Betreuung Baby und Kleinkind Betreuung Baby und Kleinkind
Geschrieben von Ani123 am 18.06.2017, 21:29 Uhr zurück

Re: Eure Meinung gefragt

In welcher beruflichen Position stehen die Eltern denn? Kann sich einer von ihnen eine mehrmonatige Auszeit erlauben, ohne Verluste zu machen? (In Form von Kariere Verlust). Schließlich hat man nach dem Mutterschutz Anspruch auf seine gleiche Stelle, wie zuvor; nach der Elternzeit nicht. Da kann es auch eine vergleichbare Stelle sein. Aber nicht mehr da, wo sie vorher war. Es kann u.a. auch in einer anderen Stadt sein.
Ich finde auch, dass die Betreuungszeiten mit je 10 Stunden am Tag lange sind, aber ich sehe auch die Elternseite, die sicherlich Gründe dafür haben, beide früh wieder arbeiten zu gehen und das auch nach dem zweiten Kind so anstreben.

Mein Babysitterkind kam mit 9 Wochen täglich für 10-12h zur Tagesmutter. 1-3mal die Woche war ich abends noch da. Es gab Tage, da hat er seine Eltern nur im Auto gesehen. Da wurde er von seiner Tagesmutter abgeholt, nach Hause gebracht und ich übernahm ihn da direkt. Seine ersten Schritte hat die Tagesmutter genauso miterlebt, wie die Eltern. Natürlich läuft ein Kind irgendwann los, aber so was ist nicht genau auf die Minute planbar und kann auch bei einem Kind, welches zu Hause betreut wird, so sein, dass man da gerade nicht im Raum ist und erst später dazu kommt. Dem Jungen hat diese Art der Betreuung nicht geschadet; ihm hat es gut getan. Er ist mit 3 in den Kindergarten gekommen (nur 8,5h möglich); mit 6 in die Schule und Hort (gesamt sind da nur 7h möglich). Heute ist er 9 und es geht ihm sehr gut.
Die Mutter ist selbständig, sie hat mit anderen Personen zusammen eine andere Firma, allerdings einen eigenen Bereich und eine mehrmonatige Elternzeit wäre für sie das Raus aus ihrer eigenen Firma gewesen. Wer gibt schon gerne sein eigen aufgebautes an andere ab? Für sie war von Anfang an klar, dass sie zurück kehren wird und das zeitnah.
Der Vater ist Lehrer an einer Berufsschule, mit eigenem Bereich als Leitung. Da könnte man sagen, es kann jemand übernehmen, aber danach hätte er keinen Anspruch darauf gehabt, dort hin zurück zu kehren. Er hätte keinen Anspruch auf eine Leitungsstelle gehabt (damals noch befristet). Für ihn wäre es ein Karriereverlust gewesen.
3 Jahre später haben sie ein Mädchen bekommen, welches mit 6 Wochen zur Tagesmutter kam (Eingewöhnung). Mit 3 Monaten hat die Mutter ihre Arbeit wieder Vollzeit aufgenommen. Vorher war sie aber schon oft in der Firma, u.a. auch mit Baby. Machbar, aber keine Dauerlösung. Der Vater hat seine Arbeitszeit für zwei Monate auf 25 Stunden reduziert. So waren die Betreuungsstunden am Anfang bei der Tagesmutter geringer (4-6h täglich). Das Mädchen war 5 Monate als es auf 8-9h täglich erhöht wurde. Mit 14 Monaten ist sie in die Krippe gekommen, weil diese da im Kindergarten des Jungen öffnete und somit der Fahrweg zur Tagesmutter weg fiel (immerhin 30 Minuten pro Stecke). Betreuungszeiten in der Krippe max. 8h. Mit 3 kam sie in den Kindergarten für max. 8,5h. Jetzt ist sie 5 und kommt dieses Jahr zur Schule und Hort (max. 7h möglich). Und es geht ihr gut damit.
Seit 9 Jahren bin ich in der Familie als Babysitterin tätig und muss sagen, dass die Familie gut organisiert ist, ein gutes Netzwerk hat, es den Kindern zu jeder Zeit gut geht und die Eltern zufrieden wirken. Genauso auch die Kinder. Die Familie ist glücklich. Und da steht im Endeffekt doch vor allem anderen.
Was hätte es gebracht, wenn die Mutter zu hause geblieben wäre, gedanklich aber in ihrer eigenen Firma gewesen wäre? Da hätte kein Kind was von gehabt. Was wäre gewesen, wenn der Vater beim Jungen zu Hause geblieben wäre bzw. Stunden reduziert hätte, dann hätte er die Leitungsstelle verloren und so schnell auch keine wieder bekommen (in dem Bereich schon gar nicht). Beim Mädchen hat er es dann gemacht für zwei Monate, aber mehr war nicht drin, da eine Leitungsstelle mit nur 25 Stunden anstatt 40 Stunden schwer auszuüben ist. Für eine gewisse Zeit machbar, aber nicht durchgehend. Und er wusste, wenn er es länger machen wird, wird er die Leitungsstelle da verlieren und eine andere bekommen und das wollte er nicht, weil er sich da wohl fühlt. Für Außenstehende ist es schwer nachzuvollziehen, aber wenn man drin ist (in der Familie und sich alle Seiten in Ruhe anhört und mal drüber nachdenkt) ist es verständlich. Zumal es den Kindern gut geht. Es wäre wohl anders, wenn es den Kindern nicht gut gehen würde dabei.

 

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