Betreuung bis zum KIGA

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Geschrieben von desireekk am 30.03.2014, 10:13 Uhr

Umfrage: Wie regeln KITAs und KIGAs Ihre Platzvergabe (bei Euch)?

Hallo zusammen,

durch ein anderes Unteforum hier bin ich darauf gekommen:

Nach welchen "Regeln" werden bei Euch in der Gemeinde/Stadt bzw. im Bundesland KITA- bzw- KIGA-Plätze vergeben?

Je früher angemeldet um so besser?
Auslosung?
"Dringlichkeit" (wie definiert man die?)
Nasenfaktor?

Ich selbst hatte meine Kinder in einem (privaten) Waldorfkindergarten, insofern kann ich da nicht mitreden...

Zumindest weiß ich, dass in meiner Großstadt hier Mitten in Bayern die frühzeitige Anmeldung gar nichts bringt...

Viele Grüße

Désirée

 
43 Antworten:

Re: Umfrage: Wie regeln KITAs und KIGAs Ihre Platzvergabe (bei Euch)?

Antwort von Marianna81 am 30.03.2014, 12:47 Uhr

Ich bin im Elternrat tätig und wir haben Anfang des Jahres bei unsere Sitzung von der Leitung Aufnahmekriterien erklärt bekommen.
1. Intergration im Bereich deutsche Sprache
2. Kinder arbeitssuchender Eltern
3. Kinder aus den Familien die vom JA betreut werden
4. Geschwisterkinder
5. Kinder aus neu zegezogenen Familien
6. Kinder AE Eltern
7. Kinder deren Eltern berufstätig sind.

So war es aufgelistet. Mein Sohn besucht eine städtische KiTa. Das die Berufstätigkeit der Eltern erst als Punkt 7 auftauchte fand ich schon krass. Frühzeitige Anmeldung bringt hier auch nichts.(NRW)
lg



Katholische und evangelische Kitas

Antwort von Marianna81 am 30.03.2014, 12:53 Uhr

bei uns haben ihre eigene Kriterien. Aus Erfahrung sind fast ausschliesslich Kinder aus der jeweiligen Gemeinde da.



Re: Umfrage: Wie regeln KITAs und KIGAs Ihre Platzvergabe (bei Euch)?

Antwort von dhana am 30.03.2014, 20:41 Uhr

Hallo,

bei uns gibts nur einen Kindergarten - für U3 Kinder noch eine Tagesmutter für die weiß ich aber die Kriterien nicht - für Schulkinder nichts.

Im Kindergarten werden Kinder ab 3 Jahren genommen (im Ausnahmefall ab 2,5J).

Es gibt im Frühjahr eine Anmeldewoche für den nächsten Herbst - früher Anmelden ist auch nicht möglich.
Dann gelten folgende Kriterien:
Wohnort innerhalb der Gemeinde
Geschwisterkinder
Alleinerziehender Elternteil
Dringlichkeit wegen Arbeit oder fremdsprachige Eltern
Vorschulkind

genau Gewichtung der einzelnen Punkte kann man nicht genau sagen - aber nomal bekommen alle einen Platz bei denen mind. ein Punkt zutrifft - und auch dann sind noch Plätze für andere "Gastkinder" da.

Nur wenn man sich nicht zur Anmeldewoche meldet, sondern unter dem Jahr plötzlich einen Platz braucht, gehts nicht so einfach - aber möglich ist es auch dann (Zuzug eines Vorschulkindes oder so, dann geht immer was)
Man muss dazu sagen - es gibt nur den einen Kindergarten - der Bedarf ist ja planbar durch die Geburtenzahlen und hat auch die letzten 10 Jahre eigentlich immer geklappt - davor gab es mal einen Engpass, da musste eine 4. Gruppe für 4 Jahre aufgemacht werden - seitdem wieder sinkende Anmeldezahlen.

Problem ist hier eher die Betreuung von den Grundschulkindern.. für die fühlt sich niemand zuständig. Für die gibt es ja auch keinen Rechtsanspruch.

Gruß Dhana



Re: Umfrage: Wie regeln KITAs und KIGAs Ihre Platzvergabe (bei Euch)?

Antwort von Fuchsina am 30.03.2014, 21:17 Uhr

Es werden zwar einige Dinge abgefragt, aber letztendlich entscheidend ist nur das Alter des Kindes. Sprich wird ein Platz frei bekommt es das älteste Kind auf der Warteliste.



Re: Umfrage: Wie regeln KITAs und KIGAs Ihre Platzvergabe (bei Euch)?

Antwort von Fuchsina am 30.03.2014, 21:18 Uhr

Das finde ich ehrlich gesagt absolut unmöglich dass die Berufstätigkeit der Eltern (also an sich der dringendste "Begründung" überhaupt) auf allerletzter Stelle steht.



Re: Umfrage: Wie regeln KITAs und KIGAs Ihre Platzvergabe (bei Euch)?

Antwort von Ina_84 am 30.03.2014, 21:43 Uhr

Wir sind in einem konfessionellen Kindergarten, da ist natürlich auch die Konfession ein Entscheidungsgrund, aber auch Berufstätigkeit / Ausbildung der Eltern, Alter des Kindes, Alleinerziehende Eltern, o.ä.
Die Gewichtung der einzelnen Kritieren wechselt bei uns jedes Jahr. Dieses Jahr werden z.B. bevorzugt Geschwisterkinder aufgenommen.

Eine frühe Anmeldung bringt hier auch nix. Alle Anmeldungen in der Frist werden gleichrangig behandelt.

Ich finde, die obengenannte Gewichtung schon gut so. Sie entspricht nur mehr den kindlichen als den elterlichen Bedürfnissen und zeigt so einen Wandel von Betreuungs- zu Bildungseinrichtungen (mit sozialen Aspekten).
Wieso sollte die Berufstätigkeit eines (von zwei) Elternteilen wichtiger sein, als die Chance eines Kindes deutsch zu lernen?



Re: Umfrage: Wie regeln KITAs und KIGAs Ihre Platzvergabe (bei Euch)?

Antwort von Foxi23 am 31.03.2014, 6:21 Uhr

Hier im Kaff: wer zuerst kommt. Wir haben bereits in der Schwangerschaft angemeldet und haben eine Bestätigung für Kind XY ab Monat 4/2013 erhalten, hätten den Start aber noch flexibel nach hinten verschieben können. Es werden hier aber auch gemeindeeigene Kinder bevorzugt behandelt.

Ein paar Kilometer weiter, die städtischen Kitas, nehmen Anmeldungen erst an ab Geburt und auch dann muss man sich in der Stadtverwaltung anmelden und kann zwei Wunschkitas angeben, in denen bekommt man dann im Idealfall einen Platz. Hier ging es auch zusätzlich noch um die Dringlichkeit (Arbeitsplatz bzw. Selbständigkeit einer/beider Elternteile), jetzt seit dem Rechtsanspruch weiß ich nicht, wie es ist.



Re: Umfrage: Wie regeln KITAs und KIGAs Ihre Platzvergabe (bei Euch)?

Antwort von Steffi528 am 31.03.2014, 6:53 Uhr

Es gibt eine Kindergartensatzung, die durch dem Rat bestimmt ist.

Anmeldetermin steht bei uns auch hinten an ;-) Aber es ist schon nett, wenn die Sachbearbeiterin weiß, was auf sie zu kommt.

Nasenfaktor gibt es da natürlich nicht, wenn es eine Satzung gibt.

Bisher konnten alle bedient werden, nur nicht immer dort, wo man gerne wäre, die Plätze werden Zentral vergeben.



Re: Umfrage: Wie regeln KITAs und KIGAs Ihre Platzvergabe (bei Euch)?

Antwort von SallyBW am 31.03.2014, 9:56 Uhr

Hallo
bei uns geht es nach es nach dem Alter der Kinder. Bevorzugt werden nur Geschwisterkinder oder die Kinder aus den städt. Krippen. Wer aus einer kirchl. Krippe kommt und dann noch zu den jüngsten des Jahrgangs gehört, hat evtl. Pech und bekommt keinen Platz (eine Bekannte hat noch keinen Platz für die Tochter). Berufstätige oder Alleinerziehende haben keinen Vorang.

Unser Sohn wird im Sommer in eine städt. Krippe wechseln, damit wir im nächsten Jahr dann schon einen Kita-Platz sicher haben.

Kinder aus anderen Gemeinden bekommen keinen Platz.



Re: Umfrage: Wie regeln KITAs und KIGAs Ihre Platzvergabe (bei Euch)?

Antwort von Nadinnsche am 31.03.2014, 21:32 Uhr

Interessant, bei uns ist Berufstätigkeit beider Elternteile auf Platz 1 zusammen mit Geschwistern.
Dann kommt:
Nähe des Wohnorts (Stadtteil)
Nähe des Wohnorts (Kreis)
Nähe der Arbeit
Sozialhilfeempfänger
Behinderung eines Familienmitglieds
Gross-Familien (min. 3 Kínder)



Re: Umfrage: Wie regeln KITAs und KIGAs Ihre Platzvergabe (bei Euch)?

Antwort von Fuchsina am 31.03.2014, 22:15 Uhr

Weil ein Kind - mit ein wenig Engagement der Eltern - in DEUTSCHLAND auf einfachster Art und Weise auch ohne Kindergarten deutsch lernen kann. Ohne Betreuung kann man nicht arbeiten - so einfach.

Ich sage nicht, dass nur arbeitende Eltern einen Platz bekommen sollen, auf keinen Fall. Im Gegenteil: ich finde es eine absolute Unverschämtheit, dass die Gemeinden ihre Pflicht immer noch nicht erfüllen und endlich genügend Plätze zur Verfügung stellen. Dann bräuchte man nämlich gar keine Priorisierung mehr.



Re: Umfrage: Wie regeln KITAs und KIGAs Ihre Platzvergabe (bei Euch)?

Antwort von Ina_84 am 31.03.2014, 22:55 Uhr

Dass ein Anspruch besteht und es nicht genügend Betreuungsmöglichkeiten gibt, ist natürlich das Kernproblem.

"mit ein wenig Engagement der Eltern" - genau daran liegt es aber! Ein Kind sollte nicht darunter leiden müssen, dass seine Eltern sich nicht engagieren können oder wollen. "Schlechte" Startbedingungen ziehen sich leider oft durch das gesamte Leben. Und die deutsche Sprache ist natürlich die Grundvoraussetzung für Teilhabe.
Aber es geht ja nicht nur ums Deutsch lernen, es geht ja auch um adäquate soziale Kontakte, darum Strukturen, grundlegende Regeln, Sauberkeitserziehung, u.v.m. zu lernen. Und ich kenne Kinder, bei denen geht es auch darum, dass sie zumindest 2 vollständige Malzeiten am Tag zu sich nehmen und dass ihre Kleider gewaschen werden. Eltern arbeitslos bzw. inhaftiert – Kein Anspruch auf einen Kitaplatz???
Wie sollen solche Kinder jemals gleichberechtigter Teil unserer Gesellschaft werden, wenn wir Ihnen von Anfang an nicht wenigstens die gleichen Rechte und den gleichen Zugang zur Bildung zubilligen, wie den Kindern von Doppelverdienern mit Häuschen und Garten? Die Entwicklung dieser Kinder leidet mit Sicherheit weniger darunter, wenn sie nicht in die Kita kommen.



Ich stimme dir fast zu

Antwort von Marianna81 am 01.04.2014, 13:43 Uhr

nur bei dem Punkt was erlernen der deutschen Sprache betrifft habe ich bedenken.
Es soll doch möglich sein das in den Fällen wo auch Eltern Probleme mit der deutschen Sprache haben diese dazu bewegt werden ihre Verantwortung dafür zu übernehmen und sich auch darum bemühen die Landessprache zu lernen und ihre Kinder dabei zu unterstützen. Wenn Kinder sehen das Eltern kein grosses Wert darauf legen Deutsch zu lernen woher werden sie es vermittelt bekommen wie wichtig es ist, wenn man schon in Deutschland lebt?
Ich sehe in der Gruppe meines Sohnes paar solche Fälle, beide Kinder sind inzwischen ausgegrenzt da es auf der sprachlichen Ebene keine Kommunikation möglich ist.
Und ob eine Betreuungseinrichtung solche Probleme beheben kann ist auch fraglich.



Re: Ich stimme dir fast zu

Antwort von Steffi528 am 01.04.2014, 14:30 Uhr

Das ist in manchen Fällen kaum machbar, z.B., wenn sie nur geduldet sind, dann bekommen die Eltern nur schwer Deutschkurse.
Wobei ich auch mit Asylbewerbern, die noch im Verfahren stecke, die Erfahrung gemacht habe, das 70 % dieser Leute als erstes nach einen Deutschkurs fragen, den es dann leider nicht finanziert gibt. Dann gibt es, wenn man Glück hat, über ehrenamtliche Helfer die Möglichkeit. Aber leider ist es nicht so, das jeder / jede, die hier her kommt, einen bezahlbaren Deutschkurs angeboten bekommt. Und wenn sich die Verfahren hinzögern, dann kann es auch sein, das man fünf Jahre lang keinen Deutschkursus besuchen kann.
Das mit dem "Bemühen" ist nicht immer so einfach, wenn man z.B. für einen Deutschkurs in die nächste Kreisstadt fahren muss (mit öffentlichen Verkehrsmitteln), teilweise auch noch kleinere Kinder zu versorgen hat, die nicht mitgenommen werden dürfen und das Ganze vom Regelsatz selbst finanzieren muss.



Asylbewerber waren damit nicht gemeint

Antwort von Marianna81 am 01.04.2014, 14:57 Uhr

sondern Menschen die hier schon lange leben und einen sicheren Aufenthaltsstatus haben



Re: Asylbewerber waren damit nicht gemeint

Antwort von Steffi528 am 01.04.2014, 15:15 Uhr

Okay, wobei ich auf die Schnelle immer sehr schlecht erkennen kann, ob jemand einen Aufenthaltsstatus hat oder doch nur geduldet ist.



Re: Ich stimme dir fast zu

Antwort von Ina_84 am 01.04.2014, 19:58 Uhr

Das ist ja interessant. Das wusste ich nicht.

Klar, ist es schwierig, wenn nur die Kita für das Deutschlernen verantwortlich ist.
Aber Eltern, die selber kaum / kein / schlecht Deutsch sprechen sind vermutlich auch nur bedingt geeignete sprachliche Vorbilder für ihre Kinder - insbesondere in den Bereichen Grammatik und Syntax. Da sehe ich die Chance, dass die Kinder durch ihr sprachliches Umfeld, in insbesondere diese Bereiche hineinwachsen und sie verinnerlichen, ohne sie „pauken“ zu müssen.

Grundsätzlich sind die Ursachen, warum nicht in allen Haushalten in Deutschland auch deutsch gesprochen wird, denkbar vielfältig. Mangelndes Engagement der Eltern und strukturelle Barrieren sind da bestimmt nur die Extreme.



Re: Ich stimme dir fast zu

Antwort von Steffi528 am 01.04.2014, 21:50 Uhr

Es fallen ja immer die Extreme auf ;-)
Das mit dem Deutsch lernen wollen ist auch häufig eine Frage der Bildung. Es gibt sehr bildungswillige Flüchtlinge und Asylbewerber, die alles tun wollen, um bleiben zu dürfen (und die schicken wir dann wieder weg) und bildungsferne Menschen mit Migrationshintergrund. Mir wäre es sehr recht, wenn diese Bildungsferne nicht in die nächste Generation geschleppt wird (auch bei den Bio-Deutschen ;-)) Die Kinder können da am Allerwenigsten zu.



Re: Umfrage: Wie regeln KITAs und KIGAs Ihre Platzvergabe (bei Euch)?

Antwort von Fuchsina am 01.04.2014, 21:51 Uhr

Ich sage mit keinem Wort, dass diese Kinder kein Anspruch auf einen Platz haben sollen. Ganz im Gegenteil: ich finde es unfassbar wie die Gemeinden immer noch versuchen - teils mit windigen Tricks - von der Erfüllung des Rechtsanspruches zu drücken. Ich rate auch jeden der kein Platz bekommen hat zur Klage - denn (leider) erreicht man nur so etwas.

Solange aber nicht für alle ein Platz da ist sollte die Berufstätigkeit der Eltern auch schon ein ausschlaggebender Punkt sein. Meine Meinung.



Was soll daran schwierig sein

Antwort von Fuchsina am 01.04.2014, 21:56 Uhr

wenn nur die Kita für die deutsche Sprache zuständig ist? Das ist doch überhaupt kein Problem: die Eltern sprechen zu Hause ihre Muttersprache / Muttersprachen mit ihrem Kind und das Kind lernt dann deutsch durch die Interaktion mit anderen, deutschen Kinder. Das geht doch von alleine und geschieht innerhalb von wenigen Monaten.



Re: Umfrage: Wie regeln KITAs und KIGAs Ihre Platzvergabe (bei Euch)?

Antwort von Ina_84 am 01.04.2014, 22:28 Uhr

aber definitiv nicht die "dringendste "Begründung" überhaupt"



Re: Was soll daran schwierig sein

Antwort von Ina_84 am 01.04.2014, 22:39 Uhr

anscheinend gab es doch oben in dem Beispiel 2 Kinder, bei denen das nicht geklappt hat. Ist aber natürlich auch von der Betreuungszeit und dem Personalschlüssel abhängig.

Zunächst muss ein Grundwissen an Sprache vorhanden sein, um überhaupt erfolgreich kommunizieren zu können. Ob Erzieher das leisten können / sollten - Ich denke nicht. Da ist schon noch extra Förderung (1:1 oder Kleinstgruppe) nötig.
Kita kann das Grundwissen festigen und ausbauen, aber nur schwer komplett schaffen.
Ich meinte nicht, dass beide Eltern notwendigerweise Deutsch sprechen müssen - gibt ja genug mehrsprachig aufwachsende Kinder.



Re: Umfrage: Wie regeln KITAs und KIGAs Ihre Platzvergabe (bei Euch)?

Antwort von Johanna3 am 02.04.2014, 7:34 Uhr

Persönlich finde ich es schlimmer zu sehen, mit welchen Tricks Gruppen vollgestopft werden und zugunsten des Rechtsanspruches die vorgeschriebene Quadratmeterzahl pro Kind gesenkt wird.



Re: Was soll daran schwierig sein

Antwort von Fuchsina am 02.04.2014, 22:00 Uhr

Nein, es muss kein Grundwissen da sein und das Kind braucht keine extre Förderung. In dem Alter lernt das Kind die Sprache von allein einfach durch Interaktion mit anderen Kindern.

Ich kenne etliche Fälle, indem Kinder - teils erst in der Schule - die Sprache von 0 auf problemlos gelernt haben, ohne "Grundwissen" und ohne extra Förderung. Und das ist die Normalität.



Re: Was soll daran schwierig sein

Antwort von Ina_84 am 03.04.2014, 12:04 Uhr

Und warum sind dann Kinder mit fremder Muttersprache überrepräsentiert an Förder- und Hauptschulen? Warum schneiden junge Migranten bei Pisa und Iglu besonders schlecht ab?
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zeigt einen Zusammenhang mit dem sozialen Hintergrund auf und damit ob in der Familie Deutsch gesprochen wird.

Klar hört sich super an: Kinder lernen von Kindern. Kein Erwachsener ist nötig
Aber Kinder brauchen sprachliche Vorbilder (Erwachsene) UND eine Anwendungsmöglichkeit der Sprache (Kinder). Andere Kinder können nur bedingt sprachliche Vorbilder sein, weil sie selber noch im Prozess des Sprachlernens sind.
http://www.zeit.de/2012/36/Migranten-Kinder-Sprachfoerderung

Ja und ich kenne Familien in denen es nicht geklappt hat – irgendwen kenn man immer. Aber das kann man nicht generalisieren - insbesondere wenn man nur mittel- oder oberschichtsgeprägte Erfahrungen gemacht hat.



Re: Umfrage: Wie regeln KITAs und KIGAs Ihre Platzvergabe (bei Euch)?

Antwort von Larona am 03.04.2014, 13:40 Uhr

Hallo,

ich habe jetzt nicht die ganzen anderen Beiträge gelesen.
Bei uns (kleinere Stadt am Niederrhein, NRW) ist es so, dass an erster Stelle berufstätige Alleinerziehende stehen, dann die Familien bei denen das Jugendamt sagt, dass das Kind einen Kindergartenplatz braucht. An dritter Stelle findet man dann die Familien mit zwei berufstätigen Elternteilen.
So läuft es auf jeden Fall in den städtischen KiTas.
Dann ist natürlich noch die Frage, in welchem Stundenumfang man einen Platz sucht, aber überbelegt sind die eigentlich alle. Geschwisterkinder werden von einigen bevorzugt berücksichtigt, aber auch nicht unbedingt immer.

LG
Larona



Re: Was soll daran schwierig sein

Antwort von Fuchsina am 03.04.2014, 16:41 Uhr

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zeigt einen Zusammenhang mit dem sozialen Hintergrund auf und damit ob in der Familie Deutsch gesprochen wird.

DAS ist - sorry - aber Riesenquark und ich hoffe wirklich sehr, dass keine Behörde so einen Bockmist erzählt.

Zu Hause muss ganz klar NICHT deutsch gesprochen werden!! Ganz im Gegenteil, das Kind soll so viel wie möglich die Nicht-Umgebungssprache zu Hause bekommen wie nur möglich. Es REICHT VOLLKOMMEN AUS, wenn ds Kind FRÜHZEITIG und REGELMÄSSIG Kontakt zu deutschen Kindern hat. DANN erfolgt der Spracherwerb automatisch OHNE JEGLICHE FÖRDERUNGSBEDARF.

Ich kriege eine absolute Krätze, wenn manche immer noch erzählen Kinder von Migranten müssten ja unbedingt schon zu Hause deutsch lernen. Das ist Riesenblödsinn!! Die Tatsache, dass viele Migratenkinder später schulische PRobleme haben hat REIN GAR NICHTS damit zu tun, dass sie zu Hause nicht deutsch gesprochen haben. Es hat viel eher mit fehlender Föderung später, und vor allem fehlenden, frühen Kontakt mit deutschen Kinder zu tun.



Hast Du eigentlich nicht schon mal

Antwort von Fuchsina am 03.04.2014, 16:46 Uhr

diesen Quatsch mit "müssen unbedingt schon zu Hause lernen" und "ohne Förderung geht es dann nicht" behauptet?



Re: Was soll daran schwierig sein

Antwort von Ina_84 am 03.04.2014, 17:47 Uhr

Dass du GROSS schreibst, macht deine Aussagen nicht wahrer und neue Argumente kann ich auch nicht entdecken.

Ich habe nie gesagt, dass zu Hause deutsch gesprochen werden muss. Muss es ja auch nicht – es gibt ja genug Kinder die mehrsprachig aufwachsen. Aber Kinder brauchen sprachliche Vorbilder – Sie lernen in erster Linie durch Nachahmung.
„33 % der Kinder, die zu Hause nicht deutsch sprechen, besuchen einen Kindergarten, in dem die Mehrzahl der Kinder ebenfalls des Deutschen nicht mächtig ist“ (siehe der Zeitartikel). Du kannst ja nicht hinter deinem mittelständigen Erfahrungshintergrund, allen Kindern mit fremder Muttersprache das Recht auf Sprachförderung absprechen. (a la lernt sich ja eh von selbst)

Wie belegst du deine Aussage Deutsch lernt sich so nebenher denn - außer mit deiner Erfahrung und der deiner Bekannten???
Bzw. jetzt schränkst du ja schon ein (frühzeitig und regelmäßig muss der Kontakt sein).
Wahrscheinlich auch noch mit deutschen Kindern? Die keine Sprachprobleme haben? Sich gut ausdrücken können? Einen großen Wortschatz und viel Geduld haben??? – Klar, dann kann das schon funktionieren, da hat man ja ein Vorbild. Aber das gibt es nicht überall (s.o.).

Die Tatsache, dass Kinder mit Migrationshintergrund durchschnittlich einen geringeren Schulerfolg haben, hat natürlich ihre Ursache in der Migration. Und dass es einen Zusammenhang mit dem sozialen Hintergrund gibt, ist doch auch unbestritten.
Je später Förderung ansetzt, desto weniger bringt sie. Deshalb gibt es ja mittlerweile so viele Tests schon im Kindergartenalter. Grade weil Sprache die Voraussetzung für Lesen / Schreiben und damit auch für den kompletten Schulerfolg ist.

Die BAQMF-Publikationen, in denen dieser „Riesenquark“ steht
http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/WorkingPapers/wp14-sprachliche-integration.html
http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/WorkingPapers/wp13-schulische-bildung.pdf?__blob=publicationFile



Re: Was soll daran schwierig sein

Antwort von Fuchsina am 03.04.2014, 21:03 Uhr

Aha. Jetzt fängst Du aber an Dich selber mächtig zu widersprechen.

Vorhin scheibst Du ja noch:

"und damit ob in der Familie Deutsch gesprochen wird."

Jetzt muss in der Familie dann plötzlich doch nicht deutsch gesprochen werden?

Dass der Spracherwerb der Umgebunssprache selbstverständlich nur in einem Umfeld funktioniert, wo die Umgebungssprache tatsächlich auch gesprochen wird ist klar und muss m.E. nicht weiter thematisiert werden. Wenn in einem Kindergarten ein Großteil der Kinder nicht deutsch sprachen, kann natürlich der Erwerb der deutschen Sprache nicht allein funktionieren.

Darum ging es hier aber nicht. Es geht lediglich darum, dass ein nicht-deutschprachiges Kind mit nicht-deutschsprachigen Eltern in einem "normalen" deutschen Kindergarten - wo wenige, vereinzelte nicht-deutschsprachige Kinder sind - selbstverständlich von alleine die deutsche Sprache lernt und braucht dabei keine spezielle Förderung. Auch müssen weder die anderen deutschen Kinder noch das ausländische Kind Sprachgenies sein.

Mich ärgert es maßlos, wenn jemand behauptet das würde nicht funktionieren und somit nicht-deutschsprachigen Eltern ein schlechtes Gewissen macht. Das Beste was nicht-deutschsprachige Eltern ihrem Kind tun können ist zu Hause ausschließlich ihre Muttersprache zu sprechen dem Kind aber frühzeitig und regelmäßig.

Übrigens: Deine Quellen scheinen lediglich eine Auswertung von statistischen Daten zu sein. Ich finde darin nirgends die Aussage, dass die Familiensprache Deutsch für den Erwerb der deutschen Sprache zwingend wäre.



Re: Was soll daran schwierig sein

Antwort von Ina_84 am 03.04.2014, 22:25 Uhr

„somit nicht-deutschsprachigen Eltern ein schlechtes Gewissen macht.“
Ach so - Hier ist das Problem, oder? Du fühlst dich angesprochen.
Mir rede von diesen Kindern: „Ein Kind sollte nicht darunter leiden müssen, dass seine Eltern sich nicht engagieren können oder wollen“ (s.o.) – Von Anfang an drehte sich die Situation, um benachteiligte Familien (Bsp. Asylanten).
Du verstehst das Zitat falsch: Es geht um einen Zusammenhang zwischen dem sozialen Hintergrund und dem Gebrauch der deutschen Sprache.

„Darum ging es hier aber nicht“ – Doch genau darum geht es: es geht darum, dass du pauschal den Nutzen von Sprachförderung für Kinder mit Migrationshintergrund angezweifelt hast.
Sätze wie „Das geht doch von alleine“ „keine Förderung nötig“ – sind schlichtweg falsch, weil es sehr wohl viele Kinder mit Migrationshintergrund gibt, die sich sehr, sehr schwer mit der deutschen Sprache tun. Und das hat unzählige Gründe (u.A. sprachliche Vorbilder, Dauer des Kita-Aufenthalts, Begegnungen mit gleichaltrigen, etc.)
Was ist schon „Normal“ und wo? Berlin? Bayern auf dem Land? Ist eine Kita mit 5%, mit 10% oder mit 50% Kindern mit Migrationshintergrund noch „normal“?

Aber, wenn du keine Quellen anbringen kannst und meine nicht akzeptierst, hat das hier nur noch wenig Sinn und Qualität (zumindest keine inhaltliche - sprachliche ja doch wieder)



Re: Was soll daran schwierig sein

Antwort von Fuchsina am 03.04.2014, 22:58 Uhr

1. Nein, ich fühle mich nicht angesprochen. Mein Mann ist Deutscher und somit ist unsere Familiensprache (auch) deutsch.

2. Ich zweifele nicht grundsätzlich den Nutzen von Sprachförderung an - aber sehr wohl deren Sinnhaftigkeit zumindest in Kleinkindalter. Im Kleinkindalter ist die beste Förderung den Kontakt mit deutschsprachigen Menschen und regelmäßiger Aufenthalt in einer deutschsprachigen Gruppe. Alles andere ist - solange keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass das Kind überproportionale Probleme mit dem Spracherwerb hat - zunächst mal m.E. tatsächlich überflüssig.

3. Normal sind sicher keine 33% und auch keine 50% nicht-deutschsprachige Kinder in einer Krippe. Normal und für alle Kinder - insbesondere für die Migratenkinder - förderlich dürfte irgendwo zwischen 5-10% sein. Genau DA muss man m.E. ansetzen. M.E. ist es wesentlich sinnvoller die "Ballung" von nicht deutschsprachigen Kinder im Kindergarten zu beseitigen, als irgendwelche Sprachförderungsprogramme für Klein- und Kindergartenkinder oder das künstliche Herbeiführen von Deutsch als Familiensprache bei nicht deutschsprachigen Eltern.

4. Die Probleme der Migrantenkinder mit dem Erwerb der deutschen Sprache dürfte in den allermeisten Fällen dadurch rühren, dass diese Kinder eben nicht genug Kontakt mit deutschsprachigen Menschen haben. Z.B. eben dadurch, dass sie entweder gar kein Kindergarten oder sonstige Gruppen besuchen oder aber der Kindergarten einen zu hohen Migrantenanteil hat. Im letzten Fall sind die Kinder dann nicht mehr gefordert deutsch zu lernen, da sie auch bestens mit ihrer Muttersprache allein im Kindergarten zurechtkommen. Das bedeutet aber natürlich nicht, dass der "automatische" Erwerb der deutschen Sprache in einem "normalen" Kindergarten prinzipiell nicht funktioniert und hat erst recht nichts mit der Frage der Familiensprache zu tun.

5. Ich zweifele Deine Quellen nicht an. Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass die Quellen scheinbar ausschließlich eine Aufarbeitung von statistischen Erhebungen sind und keine inhaltlichen Aussagen über Familiensprache / Zweisprachigkeit / Erwerb der Umgebungssprache treffen.
Quellen meinerseits? (über Zweisprachigkeit und die Bedeutung von Zweisprachigkeit bei der Migration). Z.B. hier:

http://www1.uni-hamburg.de/romanistik/personal/pdf-Dateien/Zur%20Entwicklung%20der%20kindlichen%20Mehrsprachigkeit.pdf

6. Ein Standpunkt von mir revidiere ich allerdings. in der Tat sollte das Kriterium "deutsch keine Muttersprache" bei der Vergabe von Krippenplätzen weit oben auf der Liste stehen.



Re: Was soll daran schwierig sein

Antwort von Ina_84 am 04.04.2014, 20:47 Uhr

„Ich kenne etliche Fälle, indem Kinder - teils erst in der Schule - die Sprache von 0 auf problemlos gelernt haben, ohne "Grundwissen" und ohne extra Förderung. Und das ist die Normalität.“ – Nein, das ist definitiv keine Normalität und widerspricht deinem Punkt 4.
Ich würde wirklich gerne die Kinder kennen lernen, die gleichzeitig ohne Vorwissen deutsch sprechen, deutsch lesen und deutsch schreiben gelernt haben ohne Probleme und ohne Förderung.

Ich stimme dir zu, dass eine Sprachförderung nicht pauschal für Kinder mit fremder Muttersprache nötig ist.
Deine Quelle sagt ja selbst „Wer Mehrsprachigkeit erreichen möchte, der muss aber auch Mehrsprachigkeit fördern.“ – also auch Deutsch fördern.
„Wenn dies bis zum Eintritt in den Kindergarten, die Vorschule oder die Schule die Familiensprache war, dann darf die Förderung der Umgebungssprache nicht auf deren Kosten geschehen. Daher ist sicher zu stellen, dass in differenzierter Form überprüft wird, welchen Entwicklungsstand ein Kind in seinen Sprachen erreicht hat, um die weitere Förderung daran auszurichten“ – Auch hier wir ein besonderes Augenmerk auf diese Kinder gelegt.
Außerdem wird darauf hingewiesen wie wichtig es ist, dass ausreichend Deutsch zu Beginn der Schule gesprochen wird.
„Da Kinder aus Migrantenfamilien etwa gleich häufig wie deutsche Kinder Kindergärten besuchen und überdurchschnittlich häufig die Vorschule, kann man hier ansetzen.“ Ansetzten – d.h. man hat einen Punkt an dem man weitermachen kann, also zusätzlich zur aktuellen Situation im Kiga.

Und wo ist der Punkt, in dem du mir widersprichst? Vielleicht in dem Wort der Förderung?
Wie meinst du denn wie Förderung im Kleinkinderalter aussieht? Jede Krabbelgruppe, jeder Singtreff, jede Verabredung fördert die Kinder im Erlernen der deutschen Sprache.
Förderung muss nicht an einen Logopäden, einen Deutschlehrer oder so gebunden sein.

Oder es war der Satz: „Klar, ist es schwierig, wenn nur die Kita für das Deutschlernen verantwortlich ist.“ – Die Verantwortung für das Erlernen der deutschen Sprache müssen die Eltern und nicht die Kita übernehmen! Und wenn die Eltern diese Verantwortung nicht übernehmen können (d.h. aber nicht, dass sie deutsch sprechen müssen!) oder wollen – braucht es weitere Hilfen.
(Irgendwo habe ich mal gelesen – kann es aber nicht belegen – das der Erfolg beim Lernen einer Sprache mit der Wertschätzung der Eltern zu dieser Sprache zusammenhängt)
Außerdem fehlt, wenn nur in der Kita Deutsch gesprochen wird, die ganze Freizeit. Kita ist hier meist 25-35 std. die Woche – die restlichen 140 std. in der Woche in der Muttersprache – klar, dass sich die Sprache nicht gleich entwickeln. Und ich denke immer noch, dass ein Kind, das nicht das einfachste Grundwissen (ja/nein/Brot/Klo/spielen, etc.) hat, weitere Förderung als die „normale“ Kita braucht (ggf. auch in der Kita, durch geschultes Personal, höheren Betreuungsschlüssel, o.ä.). Alleine schon, weil es ja tierisch frustrierend ist, wenn man permanent negative Kommunikationserfahrungen macht. Außerdem verlangt es den Kommunikationspartnern auch enorm viel ab und ist eine Verantwortung für die anderen Kinder.

Förderung bei nicht-altersgerechter Entwicklung ist notwendig, damit sich Nachteile nicht verfestigen. Die Art der Förderung kann ganz unterschiedlich sein.



Re: Was soll daran schwierig sein

Antwort von Fuchsina am 04.04.2014, 21:24 Uhr

Du kannst gerne anzweifeln, dass ich Menschen kenne, die erst in der Schule eine andere Sprache (teils deutsch, teils eine andere Sprache in einem anderen Land) gelernt haben, aber dennoch ist das so.

Du scheinst Dich hier irgendwie selbst zu widersprechen. Weiter oben schreibst Du, dass in der Familie zwangsläufig auch deutsch gesprochen werden muss, damit das Kind richtig deutsch lernt und der Besuch eines normalen Kindergarten nciht ausreicht sondern dann 1 zu 1 Förderung nötig ist.

Genau DAS widerspreche ich wehement (und widerspricht überigens auch meine Quelle). In der Familie muss gan definitiv nicht deutsch gesprochen werden und auch braucht das (junge) Kindergartenkind oder Krippenkind keine 1 zu 1 Förderung zum Erlernen der Sprache. Es reicht vollkommen aus dass das Kind im normalem Kitaalltag der Sprache ausgesetzt ist.

Es ist übrigens für eine gelunge Mehrsprachigkeit absolut nicht erforderlich, dass die Sprachen gleich entwickeln. In Familien in dem eine Familiensprache herrscht ist dies naturgemäss am Anfang absolut überdominant. Später kommt dann die Umgebungssprache dazu und löst dann nach und nach in Dominanz die Familiensprache ab, je mehr Zeit das Kind unter Menschen in der Umgebunssprache verbringt. Auch muss das Kind absolut keine Grundkentnisse beim Kindergarten- Krippenstart haben. Kinder können sich in dem Alter auch bestens ohne aktive Sprache erst einmal verständingen und das Erlernen der Umgebungssprache geschieht dann ganz nebenbei während des normalen Interaktion mit anderen Kindern und Erzieher. Was soll man denn da gezielt 1 u 1 denn fördern??

Wenn Dich das Thema wirklich interessiert und bereit bist Deine Meinung und Dein Horizont bezüglich Zweisprachigkeit zu erweitern und von diesen doch veralteten Thesen Abscheid zu nehmen, kannst Du ja mal gerne die Frage im Mehrsprachenforum stellen. Dort sind etliche Eltern mit Erfahrung bzgl. Migration und Zweisprachigkeit.



Re: Was soll daran schwierig sein

Antwort von Ina_84 am 05.04.2014, 0:01 Uhr

Ich habe keine Frage. Und ich verstehe mittlerweile wirklich nicht mehr an welchem Punkt du dir so auf den Schlips getreten fühlst.

Bitte zitiere, wo ich schreibe, dass in der Familie zwangsläufig Deutsch gesprochen werden muss. Im Gegenteil ich habe zweimal ausdrücklich geschrieben, das dem nicht so ist (1.4 – 22.39 Uhr und 3.4. – 17.47 Uhr).

Wenn die Eltern die Verantwortung für das Deutschlernen ihrer Kinder übernehmen können, wollen und dies auch kompetent tun. Braucht es keinerlei Eingriffe.
Wenn Kinder aber schlechtere Startbedingungen haben, weil ihre Eltern sich nicht engagieren können oder wollen, muss man Förderung möglich machen.
Sätze wie „Das geht doch von alleine“ „keine Förderung nötig“ verkennen die Anstrengung eine Sprache zu lernen und suggerieren, dass Förderung/Fördergelder/Sprachförderung unnötig sind.

Sprache (auch Muttersprache) lernen Kinder in einem direkten Bezug. Sie müssen direkte Rückmeldung bekommen und ihre sprachlichen Ausdrücke müssen aufgenommen, gespiegelt und ergänzt werden (Dazu kann ich dir das Buch Babytalk empfehlen oder du informierst dich mal über das intuitive, elterliche Kommunikationsverhalten – bsp. im Bereich der Logopädie).
Auch in einem normalen Kindergarten gibt es 1:1 und Kleingruppenförderung, aber das reicht nicht jedem Kind. Wie soll man sich denn „bestens ohne aktive Sprache verständigen“? Das klappt ja nicht mal bei Erwachsenen und zumindest meine Kinder sind keine Gedankenleser. Zumindest eine Ja / Nein Kommunikation muss möglich sein, damit ein Zusammenspiel gelingen kann.

Ich bin kein Sprachtherapeut, aber 1:1 kann man Bsp. Kommunikationssituationen einüben, Ja/nein Kommunikation anbahnen, verschiedene Orte besuchen und dort die Dinge benennen, Situationen vorwegnehmen oder nachbesprechen, Singspiele vertiefen, Handlungen verbal begleiten und vieles mehr je nach Interesse und Bedarf des Kindes.



Der Knackpunkt ist die individuelle Begabung des Kindes.

Antwort von emilie.d. am 05.04.2014, 0:51 Uhr

Du verweist immer wieder auf das Mehrsprachenforum, wo das angeblich bei allen prima funktioniert, wenn zu Hause die Umgebungssprache nicht zumindest von einem Elternteil gesprochen wird. Und dass es eine völlig veraltete Ansicht sei, dass bei Sprachproblemen ein Elternteil Deutsch zu Hause forcieren müsse, da die Umgebungssprache eh irgendwann völlig übermächtig werde. Ich habe zwei Jahre in England gelebt und auch hier in D. viele ausländische Kollegen und bin selber mit einem Bilingualen verheiratet. Und da klappt das zum Teil sehr gut (z.B. wenn ein deutsches Ehepaar mit den Kindern übergangsweise in Cambridge lebt, beides germanische Sprachen und eh ähnlich) und zum
Teil eher schlecht, gerade bei den Jungs. Väterlicher Freund ist Professor für Linguistik und auch der verweist auf die Schweizer Studien, wo Kinder ja zum Teil sogar trilingual aufwachsen. Beide Gruppen, bilinguale und trilinguale sind schlechter in Rechtschreibung und Grammatik. Das braucht einen herzlich wenig stören, wenn ein Kind ein 1er Schüler in Deutsch ist und halt hier und da mal einen Kommafehler mehr macht. Wenn das Kind aber eh wenig sprachbegabt ist, wird das zum Problem.



Re: Der Knackpunkt ist die individuelle Begabung des Kindes.

Antwort von Fuchsina am 06.04.2014, 23:18 Uhr

Das Problem an die Aussagen von angeblichen Experten ist, dass sie - selbst wenn sie an sich in einem verwandten Fach sind - meist ganz wenig Erfahrung und Ausbildung bzgl. Zweisprachigkeit haben.

Bei einem ganz normal begabten Kind funktioniert Zweisprachigkeit so gut wie immer problemlos - wenn man dem Kind nur einfach die Zeit gibt die es braucht. Das kann - muss nicht aber kann - länger dauern als bei einsprachig erzogene Kinder. Und sehr häufig ist auch so, dass eine Sprache dann dominanter ist als die andere. Dennoch - die zweisprachig erzogene Kinder haben später im Leben enorme Vorteile gegenüber einsprachig erzogen Kinder allein schon deshalb, weil ihre Gehirne anders entwickelt sind. Deshalb ist Zweisprachigkeit immer ein Vorteil. Der Rat an nicht deutschprachige Eltern mit ihren Kindern zu Hause (auch) deutsch zu sprechen ist deshalb - und aus anderen, verschiedenen Gründen - einfach nur falsch.



Re: Was soll daran schwierig sein

Antwort von Fuchsina am 06.04.2014, 23:22 Uhr

Deine Zitate:

"Klar, ist es schwierig, wenn nur die Kita für das Deutschlernen verantwortlich ist.
Aber Eltern, die selber kaum / kein / schlecht Deutsch sprechen sind vermutlich auch nur bedingt geeignete sprachliche Vorbilder für ihre Kinder - insbesondere in den Bereichen Grammatik und Syntax."

"Grundsätzlich sind die Ursachen, warum nicht in allen Haushalten in Deutschland auch deutsch gesprochen wird, denkbar vielfältig. Mangelndes Engagement der Eltern und strukturelle Barrieren sind da bestimmt nur die Extreme."

" Ein Kind sollte nicht darunter leiden müssen, dass seine Eltern sich nicht engagieren können oder wollen. "Schlechte" Startbedingungen ziehen sich leider oft durch das gesamte Leben. Und die deutsche Sprache ist natürlich die Grundvoraussetzung für Teilhabe."

"Zunächst muss ein Grundwissen an Sprache vorhanden sein, um überhaupt erfolgreich kommunizieren zu können"

und vor allem:

"Ich meinte nicht, dass beide Eltern notwendigerweise Deutsch sprechen müssen - gibt ja genug mehrsprachig aufwachsende Kinder"

das impliziert ja automatisch, dass ein Elternteil auch zu Hause mit dem Kind deutsch sprachen muss.

Wen Du aber "keine Fragen" hast, dann zeigt das, dass Du leider nicht bereit bist Deine Ansichten zu überdenken. Das ist sehr schade und ich kann nur hoffen, dass Du mit diesen Ansichten keine Migranteneltern verunsicherst.



Re: Der Knackpunkt ist die individuelle Begabung des Kindes.

Antwort von emilie.d. am 07.04.2014, 15:34 Uhr

Der Rat ist nicht, dass Nicht- Deutschsprachige Eltern mit ihren Kindern zu Hause Deutsch sprechen müssen. Sondern, dass wenn sich Probleme herauskristallisieren: in meinem Bekanntenkreis, wenn der Übertritt aufs Gymnasium gefährdet ist, EIN Elternteil zu Hause in den sauren Apfel beißen sollte und Deutsch forciert. Man macht das ja auch nicht für alle Ewigkeit, sondern nur, bis sich das sprachlich alles gefestigt hat. Ein Freund redet auch mit Mitte 30 noch Vietnamesisch mit seiner Familie.
Was sollten die Eltern denn Deiner Meinung nach sonst tun? Einfach abwarten? Bei uns wird halt schon ab der 5. Klasse differenziert, da bliebe einem nur, nach Finnland auszuwandern. Oder das Kind geht dann halt auf die Realschule. Fände ich aber schade, wenn es eigentlich begabt genug fürs Gymi ist.
Und um das noch einmal ganz klar zu sagen, wenn wir in England wohnen geblieben wären, hätte mein Sohn zu Hause auch nur Deutsch gelernt. Aber wenn er in der Primary School schon negativ aufgefallen wäre, hätte ich auf Englisch gewechselt. Es sind halt nicht alle Kinder gleich sprachbegabt



Aber DAS ist doch genau der Punkt

Antwort von Fuchsina am 07.04.2014, 15:48 Uhr

jegliche schulische Probleme des Kindes werden von allen Seiten sofort auf die Zweisprachigkeit geschoben, weil das als die "einfachste" Lösung erscheint und alle anderen Lösungen bzw. Auslöser wesentlich komplexer sind.

Nur weil ein zweisprachig erzogenes Kind in der Schule Probleme hat - auch von sprachlicher Natur - heißt es doch lange nicht, dass die Zweisprachigkeit hieran schuld ist. Es ist viel eher wahrscheinlich, dass das Kind auch ohne eine zweisprachige Erziehung genau die Probleme bekommen hätte.

Ich halte es für den völlig falschen Weg nichtmuttersprachlichen Eltern zu raten (auch nur einem Elternteil) mit dem Kind zu Hause die Umgebungssprache zu wechseln. Somit drängt man nur die Familiensprache nur den Hintergrund und macht die Umgebungsspache nicht stärker.

Die ungarische Logopädin meines Sohnes meinte, dass jedes Kind zwangsläufig eine Muttersprache hat und dies ist die Sprache die die Mutter mit dem Kind spricht. Sie meinte, dass vor allem dies gefestigt werden muss, die Zweitsprache kann dann hierauf wunderbar "von alleine" aufbauen.

Ich teile ihre Meinung nicht ganz, finde es aber interessant. Vielleicht kommen die Probleme später also genau deshalb, wiel die Umgebungssprache künstlich von den Eltern "forciert" wurde anstatt die Muttersprache zu stärken?



Re: Aber DAS ist doch genau der Punkt

Antwort von emilie.d. am 07.04.2014, 18:58 Uhr

Sowohl beim Freund, dessen Familiensprache Vietnamesisch ist als auch bei dem tschechischen Jungen sind die Schulnoten nach oben gegangen, nachdem Mutter bzw. in der vietn. Familie der Vater verstärkt Deutsch geübt haben, nachdem die Grundschullehrerinnen dazu geraten haben. Beide haben den Übertritt aufs Gymnasium geschafft. Klar, das kann auch Zufall sein, dass also in der 3. Klasse zwar noch Deutschprobleme vorhanden waren, die sich auch ohne verstärkt deutsches Fernsehen zu schauen und deutsche Bücher zu lesen, erledigt hätten. Ich finde es prinzipiell aber schon merkwürdig, nicht mit einem Kind zu üben, wenn man genau sieht, woran es hapert: also z.B. Wortfehler (Pfeife statt Flöte), Kausalfehler etc., das bekommt man doch so einfach in ein Kind rein. Würdest Du in der gleichen Situation abwarten und darauf vertrauen, dass sich das bei Deinem Kind von allein erledigt?
Wie gesagt, ich bin davon überzeugt, dass es zu einem guten Stück an der Begabung hängt, wie gut ein Kind auch die Umgebungssprache erlernt. Andere tschechische Freundin ist Deutschlehrerin (spricht besser Deutsch als ich :-)) und deren Kinder hatten überhaupt keine Probleme in der Schule.



Re: Was soll daran schwierig sein

Antwort von Ina_84 am 07.04.2014, 21:25 Uhr

Ja, das sind meine Zitate, und? Soll ich jedes einzelne genau erklären, damit nicht mehr der kleinste Raum ist, um sie falsch zu aufzufassen?

Nein, das impliziert es nicht – das interpretierst du so.
Hätte ich "die Eltern" geschrieben, hättest du wahrscheinlich nach den Großeltern gefragt...



Re: Aber DAS ist doch genau der Punkt

Antwort von Ina_84 am 07.04.2014, 21:33 Uhr

Nur kurz am Rande:
Es gibt ja schon „typische“ Fehler, die auf eine noch nicht abgeschlossene Aneignung des Deutschen schließen lassen (auch in Hinblick auf die entsprechende Muttersprache). Z.B. haben Kinder mit einem türkischen Hintergrund i.d.R. weniger Probleme mit Verbflexionen und Satzbau, i.d.R. aber mehr Probleme mit Artikeln, Konjunktionen und Präpositionen.
Beim Erstlese- und Erstschreibunterricht fällt mir z.B. immer die phonologische Bewusstheit (im engeren und weiteren Sinne) auf. Kinder, die nicht erkennen können, wo ein Wort endet und das nächste beginnt, weil die Sprache noch ein einziger Wortfluss für sie ist. Grade wenn die Laute der Erst- und Zweitsprache nicht identisch sind oder anderen Graphemen zugeordnet werden.

Anhand der Art der Fehler, kann man da schon Aussagen über die möglichen Ursachen machen. Nicht bei nur einem Fehler, aber wenn häufiger auftreten.



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