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Dr. med. Ludger Nohr

Die psychische Entwicklung von Babys
und Kindern besser verstehen

Dr. med. Ludger Nohr

   

Antwort:

Umgang mit behinderten Kindern

Hi,
Mach Dich nicht verrückt! Deine Tochter hat im Prinzip die Situation völlig richtig erkannt, dass ihr Kollege im Kindergarten "nicht helle" ist. Wir Erwachsenen haben das ganze Arsenal von Euphemismen ("anders begabt", "besonderes Kind"....), aber im Grunde wissen wir auch, dass jemand mit einem IQ von 73 nicht unbedingt sehr clever ist und vermutlich in vielen Dingen nicht mit gleichaltrigen Kindern Schritt halten kann. Und je nach Verhaltensauffälligkeit kann ein Kind auch echt nerven, so dass man es nicht gerne um sich hat- Toleranz hin oder her. Wäre es okay, wenn Deine Tochter ein Kind mit normalem IQ und agressivem oder anders auffälligem Verhalten nicht in der Gruppe haben wollte? Es ist unsere Erwachsenenmoral, dass man Tatsachen beschönigt, um niemanden zu verletzen. Aber was für ein Vokabular hat dafür ein Kindergartenkind? Doof. Ich finde das (in diesem Alter) nicht schrecklich oder schlimm. Ich finde es gut, dass Du Deiner Tochter erklärst, dass der Junge behindert ist, dass er das Pech hat nicht so schlau zu sein und dass er Hilfe braucht, wenn er etwas Neues lernen möchte. Und vielleicht ist da die kleine Anführerin ja jemand, der die Herausforderung annimmt, sich ein bisschen um den Jungen zu kümmern bzw. sich mit ihm zu beschäftigen ("Guck mal, der XY kann jetzt mit meiner Hilfe puzzeln!" oder so). Aber erzwingen würde ich dass nicht. Behinderung ist schließlich Normalität für die Betroffenen und eben keine Krankheit - Mitleidsgesten ohne aufrichtige Sympathie sind oft genug kränkend.

von Tomsa am 11.02.2019, 22:05 Uhr

 
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