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Geschrieben von JoVi66 am 28.11.2005, 22:13 Uhr

Nochmal zu Schule und Schöpfung, hab mir jetzt erst,....

.......die volle Breitseite reingezogen. Es ist wirklich absurd was so mancher in den letzten Windungen seines Gehirns(?) zu finden glaubt.
Ich sprech jetzt mal ein bischen aus Erfahrung, und dann darüber, was ich so von dieser Erfahrung halte.
Habe erst 4 Jahre bei den „Englischen Fräulein, der Maria Waard“ gedient, dann 9 Jahre in einer „Benediktinerklosterganztagsschule“ f. Mädchen ( Jungen waren auch dabei, allerdings im Internat, Mädels waren Heimfahrer).
So etwa alle drei bis vier Wochen ( der katholische Schatz an irgeneinem „Feier“tag ist ungemein groß) mussten wir einen Gottesdienst über uns ergehen lassen der nicht selten die 2 Std Schallmauer durchbrach. Da lernte ich zum erstenmal Soutaneträger nicht zu mögen.
Man kann´s ja schon fast mit einer Koranschule vergleichen. Dem Himmel ( aber nicht dem katholischen ) sei Dank, hatten wir auch EINEN etwas aufgeschlosseneren Pater, den hatten wir in der 11-13 Klasse als Religionslehrer, wurde später Abt dort, der es gestattete, den Religionsunterricht so frei zu gestallten, dass wir allgemein über die großen Weltreligionen, auch über Naturreligionen sprachen und nicht mit einem völlig verkorksten Hirn die „Klosterschule“ verlassen mussten. Mit dem konnte man durchaus produktiv über „das Kapital“ oder Indianische Religion oder seinen 3 Jährigen Aufenthalt in Nepal ( hat ihn wahrscheinlich so liberal geprägt) diskutieren.
Biologie hatten wir bei einer Nonne aus dem nahen Ursulinenkloster. Die hat den Sexualkundeunterricht ganz locker ( damals war es etwa 6./7. Klasse ) durchgenommen und nicht einmal sie hatte etwas schlimmes daran entdecken können. . Die Evolutionstheorie: wieso muss sich die den unbedingt mit Gott beissen?
Manche Menschen sehen schon weiße Mäuse.
Laßt den Bierernst zu Hause und geht lockerer ran.
Meine Tochter ist jetzt 2 1/2J und fragt auch wieso der Papa beim Pipi anders ausschaut als sie und die Mama.
Na und? Gibt’s da ein Problem?
Möglicherweise haben manche Forumsschreiber SELBER ein Problem mit dem „normalen Umgang mit Sexualität“, das kann man auch prächtig auf seine Kinder übertragen, aber passt auf, dass ihr nicht ins Mittelalter abgleitet.
Hier sind einige päpstlicher als der guade Bene
Gruß Johanna

 
21 Antworten:

Re: ???? !

Antwort von Astilbe 007 am 29.11.2005, 2:24 Uhr

Die Weisheit des Himmels ist unergründlich....

Astilbe

Weia

Antwort von ninas59 am 29.11.2005, 9:35 Uhr

Ich glaube ich habe viel nachzulesen. Wo fang ich denn am besten an?

Klosterschule...

Antwort von cheese am 29.11.2005, 9:47 Uhr

Hihi, Jovi!
Ich war auch auf einer Klosterschule... (bei uns allerdings nur Mädchen!)und ich komm nicht mal aus Bayern! Im tiefsten Ostwestfalen! Allerdings gibt es ja das geflügelte Wort: Schwarz-Münster-Paderborn... wenn Dir das was sagt. Bei uns kriegt die CDU noch Wahlergebnisse, wie sonst nur in Bayern... (Da natürlich die CSU)
Bei uns gabs Morgengebet und nach dem Unterricht und vor und nach jeder Reli-Stunde und vor und nach jeder Stunde, die wir bei einer Nonne hatten... Einmal die Woche gab es eine Schulmesse und zum Schulanfang eine Messe im Dom (die hat auch öfter länger als 2 Stunden gedauert...) Außerdem für die höheren Klassen einmal im Jahr eine Woche Exertitien (hab ich das jetzt richtig geschrieben?). Meditation vorm Frühstück (einige schnarchten dabei wieder fröhlich vor sich hin :O)), vormittags drei Stunden religiöse Diskussion, nachmittags 4 Stunden religiöse Diskussion, abends Andacht und einmal ein Beichtgespräch...
Sexualkunde hatten wir auch bei einer Nonne. Mal abgesehen, daß das Rudel Weiber natürlich hysterisch gekichert hat, hat sie das auch ganz locker rübergebracht. Allerdings hat mich der Laden für jegliche kirchliche Einrichtung völlig verdorben...

LG Claudia

Re: Nochmal zu

Antwort von flo03 am 29.11.2005, 10:04 Uhr

Es kommt auch drauf an wie ihr erzogen worden seit. Ich bin sehr offen erzogen worden und wusste mit 7 wie die Kiddis kommen und das Küssen net schwanger macht sondern den Geschlechtsverkehr. Mit 13 wusste ich was es heisst zu verhüten. Und soweit ich erinnern kann hatte ich eigentlich ein guten Religionsuntericht gehabt. Wir haben net nur die Bibel zitiert sondern einfache Themen angesprochen was halt aktuell war. Religionen auch und halt die Unterschieden. Ich persönlich sehe die Sache sehr locker an. Und wenn mein kleiner Sohn in Punkto Aufklärung wissen will oder warum ich Brust habe und mein Mann net wird es offen erklärt. Also ich fühle mich net als verklemmt.

LG

Claudia

Ganz andere Erfahrungen

Antwort von Dorilys am 29.11.2005, 10:07 Uhr

Ich bin ab der 11. Klasse auch auf ein Gymnasium mit angeschlossenen Kloster (damals noch reine Mädchenschule) gegangen - und es war für mich die schönste Zeit meiner Schulzeit. Es gab einen wöchentlichen Gottesdienst, ab der 7. Klasse auf freiwillige Basis. Es gab das Angebot einer Morgenandacht (10 Minuten vor Schulbeginn). Religion war Pflichtfach, da wurde über andere Religionen und Gott und die Welt diskutiert - vorher auf der städtichen Realschule mußten wir Bibelstellen und Stammbäume auswendiglernen. Im Abschlußjahr führen wir eine Woche auf Exerzitien, in ein Kloster mit einem sehr offenen Pfarrer und einer tollen Lehrerin. Das Thema war unsere Zukunft, Pläne Hoffnungen -wir haben darüber gesprochen ohne die Ablenkung von außen und sind (auch wenn einige sich nachts vom Klostergeländee schleichen wollten), alle gerne mitgefahren, das Thema ging auns alle etwas an.
Als ich vor 25 Jahren mein Abi hemacht habe, gab es auf der Schule schon Streitschlichter, es wurde von der Schule Patenschaftsarbeit mit Behinderten und Kranken vermttelt und die Lehrer haben versucht Werte zu vermitteln. Natürlich gab es auch Zickereien, aber Mobbing, wie ich das in der Realschule erfahren habe, habe ich da nicht kennengelernt.
Sexualkunde in der 7. habe ich noch auf der Realschule mitgemacht (erster Jahrgang mit Mädchen auf einer vorher reinen Jungenschule) und kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, daß gackernde Mädchen schlimmer sind als Jungs, die sich einen Spaß daraus machen, den Mädels vor der Klasse die Slips auszuziehen...
Generell steht eine Schule mit den Lehrern und ich habe lieber engagierte, offene Nonnen als Lehrer, als Lehrer denen egal ist, was in der Klasse passiert.
LG Dorilys

Re: Ganz andere Erfahrungen

Antwort von cheese am 29.11.2005, 10:25 Uhr

Hmm. Ist ja schön, wenn Du positive Erfahrungen gemacht hast. Ich war als Kind und auch als Teenie extrem schüchtern und dem Aufbau von Selbstbewußtsein war die Erziehung im "Nonnenbunker" (wie die Schule im Volksmund durchaus liebevoll genannt wird) eher abträglich. Ich war einmal leicht geschminkt (mit 14, wenn ich da heute an manch 14-jährige denke... Auweia...), also nur etwas Kajal, das hatte eine Freundin für mich gemacht und ich hatte morgens nicht alles abbekommen, da wurde ich von meiner Reli-Lehrerin vor der gesammelten Mannschaft abgekanzelt. Wenn einem übel war, musste man erst ins Sekretariat und sich einen Passierschein für die Pforte holen, bevor man nachhause durfte, sonst wurde man durchaus mit Gewalt von der Pforten-Nonne zurückgehalten. Den Passierschein gab es nur, wenn man seiner Lehrerin vor die Füße kotzte... (Ist mir zweimal passiert!) Die Nonne, bei der wir Erdkunde hatten, hat mich bis in meine schlimmsten Albträume verfolgt.
Ich war in einer Art "Clique" mit den anderen drei Mauerblümchen der Klasse und das wildeste, was wir mit 16 mal machten, war bis 21 Uhr kegeln zu gehen. Jungen kannte ich nur von weiten, meinen ersten Freund hatte ich mit 18.
Der Erfolg: kaum war ich von der Schule runter und ging auf die Handelsschule, färbte ich mir die Haare und wurde Punk. Ich habe in der Zeit gesoffen, gekifft und die Nächte durchgemacht. Ich hab ständig blaugemacht und die Schule schließlich abgebrochen.
Jetzt mit vierzig bin ich wieder etwas vernünftiger, kiffe nicht mehr und trinken tu ich zur Zeit auch gar nichts, weil ich stille... Die Haare sollte ich mir allerdings mal wieder, ich sehe furchtbar aus... abwasserschlammbraun mit grauen Fäden... bäh!!!
Im Herzen bin ich allerdings immer noch Punk und leicht anarchistisch angehaucht! ;o)

LG Claudia

Schminke und co

Antwort von Dorilys am 29.11.2005, 10:31 Uhr

waren in unserem "Nonnenbunker" (den Spitznamen hatte die Schule auch) ganz normal. Ich kann mich nur einmal dran erinnern, daß eine Schülerin wegen ihrer Kleidung ermahnt wurde - und auch nur, weil sie einen Lehrer so eindeutig angemacht hatte, daß da einfach was gesagt werden mußte.
Bei manchen merkte man allerdings schon, daß gewisse Aufmachung zwar nicht verboten, aber eben auch nicht erwünscht war.
LG Dorilys

Re: Schminke und co

Antwort von cheese am 29.11.2005, 10:37 Uhr

In der Zwischenzeit soll das wohl auch ein bischen anders da sein. Die 14-jährige Tochter einer Nachbarin geht dahin. Und die rennt durchaus rum, wie ein typischer Teenie... :o)
Allerdings soll unter den Mädels ein ziemlicher Zickenkrieg herrschen, aber auch das ist wohl normal...
Fachlich hat die Schule durchaus einen sehr guten Ruf, aber wenn ich ein Mädchen hätte, weiß ich nicht, ob ich sie da hinschicken würde. Allerdings stellt sich die Frage bei zwei Bengeln woll nicht!

LG Claudia

Re: Ganz andere Erfahrungen

Antwort von ninas59 am 29.11.2005, 10:42 Uhr

---- abwasserschlammbraun mit grauen Fäden---- *rofl* das sehe ich auch, wenn ich in den Spiegel sehe.


Ich war 3 Jahre auf einer Jesuitenschule für Jungs ;-) (wirklich).
Obwohl wir eine Kirche im Schulhof hatten, hatten wir keinen Religionsunterricht. Aufklärung gab es natürlich überhaupt nicht.

In der Kunstakademie um die Ecke gab es ein Mädchen, die überzeugt war sie würde schwanger wenn sie von einem Jungen berührt würde.
Anderseits, hatten ein Paar Mädchen aus dem Hostel einen "lukrativen Nebenjob".

Naja, war nicht in Deutschland aber für mich, bis zur Geburt meiner Tochter, die glücklichste Zeit in meines Lebens.

Dass ich persönlich den gesamten religiösen Unterricht aus dem Schulen verbannen würde, habe ich des öfteren schon geäussert. Aber hier im Bayern, müssen wir sogar noch mit dem Klassenkreuz leben.

Da ich nicht mehr da wohne,

Antwort von Dorilys am 29.11.2005, 10:43 Uhr

werde ich eine Tochter wohl auch nicht dahin schicken, sonst aber wohl. Mittlerweile sind auf der Schule auch Jungs, allerdings gibt es pro Jahrgang immer noch eine reine Mädchenklasse. Übrigens werden auf der Schule auch Kinder anderer Religionen aufgenommen. DIe Tochter einer Freundin von mir geht dahin und ist Muslimin.
LG Dorilys

Aufklärung

Antwort von Cheese am 29.11.2005, 11:16 Uhr

Also, meine Mutter dachte mit 20 noch, vom Küssen wird man schwanger :o)
Meine Oma war meeeega-katholisch und wollte ursprünglich Nonne werden. Allerdings hat die meine große Schwester aufgeklärt, die ein paar Jahre bei ihr gelebt hat... Unsere Oma machte ein Nickerchen und bekam mit, daß Silvia zum Pfarrhaus (!!!) zum Aufklärungsunterricht sollte, schreckte sie hoch und klärte sie im Schnellverfahren auf... und nix mit Bienchen und Blümchen! Meine Schwester hörte sich das an, dachte daran, daß die Oma 5 Kinder hatte und überlegte sich dann, daß sie noch im Halbschlaf sei! Weil nie und nimmer hätte Oma solche Schweinereien zugelassen!!!

Grüße Claudia

Re: Ganz andere Erfahrungen

Antwort von Elisabeth mit Fumi & Temi am 29.11.2005, 11:19 Uhr

Ich habemeine ganze Gymnasialzeit auf einer Kloster-Mädchenschule verbracht in Hamburg. Und das war eine wunderbare Zeit.

Natürlich war Reli Pflicht, aber wir haben dort auch viel über andere Religionen gelernt, außerdem so ketzerische Sachen wie vergleichende Religionslehre und Exegese. Ich fand das eher spannend und profitiere heute noch davon. Den Reliunterricht hatte ich übriges teilweise bei einem äußerst verklemmten männlichen Lehrer. Meine Schwester hatte den teilweise auch. Sie hatte das Problem, daß sie hin und wieder Kreislaufprobleme bekam, wenn sie ihre Periode hatte, und dann in Ohnmacht fiel. Einmal fiel sie ihm glatt vor die Füße. Die Mädels haben sich schlappgelacht, als er endlich kapierte, daß das mit ihren Tagen zusammenhing - er war so rot wie eine Tomate. Ich lache heute noch, wenn ich daran denke (ich war dabei, weil man mich rief, um meiner Schwester zu helfen). Die Nonnen waren da lockerer, wirklich.
Wir hatten auch Mädchen anderer Religionen auf der Schule. Unter anderem auch Muslima, deren Eltern den Töchtern den Turnunterricht ohne Jungs ermöglichen wollten. Aber die Teilnahme an den Gottesdiensten - 3-4 Mal im Jahr im Hamburger Dom - war Pflicht, und die gingen dann halt einfach mit. Für die Nonnen war es damals nicht mal ein Problem, wenn die Nicht-Katholiken dann die Kommunion empfingen - da hat der Papst mehr Probleme mit.

Wir waren auch zwei Mal mit der Klasse auf Exerzitien, dazu gab es die Abifahrt nach Rom mit Papstaudienz. Aber es war superlustig, keiner hat das so wahnsinnig ernst genommen, nicht mal die Lehrer und die Nonnen.

Ich habe heute wieder Kontakt zu einer der Nonnen, meiner ehemaligen Mathelehrerin. Sie wohnt inzwischen auch in München und betreut Schüblinge (das sind die Ausländer, die in Abschiebehaft sitzen). Sie ist eine wunderbare Frau, die tatsächlich für meine Scheidung gebetet hat.

Unsere damalige Schulleiterin war übrigens Mutter Vermehren, ehemalige Kabarettistin der "Stachelschweine" und KZ-Überlebende. Einige kennen sie vielleicht vom "Wort zum Sonntag". Eine Frau, die ich heute noch als mein Vorbild bezeichnen würde. Sie kannte jede der rund 1.000 Schülerinnen mit Namen. Als die Schule begann, auch Jungen aufzunehmen, ging sie aus Protest in Pension.

Ich würde Fumi ohne zu zögern auf meine ehemalige Schule schicken. Leider wohnen wir jetzt ja nicht mehr in Hamburg.

Aber grundsätzlich finde ich auch Mädchenschulen sehr hilfreich. Ich hatte Mathe-Leistungskurs - ich weiß nicht, ob ich mir das auf einer Jungensschule getraut hätte. Meine Schwester hat Physik studiert - von den ohnehin spärlichen Mädchen in ihrem Semester kamen 70% von Mädchenschulen. Der Zusammenhang zwischen Mädchenschulen und Mädchen in naturwissenschaftlichen Fächern wurde übrigens mal statistisch erwiesen - ich müßte mal schauen, ob ich die Untersuchung wiederfinde.

P.S.: Wir hatten übrigens 2 Punkerinnen in meinem Jahrgang auf der Klosterschule - da wurde kein Anstoß dran genommen. Die Nonnen taten das als Pubertäre Verirrungen ab, was es meistens ja auch irgendwie ist, und ansonsten wurde da kein Wort drüber verloren.

Pubertäre Verwirrungen?

Antwort von cheese am 29.11.2005, 11:33 Uhr

*gg*
Also ich war aus der Pubertät schon deutlich raus! Und ich muss auch sagen, daß bei den meisten Punks vielleicht nicht die Klamotte, aber doch eine gewissen Lebenseinstellung zurückbehalten! Okay, die No-Future-Einstellung haben wir (zumindest teilweise) überwunden und wir rennen auch nicht mehr rum und schnorren... "Haste mal ne Mark?" (Hab ich eh nie gemacht, da kam dann meine Schüchternheit doch wieder durch!)
Aber so eine gewisse "anarchistische" Grundeinstelllung und ein gespaltenes Verhältnis vor sogenannten Autoritätspersonen ist uns allen geblieben.
Schade ist aber, daß doch ein Teil meiner ehemaligen Freunde in die Drogenszene abgerutscht ist (ich hab da rechtzeitig die Notbremse gezogen) und einige auf verschiedenste Weise verstorben sind. (Goldener Schuss, erstochen worden, Malaria, Hepatitis...)
Aber damals war es noch durchaus witzig!

Die Henne und das Ei

Antwort von Elisabeth mit Fumi & Temi am 29.11.2005, 11:44 Uhr

Da frage ich mich, ob man die Einstellung aus so eine "Szene" zurückbehält, oder erst aufgrund einer gewissen vorhandenen Grundeinstellung in so eine Szene kommt.

Ich war damals fürchterlich alternativ. Man trug Parka und Palästinenserfeudel, ging zu Anti-Atomkraft-Demos und ins Zeltlager, und war aonsonsten ganz fürchterlich links. Ich würde mich immer noch als links bezeichnen, wenn auch nicht mehr so radikal wie damals. Aber ich war vorher schon eher links, in einer rechte Szene wäre ich nie gelandet, und Popper waren für mich das Maß des Abscheulichen, schon bevor ich tatsächlich in der linken Szene gelandet bin.

Sicher ist nicht alles, was Punks, Popper oder Alternative so gemacht haben, mit pubertären Verwirrungen zu beschreiben, aber ein Teil doch schon. Diese Radikalität, diese Ausschließlichkeit, dieses Ablöehnen jeder anderen Lebensform - das ist doch eine sehr "jugendliche" Eigenschaft. Sicher behält man etwas zurück, so wie man von jeder "Phase" seines Lebens etwas zurückbehält. Aber wer mit 40 noch mit Irokese und 2 Meter Sicherheitsnadeln durch die Gegend rennt, macht sich doch eher lächerlich. (Ich würde heute auch nur noch zum Fasching einen Palästinenserfeudel um meinen Hals hängen, und meine "Atomkraft - Nein Danke"-Anstecknadeln fristen ein dunkles Dasein in irgendeiner Kiste im Keller.)

Re: Die Henne und das Ei

Antwort von cheese am 29.11.2005, 11:59 Uhr

Mit alternativen Alternative hab ich es auch kurz versucht... Mein Palästinensertuch hat später ein zweites Leben als Tischdecke geführt ;o)
Stimmt schon... was man als Jugendlicher so denkt, ist immer so furchtbar ausschließlich!
Ich wollte irgendwann mal NIE WIEDER Jeans tragen... Heute: gibts noch andere Hosen?
Ich wollte in meiner Punkzeit NIEMALS lange Haare tragen! Furchtbar!!! Heute: Haare bis zum Po...
Meine Lederjacke, die ich damals trug, habe ich aber noch! (Die hatte damals schon kaum noch Leder...) Allerdings würde ich die wohl auch nicht mehr anziehen...
Die politische Einstelllung (in etwas abgemilderter Form) habe ich durchaus noch, von den Klamotten her kriegt mich immer noch niemand in elegante Klamotten. Ich habs mal versucht, aber da ich mich schrecklich unwohl gefühlt habe, sah ich damit auch ziemlich beknackt aus.
So. Gleich muss ich Junior vom KiGa abholen und vorher noch den Krümel anziehen (12 Wochen alt...), der hasst das!
Da bin ich dann off, bis Luca Mittagsschlaf macht. (Und wenn, dann ist Luca on, da er vielleicht noch einen Blick auf die Kawasaki-Seite werfen muss...)

Tschüsskes, bis später Mädels

Re: Die Henne und das Ei

Antwort von ninas59 am 29.11.2005, 12:00 Uhr

Tja, sogar die 68er wurden gesetzter, und bis auf Teufel fast alle erfolgreiche Kapitalisten. Aber sie haben viel bewegt.

---Aber wer mit 40 noch mit Irokese und 2 Meter Sicherheitsnadeln durch die Gegend rennt, macht sich doch eher lächerlich.---
Finde ich ehrlich gesagt gar nicht mal. Lächerlich wäre nur die Gesinnungsuniformierung in diesem Alter, aber ansonsten liebe ich die Vielfalt.

Re: Die Henne und das Ei

Antwort von Elisabeth mit Fumi & Temi am 29.11.2005, 12:14 Uhr

Na ja.

Eine Mutter aus Fumis Hort ist sicher so alt wie ich (und auch fast so ausladend *grins*), zieht sich aber an wie Fumi: Bauchfrei, Hüfthosen, rosa Glitzerkettchen. Wenn Fumi das toll findet - nun ja. Wenn eine Frau mitte 40 das toll findet - soorrrriiieee, ich finde das lächerlich. Wenn mir sowas im Büro gegenüberstünde, müßte ich erstmal ins Klo verschwinden, um mich schlappzulachen. Aber ernstnehmen kann ich sowas nicht.

Ich trage auch aus Prinzip nicht diese Beraterkostümchen. Man hat sich im Büro daran gewöhnt, daß ich Jeans und T-Shirts trage. In Röcken fühle ich mich wie eine Kuh auf dem Eis, mich kriegst Du in sowas nicht rein. Aber ich trage meine Jeans nicht mehr zwei Wochen am Stück (notfalls auch nachts). Die T-Shirts hängen auch nicht mehr wie Säcke an mir und verkünden nicht mehr meine politische Grundeinstellung.

Ich bin nicht gegen Bekleidungsvielfalt, aber die Kleidung sollte dem Anlaß angemessen sein. Ich würde einen Irokesenschnitt bei einem 40jährigen Aktenschieber ähnlich lustig finden wie einen Badeanzug im Büro.

Re: Die Henne und das Ei

Antwort von ninas59 am 29.11.2005, 12:33 Uhr

ich denke schon, dass jeder das anziehen sollte was ihm persönlch besser gefällt. Auch wenn ich das Ein oder Andere mal schmunzeln muss.

Wer bin ich, um darüber zu richten, wie sich andere Kleiden.
Ich störe mich weniger an einem 40-50 jährigem Irokesen, als an den der typischen altmänner Herrenausstattung.

Auch wenn ich Willi Michl nie mochte, und auch über sein Indianerdasein schmunzeln muss (er spricht auch so) so finde ich ihn doch eine erfrischende Abwechslung.

War ein Mensch ab einem bestimmten Alter tragen soll/ darf weiss ich nicht einmal.
Wer legt die Kleidungen, die dem Anlass entsprechen eigentlich fest?

Ich stand letztes Wochenende auf dem Tollwood und habe in schwarze Löcher geschaut. Die Massen (alle altersgemäß passen bekleidet) verbreiten schon eine ziemliche Tristesse, da freu ich mich dann über eine wennauchalte in rosarotem Glitzer ebenso, wie über einen 40 jährigen Irokesen in bunter Kleidung.

Apropos, gehst du auch aufs Tollwood?

Re: Die Henne und das Ei

Antwort von cheese am 29.11.2005, 13:37 Uhr

Naja, die rosa Glitzerfummel finde ich immer bedenklich egal ob 4 oder 40... und Hüftjeans machen Magersüchtige dick...
Meine Meinung, sorry ;o)

Aber ich hab auf keinen Fall ein Problem mit 40jährigen Irokesen oder ähnlichem. Finde ich besser als ne 20jährige im Mutti-Outfit...
Selbst tendiere ich zu Trägertops, bevorzugt in Olivgrün und Jeans und neulich habe ich mir mal wieder ein Paar Doc Martens gegönnt, wobei die natürlich in der Zwischenzeit salonfähig sind...

Re: Die Henne und das Ei

Antwort von Elisabeth mit Fumi & Temi am 29.11.2005, 14:08 Uhr

Aber natürlich gehe ich auf's Tollwood. Wahrscheinlich dieses WE. Bist Du da?

Siehst Du: Du steckst die Leute mit den dunklen Anzügen oder den merkwürdigen Altherrenhüten in eine Schublade. Das ist doch natürlich. Ich muß mir im Büro innerhalb von Sekunden ein Bild von einem Menschen machen, und da ist die Kleidung natürlich ein Faktor. Wobei ich diese dunklen Beraterkostümchen auch in eine Schublade stecke, nämlich in die "frustriertes Karriereküken frisch von der Uni"-Schublade. Und darüber, daß unsere männlichen Chefs im Winder immer dunkelgrau herumlaufen, habe ich mich neulich mit einer Kollegin unterhalten - einfallslos und unattraktiv, sowas.

Kleidung sollte angemessen sein in dem Sinne, daß sie ein bestimmtes Bild vermittelt. Natürlich soll meine Kleidung auch zu meiner Persönlichkeit passen, deswegen trage ich keine Röcke oder Kostüme. Aber im Büro zum Beispiel will ich auch Kompetenz und Seriosität vermitteln, und das funzt nicht mit Glitzertop und Hüftjeans. Im Fitnesstudio will man Sportlickeit und Praktikabilität vermitteln, daher kreuzt man da auch nicht mit Stöckelschuhen und Minirock auf. Auch Willi Michl vermittelt ein Bild, und das will er doch auch. Es ist ein Bild, das zu einem Querdenker und "Künstler" paßt, aber mein mühsam Erspartes würde ich ihm nicht anvertrauen, damit er es für meine Altersvorsorge anlegt.

Ich denke, was an gewollt jugendlicher Kleidung bei älteren Menschen die Lächerlichkeit hervorruft, ist die Tatsache, daß diese Menschen ein Bild vermitteln, daß sie anders sein wollen, als sie sind. Wenn jemand mit 80 Kilo eine Hüfthose und ein bauchfreies Top trägt, dann schreit er geradezu: "Innen drinnen bin ich schlank!!!" - und das wirkt lächerlich. Das wirkt wie der 65jährige, der im Porsche anrauscht, der schreit nämlich: "Ich bin ein Hengst!!!" - auch lächerlich.
Es ist einfach inkongruent.

@ Elisabeth

Antwort von ninas59 am 29.11.2005, 16:38 Uhr

schon, nur leider arbeite ich im Stand meiner Freundin. Du hast doch noch meine Handynummer?

----Du steckst die Leute mit den dunklen Anzügen oder den merkwürdigen Altherrenhüten in eine Schublade.----
Eigentlich meine ich allgemein eher die Uniformierung. Nein, ich stecke diese Leute nicht mehr in eine Schublade, da ich inzwischen schon die dubiosesten Erfahrungen gemacht habe.

---Das ist doch natürlich. Ich muß mir im Büro innerhalb von Sekunden ein Bild von einem Menschen machen, und da ist die Kleidung natürlich ein Faktor.----
Kenne ich. Ein Freund von mir hatte immer lange Haare, und war eher flippig angezogen. So ist er auch in die Bank gegangen. Dort wurde er aber immer aufgrund seines Kontostandes herzlich empfangen. Ein ander Freund von mir gehört wohl Frisurtechnisch eher zum langhaarigen Irokesen (oder so ähnlich) Er hat eine Ausgesprochen gutgehende Beleuchtungsfirma. Bei diesen beiden liegen wohl die meisten falsch. Und ich habe einen alten Rentner im typischen Opeloutfit mit Hut getroffen, mit dem ich die Interessantesten Gespräche über Buddhismus geführt habe....nein, Kleider machen bei mir keine Menschen mehr.

----Kleidung sollte angemessen sein in dem Sinne, daß sie ein bestimmtes Bild vermittelt.----
Ich finde diese Kleiderordnung eine Einstellungssache. Natürlich ist hier in Europa diese Anforderung, allerdings muss es wegen mir nicht sein.

-----Aber im Büro zum Beispiel will ich auch Kompetenz und Seriosität vermitteln, und das funzt nicht mit Glitzertop und Hüftjeans. ----
Das ist ja auch in Ordnung. Allerdings finde ich es genauso in Ordnung wenn jemand eher das Bedürfnis hat Rosa zu glitzern als seriös gekleidet zu sein.
Ich widerspreche dir nicht, dass der erste Eindruck einiges bewirkt, aber ich finde auch, dass jeder ein REcht darauf hat, dem nicht ensprechen wollen zu dürfen.


----Im Fitnesstudio will man Sportlickeit und Praktikabilität vermitteln, daher kreuzt man da auch nicht mit Stöckelschuhen und Minirock auf.----
Hmmm wäre mir egal, ich würde mich köstlich amüsieren. Alleine dass ich lachen musste hätte "man" auch was positives bewirkt.

----Auch Willi Michl vermittelt ein Bild, und das will er doch auch.---

Nichts Anderes will ich sagen, dass das jeder dürfen soll. Und keiner sich so kleiden muss wie es Andere erwarten.

---Ich denke, was an gewollt jugendlicher Kleidung bei älteren Menschen die Lächerlichkeit hervorruft, ist die Tatsache, daß diese Menschen ein Bild vermitteln, daß sie anders sein wollen, als sie sind.---

Eigentlich doch nur, weil sie nicht der Norm entsprechen. Alte Leute in bunten Kleidern mit witzigen Kopfbedekungen, Piercings, Tattoos und Glitzerklamotten in Leuchtfarben wirken in Asien, Afrika oder Südamerika auch nicht lächerlich.

---Wenn jemand mit 80 Kilo eine Hüfthose und ein bauchfreies Top trägt, dann schreit er geradezu: "Innen drinnen bin ich schlank!!!" ---

Doch auch nur, weil wir dem Schönheitsidealen Vorstellungen unterliegen. Gut ich finde es auch nicht schön, und würde es meiner Freundin sagen. Aber trotzdem hat sie trotzdem ein REcht sich so anzuziehen wenn sie es möchte.

------Das wirkt wie der 65jährige, der im Porsche anrauscht, der schreit nämlich: "Ich bin ein Hengst!!!" - auch lächerlich----
Finde ich nicht, obwohl mich das nicht mal bei 20jährigen anspricht.

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