ADHS - ADS

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Geschrieben von Dezemberbaby2012 am 18.10.2019, 0:33 Uhr

Erfahrungen Grundschule OHNE Medikamente?

Hallo liebe Mamis und Papis,

mich würde interessieren, ob es hier unter euch jemanden gibt, der ein (eindeutiges) ADHS-Kind hat und es tatsächlich ohne Medikamente geschafft hat.

Unser Kleiner ist jetzt in der 1. Klasse, seit wenigen Wochen wissen wir, dass er ADHS hat. Die Beschwerden der Klassenlehrerin häufen sich, er findet keine Freunde, ist grad alles blöd.

Eigentlich bin ich gegen Medikamente (nicht generell, nur so schnell wollte ich keine). Mein Plan war, erst alles andere auszuschöpfen (Verhaltenstherapie, Ergotherapie, Psychomotorik etc.) und erst wenn das nichts bringt, auf Medikamente zurückzugreifen. Nun bin ich mir da aber nicht mehr so sicher. Was, wenn das am Ende alles nichts bringt? Dann hat er noch mindestens ein Jahr lang weiter diese Probleme. Aber vorschnell Medikamente möchte ich eben auch nicht geben.

Er arbeitet zu langsam, stört im Unterricht, geht schlampig mit seinem Unterrichtsmaterial um, macht ständig irgendeinen Quatsch, ist impulsiv, neigt zum Schubsen/Hauen.
Ansonsten ein lieber Kerl, dem hinterher immer alles Leid tut, sehr verkuschelt, super intelligent und sensibel.

Bisher haben wir Marburger Konzentrationstraining gemacht und Elterntraining. Das MKT hat keine sichtbaren Erfolge gebracht.
Daher meine Frage: Bei wem hat es (während der Grundschulzeit) ohne Medikamente „geklappt“?

Liebe Grüße,

dezemberbaby

 
21 Antworten:

Re: Erfahrungen Grundschule OHNE Medikamente?

Antwort von Powermama83 am 18.10.2019, 9:00 Uhr

Hallo :-)

Ich habe ein 12 -jährigen Sohn mit ADHS der auch in der 1 Klasse die Diagnose erhalten hat.
Mein Sohn wurde seit der Diagnose auf Medikamente eingestellt. Und ich muss sagen, das war seine Rettung.
Die Diagnosestellung hat 6 Monate ungefähr gedauert. In dieser Zeit war sein Verhslten so, wie du es von deinem Kind schilderst. Zum Schluss hin wollte sie meinen Sohn sogar von der Schule schmeißen und in eine Förderschule geben weil er ja nicht so funktionierte wie von ihm verlangt wurde. Also habe ich zusätzlich noch ein IQ'Test angeordnet. Dieser ergab das mein Sohn ein überdurchschnittlichen IQ hat. Mit diesem Wert konnten sie ihn nicht von der Schule schmeißen, da er mit so einen Wert in der Förderschule nicht angenommen wird.
Also bat ich den Direktor etwas Geduld zu haben bis die Diagnose komplett abgeschlossen ist.
So Fazit: mein Sohn wurde eingestellt.
Seitdem wurde alles besser. Er hat Freunde gefunden, hat den Unterricht nicht gestört, hatte seine Impulsivität im Griff.

Wir haben nebenbei eine Verhaltenstherapie (3 Jahre) besucht u.a. auch Ergotherapie (1 Jahr).
Alleine diese Maßnahmen hätten nicht gereicht um sein Verhalten zu verbessern.
Allerdings möchte ich noch dazu sagen, es gibt ADHS in ausgeprägter Form und in leichter Form.
Mein jüngerer Sohn 9 Jahre wurde in der 4 Klasse diagnostiziert auf ADHS, kommt allerdings ohne Medikamente aus. Er hat ein großes Problem, das ist seine Konzentration. Wir hatten ihn dafür auf Medikinet eingestellt. Da er unter seinen Zensuren litt. (auch er hat er überdurchschnittlichen IQ) Allerdings) allerdings reagierte er mit Nebenwirkungen, so das wir das Medikament wieder abgesetzt haben.

Es gibt mittlerweile auch Medikamente für ADHS'ler die nicht unter den Beteibungsmitteln fallen und dir helfen können dass dein Kind nicht immer aneckt.
Da kann dich aber dein Kinderpsychister beraten.

Mein Entschluss für Medikamente habe ich getroffen, weil es für mein Kind schlimm war von der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden.

Alles gute Euch!

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Re: Erfahrungen Grundschule OHNE Medikamente?

Antwort von Mucksilia am 18.10.2019, 9:23 Uhr

Eigentlich ist es doch ganz enfach. Er schafft es ohne oder nicht.Das merkt man ganz schnell. Wichtig ist ein enger Kontakt mit dem/ der Klassenlehrer(in). Die wird es dir deutlich sagen.
Problem kann werden, dass er, wenn du zu lange mit der Entscheidung wartest, schon zu viele negative Entscheidungen getroffen hat oder zu sehr im Stoff hinterher hinkt.
Mein Sohn ist ohne Medis nicht beschulbar.

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Re: Erfahrungen Grundschule OHNE Medikamente?

Antwort von Powermama83 am 18.10.2019, 11:42 Uhr

Sorry, für die Fehler oben.... war leider in Eile
Aber ich denk einiges kann man sich gut zusammenreimen.
Lg

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Re: Erfahrungen Grundschule OHNE Medikamente?

Antwort von Powermama83 am 18.10.2019, 12:01 Uhr

Sorry, für die Fehler oben.... war leider in Eile
Aber ich denk einiges kann man sich gut zusammenreimen.
Lg

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Re: Erfahrungen Grundschule OHNE Medikamente?

Antwort von Holzkohle am 18.10.2019, 12:08 Uhr

wir haben es bis zur 3. oder 4. Klasse probiert und dann aufgegeben. Bzw. mussten aufgeben, da es dann eine Schulkonferenz gab, in der entschieden werden sollte, wie weiter mit meinem Sohn verfahren wird. Die ersten Lehrer hatten sich zu dem Zeitpunkt nämlich bereits geweigert meinen Sohn zu unterrichten oder setzten ihn sofort zum Stundenanfang auf den Flur.

Ich hatte allerdings nie ein Problem mit der Gabe der Medikamente und rückblickend waren sie ein Segen. Auch wenn sie die letzte Instanz waren.

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Sieh es doch mal umgekehrt

Antwort von Strudelteigteilchen am 18.10.2019, 12:29 Uhr

Er braucht JETZT Hilfe, und zwar schnell. Die Alternativen wirken aber nicht schnell - können sie gar nicht. Selbst wenn Du morgen einen Platz für eine Verhaltenstherapie bekommst - bis die "wirkt", dauert es mindestens zwei bis drei Jahre.

Medikamente wirken schnell. Sie können also JETZT sein Leben (und das seiner Umwelt) deutlich erleichtern - und wenn die anderen Optionen dann wirken, kannst Du immer noch überlegen, ob Ihr es auch mal ohne probiert.

Dazu kommt, daß viele Therapien mit Medikamenten erheblich besser/schneller wirken können. In einer VT, zum Beispiel, werden ja alternative Verhaltensmuster erarbeitet und trainiert. Aber ohne Medikamente schafft das Dein Sohn nur mit deutlich größerer Anstrengung als mit Medikamenten. Du verzögerst die Wirkung der sowieso nur langsam wirkenden Hilfen auch noch zusätzlich.

Mein Sohn bekam - aufgrund einer sehr späten Diagnose - in der Grundschule zunächst keine Medikamente. Es war eine fürchterliche Zeit, für alle Beteiligten, aber vor allem für ihn selber. Die Lehrer sind nebensächlich, daß es für mich hart war auch - aber daß ER nur noch schlechte Erinnerungen an seine Grundschulzeit hat, das tut mir von Herzen leid.

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Danke, danke, danke an alle!!

Antwort von Dezemberbaby2012 am 18.10.2019, 14:41 Uhr

Ja, ihr unterstreicht meine Bedenken (wenn wir warten). Ich werde das noch einmal mit meinem Mann besprechen und beim nächsten Termin mit der KJP. Sie hatte beim letzten Gespräch (nach der Diagnose) schon erwähnt, dass wir eventuell Medikamente geben sollten, wenn der Schulstart schwierig wird. Das hat mich völlig überrascht und ich dachte bei mir „Nein, nein, auf gar keinen Fall gebe ich ihm jetzt schon Medikamente, bevor ich nicht wirklich alles andere probiert habe.“ Habe das aber noch nicht weiter mit ihr besprochen, denn wir wollten ja sowieso erst die Einschulung abwarten.

Aber jetzt, nach ein paar Wochen Schule, bin ich eben ins Grübeln gekommen, aus den Gründen, die ihr schreibt. Es vergeht wertvolle Zeit, er eckt überall an, er kommt in eine Schublade, wird langsam traurig und depressiv. Die Noten sind bei uns noch nicht so das Problem, denn es ist ja erst die 1. Klasse.

Er ist (meiner Meinung nach) beschulbar, hat keine völligen Ausraster, aber es vergeht kein Tag ohne Beschwerden oder Probleme in der Schule (stören, andere ärgern, zu langsam, zu unordentlich, befolgt die Anweisungen nur zögerlich). Puh, schwierig.

Liebe Grüße,

Dezemberbaby

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Mein Sohn hat zwar die Grundschule ohne Medikamente geschafft

Antwort von Marianna81 am 19.10.2019, 13:28 Uhr

geklappt hat es aber, im Nachhinein, eher schlecht. Da musst du dicht fragen in wieweit die Schule sich bereit zeigt, auch sich um deinen Sohn zu bemühen.

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Re: Erfahrungen Grundschule OHNE Medikamente?

Antwort von daide am 19.10.2019, 22:22 Uhr

Hallo,
bei uns kam die Diagnose noch vor der Grundschule, sofort hat die Ergotherapie begonnen. Sowohl Einzel- als auch Gruppentherapie, letzteres als Vorbereitung auf die Klassensituation.
Im Lauf der Grundschulzeit kamen dann noch Verhaltenstherapie und Neurofeedback dazu. Der Durchbruch kam mit der Verhaltenstherapie, das hat unheimlich viel bewirkt.
Bis dato (Klasse 6) ist sie immer noch ohne Medikamente. Das überrascht sowohl die Psychiaterin als auch die Therapeutin - und uns letzten Endes auch. Die Prognosen waren anders...

Natürlich gab und gibt es „Beschwerden“ seitens der Lehrer und der Mitschüler. Die Lehrer haben durch die Bank beklagt, dass sie mit den Arbeitsmaterialien nicht sorgfältig umgeht, ihre Sachen vergisst oder verschlampt, sich nicht konzentrieren kann, Ruhephasen braucht, zappelig ist, etc.
Die Leistungen waren trotz allem (bis auf Mathe) sehr gut, das verdankt sie ihrem hellen Köpfchen. Die Lehrer waren immer sehr kooperativ und nachsichtig, da bin ich im Nachhinein sehr dankbar dafür.

Die Kinder haben bestimmte Eigenheiten nicht verstanden, z.B. dass sie Pausen und Rückzugsgebiete gebraucht hat, um Kraft für den weiteren Schultag zu haben. Aber such damit haben sich irgendwann alle Beteiligten arrangiert.

Inzwischen, wie gesagt, Klasse 6 mit Bestnoten, da sie mehr gefordert wird. Die neuen Lehrer sehen Schwierigkeiten bei der sozialen Kompetenz (z.B. Pausen alleine statt mit Klassenkameraden) und nach wie vor bei der Sorgfalt (Buch verschwunden oder Hausaufgaben vergessen), einige (wenige) neue Mitschüler kommen mit ihrer Sturheit und dem enormen Wissen, das oft als Klugscheißerei ausgelegt wird, nicht so gut klar. Aber alles im Rahmen, sie hat ein paar richtig gute Freundinnen, das passt schon.

Es wird immer wieder Kämpfe geben, richtig leicht wird es wohl nie sein. Aber so lange es irgendwie geht, werden wir auf Medikamente verzichten.

Alles Gute für Euch!

Lg, daide

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Re: Erfahrungen Grundschule OHNE Medikamente?

Antwort von Krümel_3und4 am 20.10.2019, 18:58 Uhr

Mein Sohn ist auch in der ersten Klasse mit derselben Diagnose. Ich mache es genauso wie Du und warte mit Medikamenten.
Das beantwortet zwar Deine Frage nicht, ist aber vielleicht beruhigend, dass andere es ebenso machen. Ich gebe ihm das erste Schuljahr, wenn es zu schwierig wird, lasse ich nochmal eine Diagnostik machen und gebe dann Medikamente, wenn es erforderlich ist.

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Re: Mein Sohn hat zwar die Grundschule ohne Medikamente geschafft

Antwort von Dezemberbaby2012 am 21.10.2019, 12:17 Uhr

Sie bemühen sich, aber sie haben noch viele andere Kinder in der Klasse und ich denke, sie können sich in der Gruppensituation gar nicht so bemühen, wie sie eigentlich müssten (im Idealfall).

Die Klassenlehrerin steht in engem Kontakt mit mir, aber sie glaubt, er wäre einfach noch nicht schulreif. ADHS sähe anders aus.... Ein Jahr Kindergarten mehr hätte ihm gutgetan, sagt sie. Dann wäre er aber bei der Einschulung 7 1/2 gewesen und wie gesagt, kognitiv ist er megafit.

Ich weiss (Testung) und fühle, dass das sehr wohl ADHS ist und eben NICHT so einfach von selbst wieder verschwindet, wenn er nur ein Jahr älter wäre. Sie will ihm zwar helfen, aber sie hat irgendwie kein Gespür dafür, was ihm helfen könnte, finde ich. Sie hat ihn z.B. von seinem vorderen Platz nach hinten versetzt, was ich nicht ideal finde. Dort macht er auch Quatsch und so muss er oft am „Eselstisch“ (so nenne ich ihn, sie nicht) ganz vorne an der Seite sitzen mit Blickrichtung zur Wand, wo unheimlich viele bunte Zettel hängen und ein unaufgeräumter Rumpeltisch mit Ordnern, Heften, Scheren, Stiften, Klebern, Büchern vor seinem Tisch ist. (Um sie und die Tafel zu sehen, muss er den Kopf um 90 Grad zur Seite drehen. Auch das finde ich kontraproduktiv für ADHS, aber das versteht sie nicht. Wundert sich aber, dass er dort Geräusche ohne Ende macht (Selbstgespräche, mit Stiften Krach machen und so weiter)

Also, wie die weitere Zusammenarbeit sein wird, weiss ich nicht, aber ich habe irgendwie das Gefühl, sie verliert langsam die Geduld.

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Re: Erfahrungen Grundschule OHNE Medikamente?

Antwort von Dezemberbaby2012 am 21.10.2019, 12:30 Uhr

Hallo Daide,

danke für deinen Bericht. Das ist toll, dass deine Tochter feste Freundinnen gefunden hat. War das von Anfang an so, oder hatte sie am Anfang auch mit Ablehnung zu kämpfen?

Mein Sohn ist in eine Klasse gekommen, wo er bis auf ein Mädchen niemanden aus dem Kindergarten kennt. Seine zwei Kindergartenfreunde sind auf einer anderen Schule.

Ging es deiner Tochter selbst gut mit der Entscheidung gegen (frühe) Medikamente? Mein Sohn äussert neuerdings gehäuft solche Sachen wie „besser, es würde mich gar nicht geben“ „ich wünschte, ich wäre für immer weg“. Das hat er auch der Psychologin gegenüber geäußert. Er erfährt im Moment fast nur Ablehnung durch die Umwelt. Wir versuchen, das zu Hause aufzufangen, aber wenn er Wände bekritzelt, Möbel zerkratzt, das Haus zusammenschreit oder uns im Affekt schlägt, müssen wir halt auch schimpfen/Konsequenzen verhängen und das macht es für ihn dann natürlich auch zu Hause schwer. Das macht mich nicht nur traurig, sondern auch sehr nachdenklich.

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Re: Erfahrungen Grundschule OHNE Medikamente?

Antwort von Dezemberbaby2012 am 21.10.2019, 12:51 Uhr

Hallo Krümel,

danke für deinen Post. Hat dein Sohn denn Schwierigkeiten in der Schule? Also ich meine nicht unbedingt Konzentrationsprobleme, sondern so, dass er den Ablauf stört? Wie geht ihr damit um?

Es ist zwar nicht völlig extrem bei unserem Kleinen. Nicht, dass er Möbel herumschmeißen oder sich in der Stunde auf den Boden werfen würde. Dann wäre die Sache ja klar. Dann würde ich Medikamente glaube ich eher befürworten.

Bei ihm sind es so „Kleinigkeiten“ die aber eben alle Beteiligten massiv stören. Mal kritzelt er anderen aufs Blatt. Mal schiebt er sein Mäppchen Stück für Stück auf den Nachbartisch. Mal lässt er seine Stifte minutenlang auf dem Tisch hin- und herrollen mit entsprechenden Geräuschen. Dann führt er sinnlose Selbstgespräche. Dann bewirft er andere mit Frühstücksbröckchen. Dann bewirft er sie nach dem Sportunterricht mit seinen Schuhen. Wirft ihre Trinkflaschen mit einem „gaaanz unauffälligen“ Stups um. Hält sich beim Sport nicht an Anweisungen des Sportlehrers. Redet im Unterricht herein, ohne sich zu melden. Bohrt Löcher in sein Arbeitsmaterial. Rempelt beim Pausenaufstellen herum, wirbelt anderen „aus Spaß“ die Jacke ins Gesicht. All so ein Zeug. Nicht alles täglich, aber jeden Schultag mehrere solcher Sachen.

Und scheinbar machen die Klassenkameraden sowas nicht und sind sehr genervt. Und die Lehrerin natürlich sowieso. Sie ist zwar verständnisvoll und kooperativ, aber sie fordert nachdrücklich (auch bei mir), dass sich das ändert.

Ist das bei euch nicht so? Oder auch so und ihr steht das einfach durch?

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Re: Erfahrungen Grundschule OHNE Medikamente?

Antwort von daide am 22.10.2019, 19:05 Uhr

Hallo nochmal,

sie hatte schon immer 1, 2 gute Freundinnen, aber eben oft auch 5x so viele Kinder, die sie aus verschiedenen Gründen doof fanden. Sie fand und findet die Anzahl ihrer Freundinnen ok, ich würde ihr gerne 2, 3 mehr wünschen. Denn wenn es mit den wenigen mal kriselt, gibt es kaum Ausweichmöglichkeiten. Aber sie macht einen Mannschaftssport, da tun sich auch erste Kontakte auf, und für einen Kindergeburtstag mit 8 - 10 (nicht ganz so eng befreundeten) Gästen reicht es auch. Insofern sind wir zufrieden.

Ja, ihr geht es mit der Entscheidung gut. Auch sie hatte (und hat) diese Phasen, in denen sie einfach nur sein wollte "wie alle anderen", "am liebsten gar nicht mehr da" gewesen wäre und die ganze Lage ziemlich verzweifelt war. Das war der Punkt, an dem ich mir richtig Sorgen gemacht habe und den Termin bei der Kinderpsychiaterin ausgemacht habe. Da war sie 5 Jahre alt. Abgesehen davon hat sie sich so fest aufs Nagelbett von Daumen und Zeigefinger gedrückt, dass die Nägel dort monatelang deformiert waren und auch so nachgewachsen sind. Sie meinte, sie braucht das, um sich zu spüren und ggf. Frust abzulassen, damit sie in schwierigen Situationen nicht platzt. Ich hatte furchtbare Angst, dass das nur der Anfang ist und sie sich irgendwann ritzt o.ä.

Auch hier hatte die Therapeutin gute Ideen. Zunächst gab es einen Schlüsselanhänger mit dem damaligen Lieblingstier, einem Einhorn. Da konnte sie das Horn so lange knubbeln und kneifen und drücken wie sie wollte - sie konnte dem inneren Druck nachgeben, ohne dass es ihr auch nur im Geringsten weh tat. Letztes Jahr kam ein Spiralring aus Metall dazu. Der kann unauffällig wie ein normaler Ring getragen werden. Wenn es nun im Unterricht zu Situationen kommt, die für sie schwer auszuhalten sind, in denen sie am liebsten laut losschreien würde - dann drückt sie ihre Finger zusammen und spürt einen gewissen Schmerz (den sie selbst durch die Stärke des Zusammendrückens regulieren kann), auf den sie sich dann konzentrieren kann. Damit rückt das, was sie vorher so aufgeregt hat, in den Hintergrund. Das funktioniert hervorragend.

Wir waren bisher 2 Mal kurz davor, nach einem Medikament zu fragen. Einfach, weil wir das Gefühl hatten, dass es nicht mehr geht. Wir konnten nicht mehr, sie konnte nicht mehr. Und dann, fast über Nacht, hat sie sich wieder berappelt und es lief geradezu vorbildlich. Unsere Tochter möchte inzwischen von sich aus kein Medikament, weil sie Angst hat, sie könnte nicht mehr "sie selbst" sein, weil es vielleicht nicht richtig dosiert ist. Dass sie wie abgeschaltet sein könnte. Oder dennoch unruhig, trotz Medikament. Ich denke, wir versuchen es weiter ohne.

Selbstverständlich kommt nach jeder noch so guten Phase irgendwann der nächste Durchhänger, aber man lernt zunehmend, damit umzugehen. Und nicht mehr alles persönlich zu nehmen. Natürlich leide ich nach wie vor mit meinem Kind in einer schwierigen Phase. Ich sehe, wie sie sich selbst im Weg steht und kann nichts dagegen tun. Sie lässt sich dann einfach nicht helfen. Wir wissen inzwischen alle, dass sie da durch muss - und es anschließend meistens extrem viel besser läuft. Das hilft, ein kleines bisschen zumindest...

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Re: Erfahrungen Grundschule OHNE Medikamente?

Antwort von Dezemberbaby2012 am 22.10.2019, 22:29 Uhr

Danke für deine Erfahrungen. Das hört sich wirklich so an, als ob ihr „euren“ Weg gefunden hättet.

Ich werde jetzt auf jeden Fall nochmal die nächsten Wochen in der Schule abwarten und mich beim nächsten Gespräch nochmal ausführlich mit der KJP beraten. Und dann nochmal ausgiebig darüber schlafen.

Liebe Grüße!

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Re: Erfahrungen Grundschule OHNE Medikamente?

Antwort von Iny am 26.10.2019, 15:41 Uhr

Wir haben in der ersten Klasse die Diagnose erhalten. Es war seine Rettung überhaupt eine "normale" Schullaufbahn und soziale Kontakte erleben zu dürfen.

Mitte der vierten Klasse haben wir einen auslassversuch auf seinen Wunsch hin gestartet. In diesen nicht ganz drei Monaten sind nicht nur seine Noten gravierend in den Keller gerutscht (was mir allerdings nicht so wichtig war), er hat in dieser Zeit auch alle Freunde verloren und war gegen Ende kreuzunglücklich. So haben wir die Reißleine gezogen und wieder mit Medikamenten gestartet.

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Re: Erfahrungen Grundschule OHNE Medikamente?

Antwort von Dezemberbaby2012 am 28.10.2019, 21:46 Uhr

oh, auch dir danke für deine Erfahrungsschilderung. Ich bin inzwischen auch offener für das Thema, zumal es seit dem Schulstart nach den Herbstferien wieder/immernoch sehr schwierig ist. Der Kleine wird zunehmend in der Klasse ausgegrenzt, was natürlich auch an seinem impulsiven Verhalten liegt. Insofern sind deine Erfahrungen sehr wertvoll für mich!

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Re: Erfahrungen Grundschule OHNE Medikamente?

Antwort von robinsmama2009 am 30.10.2019, 9:54 Uhr

Hallo.
Mir kommen deine Schilderungen sehr sehr bekannt vor. Uns erging es genauso. Bereits vor der Einschulung sagte man zu mir, dass mein Sohn noch ein Jahr länger Zeit brauchte (er war bereits im Kindergarten immer negativ aufgefallen). Nachdem man mir die Abmeldung des Kindergartens vor die Nase gehalten hatte und somit diese Möglichkeit wegfiel, riet man mir dann, ihn doch in eine Grundschulförderklasse zu stecken für dieses eine Jahr und ihn dann eben ein Jahr später einzuschulen. Ich fühlte mich verarscht, guckte mir das aber mal an.
Soll jetzt nicht blöd klingen aber in dieser Grundschulförderklasse waren nur Migrantenkinder und es ging dort hauptsächlich ums deutsch lernen. Mein Sohn kann aber wunderbar deutsch (Muttersprache) und war schon immer sehr sprachbegabt. Auch in allen Bereichen war er schulreif. Also schulte ich ihn ein....

Und dann nahm das Übel seinen Lauf. Genau wie bei euch. Ich saß mindestens ein Mal pro Woche bei der Lehrerin, die Kinder grenzten ihn aus, er war zunehmen deprimiert, schaffte den Stoff nicht, die Hausaufgaben nicht, war unordentlich, seine Materialien sahen unter aller Sau aus. Also 1:1 wie bei dir. Ich redete mir ein, dass er mit der Zeit ruhiger werden würde, sich erstmal daran gewöhnen müsse etc. So verging das erste Schuljahr aber es wurde nicht besser. Irgendwann war er an einem Punkt, an dem er weder in die Schule gehen wollte, noch danach nach Hause kommen wollte, weil er wusste, dass es wieder Ärger wegen irgendetwas gibt. Im Laufe des zweiten Schuljahres musste er die Schule wechseln, da wir umgezogen sind. Wir redeten viel darüber und sahen dies als Neustart. So konnte er seinen Ruf loswerden und neue Kontakte knüpfen ohne bereits sämtlichen Vorurteilen ausgesetzt gewesen zu sein. Doch es kam anders. Bereits nach 2 Wochen saß ich wieder bei der Lehrerin... Alles war wie immer.

Richtig 'Klick' gemacht hat es bei mir, als mein 7 jähriger Sohn weinen vor mir stand und mich um Hilfe gebeten hat. Ich habe ihn dann testen lassen, sogar von zwei verschiedenen Stellen und dann wurde er medikamentös eingestellt. Ich sage dir DAS WAR SEINE RETTUNG!! Und nur um ihn ging es in dem Fall. Ich persönlich war auch immer gegen Medikamente und ich hätte ihm nie welche gegeben. Wir sind miteinander immer klar gekommen zu Hause. Ich weiß, wie ich ihn nehmen muss auch wenn es natürlich auch zu Hause (vor allem in Verbindung mit dem jüngeren Geschwisterkind) oft anstrengend ist. Aber für IHN und für SEINE Zukunft ist es wichtig.
Er ist jetzt in der 5 Klasse auf einer Realschule. Es fällt ihm immer och schwer aber er hat seinen Weg gefunden und dies nur durch die Medikamente. Ich will mir nicht vorstellen, wie die letzten Jahre gelaufen wären, was das für eine Qual für ihn und alle Beteiligten geworden wäre, hätte ich diesen Weg nicht eingeschlagen.

Ich würde dir vorschlagen, deinem Sohn die Chance auch zu geben uns es einfach mal mit Medikament zu probieren. Sollte sich nichts oder nur wenig ändern, kannst du sie ja wieder absetzen und mit den anderen Therapien weitermachen.

Ich drücke euch die Daumen.

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Re: Erfahrungen Grundschule OHNE Medikamente?

Antwort von Dezemberbaby2012 am 30.10.2019, 22:51 Uhr

Hallo robinsmama,

lieben Dank dafür, dass du dir die Zeit genommen hast, mir so ausführlich zu antworten. Das was du beschreibst, bestätigt meine Zweifel daran, dass es sich durch Klassenzurückstellung oder einfach abwarten ändert.

Genau wie dein Sohn ist meiner sprachlich sehr begabt und würde sich in der Vorklasse, die auch bei uns eher einen sprachlichen Schwerpunkt besitzt, sicher langweilen. Und Langeweile fördert nicht unbedingt sein Regelverhalten. Er saß heute übrigens wieder am „Eselstisch“. Und die Lehrerin hat sich gewundert, warum er da (noch) mehr stört, als wenn er zwischen den Kindern sitzt....

Ich muss die nächste Woche noch abwarten, dann werde ich mich mit der KJP beraten.

Liebe Grüße,

dezemberbaby

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Re: Erfahrungen Grundschule OHNE Medikamente?

Antwort von 2auseinemholz am 01.11.2019, 14:51 Uhr

Hallo!

Unser Sohn MUSSTE leider bis zur 3. Klasse ausharren ohne Medis.
Er ist aus der Vorschulklasse zur Einschulung in eine Paralleklasse versetzt worden, weil "die Chemie nicht passte". Nach der 1. Klasse wurde uns nahgelegt auf eine geeignete Schule zu gehen, weil das Nachmittagsprogramm ihn überfordere. - Ja er war Lull und lall danach und ausserdem sozial ziemlich ausgeschlossen. -> Schulwechsel.
Zum Ende der 2. Klasse waren wir soweit, dass die KL einen Antrag auf sonderpädagogischen Förderbedarf ausgelöst hat - zum Glück kann man sich darauf verlassen, dass das sehr langsam geht ;-), und wir konnten "in Ruhe" die Diagnostik bei einem von uns ausgewählten KJP starten. Während dieser Zeit begann das Mobbing gegen meinen Sohn - wir wussten das allerdings nicht (KL hat ihn zum Abschuß durch die Klassenkameraden feigegeben!) und er wurde immer wieder auf unseren Wunsch von dem KiA krankgeschrieben. Er wurde aus dem Fussballverein, vom Hapkido rausgeworfen, zu keinem Geburtstag eingeladen und von den Eltern wegeschickt, wenn er mal ein Kind spontan besuchen wollte. -> Ohne Medis wäre der Weg über die Förderschule und mit kompletten sozialem Ausschluß weitergegangen -> wohin????

Mit Medis, intesniver Verhaltenstherapie und sher vile Unterstützung von Zuhause konnte er noch in der 3. / 4. und mit neuer Lehrerin Fuß fassen (sozial, Schulisch war er immer sehr gut) und sich stabilisieren, so dass er zum Schulwechsel in die 5. (fernab von seiner bisherigen Umgebung!) komplett neu starten konnte. Seither ist er beliebt, ein sehr guter, ordentlicher, interessierter Schüler mit einem Topp Arbeits- und Sozialverhalten. NIEMAND in der neuen Umgebung würde meinen er hätte ADHS.

Er nimmt die Medis seit jetzt 7 Jahren und ist mittlerweile ein Experte darin selber zu wissen wann er die wirklich braucht und wie er die zeitlich einzunehmen hat. Ferien und am WE nimmt er die schon lange nicht mehr, auch zu sozialen Events muss er die nicht mehr unbedingt nehmen, in der Schule merkt er dass es konzentrationsmäßig ohne nicht klappt (er lässt sich leicht ablenken, quatscht dann gernen, überlliest Arbeitsaufträge, ...), zudem entwickelt er einen falschen Tonus beim Stifthalten und ermüdet nach 10 Minuten. Ich (und wohl alle die ihn kennen) kann am Schriftbild/Hestführung erkennen ob er Medis hatte oder nicht. - DAS kann man mit "Therapie" ohne Medis nicht ausschalten.

M.E. sind diese "weichen" Therapieformen Ergo, Konzentration, Psychomotorik, .... allein und für sich stehend nicht wirksam! Viellelicht in sehr schwach ausgeprägten Formen (ist es dann auch wirklich ADS?), wenn nicht die Förderschule als alternativloser Weg aufgezeigt wird.

Nach dem was mein Sohn in der 1. und 2. Klasse psychisch mitgemacht hatte, war er tatsächlich ein psychisches Wrack - mit welcher Eigenkraft hätte er sich aus diesem Sumpf herausholen können und gleichzeitig auch noch die paar Mini-Stunden Therapie im "richtigen Leben" umsetzen können??

Rückeblickend hätten wir unserem Sohn eine deutlich angenehmere Enwticklungsphase schon ab Kindergarten ermöglichen können, wenn mal eine erzieherische "Fachkraft" formuliert hätte, dass dieses Kind ausserhalb der Norm liegt, und das nicht weil es an mangelnder Erziehung läge, oder an zu milden Strafen, oder weil das Kind böse geboren ist und sich in Kopf gesetzt hat alle zu drangsalieren.
Übrigens hat mein Sohn im Kiga als 4 -jähriger die Situation binnen eines halben Jahres so zur Eskalation getrieben, dass er mit einem Nervenzusammenbruch ins KH kam und die Erzieherinnen u.a. wegen wiederholten Handgreiflichkeiten gegen ihn entlassen wurden. Nicht ich habe deren Entlassung betrieben, aber die anderen Eltern waren öfters Zeuge davon und in dem Themenkomplex kam auch raus, dass Sohn NIEMALS einen Nachtisch bekommen hat, weil seine Benimm-Leistungen täglich das nicht zugelassen hätten. Mittlerweile (mit 14) kann er darüber schmunzeln, aber "Kein Nachtisch" - ist nicht witzig!


LG, 2.

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Re: Erfahrungen Grundschule OHNE Medikamente?

Antwort von Dezemberbaby2012 am 01.11.2019, 22:39 Uhr

Hallo,

das tut mir echt weh im Herzen, zu lesen, wie es bei euch anfangs gelaufen ist. Ich kann das richtig nachvollziehen, wie verzweifelt ihr alle gewesen sein müsst, vor allem auch dein Kind. Uns reisst es auch fast das Herz heraus zu sehen, wie unser Sohn zunehmend ausgeschlossen wird, auch von einigen Lehrerinnen. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, mir zu antworten. Das hilft mir wirklich sehr. Nächste Woche ist das Gespräch mit der KJP, ich werde das noch einmal mit ihr diskutieren, welche Optionen sie vorschlägt.

Liebe Grüße,

Dezemberbaby

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