichkeit, ein Kind an Trennungen zu gewöhnen. Das Gegenteil ist der Fall. Erzwungene Trennungen bei noch nicht selbständigen Kindern führen zu einer Verunsicherung in der Bindung und im Vertrauen auf die Bezugsperson (Urvertrauen). Diese Verunsicherung läßt dann bestenfalls eine leidliche Anpassung zu, schlechtestensfalls verusacht sie eine massive Verdrängung. Je mehr Verdrängung, das jedenfalls lehrt die Tiefenpsychologie, desto höher das Risiko für eine psychische Irritation oder Störung. Die Trennungsängstlichkeit ist die häufigste psychische Störung im Kindesalter!
Aber die Natur hat ja eine Lösung vorgeben. Es ist die der sanften Ablösung. Die gilt nicht nur im Ki-ga, sondern auch bei der frühen Fremdbetreuung. Wenn Ihre Tochter also die befreundete Familie sehr gut kennt und die weibliche Anlaufstelle dort als Ersatzbezugsperson akzeptiert, wird es vermutlich keine Probleme geben. Vorsichtiges Vortasten wäre allerdings immer wichtig. Erst wenn das Selbst eines Kindes stabil genug ist, kann man in solchen Dingen zügiger vorgehen. Viele Grüße

 
Frage:   Verschiedenes

Hallo, wir haben uns fast entschlossen, unsere Tochter (7 Monate) nachts abzustillen. Welche mentalen Entwicklungsstand sollte die Kleine haben? Bei einem Versuch hat sie nach kurzer Zeit sehr stark geweint. Ich will sie nicht unnötig schreien lassen.
Wie gewöhne ich ihr ein Schmusetier an? Wenn ich ihr eins gebe, nimmt sie es sofort als Spielangebot und wird richtig wach. Dasselbe passiert mit einem Nuckel. Sie schnullert sich einfach wach.

Dann habe ich noch eine Frage zum Fremdeln. Sie freut sich immer andere zu sehen und streckt die Arme in deren Richtung. Gebe ich dem nach, zieht sie die Mundwinkel nach unten und weint wenig später. Nehme ich sie wieder auf den Arm, wird das natürlich vom Gegenüber nicht verstanden. Verwöhnen etc. Sollte ich sie lieber gar nicht erst weggeben? In ihrem Langtext schreiben sie, man soll einen Säugling auch nicht mit Samthandschuhen anfassen. Wie ist das gemeint?

Liebe Grüße, Claudine

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Hallo Claudine, die "Samthandschuhe" sind gemeint für eine Übervorsichtigkeit im Umgang mit Ihrem Säugling. Ein Säugling ist keine Porzellanpuppe. Er muß spüren, daß er von sicheren und starken Händen gehalten wird. Aber das Fremdeln muß von fremden Erwachsenen toleriert werden, denn es ist Ausdruck einer "Verteidigung der eingegangenen Bindung". Erwachsene müssen lernen, die Bedrüfnisse der Säuglinge zu verstehen und zu respektieren, nicht umgekehrt. Abstillen in zweiten Lebensjahr ist generell in Ordnung, obwohl kein Muß. allerdings bleibt im Fall des Weiterstillens auch der Schlafrhythmus im Stillniveau. Die abendliche Breimahlzeit ist obligat und zum Einschlafen könnte dann doch noch die Brust gegeben werden (später besser ein Milchfläschchen). In der Nacht dürften dann aber nur noch Beruhigungsmaßnahmen außer dem Stillen erfolgen. Zur Not geht auch einmal das Tee- oder Wasserfläschchen. Besser sind Nuckel, Schmusetuch, Mamas getragenes T-schirt u.ä. Auch sollte jetzt immer häufiger der Vater an den Beruhigungsmaßnahmen beteiligt sein. Dafür muß er aber auch tagsüber sich mit einschalten. Wenn einem diese Schritte ruhig und besonnen gelingen, dauert es nur wenige Nächte und das Stillbedürfnis hört auf. Viele Grüße

 
Frage:   Fremdeln

Hallo,

ich habe eine Frage zu dem Fremdeln. Ich habe auch ihre Infos dazu gelesen, aber dennoch beschäftigt mich was.

Unsere Tochter ist nun 8 Monate alt und fremdelt seit dem 4. Monat sehr stark. Es dürfen sie nur ganz bestimmte Personen nehmen. Sie lacht zwar immer mit allen von weitem - auf unserem Arm - aber sobald dann jemand evt. näher kommt oder sie gar nimmt, ist aus und vorbei. Sie braucht auch immer Blickkontakt und die Versicherung, dass wir da sind.

Würden sie jedoch gerne auch an andere gewöhnen - z. B. Uroma, aber da schreit sie jedesmal wie am Spieß ... Ist es in der Phase generell schwierig, sie an andere Personen zu gewöhnen oder ist es unter Umständen und mit viel Geduld auch machbar? Oder muss sie einfach fremdeln und wir greifen in einen Prozess ein, der nicht gut für sie wäre?

Vielen dank für Ihre Antwort!

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Hallo, ja fremdeln "muß" Ihre Tochter, das ist ein natürlicher Prozeß. Die Stärke des Fremdelns ist allerdings individuell sehr unterschiedlich und hat etwas mit Charakteranlagen zu tun. Stark fremdelnde Säuglinge sind eher ängstlich veranlagte Wesen. Es macht gar keinen Sinn, aktiv einen Gewöhnungsprozeß an fremde Menschen einzuleiten, um das Fremdeln dadurch abzuschwächen. Es geht nur so, daß ein anderer Mensch als die primäre Bezugsperson sich behutsam und liebevoll in die Pflegevorgänge einschaltet, so daß das Bedürfnis des Säuglings nach Distanz zu dieser Person langsam nachläßt. Übrings sind stark fremdelnde Säugling auch am Anfang der Loslösungsphase eher anhängliche Kleinkinder, was für die Veranlagung spricht (und nicht für eine Verwöhnungsfolge). Viele Grüße

 
Frage:   Sensibel?

Hallo Dr.Posth,

am Wochenende waren wir mit unserem Sohn auf einer Veranstaltung auf der auch ein 4Wochen jüngeres Baby war. Mein Sohn ist 8 1/2 Monate.
Der Jüngere ist gleich freudig auf meinen sohn zugekommen(beide waren auf dem Arm)wollte ihn anfassen und hab gelacht. Meiner war echt schüchtern und hat gleich den Oberkörper nach hinten gelehnt und die Arme nach oben gehoben, so wie er es immer macht wenn er fremdelt.
Liegt das nun am Charakter des Kindes oder weil er keinen Kontakt mit gleichaltrigen hat?

MfG Claudia

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Liebe Claudia, Neugier auf Fremde(s) und Angst vor Fremde(n) scheinen bei den Säuglingen in einem einigermaßen ausgewogenen Verhältnis zueinander zu stehen. Das hat die Natur aus gutem Grund so vorgegeben. Das Bedürfnis nach Schutz sollte das Bedürfnis nach Erfahrung nicht erdrücken. Aber im Einzelfall sind die Säuglinge unterschiedlich "begabt". Die einen sind etwas wagemutig und streben auf den oder das Fremde zu und die anderen sind etwas ängstlich und vorsichtig und ziehen sich auf den elterlichen Arm zurück. Zu letzterer Gruppe gehört offenbar Ihr Sohn. Mag sein, daß er dadurch auch etwas sensibler ist, aber das ist dann seine Veranlagung, mit der Sie auskommen müssen. Üben kann man das Zugehen auf Fremde jedenfalls nicht, man erreichte dadurch eher das Gegenteil. Viele Grüße

 
Frage:   Mein Sohn fremdelt gar nicht.

Guten Morgen Dr. Posth,
Mein Sohn ist 7 Monate alt und ist an Umgang mit anderen Menschen gewohnt,da er seit 4 Monaten in die Krippe geht.
Er zeigt allerdings wirklich null Anzeichen von Fremdeln.Er lacht mit jeder fremden Person ganz unabhaengig von mir.
Ist das normal?

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Hallo, normalerweise fremdelt jeder Säugling, manche aber so wenig und versteckt, daß Eltern dieses "Stadium I" nicht als Fremdeln wahrnemen. Die Stärke des Fremdelns hängt größtenteils von den Charakteranlagen des Kindes ab, wobei es natürlich Kinder gibt, die sehr neugierig und interessiert erscheinen und wenig von Vorsicht und Angst geprägt sind. Vielleicht gehört Ihr Sohn dazu. Vielleicht kommt das Fremdeln aber erst noch richtig. Manche Säuglinge empfinden die Exklusivität der primären Bindung ziemlich spät. Ein Gewöhnen an fremde Personen oder fremde Umgebung erscheint problematisch und gelingt auch nicht. Viele Grüße

 
Frage:   Woran erkennt man eine unsichere Bindung?

Lieber Herr Dr. Posth,

ich habe in letzter Zeit viel über die unsicheren Bindungen im Mutter-Kind-Verhältnis gelesen und mache mir ein bisschen Gedanken. Mein Kleiner ist 8 Monate alt und ziemlich ausgeglichen. Er schläft seit er 8 Wochen ist nachts durch, weint sehr selten, außer natürlich bei Hunger, Müdigkeit oder wenn er zahnt. Er lacht sehr viel und auch seine Entwicklung läuft (er kam 3 Wochen zu früh) gut voran. Er fremdelt irgendwie kaum. Manche Menschen guckt er an und verzieht keine Miene, scheint sogar etwas irritiert und skeptisch zu sein, aber manchmal lächelt er sie sofort an und quietscht vergnügt. Ich weiß natürlich nicht, was wäre, wenn ein Fremder ihn auf den Arm nehmen und von mir weggehen würde. Das gab es noch nie. Desweiteren bin ich fast jeden Tag bei meiner Mama, die ihn dann auch ab und zu füttert und mit ihm Späßchen macht. Ich bin alleinerziehend. Kann es ein, dass der Kontakt zu viel ist & er nachher nicht weiß, wer seine primäre Bezugsperson ist?

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Hallo, ja, diese skeptischen Blicke sind eindeutig auch Fremdeln. Über das Fremdeln wurde bisher in der Entwicklungspsychologie wenig berichtet und v.a. wurde keine Fremdelskala entwickelt. Für die Ztschr. Kinderärztliche Praxis habe ich das Fremdeln des Säuglings in drei Stufen eingeteilt, wobei die erste der lang andauernde, skeptische Blick ist. Dieser kann je nach Temperament des Kindes und spontaner Sympathiegefühle sehr schnell in ein Kontaktlächeln übergehen. Es hängt natürlich viel auch von der Mimik des Fremden ab, wie der Säugling reagiert.
Ansonsten erscheinen sicher gebundene Säuglinge insgesamt ruhig und ausgeglichen, so wie offenbar Ihr Sohn. V.a. in der beginnenden Phase der Anhänglichkeit, die ja bei Ihrem Sohn erst noch kommt, zeigt der Säugling, resp. das Kleinkind, das es nur in der Nähe der Mutter absolut sicher ist und freudig auf Entdeckungsreise geht. Das jedenfalls ist das Ergebnis der klassischen Untersuchungen v. M. Ainsworth, Untersuchungen, die inzwischen vielfach bestätigt worden sind. Und eine Großmutter als Ersatzmutter im Hintergrund kann eigentlich nur von Nutzen sein. Viele Grüße

 
Frage:   Fehlende Anhänglichkeit?

Hallo,

ich mache mir schon seit längerem Gedanken über das fehlende Fremdeln meines Sohnes (15 Monate). Es ist eher selten, dass er sich mit Vorsicht fremden Personen nähert. Im Normalfall lacht er alle sofort an und will auch oft sogar von ihnen hochgenommen werden - egal ob er diese Person kennt oder nicht. Das freut natürlich die Umgebung, wundert mich aber, wenn ich doch die Kinder der anderen Mütter im gleichen Alter sehe, die schon einen Heulkrampf kriegen, wenn die Mami nur mal schnell zur Toilette muss.
Das nächste "Problem": Wenn wir bei der Oma sind, bin ich völlig abgeschrieben. Das geht soweit, dass er da das Weinen anfängt, wenn Omi mal kurz in ein anderes Zimmer geht (das kenne ich ja nun überhaupt nicht!) und dass er sich dann auch von mir nicht trösten lässt. Da MUSS es einfach die Omi sein und ich kann eigentlich für ein paar STunden verschwinden, ohne dass es ihn berühren würde.
Mich verletzt das Verhalten schon irgendwie, denn ich verbringe seit seiner Geburt jede Stunde mit ihm und tue alles für ihn. Ich denke, das Urvertrauen wurde auf alle Fälle hergestellt. Äussert sich durch diese scheinbar fehlende Anhänglichkeit womöglich nur sein unerschütterliches Vertrauen darin, dass ich immer da bin, falls er mich braucht? Oder muss ich mir Gedanken machen?
Vielen Dank im voraus!
Snuffi

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Hallo noch einmal, die Behauptung, daß schwach fremdelnde Säuglinge keine so starke Bindung an ihre Mutter entwickelten, erscheint irgendwie plausibel, ist aber falsch. Das Ausmaß des Fremdelns ist mehr von den Charakternalagen abhängig als von der Bindungsintensität. Allerdings fremdeln schlecht gebundene ältere Säuglinge heftiger (erhöhter Angstfaktor), v.a. wenn sie auch temperamentvoll sind. Ebenso falsch ist die Auffassung, daß viel herumgereichte Säuglinge sich an die fremden Menschen gewöhnten. Allenfalls entwickeln sie ein vermeidendes Verhalten, was ihre Angstgefühle angeht. Eine unsicher vermeidende Bindung ist aber ein deutlicher Risikofaktor für die weitere Entwicklung des Selbst.
Aus all dem können sie schließen, daß Sie den richtigen Gedankenansatz im ersten Lebensjahr vertreten haben.
eine konkurreierende Bezugsperson könnte die Oma trotzdem sein, wenn sie wichtige Aufgaben in der Pflege Ihres Sohnes übernommen hat. die geringe Verfügbarkeit des Vaters macht sie jetzt in der Phase der Loslösung aber zu einer wichtigen "3.Person". So müssen Sie die Zusammenhänge verstehen. Prinzipiell müßte sich Ihr Mann viel stärker seinem Sohn verfügbar machen. Eine typische Schwierigkeit in unserer vollbeschäftigten Gesellschaft, die automatisch zu Unsicherheiten in der Loslösung führt. Solche Kinder ertrotzen ihre Loslösung viel stärker als andere und jetzt kommt dieselbe Frage wie im 1. Lebensjahr: Schreien-lassen = Grenzen-setzen, oder Geborgenheit-bieten = Regeln-erarbeiten. Wie Sie wissen, bin ich für das jeweils letztere. Dazu mein Langtext über das emotionale Bewußtsein. Viele Grüße

 
Frage:   War das fremdeln?

Mein Sohn (5 1/2) Monate fing vor 4 Wochen an zu weinen, als seine Oma uns besuchte. Nachdem er sich beruhigt hatte, versuchte sie ihn auf den Arm zu nehmen, und er begann wieder zu weinen. Ich nahm ihn natürlich wieder zu mir.
In der gleichen Woche war er auch seiner anderen Oma gegenüber sehr skeptisch, ließ sich aber nehmen. Beide kommen uns 1x die Woche besuchen Ich ging davon dass das die Anfänge des Fremdelns sind, so wie sie das hier ja auch beschreiben, aber nur eine Woche später war alles wieder so wie vorher. Er reagiert sogar auf Fremde genauso freundlich/neutral wie vorher.
Kann ich davon ausgehen, dass das alles war?
Er hat in der Zeit auch sein erstes Zähnchen bekommen, lag es vielleicht daran?

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Hallo, das Verhalten, das Sie bei Ihrem Sohn beschreiben, war mit Sicherheit Fremdeln. die stärke des Fremdeln ist einerseits abhängig von der Veranlagung des Kindes zu Angstreaktionen, andererseits von der Geschicklichkeit der fremden Person, mit ihm umzugehen. Schließlich hängt das Fremdeln als emotionale Reaktion auch stark von der momentanen inneren Befindlichkeit ab. Insofern tritt es nicht automatisch und konstant auf. Trotzdem ist es fremdeln und man darf nicht davon ausgehen, dass es wenn es zweimal nicht aufgetreten ist, schon vorüber ist. Fremdeln verläuft auch sehr unscheinbar und ich mache manchmal die Eltern in meiner Praxis darauf aufmerksam, dass ihr kleiner Säugling jetzt fremdelt, was die Eltern nicht bemerkt haben. Man sieht es vor allem im Blick der Säuglinge. Viele Grüße

 
Frage:   Tragen

Sehr geehrter Herr Dr. Posth,

habe eigentlich das Gefühl, mein Sohn 10Mon. und ich haben eine Sichere Bindung.
Braucht mich zum einschlafen, kommt sich immer mal wieder anschusen, kommt Besuch klammert er sich erstmal eine Weile an mir fest.Nun zu meiner Frage:
Bei Fremden braucht er erstmal eine Zeit um seine Scheu zu überwinden. Dann lässt er sich auf von dem Besuch auf den Arm nehmen und will dann dort auch erstmal bleiben. Also möchte ich ihn nach kurzer Zeit nehmen, hält er sich erstmal am Besuch fest. Nach etwas längerer Zeit kommt er dann gerne wieder zu mir.
Hat das was mit der Loslösung zu tun?

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Hallo, mit Loslösung hätte das nur dann etwas zu tun, wenn sich Ihr Sohn an diese neue Person anbinden würde, um sich aus der primären Bindung zu Ihnen herauszulösen. Ziel der Loslösung ist das eigenständige Selbst.
Nein, was Ihren Sohn auf die fremden Arme treibt, ist die schiere Neugier. Und die wird solange ausgekostet, wie sie sich durch die neue Situation erhalten lässt. Denn Neugier hat auch etwas Befriedigendes und schürt die Motivation. Und ein sicher gebundenes Kind kann sich seiner Neugier viel freier hingeben, als ein unsicher gebundenes. Das ist also der Grund, warum Sie als Mutter im Moment dann "abgemeldet" sind.
Verhält sich der Fremde aber nicht kindgerecht oder bemerkt ds Kind, dass ihm der Fremde doch unsypathisch ist, dann flüchtet es sich schnell wieder auf der mütterlichen Arm zurück. Viele Grüße

 
Frage:   Fremdeln?

Hallo,

mein sohn ist jetzt 6 mon. und ist ein richtiger wonneproppen, aber er fremdelt überhaupt nicht. im gegenteil, wenn fremde personen zu im in den wagen schauen oder in autostitz beim einkaufen, dann grinst er und gluckst und fängt an zu brabbeln.

auch wenn er mal bei oma und opa ist fremdelt er kein bischen. der sohn meiner feundin im gleichen alter ist da ganz anders, der schreit gleich los wenn ihn jemand fremdes zu nah kommt.

kann es daran liegen, das ich nicht lange gestillt habe (aus gesundheitlichen gründen) hat unsere Beziehung dadurch schaden genommen, er bekommt wircklich sehr viel liebe von uns, wird geknuddlet herumgetragen, usw. auch seine grosse schwester ist sehr lieb mit ihm und das mit 2 1/2.

oder denkt er sich mami habe ich sowieso den ganzen tag! er lacht auch bei mir und manchmal habe ich das gefühl er redet und möchte mir was erzählen.

kommt das fremdeln noch oder gibt es kinder die nicht oder nur sehr wenig fremdeln.

danke

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Hallo, erstens kann das Fremdeln noch kommen und zweitens gibt es tatsächlich Säuglinge, die sehr versteckt und schwach Fremdeln. Wenn man sehr geschult ist, erkennt man aber auch bei diesen Säuglingen Anzeichen von Fremdeln. Fremdeln ist zum großen Teil Ausdruck der anlagemäßigen und charakterlichen Einstellung des Kindes. Je ängstlicher und empfindlicher, um nicht zu sagen sensibler, ein Kind ist, desto früher und stärker fremdelt es. Die Neigung zur Ängstlichkeit bleibt im Leben bis zu einem gewissen Grade erhalten. Durch die sichere Bindung aber verliert der Säugling einen Teil seiner Ängstlichkeit. eine unsicher Bindung verstärkt sie. Am Ende des 1. Lebensjahres im Rahmen der alterstypischen Anhänglichkeit, kann man eine erste vorsichtige Bilanz ziehen (s. mein Langtext, Teil 2, link oben links).
Das Gegenteil des Fremdeln ist die Neugier auf alles Neue und auch Fremde. Fühlt sich ein Säugling sicher und geborgen, wächst diese neugier stark an. Viele Grüße

 
Frage:   Fremdeln

Hallo,
ab wann können sich die säuglinge bestimmte Personnen merken bzw. sie wiedererkennen? Meine kleine ist fast 5 Monate alt Oma und Opa sieht sie 1 mal die Woche. Sie fremdelt stark. Ab wann kann sie die Oma (sehr liebevoll und einfühlsam) wiedererkennen?
Danke

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Hallo, prinzipiell können Säuglinge schon mit 3 bis 4 Monaten Personen anhand ihrer Gesichter, Ihrer Art der Reaktion sowie an Stimme und Geruch sicher erkennen. In der Wissenschaft weiß man sogar, wo dieses Abspeichern im Gehirn stattfindet.
Jede fremde Person wird nun ängstlich ausgeschlossen (Fremdeln), weil der Säugling die ursprüngliche Angst besitzt, diese Person könnte die Bindung gefährden. Erweist sich diese Person aber als zuverlässig und unbedrohlich und ist sie auch Freund der primären Bezugsperson, dann entwickelt der Säugling zu ihr auch Bindungsgefühle. sie wird u.U. zu einer Ersatzbezugsperson. die Großmutter muss nur oft genug kommen und in Ihrem Beisein ihre Enkelin versorgen. Dann wird sie auch bald nicht mehr angefremdelt. Viele Grüße

 
Frage:   Leichtes Fremdeln?

Hallo,

meine Tochter (fast 9 Monate) fremdelt noch ein bisschen, wenn wir meine Eltern besuchen. Sie sieht sie etwa alle 4 Wochen immer für einige Tage.
Anfangs geht sie erstmal nicht zu ihnen auf den Arm. Nach einer Weile traut sie sich, oft will sie aber wieder zu mir zurück.

Manchmal ist es so, dass meine Tochter ganz zufrieden bei meinen Eltern ist, wenn ich nicht dabei bin. Komme ich irgendwann hinzu und sie sieht mich, dann jammert sie und will zu mir. Heißt das, dass sie mich "vergisst", wenn ich gerade nicht da bin? Sie ist ja dann zufrieden und jammert nicht hinter mir her. Oder wie kann man sich das Verhalten erklären?

Sollte ich sie dann auch immer sofort nehmen oder wäre es auch okay, wenn meine Eltern sie versuchen zu beruhigen/ abzulenken, was auch manchmal gelingt?

Paradoxerweise geht m. Tochter manchmal zu fremden Leuten auf den Arm,wie es heute auf einer Feier der Fall war. Sie machte dabei einen interessierten, angstfreien Eindruck.Gibt es 1 Erklärg.dazu?
DANKE

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Hallo, das Fremdeln dient in der Natur des Menschen einerseits als Bestätigung, eine Bindung eingegangen zu sein, andererseits auch als Schutzreflex, sich vor gefährlichen Abenteuern in Acht zu nehmen. Dem Fremdeln steht die Neugier gegenüber und das Interesse, etwas auszuprobieren. Menschen, die auf Dauer nur Fremdeln, entwickeln Angst und verkriechen sich zuletzt. sie lernen nichts kennen, was ihre Angst überwinden hilft. So gehen Kinder manchmal ganz spontan Risiken ein, wenn sie die Lust dazu überkommt. Das betrifft vor allem anderen Menschen, wenn diese ihnen interessant und/oder sympathisch erscheinen. Das Neue, was sie dabei erfahren, hilft ihnen dabei, zuviel Fremdenangst zu überwinden. Das Verhalten Ihrer Tochter ist somit gut verstehbar. Viele Grüße

 
Frage:   Schlafen und fremdeln

Lieber Herr Dr. Posth.
meine Tochter ist 19 Wochen alt und wird gestillt. Nachts wacht sie zur Zeit bis zu 20 (!!) mal auf, will dann nur kurz nuckeln und schläft weiter.Sie schläft bei mir im Bett. Da sie nachts ja noch Nahrung braucht, kann ich ihr das Stillen doch nicht verwehren. Was kann ich tun, um die Situation zu entspannen? Wird es besser, wenn ich auf das Einschlafstillen verzichte?
Und noch eine Frage zum Fremdeln:Man soll ja laut Ihrem Buch fremdelnde Kinder nicht an die andere Person geben. Wenn meine Tochter weint, mache ich das natürlich auch nicht. Aber was ist, wenn sie nur skeptisch schaut?Sie fremdelt bei der Oma zur Zeit manchmal und ich würde die beiden gerne wieder mehr aneinander gewöhnen.Wie mache ich das am besten? Wir sehen die Oma häufig, mind. 3 mal die Woche.Darf ich sie jetzt gar nicht mehr alleine bei ihr lassen?
Vielen Dank für die Beantwortung meiner vielen Fragen! Sie haben mir schon so oft weitergeholfen!! Ganz liebe Grüße

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Hallo, solange ein Säugling nur skeptisch guckt, hält er die "Konfrontation" mit dem fremden Menschen ja aus. Wenn Sie als Mutter zunächst dabei bleiben und den Rückzug sofort absichern, kann die Großmutter ihr Enkelkind sicher auch auf den Arm nehmen. Je geschickter und einfühlsamer sie dabei ist, desto besser entwickelt sich eine Ersatzbeziehung, auf die Sie dann in Zukunft zurück greifen können. Aber dazu gehört ein bißchen Fingerspitzengefühl.
Was die unruhigen Nächte angeht, müßte ich zuerst fragen, ob Ihre Tochter noch richtig satt wird. Was macht das Gewicht? Notfalls beim KiA noch einmal kontrollieren lassen. Wie ist es tagsüber mit dem Nahrungsbedürfnis? Diese Dinge sollten Sie vielleicht zuerst einmal klären. Sie können mir ja dann gerne wieder schreiben. Viele Grüße

 
Frage:   Frühes Fremdeln

Hallo Herr Dr. Posth,

in der Antwort auf meine Frage von letzter Woche schrieben Sie, wir sollen unserer Tochter dem Fremdeln nicht immer wieder aussetzen. Was heißt das in unserem konkreten Fall: Unsere Tochter schaut sich neuerdings alle ihr fremden Personen interessiert an, lässt sich ein, zwei Minuten von ihnen unterhalten und fängt dann mit Pfännchenziehen und weinen an. Nachdem wir mittlerweile alle darauf vorbereitet haben, ziehen sich die Leute ganz schnell zurück und wir trösten unsere Tochter. Wäre es jetzt besser, wir würden vorerst niemanden an sie ran lassen?
Außerdem kristallisiert sich immer mehr heraus, dass sie auch Räume mit mehreren Menschen (Familienfeiern, Babymassage), scheinbar aufgrund des Geräuschpegels, nicht mag und zusehens unruhig wird. Soll wir sie im Augenblick auch von solchen "Veranstaltungen" fern halten?
Vielen lieben Dank - auch für die Beantwortung meiner Fragen von letzter Woche!
Viele Grüße
Anita

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Liebe Anita, das Fremdeln hat etwas mit Angstgefühlen zu tun und zeigt, dass der Säugling die Sicherheit bei seinen Bezugspersonen braucht. Wenn man diese Sicherheit gibt, hört die Angst auf und er beruhigt sich. Das also allein genügt. Nun deswegen jede Situation zu meiden bringt keinen entscheidenden Vorteil. DEr Säugling selbst verhält sich ja auch anders. Zunächst ist er neugierig und hat häufig sogar das Bedürfnis, den unbekannten Menschen kennenzulernen, dann aber überfällt ihn plötzlich das Unbehagen. Dadurch, dass Sie prompt und richtig auf die Signale reagieren, schöpft er zusätzliches Vertrauen in Sie als seine primäre Bezugsperson und ist zufrieden. In diesem Vorgang steckt also auch ein Beitrag zu wichtigen Grunderfahrungen. Viele Grüße

 
Frage:   Sichere Bindung

Sehr geehrter Herr Dr. Posth,

mein Sohn ist ein Frühchen und jetzt korr. 8 Monate alt (unkorr. 10,5).

Ich habe ein halbes Jahr nach der Geburt leider anfangen müssen, zu arbeiten. Zu der Zeit war mein mann arbeitssuchend. Mittlerweile hat er eine befristete Stelle, so dass wir beide arbeiten. Die Betreuung meines Sohnes übernimmt meine Mutter, die sich wirklich aufopferungsvoll um ihn kümmert. Bei meiner Mutter sind nachmittags auch meine beiden Brüder, so dass er insgesamt 5 Personen täglich sieht.

Jetzt ist mir aufgefallen, dass er gar nicht so viel fremdelt. Generell lacht er viele Menschen an. Aber einige wenige mag er überhaupt nicht, weint dann und will zu uns.

Was meinen Sie dazu? Hat er keine sichere Bindung zu uns? Was können bzw. müssen wir tun?

Vielen Dank für Ihre Antwort im voraus.

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Hallo, Fremdeln ist generell ein wichtiges Zeichen des Säuglings dafür, daß er eine Bindung eingegangen ist. An wen läßt sich am besten ermitteln, indem man beobachtet, bei wem er sich am schnellsten beruhigt oder zu wem er sich im "Ernstfall" hin flüchtet. Die sichere Bindung unterscheidet sich von den Formen der unsicheren dadurch, dass der Säugling mit etwa 1 Jahr, bei seiner Mutter den Kontakt mit fremden Personen akzeptiert und je nach Veranlagung sogar sucht. Sicher heißt auch, dass er momentweise seine Mutter entbehren kann und bei einer einigermaßen vertrauten Person ohne Angst zu bekommen bleibt. So etwas lässt sich eigentlich nur konkret beobachten und nicht theoretisch abklären.
Dass ein Säugling gerne mit fremden Personen lacht und sie mimisch oder mit Stimme zum Kontakt anregt, ist charakterspezifisch und kein Zeichen für eine nicht gelungene Bindung. Viele Grüße

 
Frage:   Kein Fremdeln

Hallo Dr. Posth,

Meine Tochter ist jetzt 7 Monate alt und fremdelt nicht. Zu jedem Fremden ist sie freundlich und lächelt diese meist auch ganz offen an. Auch von für sie "Fremden" kann sie auf den Arm genommen werden ohne zu weinen. Selbst wenn ich dann aus dem Zimmer gehe ist das für sie kein Problem.
Ich mache mir allmählich Gedanken. Hat sie keine feste Bindung zu mir. Ich habe sie bis vor kurzem vollgestillt und stille jetzt neben Beikost weiter. Auch kümmere ich mich den ganzern Tag um sie (bin in Elternzeit). Feste Spielzeiten und Rituale sind ein fester Bestandteil unseres Tages. Warum zeigt meine Tochter keinerlei Scheu Fremden gegenüber. Kann das noch kommen? Sollte ich etwas ändern. Bin manchmal ziemlich traurig deswegen, weil ich denke sie sieht mich (die Mama) gleichbedeutend mit allen anderen. Vielen Dank und liebe Grüße

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Hallo, Femdeln ist zwar ein wichtiger Indikator für das eingehen und funktionieren der bindung, aber wie stark ein Säugling fremdelt, das hängt hauptsächlich von seinem Temperament ab. Übrigens fremdeln viele Säuglinge sehr kurz und versteckt, was oft nur ein Geübter direkt erkennt.
Allerdings kann eine Mutter durch unzuverlässiges, nächlässiges und abweisendes Verhalten die Fremdelstärke eines Säuglings verstärken, was ich nicht empfehlen würde. Aus der Fremdelstärke einen Liebesbeweis abzuleiten, ist sicher nicht berechtigt. Da würde der ängstliche Säugling auf einmal zum Liebenden und der eher angstfreie zum Gleichgültigen. Fremdeln kann übrigens auch noch etwas später kommen. Früher sprach man immer von der 8-monatsangst. Das ist aber heute nicht mehr richtig so. Im Einzelfall stimmt es dann manchmal doch. Viele Grüße

 
Frage:   Weinen beim papa

Lieber herr dr. posth,
wenn ich meine tochter, 5 1/2 monate allein beim papa daheim lasse (ich bin dann nur beim einkaufen oder mal eine stunde bei einer freundin), weint sie zur zeit häufig. oft kann er sie dann auch beruhigen. ein paar mal hat er mich aber schon angerufen und gebeten zu kommen, da sie sich nicht wieder beruhigt hat. er verbringt auch sonst viel zeit mit ihr und kümmert sich liebevoll um sie.
ich hab aber dann immer ein schlechtes gewissen, wenn ich heimkomme und sie dann total aufgelöst ist und weint.
jetzt meine frage:

soll ich besser gar nicht mehr alleine weggehen?
oder spielt sich das irgendwann ein und wir verfahren weiter so bisher (ich bin im notfall innerhalb von 5 minuten daheim)?

vielen dank für ihre hilfe!

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Hallo, Ihre Tochter befindet sich in der Fremdelphase ( s. gezielter Suchlauf und Langtext, Teil 2). Das Fremdeln ist ein vorübergehendes Phänomen beim Säugling und zeigt an, dass er eine Bindung eingegangen ist, bei Ihnen wie in den meistens Fällen zur Mutter. Die Säuglinge verspüren beim Fremdeln Stressgefühle durch Angest, nämlich die gerade gewonnene Bezugsperson gleich wieder zu verlieren. Daher weinen sie beim Fortgang der Mutter, und selbst der Vater ist nicht immer in Lage, sie zu beruhigen. Da der Vater aber häufig auch eine sehr vertraute Person ist, kann er als Ersatzbezugsperson einspringen. Dann kann die Mutter ohne Sorge fortgehen. Aber bis dahin sollte sie in der Nähe bleiben, um ihr Kind ganz schnell wieder in die Arme schließen zu können. Der Vater kann nur in der Nahe der Mutter zur Ersatzbezugsperson werden. Viele Grüße

 
Frage:   Fremdeln?

S. g. H. Dr. Posth! Meine To. (7 Monate) fremdelt seit einigen Wochen.Wir akzeptieren ihre Gefühle immer,zumal es auch hin und wieder den Papa trifft,d.h. ich bin immer parat wenn sie zu mir als Hauptbezugsperson möchte.Habe sie in dieser Hinsicht wirklich noch nie enttäuscht oder gezwungen,bei einer ihr fremden Person z.B. auf dem Arm zu bleiben.Im Gegenteil,gebe sie nicht aus der Hand,wenn sie skeptisch guckt und sich an mir festhält.Jetzt zu meiner Frage.Ich bin tagsüber immer allein mit ihr zu Hause.Bis vor einiger Zeit hat sie im Laufgitter oder auf einer Spieldecke 2 bis 3 Mal am Tag ca. 10 bis 15 min allein gespielt.Dabei war es egal ob ich daneben sitze oder auch mal aus dem Zimmer gegangen bin u etwas im Haushalt erledigt habe.Seit ihrer "Fremdelei" ist das schlagartig vorbei,sie fängt sobald ich aufstehe u raus gehe ein herzzerreißendes Geschrei an u beruhigt sich erst wenn ich wieder da bin.Gehört dieses Verhalten zum Fremdeln?Mach ich etwas falsch?Vielen Dank!

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Hallo, ja, das gehört zum Fremdeln dazu, denn Fremdeln bedeutet Angst, und zwar Angst vor einer nicht vertrauten Person oder in einer nicht vertrauten Umgebung. Angst löst beim Säugling aber eine Fluchtimpuls aus, der auf die Mutter als primärer Bezugsperson gerichtet ist.
Bis etwa zu einem halben Jahr war ihrer Tochter dieses Erleben noch nicht bewusst und so verhielt sie sich scheinbar gleichgültig, wenn Sie außer Sichtweite gerieten. Jetzt aber ist ein geistiger Sprung eingetreten und Ihre Tochter registriert auf einmal genau, wo Sie hingehen. Fremdeln ist also ein geistiger Fortschritt und der emotionale Beweis der eingegangenen Bindung.
Zugegeben nicht alle Kinder reagieren gleich ängstlich. Ein bisschen Veranlagung kommt dazu. Aber das Fremdeln lässt wieder nach, wenn das Kind verstanden hat, dass die Mutter zuverlässig ist und es beschützt. Viele Grüße

 
Frage:   Einmal mehr Fremdeln

Hallo,
es geht mal wieder um das Fremdeln. Unsere Tochter ist nun 9 1/2Monate alt und fremdelt schon seit mehr als 6Monate.
Niemand, außer Mutter, Vater und Schwester (10Jahre alt) wird akzeptiert.
Es reicht das Hören fremder Stimmen, ganz besonders die Omas, und schon reißt unsere Luci die Arme nach oben, beginnt zu Schreien und die Panik steht ihr ins Gesicht geschrieben.
Sie beruhigt sich nur sehr schwer, braucht schon ihre 2Stunden, möchte am liebsten mit Mama aus der Situation raus.
Ich fühle mich mittlerweile wie eine Aussetzige. Ob beim Einkaufen, beim Arzt, Besuch zu Hause, sie braucht nur angesehen werden und schon ist sie mitten in ihrer Panik. Ansprechen oder gar Anfassen geht überhaupt nicht.
Versuche, sie über ihre Neugierde oder den Spieltrieb zu locken, regelmäßiges Treffen Menschen jeden Alters, bringen keine Erfolge.
Wie kann ich dieser Situation Abhilfe verschaffen? Nach der langen Zeit ist der Mama-Akku fast leer und Ratlosigkeit stellt sich ein.

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Hallo, das Fremdeln kann im Einzelfall tatsächlich zu einer Isolation von Mutter und Kind führen. Ich habe solche Fälle einige wenige Male in meiner praxis bisher erlebt. Ich gehe davon aus, dass Sie Ihre fremdelnde Tochter auch nie schreiend bei einer anderen Person auf dem Arm gelassen haben und so stellt sich die Frage, woher diese Angst kommt. Es muss wohl so sein, dass dieses extreme Fremdeln eine Maximalvariante eines an sich angeborenen Phänomens ist, das ja seine Richtigkeit hat. Aber wie es diese extrem ängstliche Variante gibt, gibt es auch die extrem nicht ängstliche Variante. Da fragt man sich dann, ob die Kinder überhaupt eine Bindung eingehen. Die Natur schafft eben große Spielräume.
Also zunächst einmal möchte ich Sie trösten. Auch extremes Fremdeln verliert sich, wenn die Loslösung einsetzt. Aber solche Kinder sind dann auch noch stark anhänglich. Und solche Kinder neigen auch im Kleinkindalter zu Vorsichtigkeit und Defensivität. Letztlich zeigt sich darin ein Charakterveranlagung. Sie können mir ja gerne immer wieder einmal über den Entwicklungsgang Ihrer Tochter berichten. Manchmal ist man dann überrascht, wie gut sich ein ängstliches Kind entwickelt, wenn es seine Eltern sicher im Rücken weiß. Viele Grüße

 
Frage:   Fremdeln und eigener wille

Hallo Dr. Post,
ich habe schon viele ihrer Antworten auf Beiträge gelesen und sie haben mir viel weitergeholfen. Ein paar Fragen habe ich aber trotzdem.
Sie haben geschrieben, dass bei Eltern, die sich nach den Bedürfnissen ihres Kindes richten, die Fremdelangst des Babys automatisch abnimmt. Wie stark denn und über welchen Zeitraum? Unser Sohn ist 10 Monate alt lässt sich von niemandem außer meinem Mann und mir auf den Arm nehmen.
Weiterhin ist er seit ca. vier Wochen stark auf Papa fixiert und weint, wenn er zur Arbeit muss. Haben Sie einen guten praktischen Tipp? Soll ich unseren Sohn ablenken, damit er nicht merkt, dass er geht?
Und wie begleite ich ihn möglichst gut in seinem nun aufkommenden eigenen Willen?
Danke schonmal!

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Hallo, das Fremdeln hat auch sehr viel mit der Veranlagung eines Kindes zu tun, wobei es hier um die Särke der Urangst geht. Das heißt, ein gewisses Quantum an Angst bringt jeder Mensch mit auf die Welt, selbst wenn er sich in noch so sicheren Verhältnissen befindet. Das ist ein Urgefühl im Menschen, das seinen Niederschlag in bestimmten Hirnregionen gefunden hat und dazu dient, erstens sofort nach der Geburt zu beginnen, eine Bindung zu den Hauptbezugspersonen aufzubauen und zweitens immer ihren Schutz zu suchen, solange die Schutzbedürfntigkeit auf natürliche Weise besteht. Zu wenig Angst und zu viel Risiko könnten schnell zum eigenen Verderben führen.
Das Fremdeln zeigt diese Bindung an und verliert sich zum Ende des 1. Lebensjahres, wenn die Loslösung beginnt.
Aber da gibt es dann eine Überschneidung zur Anhänglichkeit, so dass bei besonders ängstlichen Kindern manchmal nicht klar zu unterscheiden ist, wann das eine aufhört und das andere beginnt. Der Beginn der Loslösung zeigt sich darin, dass sich das Kind jetzt immer stärker auf den Vater zu bewegt. Das scheint bei Ihrem Sohn schon langsam anzufangen. Es ist übrigens besser, wenn das Kind das Fortgehen der Bindungsperson nicht so genau bemerkt. Voraussetzung ist, dass die andere Bindungsperson weiterhin da ist. Es ist das Trennungserlebnis, das vom Kind schlecht verkraftet wird. Viele Grüße und danke für Ihr Lob

 
Frage:   Sohn (11 Monate) fremdelt nicht (termingerecht geboren)

Sohn (11M), forumsgerecht erzogen, pflegeleicht als Baby, wenig geweint, Bedürfnisse konnten schnell befriedigt werden, gestillt, gutes soz. Lächeln als Baby (lächelte viel u jeden an), älterer Bruder (2J9M). Nun sehr aktiv, liebt es, wenn sich „etwas tut“, liebt Radau+ herumtollen, alles Neue ausprobieren, mag nicht allein sein, zum Einschlafen braucht er Körperkontakt (ich lege ihn neben mich in mein Bett). Krabbelt, zieht sich hoch, geht an Möbeln entlang, brabbelt (Silbenverdoppl., eigene „Wörter“), beginnt uns nachzuahmen (zB Telefon zum Ohr), aber: er fremdelt NICHT, will zu jedem auf den Arm. Vor 1,5 Mon. dachte ich, er fremdelt nun endl. – da wollte er nur zu mir auf den Arm, Papa durfte ihn nicht nehmen, Phase dauerte aber nur 1-2 Wo. Nun wieder überhaupt nicht scheu, will einfach zu jedem auf den Arm, auch unbekannt. Warum? Mache mir Sorgen, ob da eine „Störung“ zugrunde liegen könnte od keine Bindung? Ich war immer für ihn da u habe Bedürfnisse befriedigt, viel getragen

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Hallo, es gibt, das stelle ich immer wieder fest, die Auffassung, dass Fremdeln nur Weinen oder Schreien bei der Konfrontation mit einem fremden Menschen wäre. Aber es gibt auch die schwachen Zeichen wie "langes Mustern" der fremden Person, gezieltes Wegsehen und/oder eine ängstlich-besorgte Mimik. Auch die Tatsache, dass fremde Menschen nicht wickeln oder füttern sollen ist ein Form des Fremdelns.
Unabhängig davon gibt es aber Säuglinge, die ein wenig nähebedürftiges und sehr ausgeglichenes Temperament besitzen, so dass die Neugier, die jeder Säugling auch kennt, voll durchschlagen kann. Schließlich bewirkt das Phänomen der sicheren Bindung so viel Vertrauen, dass jeder interessante Mensch mit einem Vertrauensvorschuss bedacht wird. All das führt dann zu jenem Verhalten, das aussieht, als hätte das Kind dann eine schwache Bindung, was aber nicht der Fall ist. Viele Grüße

 
Frage:   Tochter 5Mo fremdelt seit sie 3Mo alt ist.Sie hängt sehr an mir.

Hallo!1)Fremdelt zT auch beim Papa.Wie damit umgehen?Sind Situationen in denen sie Fremdelt nur purer Stress oder auch wichtig als Schlüsselerlebnisse für die Bindung(wenn ich ihr Sicherheit biete)?Gehe allen stressigen Situationen wenn möglich aus dem Weg(auch eigene Arzttermine,Treffen mit Freunden).Weil ich schlechtes Gewissen habe weil mehr weint. Wie viel kann man fremdelnden Baby denn zumuten, damit man selbst nicht total isoliert ist?2)Sie schläft am Tag nur im TT.Ist d nachteilig damit später lernt auch alleine liegend zu schlafen?Schlaft in der Nach bei uns.3)Hat seit kurzem Schnuller.Nimmt ihn selten.Nuckelt oft 2h an d Brust während Schlaf.Ist Schnuller nicht Vertrauensbruch? Wenn ich Brust durch Schnuller austausche im Schlaf denkt sie ja ich bin bei ihr weil ja die Brust zu mir gehört.4)Ist Fremdeln (Zeitpunkt/Stärke)mehr Temperamentabhängig oder auch durch Verhalten der Eltern/Erlebnisse beeinflusst?Wie lange geht d Phase etwa.Wird es meist stäker?Vielen Dank

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Hallo, das Fremdeln ist in seiner Stärke, so erkläre ich immer wieder (s. gezielter Suchlauf und Langtext), zunächst vom Temperament abhängig. Der frühe Zeitpunkt auch sicher Ausdruck hoher Sensibilität. Das jedenfalls ergeben alle meine Beobachtungen. Was die Bindung anbelangt, kommt es jetzt darauf, wie die Eltern und die Umwelt mit diesem Verhaltensmuster umgehen. Setzt man den Säugling z.B. vielen Fremdelerlebnissen aus und ignoriert sein Bedürfnis nach Sicherheit bei der Bindungspersonen, verstärkt man die Angstneigung vor dem Fremden. Denn genau genommen ist Fremdeln Aversion gegen einen fremden Menschen, der gefährlich sein könnte. Fremdenfurcht im 2. Lebensjahr ist sicher eine Reaktion auf solche falschen Maßnahmen. An fremde Hände gewöhnen kann man einen Säugling nicht.
Der Schnuller ist keine Konkurrenz zur Mutterbrust, denn dem Säugling geht es nicht immer nur um die Nähe und Sättigung, wenn er sein Saugbedürfnis verspürt, sondern auch um Selbstberuhigung. Übrigens die einzige wirkliche Selbstberuhigung, die ein kleiner Säugling entwickeln kann. Daher hat die Menschheit schon seit tausenden von Jahren das Schnullerprinzip entdeckt. Also Vertrauensbruch gibt es beim "Schnullern" nicht. Ebenso ist das Herumtragen keine Verhinderung späteren Einschlafens im Bettchen. Das Trageprinzip ist nach dem Stillen das zweitstärkste Beruhigungsprinzip. Das benötigen eigentlich alle Säuglinge im 1. Lebensjahr. Aber parallel dazu löst das Wiegeprinzip das Tragen ab und schafft den Übergang zum Bettchen. Da es keine echten Wiegen mehr gibt, empfehle ich den Eltern, Räder unter die Bettchen ihrer Säugling zu schrauben. Viele Grüße.

 
Frage:   Fremdeln - EXTREM

Sehr geehrter Dr. Posth,
ich weiß wirklich nicht mehr weiter. Unsere Tochter hat mit 3 Monaten angefangen zu fremdeln. Mittlerweile ist sie 14 Monate alt. Wir waren eigentlich immer viel mit ihr unterwegs gewesen. Mit 4 Monaten waren wir beim Babyschwimmen. Mit 6 Monaten in der Krabbelgruppe. Wir waren mindestens ein Mal in der Woche bei meinen Eltern und Schwiegereltern. Seit Februar 2013 bin ich JEDEN TAG bei meinen Eltern und meiner Schwester für mindestens 2 Stunden zu Besuch. Es ist überhaupt keine Besserung in Sicht. Sie lässt noch nicht mal zu, dass man sie mit einem Finger anfasst. Wie kann das sein? Sie sieht diese Menschen jeden Tag! Warum hat sie Angst vor ihnen?
Was haben wir nur falsch gemacht?
Es war eine Spontangeburt, sie wurde gestillt, sie war alles andere als ein Schreikind.
Beziehung zu Papa ist bestens.
Ich habe mit ihr auch gesprochen. Ihr gesagt, dass es so nicht weiter gehen kann. Bringt nichts :(
Ich weiß nicht mehr weiter....

HILFE.....!!!!!!

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Hallo, meine Beobachtung geht dahin, dass Säuglinge, die früh fremdeln, später überwiegend sehr sensible Kinder sind. Der frühe Fremdelzeitpunkt allein ist es allerdings nicht, sondern auch die Ängstlichkeit, die in diesem Fremdeln steckt. Also zunächst einmal wird das Eingehen der Bindung unter Beweis gestellt, aber dann kommt gleich ein weiterer Faktor hinzu, nämlich die Angst des Kindes, die fremde Person könnte sich zwischen Mutter und Kind schieben und die Bindung gefährden. Jede Gefährdung der Bindung erzeugt Angst.
Daher ist es alles andere als ratsam, einen fremdelnden Säugling ständig neuen Situationen und noch unbekannten Menschen auszusetzen. Das verstärkt nur diese Angst. Vielmehr sollte man einen fremdelnden Säugling besonders schützen und nur mit Menschen zusammenbringen, die sein Vertrauen erworben haben. Macht man es anders, entsteht aus dem Fremdeln sehr leicht Fremdenangst.
So scheint es auch mit Ihrer jetzt gut 1-jährigen Tochter geschehen zu sein. Darüber reden mit ihr geht nicht. Dazu versteht sie noch viel zu wenig von den Zusammenhängen der Wirklichkeit und begreift auch ihre Gefühle noch nicht. Sie können ihr jetzt nur so helfen, dass sie das Besuchsprogramm drastisch einschränken und ihre Tochter vorläufig nur mit Menschen in näheren Kontakt bringen, die sie wirklich kennt und vor denen sie sich nicht fürchtet. Und auch dabei sollten Sie immer vorsichtig vorgehen. sobald Sie Zeichen von Angst zeigt, sollten Sie bei Ihr sein und sie auf ihren sicheren Arm nehmen. Das sollte Sie so beibehalten, bis sie mit gut 1 1/2 Jahren durch die Wiederannährungskrise (s. gezielter Suchlauf) durch ist. Nur der Vater sollte sich als ebenfalls sichere Bindungsperson anbieten und damit die Loslösung in Gang setzen. An Ihrem Hals kleben bringt Ihre Tochter nicht weiter, aber wie gesagt jeder Kontakt mit einer noch unvertrauten Person muss vorsichtig angebahnt werden. Nichts darf erzwungen werden. Viele Grüße und melden Sie sich noch einmal, wenn es besser geworden ist.

 
Frage:   Herumreichen des Babys

Sehr geehrter Herr Dr. Posth,

viele aus unserer Familie möchten gern unseren 3 Monate alten Sohn tragen und knuddeln. Ich mag dieses Herumreichen nicht sehr, mache es aber trotzdem, weil ich niemanden vor den Kopf stoßen möchte. Sobald unser Sohn anfängt zu weinen (meist nach spätestens 3min, er mag es also gar nicht, bei anderen zu sein), nehme ich ihn sofort wieder zu mir und er beruhigt sich schnell. Danach ärgere ich mich jedes Mal, weil er gar nicht geweint hätte, wenn ich ihn nicht fortgegeben hätte. Gefährdet dieses Herumreichen den Aufbau einer sicheren Bindung? Wie begründe ich kurz und freundlich, dass ich unseren Sohn jemandem nicht geben möchte? Herzlichen Dank schon einmal für Ihre Antwort und viele Grüße!
Zhara

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Liebe Zhara, ganz am Anfang der Säuglingszeit realisiert ein Kind noch nicht so genau, was um es herum passiert, und wer es gerade hält oder trägt, weil die Wahrnehmung noch ganz extrem auf die Körpereigenwahrnehmung gerichtet ist. Erst mit 3 bis 4 Monaten werden die Außenwelt und die Menschen drumherum immer wichtiger. Dann fangen auch die ersten Säuglinge an zu fremdeln. Dennoch spürt der Säugling sehr genau, wer seine Mutter ist und wer nicht. Die Mutter vermittelt ihm Geborgenheit, Sicherheit und Beruhigung, die fremde Person über kurz oder lang Beunruhigung und Besorgnis um seine Sicherheit. Ängstlich veranlagte Kinder fremdeln eher früh und stark und zeigen ein nervöses und empfindsames Temperament. Andere Säuglinge sind aber geduldiger, toleranter und genügsamer. Man kann also nicht den einen mit dem anderen so ohne Weiteres vergleichen.
Wenn Sie bei Ihrem Sohn Unbehagen auf dem Arm einer fremden Person spüren, dann nehmen Sie ihn wieder schnell zu sich und beruhigen ihn; warten Sie erst gar nicht, bis er richtig schreit, denn dann ist das Beruhigen viel schwieriger und dauert sehr viel länger. Viele Grüße

 
Frage:   Fremdeln?

Sehr geehrter Dr. Posth,
Tochter (14 Wo.) reagiert seit ca. 1 Wo. insbesondere auf meinen Vater, abgeschwächt auch auf 2-3 weitere Pers. mit fremdeln (kritisches Mustern, bei Näherkommen oder Ansprache weinen, auf dem Arm schnelles "reinsteigern" ins Schreien.) Das Verh. ist nicht immer gleich stark ausgeprägt, manchmal wird z.B. Ansprache und Nähe toleriert. Der angefremdelte Opa ist sehr ruhig und liebevoll mit T., Kontakt immer in unserem Beisein, kein "Schlüsselerlebnis" für uns erkennbar. Wir nehmen T. sofort zu uns auf den Arm, wenn sie beschr. Verhalten zeigt, wo sie sich meist schnell beruhigt. Überlegen gerade zusammen mit Opa, wie wir dem Verhalten am besten begegnen? Wieviel Distanz wahren ohne den Kontakt zu meiden? Opa "traut" sich schon fast nicht mehr in ihre Nähe. :-) Liebe Grüße Julia

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Liebe Julia, das Fremdeln ist ja ein vorübergehendes Phänomen. Das muss man wissen. Ängstlich veranlgte Säuglinge fremdeln früh und meist auch heftig. Aber auch sie gewöhnen sich über kurz oder lang an die Personen, die häufig mit im Haushalt sind. Da sollte sich der Großvater nicht grämen. Er wird schon von seiner Enkelin vol akzeptiert werden und geliebt werden. Nur im Moment ist es schwierig, weil schon so früh starke Bindungsimpulse auftreten und außer den Bindungspersonen niemand dem Baby zu nahe kommen darf.
Man bleibt bei einem fremdelnden Säugling als Nicht-Bindungsperson am besten auf Distanz und hält immer wieder Blickkontakt, wenn es das Baby aushält. Es ist logisch, dass man ein freundliches Gesicht macht, lächelt, ein Handbewegung macht oder das Baby mit leicht erhobener Stimme anspricht (sog. Ammensprache). Erst wenn man klar erkennen kann, dass sich das Baby einem in freudiger Stimmung zuwendet, darf man sich ihm dann vorsichtig nähern.
Ein Schlüsselerlebnis gibt es für das Fremdeln nicht, denn es ist keine echte Furcht. Die Unsicherheit und Angst entsteht aus einem Urgefühl von Sorge vor Verlust der Sicherheit durch Bindungsverlust. Wahrscheinlich war das vor tausenden von Jahren, als die Menschen noch in der freien Natur lebten, ein echter Überbensvorteil, wenn sich das Baby bald nach der Geburt fest an eine bestimmte Schutzperson band, und die war in der Regel die Mutter. Die Bindung selbst ist dann wieder die Voraussetzung für die spätere Ausrichtung als Person im sozialen Verband. Viele Grüße

 
Frage:   Fremdeln-Bindung

Hallo!
Mein Sohn(jetzt 16 Wochen)hat vor 2-3 Wochen begonnen zu Fremdeln.Erst Oma(sieht er alle 1-2 Wochen)dann Papa(sah er in der Woche auch nur sehr wenig)und Opa(fast fremde Person).Oma durfte ihn nur neben mir ansehen,sonst nicht,papa durfte ansehen,spielen,wurde angelächelt aber durfte nicht hochnehmen,Opa durfte nicht ansehen bzw nur von der Ferne.Alle drei Personen wurden angelächelt als er auf meinem Arm war.Papa u. Oma sind wieder ok,Opa nicht.Er fremdelt nicht auf jede fremde Person.Er lächelt mich leider auch nicht immer an,manchmal habe ich das Gefühl,er weicht meinem Blick aus?!und dann himmelt er mich wieder an!Kann man daraus schon auf eine sichere/unsichere Bindung schließen?Dass ich weiß ob ich"richtig"dran bin.Ich bin leider sehr ängstlich(Todgeburt 22.ssw, 2verstorbene frühchen 25.ssw),versuche alles richtig zu machen und eine sichere Bindung aufzubauen.Er wird gestillt,Familienbett,versuche, alle Bedürfnisse soweit möglich prompt zu erfüllen.Vielen Dank

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Hallo, auch beim Fremdeln speilt, wie bei allen Fragen des Kontaktes im Kindesalter die spontane Sympathie ein große Rolle. Die hängt interessanterweise nicht unbedingt vom Verwandtschaftsverhältnis ab. Insgesamt hängt sie aber von der Kontakthäufigkeit ab. Das heißt, selten gesehen Verwandte werden wie Fremde angesehen. Nicht-verwandte, die aber häufig Kontakt zum Säugling haben und die sehr sympahtisch auf ihn wirken, werden kaum oder gar nicht angefremdelt. Insofern muss man sich nicht wundern.
Wenn der Säugling den Kopf von jemandem abwendet, sagt er damit nur, dass er im Moment keinen Kontakt wünscht. Eine Ablehnung der Person beinhaltet das aber nicht. Und kurze Zeit später herrscht ja auch schon wieder Freude vor, wenn man sich ihm nähert. Also kein Grund zur Sorge. Viele Grüße

 
Frage:   Komisches Fremdeln

Hallo Hr Dr Posth!

Was soll ich vom Fremdelverhalten meines Sohnes halten?Seit ca 1,5Mon fremdeln(jetzt 4,5 Monate)manchmal nur skeptisch,manchmal extrem(auch fremde Umgebung!).
Reagiert mal wie sicher geb. Kind:Stillberatung,noch nie gesehen:weint,jedoch schnell ruhig auf meinem Arm(wenn nicht anschaut)wird dann neugierig,schaut,lächelt nach ca 15min Person an.

2 Tage später Besuch bei Oma(ca1x/Woche) schreit,lässt sich nicht beruhigen,muss aus Wohnung raus (5min)dass er ruhig wird.oma betreut ihn 1x/Woche aber bei uns zuhause(Hausputz,ca 3h).die einzige zeit in der ich nicht da bin bzw nur manchmal hin gehe.hatte er Angst dass ich weg gehe?Oma=Mama weg?sonst kümmere ich mich immer um ihn bzw bin immer dabei außer mal 30min mit papa allein.Sicher oder unsicher gebunden?Oder nur schlechter Tag?an dem Tag sehr weinerlich,insgesamt sehr sensibel+Zahnen.Hilfe!Erklärung Bindung!
Intensität Tag für Tag verschieden,auch nicht jede. Fremde Person.voll gestilt.famBett,forumsgerecht.
DANKE!

Antwort

Stichwort: Fremdeln

Hallo, Sie haben recht mit Ihrem Beobachtungen zum Fremdeln. Erstens fremdeln Säuglinge auch in unbekannter, d.h. unvertrauter Umgebung. Zweitens fremdeln sie an unterschiedlichen Tagen unterschiedlich. Das hängt mit Launen und Stimmungen zusammen, wie wir sie auch kennen, wie sie sich aber bei einem kleinen Säugling viel stärker noch bemerkbar machen. Schließlich hängt das Fremdelverhalten auch stark von Sympathie und Antipathie ab. Man weiß manchmal beim besten Willen nicht, warum ein Säugling mit dem einen Menschen schäkert, obwohl er einem selbst eher unangenehm vorkommt und bei dem anderen von Panik ergriffen schreit, ob wohl er eigentlich sehr nett ist. Großmütter müssen sich auch erst den Status einer vertrauten Person "erarbeiten". Aber dann sind sie meist Favoritinnen. Schließlich nimmt das Fremdelverhalten zeitweise etwas ab, kommt dann wieder stärker und verschwindet zuletzt. In meinem 1. Buch gibt es ein umfangreiches Kapitel zum Fremdeln. so nebenbei: Ihr Sohn fängt früh an zu fremdeln, offenbar ist er recht sensibel veranlagt. Viele Grüße

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