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Geschrieben von somane am 19.09.2020, 10:23 Uhr

Medikament - lange gezögert, jetzt sehr zufrieden

Meine Lieben

Wir sind 5 bei uns zuhause, 3 davon mit offizieller ADHS Diagnose. Mein Mann, meine grosse Tochter, unser Sohn. Meine 2. Tochter und ich scheinen es nicht zu haben. Jedenfalls nimmt meine Mann seit ca. 10 Jahren das Medi, es ist auch dringend nötig bei ihm. Meine grosse Tochter liessen wir insgesamt 3x abklären. Einmal mit 5 Jahren, damals hiess es, sie habe sehr viele Symptome, sei aber noch zu jung um die Diagnose zu stellen. Mit 8 hiess es, kein ADHS. Sie kam dann sehr früh in die Pubertät. Essstörungen, Panikattacken Schlafstörungen, Depressionen, alles musste sie durchlaufen.

Zwischenzeitlich liessen wir unseren Jüngsten abklären. Bei ihm war mir von Anfang an, dass er eines Tages abgeklärt werden muss. Da er aber ein sehr toller, sozialer Junge ist und er sich mit sich selber sehr wohl fühlt, sah ich keinen Abklärungsbedarf. Die Schule kam dann mitte der 3. Klasse auf mich zu und wir liessen ihn abklären. Das zog sich lange hin. Schlussendlich hatten wir die Diagnose, aber es wurde uns keine Therapie ausser die Medikation angeboten. Da bei ihm das einzige Problem die Konzentration war/ist, wollte ich es erst mit Neurofeedback und klarere Tagestruktur (Bildschirmzeit usw.) versuchen. Unser Sohn ist körperlich sehr aktiv, manchmal ein bisschen ungestüm, aber ich find das nicht so abnormal für einen Jungen in dem Alter. Auch die Konzentrationsprobleme erachte ich als nicht unnormal, es ist eher unser Schulsystem, dass Dinge von den Kids aberverlangt, die wissenschaftlich erwiesen gar nicht möglich sind. Ein Kind von 10 Jahren kann sich nun mal nicht länger als 20 Minuten auf eine Sache konzentrieren. Jedenfalls zögerte ich das mit dem Medi hinaus, da ich nicht so grossen Bedarf sah.

Nach dem Lockdown und Homescooling änderte ich meine Meinung. Wir waren bereit, das Medi zu versuchen, auch in Hinsicht darauf, dass die 5. und 6. Klasse 2 wichtige Schuljahre sind, ich wollte nichts verpassen. Seit 6 Wochen nimmt er nun Ritalin. Wir haben mit der kleine Dosis angefangen, sofort eine Wirkung gemerkt.

Unser Sohn ist viel ausgeglichener, zufriedener, weniger oppositionell, geht gerne zur Schule und die Noten sind der Hammer- unglaublich. Appetitlosigkeit war nur die erste Woche, jetzt isst er wieder wie ein Scheunendrescher.

Da ich mit aufgrund meines Sohnes erneut intensiv mit dem Thema auseinandersetzte und ich im Rahmen dessen auch über die Folgeerkrankungen einer unbehandelten ADHS mehr erfahren haben, ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen. All die Folgeerkrankungen die es geben kann, hat meine grosse Tochter während der Pubertät durchgemacht. Sie ist jetzt fast 18 Jahre alt und hatte jetzt wirklich sehr schwierige Jahre hinter sich. Wie gesagt, es fiel mir wie Schuppen vor den Augen, also liessen wir auch sie noch einmal abklären. Und sie wurde eindeutig diagnostiziert (viel eindeutiger als mein Sohn). Seit sie das Medi nimmt geht es ihr so viel besser. Es ist noch nicht alles optimal, aber sie ist so viel ruhiger, ausgeglichener, konzentrierter. Zuvor hat sie sich selber kaum ausgehalten. Schlafen tut sie noch immer nicht optimal und es sind noch einige Dinge zu verarbeiten. Aber sie hat einen tolle Therapeutin und ist auf dem guten Weg.

Was ich damit sagen will. Ich war noch nie gegen die Medikation (mein Mann braucht es dringend), aber ich hatte grosse Hemmungen es meinen Kids zu geben. Beim Bub denke ich, sind wir genau zum richtigen Zeitpunkt eingestiegen (nicht zu früh aber noch vor der Pubertät), bei der Grossen leider ein wenig zu spät. Trotzdem denke ich, sind meine Kinder nicht krank od. so. Es ist die Schule, die Gesellschaft, die leistungsfähige Kids und Erwachsene erwartet, welche, die für die Wirtschaft später zu gebrauchen sind. Sie werden alle in den gleichen Topf geworfen, alle nach dem selben Lehrplan und Tempo unterrichtet, das ist krank, nicht die Kids. Die sind ganz normal und gesund. Ein 10 Jähriger, der aktiv ist und hibbelig erachte ich als gewöhnlicher als einer, der von 8 bis 15 Uhr brav am Pult sitzt und gewissenhaft seine Aufgabe erledigt (übertrieben ausgedrückt).

Meinen Kids hilft das Medi, das von der Gesellschaft und Schule verlangte zu erfüllen. Sie können ihr Potential besser abrufen. Allerdings wäre mir lieber, das System würde mehr auf die individuellen Bedürfnisse und den Entwicklungsstand der Kinder Rücksicht nehmen. Ich möchte einfach, dass die Kinder sich in der Gesellschaft wohl fühlen und hoffe aber, dass sie eines Tages reflekieren, ob sie das Medi ein Lebnen lang nehmen wollen od. ob sie als Erwachsene einen anderen Weg finden, mit dem Syndrom und der Gesellschaft umzugehen. Bei uns wurde der Druck von aussen zu gross. Deshalb haben wir uns überwunden, dem Buben das Medi zu geben. Wir bereuen es nicht. Bei der Grossen wäre es wohl besser gewesen, sie hätte die Diagnose und das Medi vor der Pubertät schon gekriegt.

Ach ja, eine kurze Frage an euch habe ich. Mein Sohn erhält Ritalin 30mg LA. Diese Dosis ist optimal. Ich habe aber Bedenken, dass wir irgend wann erhöhen müssen, dass er sich daran gewöhnt. Das widerstrebt mir, ich finde die Dosis schon recht hoch. Wie sind da eure Erfahrungen? Müsst ihr oft anpassen?

LG und ein schönes Wochenende euch.

 
3 Antworten:

sorry für die Tippfehler

Antwort von somane am 19.09.2020, 10:27 Uhr

o.t.

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Re: Medikament - lange gezögert, jetzt sehr zufrieden

Antwort von Badefrosch am 19.09.2020, 19:25 Uhr

Wir haben Medikinet seit er 8 ist.

Von 20 bis 50 mg haben wir alles durch, auch nur an Schultagen geben.
Mit dem LockDown hatten wir auf 10 bis 15 mg unretardiert runter gefahren, also im Prinzip nach Bedarf gegeben, jetzt sind wir auf 30 mg Retard, da ab nächster Woche wieder Ganztag, vom KJP auch am Wochenende, einfach um zu sehen wie und vor allem wie lange die Wirkung ist. Wenn notwendig dosieren wie 10 mg unretardiert nach, meist Freitags, wenn er zum LRS Kurs geht.

50 mg ist definitiv zu viel gewesen.

Ich denke eher darüber nach auf Kinecteen umzusteigen, das 12 Stunden hält, damit er wirklich nur morgens nehmen muss.

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Re: Medikament - lange gezögert, jetzt sehr zufrieden

Antwort von desireekk am 21.09.2020, 3:55 Uhr

Ein toller betrag, ich bin voll bei dir!

Zu deiner Frage: mein Großer nahm seit er ca. 8 J. war 30 mg, dann ab ca. 9 oder 10 J 40 mg LA.
Die hat er so bis ca. 18 genommen, danach stiegt er auf Adderall um. , will aber jetzt (mit 20) wieder auf Ritalin zurück.

BTW: wir haben auch MPH unretardiert Zuhause, da er ansonsten nicht lange genug über den Tag abgedeckt ist, da reichen im meist 10 mg weil die besser freisetzen als die retard.

Auch der "Kleine" hat fast 10 Jahre immer die selbe Dosierung genommen, nimmt jetzt aber gar nichts mehr, er hat aus beruflichen Gründen mit 17 J. aufgehört.

VG

D

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