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Geschrieben von Mr32 am 09.08.2004, 20:10 Uhr

@ Löme und Co. wegen Sozi

Also ich muss jetzt auch mal meinen "Senf" dazugeben. Ich kenne auch alleinerziehende Mütter die von der Sozi leben. Die Mutter (mit der ich auch etwas Kontakt habe) fährt Auto, hat in der Wohnung sich eine Einbauküche einbauen lassen und lebt wirklich gut. Was sie bekommt oder nicht bekommt weiß ich nicht ABER als ich noch "ganztags" gearbeitet habe, konnte ich gerade meine Wohnung bezahlen und hatte gerade mal 800 DM zum Leben!!! Jetzt bin ich verheiratet, 2 Kinder (fast 4 + 14 Monate) und mein Konto ist ganz schön im Minus (von mein Mann ebenfalls) und wir müssen auch sehen wo wir bleiben. Ab Oktober werde ich wieder ganztags arbeiten damit wir über die Runden kommen. Leider sind die Krippenplätze von Sozi-Mütter besetzt obwohl die Damen nicht arbeiten gehen. Zum Glück gibt es hier ein PrivatKiga, aber der ist ziemlich teuer, aber wir haben keine Wahl. Wir werden für die Kleine dann 330.- Euro pro Monat für die Betreuung bezahlen (für 3 Tage/6,5 Std.) ohne das wir einen Zuschuß vom Staat bekommen. Vom AG kann ich auch nichts erwarten, dar öffentl. Dienst.

Ich bin der Meinung dass es den Sozis zu gut geht. Die sollten alle z. B. Müll im Park aufsammeln oder andere Arbeiten machen (helfen im Altenheim...)

 
20 Antworten:

gegen die neuen Arbeitsmaßnahmen

Antwort von marit am 10.08.2004, 11:31 Uhr

Also hier ergreife ich mal Partei für die Bezieher von künftig Hartz IV oder Sozialhilfe. Ich finde NICHT, daß die zur Zwangsarbeit verpflichtet werden sollen - denn eigentlich ist es ihre Aufgabe, nach Jobs zu suchen, sich zu bewerben und sich beruflich weiterzubilden. Da finde ich es ein Unding, daß Ihnen von vornherien unterstellt wird, daß sie zu Hause nichts mit sich anzufangen wüßten. Wenn alleinerziehende Mütter in die Sozialhilfe rutschen, weil es in Deutschland kein ausreichendes Betreuungsnetz gibt, sollten sie die wenige Freizeit die ihnen überhaupt bleibt ebenfalls für fortbildungen Nutzen. Was die Parks und deren Reinigung angeht, soll die Stadt gefälligst ganz normal Grünflächenfachpersonal einstellen und Kleinigkeiten wie "Müll einsammeln" als 400-Euro Jobs für Schüler oder Rentner ausschreiben, die sich was dazuverdienen müssen. Als Pflegebedürftige möchte ich jedenfalls nicht von jemandem gewindelt werden, der das nur mit Ekel in den Augen und Wut im Bauch tun kann.

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Stammtischgeläute... :-)

Antwort von Ralph am 10.08.2004, 12:02 Uhr

Hallo Mister,

da bist aber auf mehreren Ebenen auf dem Holzweg! ;-)

Zum einen empfinde ich es nicht als Skandal, wenn auch alleinerziehende Mütter (und Vater) Anspruch auf einen KTH-Platz haben. Wie, bitte schön, soll es denn sonst etwas werden mit der - erfolgreichen - Arbeitssuche? Das ist als Alleinerziehender sowieso schon ein Spießrutenlauf, weil es glöeich heißt "der/die ist wegen des Kindes eh häufig krank, also bloß die Finger weg!!". Leider kein Einzelfall, sondern immer häufigere Praxis bei den Personalchefs.
Wenn dann noch bei Bezug von Sozialhilfe der Zugang zu KTH-Plätzen grundsätzlich unmöglich gemacht wird, sind die ohnehin lauen Zukunftsperspektiven bei dieser Bevölkerungsruppe (Alleinerziehende)gleich Null. Ich kann mir kaum denken, daß dies Dein Anliegen war. :-)

"Die fährt ein Auto und bezieht Sozialhilfe!"
Der Satz ist mir zu indiffernziert. Ist es eine alte alte Gurke, die der Freund immer mal wieder auffixt, die im Verkauf keine 1000,- € bringen würde, ja mein Gott, warum denn nicht? Wenn allerdings vor der Tür ein krachneuer Chrysler oder Focus stehen würde, dann, ja dann, würde auch ich mich aufregen.
In zeiten, wo immer mehr Mobilität verlangt wird, der ÖPNV aber entweder nicht genügend ausgebaut oder sogar heruntergefahren wird, unterschätzen viele, wie hoch die bedeutung eines Autos grade im ländlichen Bereich ist.
Andererseits sind aber nur dort die Mieten noch so gering, daß sie für die Ämter angemessen sind. Arbeitssuche nur mit Auto möglich? heute auch kein Einzelfall mehr, kann also ebenfalls nicht Dein Anliegen gewesen sein, oder? ;-)

Den Sozis geht es zu gut, die solten den Park fegen gehen... ich schließe mich Marits Meinung uneingeschränkt an.
Es ist gar keine Frage, daß auch im bereich der Sozialhilfe vieles heruntergeschraubt werden kann und muß, wobei ich hier ausdrücklich nur die Hamburger Verhältnisse beurteilen möchte, weil ich die 8 1/2 Jahre intern miterlebt habe. :-)

Unterm Strich ist nicht die Sozialhilfe zu hoch, sondern es sind die untersten Lohnstufen zu niedrig angesetzt. Es grenzt an einen Skandal, daß ein Arbeitnehmer, der 40 Stunden die Woche arbeiten geht, eine vierköpfige Familie heutzutage nicht mehr automatisch durchbringt. Da stimmt etwas mit dem Lohngefüge nicht!
Und die Sozioalhilfe soll sich per lege an den untersten Lohnstufen bzw. an den Verhaltensweisen dieser Arbeitnehmergruppe orientieren. Wie soll sie das aber, wenn im Grunde die Bezieher unterster Lohnstufen im Grunde genommen sogar noch sozialhilfeberechtigt sind??
HIER liegt der Hase im Pfeffer!! :-)

Was Du da gepostet hast, ist zu kurz gedachte Stammtisch-Philosophie... ;-)

Viele Grüße
Ralph/Woodstock

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Es lebe der Sozialneid...

Antwort von Moneypenny77* am 10.08.2004, 13:57 Uhr

Ich kann mich meinen beiden Vorrednern nur anschließen. Wie soll denn ein alleinerziehender Elternteil (vor dem ich so schon den Hut ziehe) überhaupt aus der Sozialhilfe herauskommen, wenn er keine Kinderbetreuung hat? Wenn meine beste Freundin keine KiGA-Platz für ihren Sohn bekommen hätte, hätte sie niemals ein Praktikum beginnen können, das ihr nun einen Ausbildungsplatz eröffnet hat, mit dem sie geradewegs aus der SoHi hinaussteuert! Übrigens sie fährt auch ein Auto... das ihrer Eltern, denn sonst hätte sie keine Chance, ihren Sohn vor Beginn der Berufsschule in den KiGa zu bringen.

Und ich halte es für falsch, daß in einer zivilisierten Gesellschaft Menschen, die in eine Notlage geraten sind noch zusätzliche Demütigungen und Erniedrigungen erleiden sollen, indem sie noch zu Zwangsarbeit verdonnert werden.

Viel besser fände ich, wenn die Sätze für arbeitsfähige Hilfeempfänger weiter heruntergeschraubt würden, sie aber im Gegenzug die Möglichkeit bekämen, entgeltlich (wenn auch nur für ein paar € die Stunde), gemeinnützig zu arbeiten. Erzieherinnen/Lehrer könnten in KiGas arbeiten, Gärtner in den Stadtparks etc. Das würde ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt deutlich erhöhen, Haushaltslöcher könnten durch preiswerte Arbeitskräfte und weniger Hilfeaufwand gemindert werden und es würden viel weniger Hilfeempfänger abrutschen und sich aufgeben, wenn sie sich nicht mehr wie der Abschaum der Gesellschaft fühlen.

Man sollte sich nicht von dem von den Medien in alle Richtungen geschürten Sozialneid anstecken lassen. Der Großteil der Hilfeempfänger ist wirklich bedürftig und versucht sehr wohl, seiner Misere zu entrinnen. Genau wie alle "Besserverdienen" nicht faul im Büro sitzen, Kaviar futtern und Millionen scheffeln, sondern verdammt hart für ihr Geld und das Geld ihrer Mitarbeiter arbeiten müssen.

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Re: Es lebe der Sozialneid...

Antwort von marit am 10.08.2004, 14:06 Uhr

Hm. Monneypenny,
vom Grundsatz her ist das eine gute Idee... bloß: dann graben sie sich ja selbst die Arbeitsplätze ab. Der Gärtner würde natürlich lieber zu einem normalen Stundenlohn regulär angestellt werden, als für ein Taschengeld die Grünanlagen in Ordnung zu halten, die Erzieherin hat ihre Stelle vielleicht gerade verloren, weil der Betreuungsschlüssel hauptsächlich mit qualifizierten arbeitslosen Hinzuverdienern gedeckt wird. Ich finde gerade, man sollte GAR keine Arbeit unter Tarif machen, für die normalerweise jemand angestellt werden müßte. Ausschließlich wo es um reine Zusatzangebote geht, die es sonst gar nicht gäbe (mit alten Menschen 2 Stunden Halma spielen, einen Spielplatz renovieren, der sonst abgerissen werden müßte,etc).

In vielen Fällen wäre das auch ein Nullsummenspiel. Warum soll einer arbeitslosen Erzieherin Sozialhilfe + eine Zuverdienstmöglichkeit + Mietübernahme gewährt werden, wenn es gar nicht mehr kosten würde, ihr für das selbe Geld eine reguläre Stelle zuzuweisen?

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Re: Es lebe der Sozialneid...

Antwort von Moneypenny77* am 10.08.2004, 14:16 Uhr

Auch wieder wahr!

Mein Gedanke war halt, daß wir ja z.B. viiiiel zu wenig Kinderbetreuungsplätze haben, weil die Städte und Gemeinden kein Geld für die KiGas haben. Oder nehmen wir die Altenheime, wo die Leute doch größtenteils nur abgefertigt werden. Wenn die Heimleitung die Möglichkeit hätte für 3 € die Stunde Vorleser, Spaziergeher oder Halmaspieler zu beschäftigen, wäre das doch schön, oder? Es sollten meines Erachtens einfach für Hilfeempfänger viel mehr Anreize geschaffen werden, ihre Situation nicht als ausweglos zu erachten! Ich kann es einem 50jährigen, der arbeitslos wird und nie wieder einen Job finden wird nicht verübeln, daß er sich gehen läßt (er reht nicht, wenn er keine Familie hat) und resigniert. Worin liegt für ihn der Sinn, morgens auszustehen, wenn seit Jahren nur Absagen im Briefkasten liegen?

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Re: Es lebe der Sozialneid...

Antwort von krissie am 10.08.2004, 15:32 Uhr

Ich finde den GEdanken schon gut, Arbeitslose mehr ins gesellschaftliche Leben einzubinden, gebe aber ebenso wie Marit zu bedenken: Man muss da sehr aufpassen nicht einen dauerhaften zweiten Arbeitsmarkt zu schaffen, wo qualifzierte Leute weit unter Tarif beschäftigt sind und damit in Konkurrenz treten mit "richtig" angestellten. Auf Dauer wird das - vermute ich - für den Staat wesentlich teurer und schafft vermutlich auch noch wesentlich mehr Arbeitslose, als wenn der Staat bzw. die Kommunen auch in Zeiten leerer Kassen in den Ausbau (oder zumindest nicht in den abbau) von Infrastruktur, Bildung etc. investieren.

LG Kristina

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zweiter Arbeitsmarkt ???

Antwort von ellert am 10.08.2004, 16:16 Uhr

Hallo Ihr

wenn ich bedenke, was manche schwarz arbeiten
da macht sich auch keiner Gedanken dass er anderen was abgräbt
im Gegenteil, er rechtfertigt sich noch, nicht genug zu verdienen.

verboten ist es zwar
aber wie viele aus der Nachbarschaft haben unangemeldete Putzhilfen
oder bauen mit Schwarzkräften ???

dagmar

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Tja...

Antwort von towanda* am 10.08.2004, 19:10 Uhr

... auch hier wieder mein Erstaunen darüber, dass hier offensichtlich davon ausgegangen wird, es könne durch genug Anstrengung des Einzelnen und durch die "Reformen" tatsächlich zu einem drastischen Rückgang der Arbeitslosigkeit kommen.

Ich frage mich wirklich, woher Ihr diesem Optimismus nehmt. Welchen Grund sollte es geben, dass Gewinne (die jetzt schon wieder reichlich gemacht werden!!! ) zur Folge haben, dass sie geteilt werden??? Denn um nichts anderes geht es ja!

Was all das, was da im Moment passiert und noch passieren wird gesellschaftspolitisch für Auswirkungen hat, ds werden wir in den nächsten 10-20 Jahren sehen. Es wird NICHT dazu führen, dass es allen besser geht, soviel ist jetzt schon sicher!

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Re: zweiter Arbeitsmarkt ???

Antwort von Moneypenny77* am 11.08.2004, 10:09 Uhr

Und was passiert mit dem Geld, daß die ach so kriminellen Schwarzarbeiter, die sich ein paar Euro dazuverdienen? Sie konsumieren! Was sie sich nämlich sonst nicht leisten könnten... und zahlen Mehrwertsteuer, Mineralölsteuer, Tabaksteuer und was weiß ich nicht noch alles von dem Geld...

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Wer macht denn "Gewinne"? o.T.

Antwort von Moneypenny77* am 11.08.2004, 10:11 Uhr

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Re: wegen "Sozialarbeiter"

Antwort von Steffi528 am 11.08.2004, 12:27 Uhr

Hallo ihr,

ich kann mich bei den meisten Argumenten von marit, und Co anschließen.
Dennoch bin ich auch der Ansicht, das das Reinigen der Parkanlagen schon Aufgabe von Sozialhilfeempfänger sein kann.

Begründung: Junge, alleinstehende Männer und Frauen müssen sich nicht auf Kosten der anderen ausruhen.

Bei uns wird das jetzt immer mehr praktiziert. Die Sozialhilfeempfänger, die für bestimmte Arbeiten taugen, werden zu diesen Diensten herangezogen.
Entweder sie arbeiten für ein Taschengeld, oder sie werden gekürtzt.
Das funktioniert teilweise sehr gut und zwar so gut, das einige von denen, die in "Faulheit" abgerutscht sind, plötzlich erkennen, das Arbeit auch Spaß machen kann.
Und so kommen einige dann sogar zumindest zu Zeitverträgen.

Das Argument, die Kommunen sollen mehr Leute einstellen, ist zwar schön gedacht, aber nicht durchführbar.
Es ist einfach kein Geld mehr da.
Wenn also da eingestellt werden soll, muß an anderer Stelle gekürzt und gestrichen werden.

Ich bin schon der Ansicht, das nicht weiter im sozialen Bereich gestrichen werden soll, nur um arbeitsfähigen Sozialhilfeempfänger weiter den Popo zu waschen.
Zum Beispiel
Parkanlage sollte gereinigt werden --> stellen wir jemanden dafür ein, obwohl wir das Geld nicht haben --> dafür streichen wir die freiwillige Stelle der Sprachförderung im Kindergarten.
Da möchte ich lieber den sozialen Bereich gestärkt haben und dafür einen 18 - 25 järigen bei der Arbeit sehen.

Diese Arbeitseinsätze gelten jedoch nur bei alleinstehenden Erwachsenen, denen man es schon gut zumuten kann, zu arbeiten.
Alleinerziehende Mütter, Ältere oder die, die wirklich auch die Hilfe benötigen, sollten sie behalten, bzw. da sollte das soziale Netz wesentlich dichter gestrickt werden. Hier sind insbesondere auch die Kinder zu nennen, die in immer größeren Zahlen in die Sozialhilfe rutschen.

Und noch mal zum Thema "Faulheit". Es gibt solche und solche Menschen in der Sozialhilfe und es gibt Leute, die schon so lange in der Sozialhilfe sitzen, das sie allein es nicht mehr schaffen, z.B. einen halbwegs geordneten Tagesablauf hinzubekommen.
Diese Leute sind "faul" und können gar nichts mehr dazu.
Wenn man diesen Leuten eine Aufgabe gibt, an die sie sich halten können, mit ein paar Regeln etc., dann können diese Leute sogar ihren inneren "Schweinehund" überwinden und auch für sich wieder in den Spiegel sehen.

Steffi

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Re: Wer macht denn

Antwort von towanda* am 11.08.2004, 19:56 Uhr

Guck mal in die einschlägigen Wirtschaftsmagazine und -zeitungen, Handelsblatt etc., da steht es schwarz auf weiss.

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Re: wegen

Antwort von towanda* am 11.08.2004, 20:02 Uhr

Ihr geht immer davon aus, dass es die Schuld des Einzelnen ist, wenn er arbeitslos ist und SozHi bekommt.

Was, wenn die Wirtschaftsexperten Recht haben (Buchtipp: Die Globalisierungsfalle) und es einfach keine Bereitschaft der Reichen gibt, soweit zu teilen, dass mehr Menschen am Kuchen teilhaben können. Es also nie wieder auch nur annähernd Vollbeschäftigung geben wird. Was dann? Müssen sich dann die, die keine Arbeit abbekommen wie Menschen zweiter Klasse fühlen und den anderen den Dreck weg machen usw.? Für einen Appel und ein Ei?

Ich möchte das nicht.

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Re: Wer macht denn

Antwort von Moneypenny77* am 11.08.2004, 20:18 Uhr

Dann guck' auch in die Bilanzen dieser Unternehmen, die meisten schleppen nämlich noch ganze schöne Verlustvorträge mit sich herum.

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Wer ist den "reich"? o.T.

Antwort von Moneypenny77* am 11.08.2004, 20:19 Uhr

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@towanda

Antwort von fiammetta am 12.08.2004, 0:15 Uhr

Hi,

ich z.B. gehe nicht davon aus, daß jeder Sozialhilfeempfänger selber Schuld an seinem Unglück ist. Allerdings habe ich durch meinen Job auch eine Menge Leute kennengelernt, die - Elend hin oder her - entweder völlig lethargisch sind (was bei einem Teil wohl aber weniger die Folge als die Ursache war, wenn ich mir unsere Gespräche so ansehe), Alkoholiker sind (ok, ist eine anerkannte Krankheit, aber würdest Du einen Alkoholiker einstellen, der früher oder später auf Deine Kosten unberechenbar wird?), definitiv arbeitsscheu sind (O-Ton "Ich bin doch net blöd, da krieg` ich ja viel mehr Stütze usw."). Andere wiederum sind krank, wobei ich aber auch genügend Fälle kenne, die jeden Pipifax zur unheilbaren Erkrankung erklären, da dies einerseits Aufmerksamkeit bringt und andererseits davor bewahrt, sich doch ins Berufsleben eingliedern zu müssen. Andere sind alleinziehend (wobei auch hier eine Reihe von Fällen dabei sind, die trotz Kinderbetreuung durch eine z.B. relativ junge Oma (kostenlos!) nur einen Teilzeitjob suchen, den es aber momentan nicht gibt - auch eine Möglichkeit). Andere wiederum haben ihren Job verloren, weil die Firma den Sitz wechselt und sie hunderte von Gründen aufführen, weshalb sie nicht umziehen können, es meistens aber eher darum geht, den Wohnort nicht zu wechseln, auch wenn dann auf absehbare Zeit kein Job mehr winkt. Natürlich existieren noch haufenweise andere Beispiele. Der Witz ist halt nur, daß - so mein Erfahrungswert aus den Bewerbungstrainungs z.B. für`s Arbeitsamt - daß ein großer Teil wirklich weitgehend unverschuldet in eine miserablen Lage gelangt ist, ein ebenso großer Teil aber eine Ausrede nach der anderen findet, um eben nicht arbeiten zu müssen - oft entgegen ihrer Beteuerungen, doch unbedingt arbeiten zu wollen. Bei uns in der Gegend gäbe es z.B. eine Reihe von Jobs z.B. als Bäckerei- oder als Schuhverkäuferin. Schlage ich etwas derartiges vor, um eben zumindest eine leichte Ausgangsposition bei der Arbeitssuche zu haben, da höre ich in 80% der Fälle Argumente wie: "Das habe ich nicht gelernt", "Das ist mir zu früh / zu weit weg" (10km sind meistens bereits ein Drama), "Ich muß aber glücklich sein mit meinem Job" etc. Wie gesagt, es geht nicht um eine Lebensstellung, sondern um einen Neustart - nix zu machen. Allerdings hält sich in diesen Fällen mein Mitleid schwer in Grenzen, wenn ich höre, daß sie vielleicht, u.U. ab und zu Laub im Park zusammenkehren sollen. Die Frage ist leider, wo soll man hier die Grenze ziehen, welche Nachweise müßten erbracht werden etc., um ein wirklich gerechtes System zu finden.

Zu der Sache mit den Reiche: Ich habe das Buch nicht gelesen, kann also auf dessen Inhalt nicht eingehen. Allerdings erinnert mich die von Dir angeführte Argumentation im Sinne "Die Reichen wollen nichts abgeben" schwer an die meiner Mutter. Sie ist unerschütterlich der Ansicht, der Reiche-an-sich sei ein Verbrecher, ihm sei grundsätzlich alles geschenkt worden und er solle doch - verdammt noch `mal! - teilen, v.a. mit ihr. Ich habe einen Kunden, der ein irres Gespür für Wirtschaftstrends hat, damit wahnsinnig viel Geld gemacht hat und das bis heute eigentlich nicht genießen kann, da er täglich wie ein Pferd ackert und ständig um den Globus jettet. Seine Mutter ging einst noch mit dem Leiterwagerl über die Dörfer hausieren. Dennoch ist die Frage meiner Mutter, jedesmal nach einem Termin mit ihm: "Was hast Du von den Reichen gekriegt? Was, nichts? (Außer mein Honorar) Der kann doch `mal ... `rausrücken." Sie selbst krakeelt zwar ständig, wie unglaublich fleißig sie doch sei, wobei ich aber eine völlig andere Sicht bezüglich ihres Arbeitseifers hege. Anders und kürzer ausgedrückt: Würdest Du, egal mit ererbten oder selbst gemachtem Vermögen, hingehen und Leute sponsern wollen, die Dich grundsätzlich als "Verbrecher" (s. Muttertier, ist aber kein Einzelfall) titulieren und die Dir (als AG) gegenüber bei einem Arbeitsverhältnis bedeutend mehr Rechte haben als umgekehrt und Dich damit ruinieren kann? Du hast schon Recht - moralisch gesehen, wäre es angebracht, mit anderen, die nicht so viel haben, zu teilen, wobei ich mich immer frage, warum ich auch der Gruppe von Menschen unbegrenzt Mitleid und Sympathie entgegen bringen soll, die sich als Erwachsene sehenden Auges ihr Leben selbst verpfuscht haben (s. o.g. Teil, also nicht alle!). Aus der Sicht des Einzelnen verschwimmt aber die Moral ganz schnell, wenn sie einen selbst trifft und beim Geld hört bekanntlich der Spaß auf.

LG,

Fiammetta

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Re: wegen

Antwort von Steffi528 am 12.08.2004, 7:57 Uhr

Hallo,

ich habe schon einige Leute kennen gelernt, bei denen liegt das Verbleiben in Sozialhilfe und Arbeitslosigkeit eindeutig in ihrem eigenen Verschulden.
Diese Leute wollen nicht arbeiten oder sie wollen zu Bedingungen arbeiten, bei denen sich mir als Arbeitnehmerin echt die Stimme versagt. (Zitat einer 20 Jährigen, ungelernten Kraft : unter 2000 € netto arbeite ich nicht)
Und auf diesen Typ Mensch habe ich ganz ehrlich einen Hals. Da kann man sich bemühen, alle möglichen Ausbildungsplätze oder Arbeitsstellen herzuzaubern. Ne, vor 10 Uhr stehe ich morgens nicht auf, da muß sich der Chef drauf einstellen etc.)

Und da geht es schon darum, den Dreck anderer Leute weg zu machen, wenn sie Stütze vom Staat wollen. Andere Alternative wäre in diesen Fällen, echt alles zu streichen.

Die Sozialhilfe ist nicht dafür da, die arbeitsfähigen faulen "Säcke" durch zu füttern, sondern die Leute zu unterstützen, denen es nicht gut geht und die z.B. tatsächlich unverschuldet in die Armut gelangt sind.

Die Grenze zu finden, wo fängt die echte Faulheit an und wo endet die (auch psychosoziale) Hilfsbedürftigkeit, das ist schwer.

Trotzdem kann es nicht sein, das es freie Stellen gibt, die niocht besetzt werden, nur weil ein langzeitarbeitsloser junger Mensch ohne Kinder (meinetwegen auch ein älterer) meint, es wäre unter seine Würde, den Park zu fegen, aber es wäre ihm genehm, das Sozialsystem weiter auszunutzten, damit noch mehr Kinder in die Armut rutschen "dürfen".

Steffi

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Interessant...

Antwort von towanda* am 12.08.2004, 15:46 Uhr

... dass niemand darauf eingeht, dass es weder jetzt noch in Zukunft genug Arbeit für alle geben wird.

Statt dessen reitet Ihr auf dem Begriff "Reich" rum. Die natürlich alle schwer geschuftet und ihr gutes Leben verdient haben. Mannomann, was soll man dazu sagen? Bestimmt haben das viele und tun es viele immer noch.

Vielleicht ist es nicht verständlich, was ich meine, aber ich finde es legitim, dass diejenigen, die in dieser Gesellschaft zu denen gehören, die keine Arbeit haben, nicht in Depression versinken. Was wäre denn die Alternative? Dass sich alle Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger anstrengen wie blöd ohne Aussicht auf Erfolg? Es gibt doch dadurch nicht mehr Arbeit!

Und damit ich nicht in eine komplett falsche Ecke gerate: Ich arbeite (unterbezahlt) im sozialen Bereich, meine Stelle ist ständig von Streichung bedroht, während die Steuergelder in meiner Stadt lieber dafür verwendet werden, alles "schön" zu machen.

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Re: Interessant...

Antwort von krissie am 12.08.2004, 17:15 Uhr

Ich verstehe Dich schon. Es gibt in diesem Land natürlich Reiche, die über ein vielfaches des Durchschnittseinkommens verfügen. Und über ein Vielfaches des Durchschnitsbesitzes. Und es gibt welche, die deutlich unter diesem Durchschnitt liegen. Heute lese ich erst wieder, dass die Schere zwischen beiden Gruppen sich immer weiter öffnet. Vor allem kletterten die Einkommen aus Gewinn- und Vermögen weitaus stärker als die Arbeitnehmereinkommen. Es ist die Frage, wie hart hier wer arbeitet. Gut, der der über viel Vermögen verfügt, hat das zum großen Teil schon von seinen Eltern, Großeltern etc. mitbekommen, die sich das möglicherweise hart erarbeitet haben. Für die aber auch andere hart gearbeitet haben, deren Nachfahren jetzt nicht so davon profitieren. Das ist halt eine sehr ungleiche Ausgangsposition.
Es gibt ganz sicher eine Menge relativ "arme" Leute, die ähnlich hart arbeiten (oder sogar härter) wie "Reiche". Sind die dann halt nicht findig genug oder hatten sie von Beginn an schlechtere Karten?

LG Kristina

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Re: Interessant...

Antwort von marit am 13.08.2004, 11:32 Uhr

Woher nimmst du denn die These, daß es nicht mehr genug Arbeit für alle gibt? Arbeit ist doch keine begrenzte Resource, so wie Erdöl. Nur ein Beispiel 2 Pärchen entscheiden sich für Kinder, beide leicht gehobenener. Pärchen 1 zugleich fürs Hausfrauenmodell. Damit zahlt Pärchen 1 nur einmal Krankenkassenbeitrag und Sozialabgaben. Es profitiert vom Ehegattensplitting und zahlt nur geringe Beiträge für den Kindergarten ab 3, trotzdem ist das Geld bei einem Einkommen natürlich kanpp.
Pärchen 2 will nach einem halben Jahr wieder zu zweit Vollzeit arbeiten. Sie profitieren nicht vom Ehegattensplitting und zahlen 2 hohe Rentenbeiträge sowie 2 mal Krankenkassenbeiträge. Ihre Kinder kommen recht früh in die Kita. Durch ihre recht hohen Beiträge finanzieren sie immerhin 1/4 einer Erzieherstelle. Außerdem sind sie beste Kunden der Hausarbeitsagentur "casa nova" die alle 2 Wochen jemanden zum Gründlichen Durchputzen vorbeischicken. Ihre Anzüge und Kostüme, die sie für die Arbeit brauche, bringen sie regelmäßig in die Reinigung und wenn ihnen die Arbeit über den Kopf wächst, geben sie auch mal einen Stoß Hemden und Blusen zum Bügeln ab. Pärchen 2 hat, wenn man diese ganzen Sachen abrechnet auch nicht mehr Geld zum Leben als Pärchen 1, hat aber im Laufe seines Lebens sicher 5 mal so viele Arbeitsplätze geschaffen, wie Pärchen 1.

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