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"Neue Väter" -
gibt es sie wirklich?

Überall hört und liest man von ihnen.
Die "neuen" Väter sind im Kommen,
heißt es. Aber gibt es sie wirklich?
Welche Rolle spielt heute eigentlich
der Vater in der jungen Familie?
Und fühlt er sich dabei wohl in seiner Haut?
 

"Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr." Diesem Zitat von Wilhelm Busch stimmen sicherlich die meisten Väter zu. Und so ist meist schon der positive Schwangerschaftstest der Anfang einer langen Kette neuer Erfahrungen. Unsicherheit, Angst, Überforderung, aber auch Freude, Begeisterung und Teilnahme lassen die Psyche Achterbahn fahren.

Das Vatersein beginnt heute so früh wie nie zuvor. Unsere Großväter kümmerten sich in der Regel erst um ihre Kinder, wenn diese ähnliche Interessen aufweisen konnten. Unsere Väter schoben dagegen auch schon mal den Kinderwagen. Und der heutige Vater? Er hat oft hohe Anforderungen an sich selbst: Ein guter Vater sein - ist das Ziel. Dafür werden auch gern die eigenen Interessen zurückgestellt. Außerdem möchte er ein verständnisvoller Partner sein und über Nerven aus Stahl verfügen. Er darf ruhig sämtliche Atemtechniken zur Schmerzlinderung kennen, Windelpreise vergleichen und über Vor- und Nachteile diverser Arten von Säuglingsmilch informiert sein. Er diskutiert enthusiastisch mit seiner Partnerin die Vorgehensweise, um Blähungen beim Neugeborenen zu vermeiden und sollte dazu auch noch tatkräftig im Haushalt mit anpacken. So mancher Mann ist damit überfordert.

Und doch sieht es so schlecht mit der väterlichen Courage nicht aus: Zieht man z.B. diejenigen ab, die sich nach der freudigen Nachricht direkt aus dem Staub machen und diejenigen, die sich zwar über den Nachwuchs freuen, allerdings nicht einsehen, warum sie jetzt ihr Leben ändern sollten, bleibt eine große Anzahl Männer übrig, die sich aufmachen, ein guter Vater zu werden. Und einige nehmen sogar eine Elternzeit in Anspruch: Dies geht aus dem Bericht des Statistischen Bundesamtes hervor (Juni 2009). Für Kinder, die im Januar und Februar 2008 geboren wurden, haben bis März 2009 rund 126 000 Mütter und Väter Elterngeld in Anspruch genommen und den Bezug bereits beendet. Der Anteil der Väter dabei belief sich auf 16% (20 300 Männer). Den höchsten Väteranteil verzeichneten Berlin (21%) und Bayern (20%). Der geringste Väteranteil fand sich mit 10% im Saarland.

Und die Erforschung der Vater-Kind-Beziehung zeigt, wie wichtig Väter für ihre Kinder sind. Die Psychologin Penelope Leach, Vorsitzende der britischen Gesellschaft für Kindheitsentwicklung, erklärt: "Vater und Mutter ergänzen sich in ihren Unterschieden; das ist nicht nur spannend, sondern auch nützlich... entscheidend ist das Komplementäre."

Väter und Mütter gehen, jeder auf seine eigene Weise, ganz unterschiedlich mit ihren Kindern um. Das aufregende Herumtoben mit dem Vater ist für ein Kind genauso wichtig wie die zärtliche Fürsorge der Mutter. Während Mütter eher ein bisschen ängstlich sind, geht es beim Spielen mit dem Vater richtig zur Sache. Dabei erhalten Kinder die Gewissheit, sich fallen lassen zu können und jederzeit aufgefangen zu werden - eine wichtige Erfahrung für einen selbstbewussten Weg durchs Leben.

Kinder lernen durch den Umgang der Eltern miteinander den Umgang mit dem anderen Geschlecht. Jungen erhalten Zugang zu ihrer eigenen Männlichkeit, Mädchen erhalten durch den Vater Zugang zur männlichen Welt. Untersuchungen bei Alleinerziehenden haben gezeigt, dass sich Jungen wie Mädchen "Ersatzväter oder -mütter" suchen, um eventuell vorhandene Defizite aufzufangen. Das können Lehrer, Freunde der Eltern, Verwandte oder auch der Fußballtrainer sein.
Entscheidend ist allein, dass Väter so oft wie möglich anwesend sind und aktiv mit ihren Kindern umgehen. Denn Kinder haben am Spiel mit dem Vater genauso viel Freude wie beim Spiel mit der Mutter. Die Väter spielen im Schnitt zwar weniger, aber dafür besonders intensiv und phantasievoll.

Also scheint es sie doch zu geben - die neuen Väter. Zumindest hat sich im Umgang der Männer mit ihren Kindern einiges geändert. Und wer hätte sich schon vor 30 Jahren vorstellen können, dass Männer zur Geburtsvorbereitung mitgehen und auch vor dem Kreißsaal nicht Halt machen. Der Soziologe Rolf Stein (vgl. 2000, S. 61ff.) spricht vom Bewusstsein und von der Praxis der neuen Väterlichkeit. Die heutigen neuen Väter seien oft toleranter, solidarischer, großzügiger, zärtlicher, fürsorglicher und kooperativer gegenüber ihren Kindern. Ihre Vaterschaft erlebten sie im bewussten Gegensatz zu den eigenen Vätern und verständen sich oft eher als Partner und Spielkamerad ihrer Kinder. Sie seien deutlich engagierter innerhalb ihrer Familien und verbrächten den Großteil ihrer Freizeit zuhause bei ihren Kindern.

Aber manche Männer, die mit großer Euphorie in das "Unternehmen Baby" gestartet sind, fallen über kurz oder lang auf den Boden der Tatsachen zurück. Der Arbeitgeber versteht nicht, warum man dringend um fünf zu Hause sein muss und legt noch schnell einen Stapel Akten auf den Schreibtisch. Die Windeln, die Papi nach Feierabend noch schnell gekauft hat, erweisen sich unter Mamis Augen als falsch, später wird die Flasche nicht richtig gehalten und zum Spielen ist keine Zeit mehr, weil das Baby gleich ins Bett muss - und so weiter und so fort. Schließlich resigniert mancher Papi vor der Übermacht des Arbeitgebers, der Umwelt und der Mutter.

Dabei ist es gerade wichtig, dass der Vater einen eigenen selbstbewussten Umgang mit dem Kind entwickelt. Er braucht dafür Zeit und die Mutter sollte ihm diese geben und ihn gewähren lassen. Sie sollte versuchen, Verantwortung abzugeben und in die Fähigkeiten des Vaters vertrauen. Denn das Kind profitiert von der Unterschiedlichkeit der Eltern, dass der Papa Situationen und Probleme meist ganz anders handhabt als die Mama.

Immer mehr Männer erkennen, was für eine Bereicherung Kinder für ihr eigenes Leben sind. Sie begreifen, dass Kinder nicht nur nehmen, sondern auch sehr viel zurückgeben. Und wer würde diese Gaben schon freiwillig nur der Mutter überlassen!

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