|
|
|
 |
Mehrsprachig aufwachsen |
| Geschrieben von Snaffers am 02.02.2012, 12:20 Uhr. |
 |
Re: 2 interessante Zeitungsartikel
Hallöle,
na wenns dir am Herzen liegt: Wir erziehen unsre 3 Söhne (7,4, 8 Monate) nach bestem Wissen und Gewissen - und deshalb nur deutsch, da das unsre Muttersprache ist (wobei, doch, die beiden Großen verstehen auch fließend schwäbisch, tun sich mit dem Sprechen aber schwer, da es für sie nur bei Oma&Opa Umgebungssprache ist und Mama&Papa es auch nicht gezielt mit ihnen sprechen - und ja ich weiß Dialekt ist keine Zweitsprache, soll aber - so habe ich gelesen, durchaus die gleichen Hirnregionen stärker fordern wie echte Mehrsprachigkeit).
Wir sprechen übrigens beide fließend englisch, ich habs sogar (übrigens für Lehramt Grundschule im schönen Baden-Württemberg) studiert - trotzdem, oder eher genau deswegen, müssen unsre Kinder mit 'nur deutsch' vorliebnehmen, mal von ab und an einem lusigen Sprüchlein oder einem Liedchen auf englisch abgesehen (wobei ich mir sicher bin, dass auch Eltern, die vehement gegen das Grundschulenglisch o.ä. sprechen, mit ihren Kindern z.B. Bruder Jakob nicht nur in ihrer Herkunftssprache singen .
Ich denke übers Grundschulenglisch - und v.a. wie es gedacht ist in BW - kann ich durchaus mitsprechen, auch wenn wir nicht mehrsprachig erziehen.
Ich stelle mir jetzt vor, mein Mann (der bei uns der Hauptverdiener ist und damit der, der von morgens bis abends weg ist) spräche eine andere Sprache. Für unsre Söhne würde das, zugegeben ab dem ersten Lebenstag, bedeuten, dass sie - unter der Woche - maximal eine Stunde täglich - das aber garantiert nicht nonstop Ansprache in der Sprache des Vaters hätten, traurig, aber es ist so. Reine Ansprache und Sprechzeit dürfte dann vielleicht bei 20-30 min liegen.
Das Grundschulenglisch, so wie es in BW gedacht ist, ist zwar mit 2 Schulstunden (also 90 min) pro Woche ausgewiesen, soll aber nicht in 2 Einheiten a 45 min abgehalten werden, sondern die Zeit soll auf die 5 Schultage verteilt werden, macht für mich knapp 20 min täglich, die die Kinder mit der Sprache zubringen - sicherlich statt mit Themen von A-Z, das ganze thematisierter, aber es soll - so war der Gedanke - an die Themen in den übrigen Fächern angepasst werden. So würde es z.B. bei meinem Junior grade Sinn machen, dass er auf englisch etwas über Monate, Jahreszeiten etc. lernt, denn das ist momentan das Thema im "Sachunterricht" (der namentlich so nicht mehr existiert) - was sie tatsächlich machen, keine Ahnung.
Sprich, die Ansprech- und Sprechzeit wäre unter der Woche ähnlich der, die sein Vater, so er denn eine andere Sprache als deutsch spräche, unter der Woche ihm 'zuführen' könnte.
Die 2 Stunden wurden übrigens nicht mal einfach eben anderen Fächern nur weggenommen. Man könnte sie natürlich auch anders verwenden, ich denke, man würde sie, weil das ja so nötig ist, dann wieder in Förder- und Stützkurse investieren, die waren schon hipp als ich vor 30 Jahren in der Schule war - und sie trafen (annähernd ausschließlich) die Kinder, die Schwierigkeiten im Lernen hatten - ist in Ordnung, ist notwendig. ich für mein Kind freue mich aber, dass diese 2 Stunden nicht Förderstunden sind, sondern er in der Grundschule wenigstens ein Fach hat, bei dem er wirklich etwas gänzlichst neues lernt, das er nicht so nebenbei aus dem Ärmel schüttelt. Ohne Englisch würde ich vermutlich noch öfter hören, dass Schule langweilig ist (und das bekomme ich recht häufig zu hören, dafür, dass er nach den Weihnachtsferien in die zweite Klasse gesprungen ist).
Es gibt einen Punkt, der mich beim Grundschulenglisch in BW tatsächlich stört - den haben wir aber den Lehrern der weierführenden Schule zu verdanken: ab Klasse 3 wird auch in englisch geschrieben und es gibt Noten.
Lernzeit in der Schule 'muss ja was bringen' und zwar bitte Leistung und keinen Spaß. Deswegen werden die Schüler mit englischen Wörtern gequält und es werden Leistungstests geschrieben - und den Herren und Damen an den wieterführenden Schulen ist es noch nicht genug, da die Kinder ja keine Ahnung von Grammatik haben - ähm doch, das haben sie, sie können einfache Sätze korrekt sprechen und zwar frei im Gespräch, sie kennen aber eben keine Grammatikregeln, den der Fremdspracherwerb zielt ja auf eine 'größtmögliche Ähnlichkeit' mit dem natürlichen Spracherwerb ab. Und ich - obwohl der deutschen Grammatik auch in der Theorie mächtig, beästige meine Kinder nicht mit Satzstrukturen etc. bei uns heißt Sprache lernen miteinander sprechen, singen, lesen. Und genau das ist es, was in der Grundschule in Englisch gemacht wird, was aber natürlich nicht dem entspricht, was der 'klassische Sprachunterricht' in der Sekundarstufe ist. Dass die Kinder sich bereits in die Sprache eingehört haben und abweichende Satzstrukturen durchaus beherrschen, nur nicht benennen können, das ist einfach 'nicht genug'.
Ach ja, es kann im übrigen sogar, so verrückt es scheint, mit eine Stunde Englisch die Woche ab dem Kindergartenalter hinhauen. Meine Nichten (8 und 4, ab dem 3. Geburtstag einmal wöchentlich im Englisch-Sprachkurs, daheim mit den Eltern das Englisch aber komplett verweigernd, wozu auch?) zumindest können sich prima auf englisch verständigen, wenn denn die Notwendigkeit da ist (mit der Frau meines ältesten Bruders z.B., die kein deutsch spricht).
Dein beispiel mit dem Geigen hinkt übrigens, denn wenn ich das Geige lernen mit dem Sprache lernen gleich setze, müsste es für ein Kleinkind, mit dem man ins Ausland umsiedelt, unmöglich sein die fremde Sprache zu erlernen, da es die Grundvoraussetzungen von daheim nicht hat und ansonsten ja demnach noch zu jung wäre.
...und auch die Frage des natürlichen Interesses. Die meisten Kinder interessieren sich von Natur aus für fremde Sprachen. Warum um Himmels willen, musste ich meinem damals 5jährigen im Dänemarkurlaub all die schönen Obst- und Gemüsenamen vorlesen und warum um Himmelswillen erklärt er seinem kleinen Bruder, im Hinblick auf den nächsten Sommer, beim Mittagstisch gerne mal, das es in Dänemark nicht Kartoffeln sondern kartoffler heißt und die Gurken in Dänemark immer ein A vorne dran mitschleppen?
Ich würde ihnen also schaden, wenn ich sie - zugunsten von 2 Stunden mehr Deutsch und Mathe - was sie zwar auch interessiert, was sie aber ja trotzdem noch einige Stunden haben, von der fremden Sprache fernhalte.
Sicher lernt er die Vokabeln auch in 2-3 Jahren noch, vermutlich schnell und problemlos, aber dann lernt er sie nicht nebenbei (wie das jetzt geschieht), sondern er muss sie u.U. pauken. Das wird ihn jetzt eher nicht treffen, aber es trifft die schwächeren Schüler, die sich das jetzt auch noch vergleichsweise leicht im spielerischen Rahmen und mit Spaß einprägen.
Und da kommen wir an den wichtigen Punkt. Es geschieht mit Spaß (weshalb mich auch die Noten in Klasse 3/4 stören). Wenn die Kinder (grade die schwächeren) aus diesen 2 Stunden in der Woche nur mitnehmen, dass Schule und eine fremde Sprache Spaß machen kann, haben wir für diese Kinder viel gewonnen.
DAS sage ich jetzt aus meiner Erfahrung mit Kindern Klasse 5 Hauptschule heraus (denen mein allgemeines Studium Lehramt in BW ja auch gilt). Diese Kinder freuen sich zwar durchaus auf englisch, aber sie haben auch Angst, wieder ein Fach, in dem man versagen kann (was sie aus den Hauptfächern der GS ja meist gewöhnt sind). Grundschulenglisch ohne Noten wäre für sie ein Segen, da es einfach ein Fach ist, das Spaß macht. Singen, malen, basteln, Lustige Geschichten und das ohne Druck....das wäre unbezahlbar - nur dem steht ja das 'die können, wenns keine Noten gibt, ja noch weniger als so' speziell der Gymnasiallehrer entgegen.
Ich sehe es übrigens für meinen Mittleren, der in der Grundschule sicherlich mehr zu lernen haben wird, als sein großer Bruder, genauso.
Ich sehe es aber auch als keines meiner Kinder als Katastrophe an, wenn das Grundschulenglisch wieder abgeschafft wird. Und ich werde sie sogar trotdzem nicht in 'Englisch für Kindergartenkinder' in der örtlichen Volkshochschule stecken.
Ich hoffe für sie dann einfach, dass sie ind er Schule in einem anderen Fach genügend Spaß entwickeln um Schule schön finden zu können, selbst wenn Notendruc da ist. |
|
| Unten der Beitrag und die bisherigen Antworten. Sie befinden sich in dem Beitrag mit dem grünen Pfeil. |
| Die letzten 10 Beiträge im Forum Mehrsprachig aufwachsen |
|
|
|