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Wenn es zu wehen beginnt ...

CTG - Wehenschreiber Irgendwann endet jede Schwangerschaft - auch wenn man das nach endloser Warterei manchmal gar nicht mehr glauben kann. Stehen in den ersten sieben, acht Monaten ganz klar die Schwangerschaftsbeschwerden im Mittelpunkt, rückt, je näher die magische 40. Woche kommt, doch die Spannung auf die Geburt in den Vordergrund.
 
 

Die Frau konzentriert sich immer mehr auf ihren eigenen Körper und auf das Baby, Beruf und Umwelt werden nun immer unwichtiger: Die Weichen zur Geburt sind gestellt.

Die Gebärmutter begann schon Monate vorher für den Tag "X" zu üben. Schwangerschafts- oder Übungswehen sind schon ab der 20. Woche nachweisbar. Die Gebärmutter zieht sich schon zu diesem frühen Zeitpunkt bis zu drei Mal pro Stunde schmerzlos zusammen. Viele Mütter beschreiben sie als eine Art Druck im Bauch, ein Gefühl, als würde das Blut in Richtung des Kopfes gepresst.

Später, in den letzten Wochen und Tagen bis zur Geburt, beginnen die Vorwehen. Auch sie sind schmerzlos und unregelmäßig, bleiben aber kaum mehr unbemerkt. Sie haben wichtige Funktionen: Senkwehen lassen den Bauch nach unten “rutschen”, Stellwehen verankern den Kopf des Babys im Becken. So wartet es startbereit auf seinen großen Tag. Eröffnungswehen starten auch selten gleich schmerzhaft. Ein Ziehen im Kreuz, ein Druck im Becken- oder Bauchraum - so werden die frühen Eröffnungswehen oft beschrieben. Doch sie sind regelmäßig und steigern sich in ihrer Intensität.

Austreibungswehen leiten die eigentliche Geburt ein. Sie werden von fast allen Müttern als heftig beschrieben, aber die Schmerzen sind leichter erträglich, denn der Pressdrang lässt die Frau mitarbeiten - das Baby ist geboren! Schließlich folgen noch Nachgeburtswehen, die die Plazenta austreiben helfen. Sie sind weniger intensiv und fast schmerzlos. Nachwehen im Wochenbett begleiten die Rückbildung der Gebärmutter und bleiben manchmal fast unbemerkt.

Doch woher kennt die Gebärmutter den richtigen Zeitpunkt, sich zusammenzuziehen? Und wer sagt ihr, wann der richtige Zeitpunkt für eine bestimmte Art von Wehen gekommen ist? Eine Forschungsgruppe der australischen Universität Newcastle unter der Leitung von Roger Smith scheint der Antwort auf diese Fragen ein wenig näher gerückt zu sein. Die Forscher haben in der Planzenta das Hormon CRH - Corticotropin Releasing Hormon - nachgewiesen, das sich nur bei Schwangeren auch außerhalb des Gehirns findet. Doch dieser Botenstoff liegt je nach Fortschreiten der Schwangerschaft in verschiedenen Konzentrationen vor: Es scheint, als sei CRH die Hormon-Uhr der Geburt. Roger Smith untersuchte 500 Frauen in der 16. - 20. Schwangerschaftswoche und verglich die Werte mit dem späteren Zeitpunkt der Geburt. Er konnte einen klaren Zusammenhang nachweisen: Ein erhöhter CHR-Spiegel weist auf eine Frühgeburt, eine niedrige Konzentration auf einen verspäteten Geburtsbeginn hin.

Auch Joseph Mazoub von der Harvard Universität, widmet sich intensiv der CRH-Forschung. Er vermutet, dass das Hormon auf zwei verschiedenen Wegen wirkt und so sicher stellt, dass der Geburtsbeginn dem Reifegrad des Kindes entspricht. Einerseits beeinflusst CRH die Nebennierenrinde des Kindes dazu, DHEAS Dehydroepiandrosteronsulfat - zu bilden. Dieses Steroid gelangt durch den Blutkreislauf wieder in der Platzenta zurück und kann von ihr zu Östrogen synthetisiert werden, das - zusammen mit anderen Hormonen - der Gebärmutter das Signal für den Beginn der Geburtswehen gibt. Andererseits stimuliert CRH die kindlichen Nebennierenrinden auch dazu, Cortisol zu bilden, das die Organreifung, besonders die der Lungen, fördert.

Frauen, bei denen eine Frühgeburt zu befürchten ist, bekommen Cortisol meist als “Lungenreifungsspritzen” vom Arzt verordnet. Cortisol selbst veranlasst aber auch die Plazenta noch mehr CRH zu bilden; die Vorbereitung auf die Niederkunft wird also beschleunigt. CRH dürfte auch der Grund für die Tatsache sein, dass extremer Stress bei einigen Frauen Frühgeburten auslöst. Das Stresshormon Adrenalin kann nur unter Mitwirkung von CRH gebildet werden. Bei extremem psychischen Druck muss also CRH im Gehirn ausgeschüttet werden. Der Blutkreislauf von Schwangeren leitet den Botenstoff dann durch die Plazenta zu den Nebennieren des Kindes. Und diese reagieren auf den vermeintlichen Signalgeber zum Beginn der Geburt. Wird bei einer schwangeren Frau ein erhöhter CRH-Spiegel gemessen, überwachen Ärzte und Hebammen besonders sorgfältig die Wehentätigkeit der Gebärmutter. Meist können vorzeitige Wehen durch Ruhe oder auch Medikamente gestoppt werden.

Am Ende der Schwangerschaft, spätestens bei der Geburt, machen fast alle Mütter Bekanntschaft mit einem besonderen Gerät: Das CTG - Cardiotokogramm - zeichnet Wehen und Herztätigkeit des Kindes auf einem Papierstreifen auf (siehe Grafik oben). Zwei Messköpfe werden mit einem Gurt oder einer Binde am Bauch der Mutter befestigt, sie geben die Impulse an zwei Schreiber weiter. Über einen Lautsprecher kann man außerdem noch zuhören, wie das Herz des Babys arbeitet. Aus den CTG-Kurven von ca. 20 Minuten können Ärzte und Hebammen nicht nur interpretieren, wie es dem Kind geht - ob es schläft, spielt, unter Stress steht oder auch Probleme hat - sondern auch den Verlauf, die Stärke und Häufigkeit der Wehen ablesen. Viele Erstgebärende sind unsicher, ob sie die Anzeichen für die Niederkunft auch bestimmt rechtzeitig warhnehmen; schließlich arbeitet die Gebärmutter ja die gesamte Schwangerschaft hindurch! Doch die Angst, Geburtswehen zu “verwechseln” ist normalerweise unbegründet: Die duch die Hormon-Uhr ausgelöste Kaskade teilt der Frau auch mit: "Jetzt ist es so weit!"

Gerlinde Heil

 
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