Frage: Apgar 9/10/10 und grünliches Fruchtwasser - Stress fürs Kind?Hallo,
ich habe kürzlich mein Kind bekommen. Bei der Geburt wurde günliches Fruchtwasser festgestellt. Der PH Wert war bei 7,17 (direkt nach der Geburt aus der Nabelschnur entnommen), BE 7 und der Apgar 9/10/10 (1min/5min/10min)
Im Krankenhaus haben die nichts weiter dazu gesagt. Aber im Internet habe ich nun gelesen, dass grünes Fruchtwasser auf fetalen Stress hindeutet. Und ein PH Wert unter 7,2 als kritisch gilt und auf einen Sauerstoffmangel hindeutet. Wodurch kann das entstanden sein? Ich lag davor lange in den Wehen 18h fingen die an und nächsten Tag um 8:30h war die Geburt. Da ich um ca. 3h eine PDA bekam und die Hebamme meine Blase nicht überprüft hat wurden die Wehen schwächer und das Kind hat sich nicht ins Becken senken können, obwohl die Fruchtblase um 4h geplatzt und der MuMu um 5h 10cm geöffnet war. Das ist dann der Ärztin nach ca. 6h aufgefallen und nachdem ich kathetisiert wurde ist das Kind auch schnell abgesunken. Kann das zu dem Sauerstoffmangel geführt haben oder ist eher unter den Presswehen damit zu rechnen?Ich bin total verärgert, dass durch so einen simplen Fehler der Geburtsvorgang in die Länge gezogen worden ist und mein Kind dadurch vielleicht in Stress geraten ist.
Mit was für Schäden muss ich rechnen? Wodurch würde sich das bemerkbar machen? Kann man das relativ schnell durch Entwicklungsstörungen erkennen, oder sind Hirnschäden erst viel später erkennbar. Mache mir große Sorgen wegen des niedrigen PH Wertes.
Vielen Dank
Manis
Antwort
Liebe manis,
ich kann Sie beruhigen.
Bei Ihrem Kind zeigt der APGAR ein lebensfrisches Kind, nicht gestresst und der base excess zeigt, dass nur normaler Geburtsstress vorlag.
Es gibt leider (bzw. ich habe keinen) einfachen Text, der den komplexen Zusammenhang zwischen Basen-Säure-Haushalt und den entsprechenden Abweichungen in Bezug auf Frühgeburtlichkeit erklärt. Ich habe aber ein paar interessante Seiten im Netz gefunden.
"Beim Apgar Index handelt es sich um ein Scoresystem, bei dem 1, 5 und 10 Minuten post partum Herzfrequenz, Atmung, Tonus, Reflexe und die Hautfarbe des Kindes mit jeweils 0 bis 2 Punkten beurteilt werden. Er liegt somit zwischen 0 und 10 Punkten, wobei 10 Punkte das beste Ergebnis sind. Bei Ergebnissen zwischen 7 und 10 gelten die Kinder als „lebensfrisch“ (Apgar 1953).
Dieser Index dient der schnellen Erfassung des klinischen Zustands des Kindes zum Zeitpunkt der Geburt (0 Minuten) und ggf. für die Effizienz der Reanimation (5 und 10 Minuten) (ACOG 1996, Casey et al. 2001, Leitlinie 2003), insbesondere ist der Befund eines lebensfrischen Kindes nicht mit der Annahme einer schweren intrapartalen Asphyxie vereinbar (Helwig 1996).
In verschiedenen Arbeiten konnte gezeigt werden, dass insbesondere der 5-Minuten-Wert mit der späteren Mortalität (Apgar 1953, Drage et al. 1964, Nelson et al. 1981, Portman et al. 1990, Toh 2000, Casey et al. 2001) und Morbidität korreliert (Portman et al. 1990, Toh 2000).
Somit stellt der Apgar-Index seit nun mehr als 50 Jahren ein valides, einfach zu ermittelndes, klinisches Maß für den Zustand des Kindes und somit der Ergebnisqualität dar, das aufgrund einer aktuellen Leitlinie immer erhoben werden soll (Leitlinie 2003).
Der mittlere pH-Wert von (gesunden) Neugeborenen im Nabelarterienblut wird in der Literatur mit 7,21 bis 7,31 angegeben (Vandenbussche et al. 1999, Helwig 1996).
Bei einem Absinken des Blut-pH-Wertes unterhalb des Normalbereichs sprechen wir von einer Azidose. Von einer signifikanten Azidose bei Neugeborenen wird ab einem pH-Wert < 7,1 (Roemer 2002) bzw. < 7,0 (Sehdev et al. 1997, Low 1993, ACOG 1994) ausgegangen.
Wir unterscheiden die respiratorische und die metabolische Azidose. Bei der respiratorischen Form führt ein erhöhter CO2-Spiegel zu einem erhöhten Niveau von HCO3- im Blut, womit der pH absinkt. Dies geschieht, wenn das CO2 nicht über die Atmung abgegeben werden kann und ansteigt (Hyperkapnie). Die metabolische Form ist dem gegenüber auf einen erhöhten Anfall von sauren Valenzen (z. B. Hypoxämie mit Umschalten auf anaeroben Stoffwechsel, Diabetes mellitus) oder darauf zurück zu führen, dass die Valenzen nicht über die Nieren ausgeschieden werden können (z. B. Urämie). Hypoxämie kann zwar kombiniert mit Hyperkapnie auftreten, der Grad des Schadens zeigt sich aber vor allem in der Kumulation von Säuren in den Zellen (Ross et al. 2002).
Zur Unterscheidung dieser beiden Formen wird der Base Excess herangezogen. Dieser ist definiert als die Menge an Base, die benötigt wird, um das Blut bei 37 Grad und einem pCO2 von 40 mmHg auf den Normalwert von 7,4 zu titrieren (mMol/l) (Siggaard Andersen et al. 1960, 1963). Dieser Wert ändert sich bei einer rein respiratorischen Azidose defintionsgemäß nicht. Das Basendefizit in der Nabelschnur des gesunden Neugeborenen entspricht 4 - 5 mmol/l (Helwig 1996, Arikan et al. 2000, 2000a). Für eine klinisch bedeutsame metabolische Azidose beim Säugling wird in der Literatur ein Basendefizit > 12 mmol/l (Low 1997) bzw. > 16 mmol/l veranschlagt (Goldaber et al. 1991).
Pathogenetisch ist davon auszugehen, dass bei einschneidender Reduktion der Sauerstoffversorgung mit entsprechendem Abfall des pO2 im fetalen Blut der Fetus zunächst u. a. durch Umstellung der Perfusion und Aktivitätsminderung kompensieren kann. Sind diese Mechanismen erschöpft, entwickelt sich durch anaeroben Metabolismus eine metabolische Azidose und schließlich irreversible Schäden (Myers 1972, Parer 1998, Nijland et al. 1995).
Der Zusammenhang zwischen einem pathologischen Base Excess und neurologischen und sonstigen Folgeschäden konnte in verschiedenen Studien erhärtet werden (Low et al. 1994, Low et al. 1995, Low 1997, Toh 2000, Williams und Singh 2002), wobei anzumerken ist, dass zwar einerseits der Zusammenhang zwischen einer ausgeprägten Azidose und Mortalität bzw. Morbidität eindeutig ist, dass aber andererseits die Mehrzahl der Kinder mit Azidose keine Folgeschäden davon trägt (geringe Spezifität (Roemer et al. 1998, 2002)). Aus diesem Grund wird die Grenze für die metabolische Azidose bei der Berechnung des Indikators auf die schlechteren in der Literatur aufgeführten Werte gelegt.
In der Kombination dieser Messwerte werden die wesentlichen zum Zeitpunkt der Geburt ohnehin zu erhebenden Ergebnisparameter kombiniert, um den Zustand des Kindes einzuschätzen.
Auf das Outcome kann durch rechtzeitige Erkennung der Notlage mittels fetalem Monitoring (Roemer 2003), ggf. rechtzeitige Indikation zur Schnittentbindung und Verkürzung der EE-Zeit Einfluss genommen werden. Mit einem Apgar-Score unter 5 bei fünf Minuten und einem pH unter 7,0 bzw. einem Base Excess < -16, sind die Kriterien für ein auffälliges Outcome relativ strikt, d. h. es werden nur die Kinder mit sehr schlechten Werten erfasst. Daher soll jeder Einzelfall untersucht werden, bei dem bei reif geborenen Kindern ein solch kritisches Outcome auftritt.
gefunden unter http://www.bqs-qualitaetsindikatoren.de/2005/ergebnisse/leistungsbereiche/geburtshilfe/indikatoren/11/rationale (Zugriff:10.4.09)
http://books.google.de/books?id=UoEzmmyF-esC&pg=PA455&lpg=PA455&ots=fX0IQZf6yT&dq=base+excess+%2B+Fr%C3%BChgeborene&ie=ISO-8859-1&output=html
Bei diesem Buch kann man die Seiten weiter blättern. 455 und 456 sind relevant.
http://books.google.de/books?id=ayDygS5nOt0C&pg=PA393&lpg=PA393&dq=Azidose+%2B+Neugeborenes&source=bl&ots=G8_-GN-9bn&sig=fby0qNeE8sdAe-1a7gHA8mkASLs&hl=de&ei=DjDfSYSzF4yJsAbotvHWCA&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=10
Zum Fruchtwasser: wenn ein Kind im Mutterleib Stress hat, dann schietert es ins Fruchtwasser. Dadurch wird das Fruchtwasser grün gefärbt. Grünes Fruchtwasser ist also ein Indikator für Streß in der Vergangenheit.
Sie kennen doch bestimmt auch den einen oder anderen, der vor Aufregung (Prüfungen z.B.) sofort Durchfall kriegt.
Da sich das Fruchtwasser ständig erneuert, wird das vollgeschieterte Fruchtwasser zwar grün gefärbt bleiben, aber sehr verdünnt.
Sehr viel Stress kurz vor der Geburt, läßt das FW erbsbreiartig aussehen (ist ja noch nicht verdünnt). Dann müssen wir schauen, ob das Kind unter der Geburt besondere Not hat (zeigt uns das CTG) und darauf achten, dass das Kind davon nichts einatmet. Darum werden diese Kinder gründlich abgesaugt.
Das Absaugen geschieht deshalb so gründlich, weil wir keine durch das FW (Fremdflüssigkeit für die Lunge) verursachte Lungenentzündung wollen.
Liebe Grüße
Martina Höfel
Frage: Ph-Wert grenzwertig?Hallo,
Ich habe gerade meinen Mutterpass genauer durchgelesen und bin auf einen Ph-Wert von 7,07 meiner Tochter gestoßen. Habe das ganze gegoogelt und da steht etwas von "fortgeschrittener Azidose" bei diesen Werten? Was ist das genau? Und wie kann sich das ganze auswirken. Muss meine Kleine mit Spätfolgen rechnen oder kann ich irgendwie feststellen das sie irgendwelche Symptome hat? (Es wurde im Krankenhaus nichts darüber gesagt das der Ph-Wert "schlecht" wäre. Sie hat auch Apgar-werte von 9/9/10). Mach mir schon ein wenig Gedanken.
Vielen Dank
Antwort
Hallo,
Ein pH-Wert von 7,07 spricht für einen Sauerstoffmangel unter der Geburt - dies hört sich aber viel schlimmer an als es tatsächlich ist.
Ist der Apgar gut, das war er mit 9/9/10, müssen Sie sich keine Sorgen machen, da dieser den tatsächlichen Zustand des Kindes nach der Geburt beschreibt.
Manchmal sind die Kinder vor der Geburt leicht gestresst,was normal ist und wenn sie "draußen" sind ist alles gut.
Alles Gute.
Grüße
Silke Westerhausen