Baby und Job

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Geschrieben von marit am 04.04.2005, 13:33 Uhr

was haltet ihr von Internaten?

Hallo ihr Lieben,

Louischen hat uns gestern mit einem unerwarteten Wunsch konfrontiert. Sie möchte gerne in ein Internat hier in der Nähe.
Zum Teil liegt das sicher daran, daß ihre Mutter in letzter Zeit wieder dauernd unangemeldet bei uns auf der Matte steht und eine unglaubliche Psychonummer abzieht. Ich kann da nicht richtig gegenhalten, weil ich immer Angst habe, daß sie das Sorgerecht anficht, wenn ich ihr deutlich die Meinung sage. Außerdem möchte ich sie auch nicht vor Louises Augen schlecht machen. Außerdem hängt derzeit noch wie ein Damoklesschwert eine mögliche Rückführung zu ihrer Mutter über uns, die jetzt im Sommer wieder vom Jugendamt überprüft wird. Louise denkt, und damit hat sie vermutlich recht, daß sie in einem Internat aus der Schußlinie wäre und ihre Mutter sich so einer Institution und ihren Regeln gegenüber sicher kooperativer zeigen würde, als mir gegenüber, weil sie mir ja immer unterstellt, ich hätte ihr die Kleine böswillig weggenommen. Eigentlich spricht vieles dafür. Sie reitet für ihr Leben gern (das könnte sie da), sie ist es gewöhnt, in Gesellschaft von Mitschülern zu sein, weil sie in eine Ganztagsschule geht, sie würde sich vor Übergriffen ihrer Mutter sicherer fühlen, sie könnte die Wochenenden nach wie vor mit uns verbringen und es wäre auch viel Psychodruck aus dem Thema "Rückführung" heraus (denn ich könnte dann beweisen, daß ich mich nicht an sie "klammere, weil ich es noch nicht geschafft habe, eigene Kinder zu bekommen"-O-Ton mein Schwesterherz). Vermutlich reichen ihre Noten sogar für ein Stipendium aus (aber auch so wäre es möglich, weil wir das Pflegegeld nicht angerührt, sondern bisher für sie angelegt haben). Unwohl ist mir aber doch bei dem Gedanken... wie seht ihr das?

 
5 Antworten:

Ich war 8 Jahre in einer Klosterschule

Antwort von Cella am 04.04.2005, 14:30 Uhr

Hallo marit,

gleich eine Frage: Wie alt ist dein Pflegekind eigentlich? Ich lese öfter von euch und ich finde es toll, du behandelst sie wie ein eigenes Kind. Bei dir ist es wahrscheinlich psycho-hygienisch besser aufgehoben als bei deiner SChwester.

Zum Thema: Meine Eltern sind einfach Leute, mussten leider auch viel Schicksaals-Schläge erleben und insgesamt ist die Situation unter uns sehr ungesund.
Also ich habe den Vergleich: mein Bruder wurde zu einem unselbstständigen 40jährigen erzogen, ich konnte meinen Horizont erweitern, ohne Psychodruck meine eigenen Erfahrungen Elternunabhängig machen. Und glaube mir, das hat meinen Lebensweg entscheident beeinflusst.

Was ich sagen will: dein Pflegekind würde sich wahrscheinlich in einer "neutralen" Umgebung freier fühlen. Sie hat bestimmt noch eine "Bindung" zu ihrer Mutter, zu dir eine engerer und empfindet - wenn nicht jetzt gleich - aber irgendwann bestimmt viel Dankbarkeit dir gegenüber. Diese Freiheit würde vielleicht sehr eingeengt werden, wenn sie zwischen zwei Stühlen sitzen würde.
Im Internat müsste sie sich emotional nicht zwischen zwei Menschen, sie sie liebt, entscheiden.

Alles Gute für euch
Cella

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Re: Ich war 8 Jahre in einer Klosterschule

Antwort von marit am 04.04.2005, 14:56 Uhr

Hallo Cella,
erstmal vielen Dank für deine liebe Rückmeldung. Ich wäre als Kind auch gerne in ein Internat gegangen, aber ich hab mich damals nicht mal gewagt, den Wunsch zu äußern, weil meine Mutter das als schlimme Kränkung abgebucht hätte. Und ehrlich gesagt sind es auch eher egoistische Motive, die mich noch ein wenig zweifeln lassen. Wir haben ja tatsächlich noch keine eigenen Kinder und es wird hier sicher einsam ohne sie. Aber eigentlich halte ich sehr viel davon, daß sich Kinder ab einem gewissen Alter von der Familie absetzen - und dann ist eine halbwegs kontrollierte neutrale Umgebung mit guten Erziehern sicher besser, als zwischen der peer-group auf der Straße und der Familie hin und her zu switchen, zumal wenn dann auch noch, wie bei uns spezifische Probleme vorliegen. Nur: ich dachte dabei eher an die Zeit zwischen 12 und 16. Louise ist jetzt 10 und muß zum nächsten Schuljahr eh aufs Gymnasium wechseln. Im Internat wäre sie dann bei den Jüngsten- und bei dem Gedanken ist mir nicht so ganz wohl... wie alt warst du denn damals?

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Re: Ich war 8 Jahre in einer Klosterschule

Antwort von Cella am 04.04.2005, 18:38 Uhr

Hallo marit,

ich war damals auch 10 Jahre, als ich ins Internat ging. Es war ein harter Bruch zwischen meiner alten und der neuen "Welt".
Ich war damals wenig selbstständig im Denke und habe Vieles unreflektiert getan. Somit hatte ich auch nur wenig Anpassungsprobleme. Freundinnen, die die "neue Welt" gewohnt waren, dachten über die Erziehungsmethoden anders als ich und hatte somit auch viel mehr Probleme.
Heutige Internate sind aber gewiss nicht mehr so antiquiert.

Mach deiner Pflegetochter einfach klar, dass sie einen richtigen "Neustart" hinlegen muss. Wenn sie in sich gefestigt ist und genügend Selbstvertrauen hat, kontaktfreudig ist und den Kontakt mit anderen sucht, dann hat sie bestimmt keine Probleme,... denke ich...

alles Gute
Cella

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Re: was haltet ihr von Internaten?

Antwort von andrea70 am 06.04.2005, 11:17 Uhr

Hallo Marit,

ganz ehrlich? Ich halte nicht viel davon. Früher war das vielleicht sinnvoll, als es im ländlichen Bereich keine höheren Schulen gab und für begabte Kinder das die einzige Möglichkeit war beispielsweise ein Gymnasium zu besuchen.
Ich denke, daß die allermeisten Kinder nicht freiwillig von den Eltern weggehen. Bei euch ist das natürlich eine besondere Situation und ich würde diesen Wunsch schon sehr genau hinterfragen. Wenn sie gerne bei euch ist (das nehme ich mal an) und nur wegen der Spannungen mit der Mutter ins Internat will, dann wird sie dort bestimmt nicht glücklich. An deiner Stelle würde ich mir auch Gedanken machen, wie es wird, wenn ihr euer eigenes Baby habt, vielleicht fühlt sie sich dann irgendwie abgeschoben (auch wenn es ihr Wunsch war).

LG Andrea

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Re: was haltet ihr von Internaten?

Antwort von marit am 06.04.2005, 12:50 Uhr

Hallo Andrea,
danke für deine Zweifel, die ich zum Teil ja auch habe. Es wäre sicher etwas anders, wenn sie jetzt 13 oder 14 Jahre alt wäre (in dem Alter finde ich so eine 'geordnete Entwöhnung' aus der Familie sogar recht gut, weil die Jugendlichen sich dann ja auch von selbst zurückziehen) - und als in mir der Wunsch wach wurde, ein Internat zu besuchen, war ich auch bereits 13 Jahre alt. Das eine ist ihre Mutter, von der sie das sicher besser geschützt wäre, das andere: naja, sie liest eben viel: vor allem Hanni und Nanni, 5 Freunde, Harry Potter, Burg Schreckenstein und so - und stellt sich das vermutlich alles viel aufregender vor, als es dann ist - denn die Kinder in diesen Büchern haben ja so gut wie nie Heimweh...

Klar, früher gingen die Kinder ins Internat, weil sie auf dem Land keine gute Ausbildung zu erwarten hatten. Heute aber kann die Motivation umgekehrt sein, die armen bewegungeingeschränkten Stadtkinder sollen im laufe ihrer Entwicklung auch mal gesunders Landleben kennenlernen. Wir leben mitten in der Stadt - und Louise hat überhaupt keine Gelegenheit mal frei und ohne erwachsenen Geleitschutz mit Freunden einfach in der Natur herumzustreunen, so wie ich früher...Auch mit der Nachmittagsbetreuung an ihrer Schule bin ich unzufrieden, weil den Kindern da viel zu wenig Sportangebote gemacht werden. Aber ich habe eben auch große Angst davor, daß sie dort ist und mit irgendeiner Mitschülerclique Schwierigkeiten bekommt, und dann zu stolz ist, es mir zu sagen...

Daß sie sich abgeschoben fühlen könnte, ist hingegen, glaube ich zumindest, nicht so ein großes Problem. Es muß ja keine Entscheidung für den Rest ihrer Schullaufbahn sein, natürlich könnte sie jederzeit wieder zurück - allerdings nicht nach der allerersten kleinen Krise. Eine Probezeit von 3 Monaten muß schon durchgehalten werden. Ich komme mir so bescheuert vor, ihr etwas zu verbieten, was ich selbst mir mal sehnlich gewünscht habe. Dann denke ich wieder "wir können ja noch ein Jahr warten". Aber dann hätte sie 2 Schulwechsel kurz hintereinander, das erscheint mir auch nicht so ideal. Das blöde daran ist: Unsere Entscheidung muß bis zum 15. April fallen...

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