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Spielen - die Welt Ihres Kindes

Wenn Erwachsene spielen, wollen sie sich zerstreuen, entspannen oder ablenken. Bei Ihrem Kind ist das ganz anders. Es unterteilt seinen Tag nicht in Spiel und Arbeit. Im Gegenteil: Sein ganzes Leben dreht sich vorerst ums Spielen. Denn das ist die Art, wie Kinder Schritt für Schritt die Welt erobern, ihre Fähigkeiten entwickeln und schulen. Sie können Ihr Kleines auf dieser aufregenden Tour begleiten:

Jedes Alter hat seine eigenen Lieblingsspiele

Was ein Kind gerne spielt, hängt von vielen Dingen ab. Zuerst einmal von seinem Alter, denn das bestimmt, wie geschickt es schon ist, was es bereits kann. Ein Baby etwa muss zuerst seinen eigenen Körper kennen- und beherrschen lernen. Also spielt es z.B. viel mit seinen Händen und Füßen: Es bewegt sie, schaut sie dabei an, steckt sie in den Mund... Bestimmt haben Sie bei Ihrem Baby oder Kleinkind auch beobachtet, dass es Spiele liebt, die mit Bewegung und Berührung verbunden sind. Die Kleinen mögen es, wenn Papa sie hoch wirft und auffängt. Mama sie in der Schaukel anschubst, mit ihnen auf dem Hopseball auf und ab wippt. Das fördert auf natürliche Art die Sinnesentwicklung Ihres Kindes, trainiert z.B. seinen Gleichgewichtssinn. Außerdem ist es herrlich, immer wieder sicher von Papa aufgefangen zu werden. Oder fest in Mamas Armen gehalten herumzuwirbeln. Dabei erfährt Ihr Kind: Mama und Papa sind immer für mich da, sie halten und schützen mich.

Ganz allmählich werden die Spiele dann ein wenig komplizierter. Gegen Ende des ersten Lebensjahres probieren Kinder z.B. alles aus, was einen klaren Effekt hat. Sie werfen Sachen runter, immer wieder. Hauen auf alles, was schön viel Krach macht. So erkunden sie: Welche Wirkung hat es, wenn ich das tue? Und passiert wirklich immer dasselbe? Später versuchen sie den Teddy in eine Dose zu zwängen. Oder versenken Hausschuhe in der Toilette. Kein Unfug, sondern das kindliche Forschungsprogramm: Was passt wo rein? Die ersten Türme aus Bauklötzen oder Stapelbechern entstehen: Was lässt sich aufeinander stellen - und wie? Ab etwa anderthalb Jahren wird Ihr Kind Ihnen helfen wollen: Die vielen Dinge des häuslichen Alltags faszinieren die Kleinen. Als Zweijähriges wird es mehr mit anderen Kindern spielen wollen, auch wenn das vorerst selten ohne Krach und Tränen abgeht. Kindergartenkinder lieben meist Verkleiden und Vater-Mutter-Kind-Spiele oder sie spielen Verkäufer und Kunde. Dabei geht es um soziale Regeln. Aber auch um die Frage: Was tun Jungen, was tun Mädchen, was unterscheidet uns?

Lassen Sie sich von Ihrem Kind leiten

Den größten Gefallen tun Sie Ihrem Kind, wenn Sie auf seine Signale achten: Kinder verlangen von sich aus nach den Spielen bzw. Spielmöglichkeiten, die sie brauchen. Ihr Einjähriges wühlt gern im Topfschrank herum? Räumen Sie ihm eine Ecke bzw. Etage so ein, dass das geht. Ihr Zweijähriges will den ganzen Tag lang nur den Sandkasten umbuddeln und lässt seine Plüschtiere links liegen? Ihr Dreijähriges malt nicht gerne und hat null Bock auf den Rhythmik-Kurs? Akzeptieren Sie's, auch wenn es Ihnen schwer fällt: Kinderspiel folgt eigenen Gesetzen, getrieben von der Neugier Ihres Kindes und seinen Bedürfnissen. Zu den typisch kindlichen Vorlieben gehören übrigens auch die zahllosen Wiederholungen ("Noch mal, Mama!"), die Erwachsene so sehr nerven. Für Kinder sind sie ein prima Training, das ihnen Sicherheit gibt.

Zwar entwickelt sich das Spielverhalten bei allen Kindern in den Grundzügen gleich. Dennoch gibt es je nach Persönlichkeit erhebliche Unterschiede. Manche Kinder mögen z.B. ruhige Spiele, anderen kann es nicht wild genug sein. Die einen bauen und konstruieren gerne, die nächsten gucken lieber Bilderbücher, helfen Kekse ausstechen oder verkleiden sich. Drängen Sie Ihr Kind also nicht - auch nicht zu Spielen, die Sie selbst vielleicht besonders toll finden. Es ist zwar sehr sinnvoll, ihm Verschiedenes anzubieten. Aber wenn es deutlich zeigt, dass es zu bestimmten Sachen keine Lust hat, sollten Sie darauf nicht bestehen. Was Eltern noch wissen sollten: Ihr Kind braucht auch Zeiten, in denen es ungestört alleine spielen kann. Und es wird schon im ersten Lebensjahr wütend sein, wenn es aus dem Spiel herausgerissen wird. Müssen Sie Ihr Kind stören, etwa weil Sie aus dem Haus wollen, versuchen Sie lieber, es rechtzeitig und behutsam aus seinem Spiel zu locken.

So finden Sie das richtige Spielzeug

Wie gesagt, hat jedes Kind persönliche Vorlieben. Es gibt jedoch Dinge, die Kinder in einem bestimmten Alter typischerweise mögen bzw. mit denen sie besonders gut spielen können. Der Arbeitsauschuss Kinderspiel + Spielzeug empfiehlt unter anderem:

Baby:

Greiflinge, Rasseln, Klappern; später große, leichte Bausteine; verschiedene Bälle; Kästen und Körbe zum Ein- und Ausräumen; Sachen zum Schieben, Rollen, Nachziehen; Stapelbecher zum Bauen; Alltagsgegenstände wie große Holz- und Plastiklöffel, Salatsieb.

ca. 1 Jahr:

Rutscheauto; stabile Bilderbücher (Tierbilder, Dinge aus dem Alltag); erste Formensteckspiele; einfache, unempfindliche Sachen zum "Musikmachen"; Hampelmann, Stehauf-Figuren; Kugelbahn (große Kugeln oder Scheiben/Figuren, die nicht in den Mund passen). Ab etwa eineinhalb Jahren einfaches Sand- und Wasserspielzeug; Stofftier und Puppe; einfache Fahrzeuge zum Schieben und Beladen; Dinge zum Nachahmen des Alltags wie Puppengeschirr, Spielzeugtelefon.

ca. 2 Jahre:

für die Größeren ein Dreirad; Purzelmännchen auf einer Leiter; Fädelspielzeug (großteilig, z.B. Gardinenringe, damit nichts verschluckt wird); Eisenbahn ohne Schienen mit offenen Waggons zum Beladen; Fingerfarben; dicke Wachsmalstifte; Brummkreisel; noch mehr Bauklötze, auch solche zum Stecken; einfache Holzpuzzles; Bilderbücher mit wenig Text.

ca. 3 - 4 Jahre:

für die Größeren ein Roller; Aufstellspielzeug, z.B. einen Bauernhof mit Tieren/ein Puppenhaus; Kiste mit abgelegten Sachen zum Verkleiden; Puppenkleider; Waage (mit zwei Waagschalen); Seifenblasen; handbetriebene Fahrzeuge wie Bagger, Kran, Traktor sowie weitere Miniaturfahrzeuge; Schubkarre; Knete; Puzzles, Bilderbücher.

Anne Malburg

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