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Aggressives Verhalten: Mein Kind schlägt mich

Aggressives Verhalten: Mein Kind schlägt mich

Wenn das eigene Kind anfängt, Mama und Papa zu beißen und zu hauen reagieren Eltern oft ratlos und traurig. Wie man mit dieser Reaktion umgeht, lesen Sie hier.

Warum tut mein Kind mir weh?

Die meisten Eltern reagieren auf die Attacken ihrer Kleinkinder mit Ratlosigkeit. Wie soll man damit umgehen, wenn der eineinhalbjährige sich durch ein klares "Nein" oder ein deutliches "Aua" nicht vom Beißen abbringen lässt? Und woher kommt diese plötzliche Aggression? Beruhigend ist zu wissen, dass dieser Drang ein weiterer, wichtiger Schritt in der Entwicklung des Kindes ist. Und dass er keineswegs ein Hinweis darauf ist, dass das Kind zu aggressivem Verhalten neigt.

Verteidigung des Selbst

Aggression, so beschreibt es der Kinderarzt und Kinderpsychotherapeut Dr. Posth, ist im frühen Kindesalter eine die Entwicklung leitende Kraft. Das Kleinkind, das gerade erst sein "Selbst" entdeckt, versucht dieses durch aggressives Verhalten zu verteidigen: Gegen die Ansprüche der Eltern, dieses oder jenes zu tun oder nicht zu tun. Aber auch gegen natürliche Beschränkungen wie Müdigkeit, Hunger oder Hindernisse wie einen Kletterturm, den es nicht hochkommt. All diese Hemmnisse werden von dem Kleinkind als sein Selbst einschränkend angesehen und deswegen auch abgelehnt. Sie lösen Ärger und Wut aus und werden mit "motorischen Entladungen" verbunden. Es hängt dann noch vom Temperament und der charakterlichen Veranlagung ab, ob ein Kind weniger oder stärker zum Hauen, Schlagen oder Beißen neigt.

Mit Gegenliebe reagieren

Es ist für die Entwicklung des Kindes ganz wichtig, sich selbst zu erleben und zu erkennen. Was die anderen Menschen bei dieser "Selbstentfaltung" empfinden, kann das Kind nicht verstehen. Eltern müssen dies unbedingt beachten: Das kleine Wesen, das da gerade schlägt, weiß noch nicht, was Unrecht ist. Es wird kein Schuldgefühl haben, auch wenn die Eltern noch so sehr "Nein" oder "Aua" sagen. Am besten ist es, gelassen mit der Attacke umzugehen und sich selbst zu schützen, in dem man dem Schlag oder den kleinen Beißerchen ausweicht.
Liebesentzug ist keine angemessene Reaktion auf die Attacke. Reagieren Eltern wütend, dann lösen sie in ihrem Kind Verlustängste aus. Es wird sich schnell wieder in die Bindung, aus der es sich ja gerade löst, zurückflüchten und mit Mama oder Papa schmusen wollen. In diesem frühen Stadium bereits über "Grenzen setzen" nachzudenken, geht auch in die falsche Richtung. Eltern müssen nicht befürchten, dass sie durch Nachsicht gegenüber aggressiven Attacken des Kindes dessen Gewaltbereitschaft fördern.
Mit etwas Geduld wird diese Phase in der Entwicklung des Kindes bald vorbeigehen. Machen die Eltern hingegen den Fehler, das Schlagen und Beißen mit Gegenwehr zu quittieren, so heben sie dieses Tun letztlich auf eine andere Ebene und das Kind wird Gewaltanwendung als etwas "Normales" erlernen.

Empathie erlernen

Je älter Ihr Kind wird, desto weiter ist auch sein Selbstbewusstsein gereift und es wird bereit sein für einen weiteren Schritt in seiner Entwicklung: Empathie zu erlernen, sich in das Gefühlsleben des Anderen hineinversetzen können. Ab etwa dem zweiten Lebensjahr, bei manchen Kindern ab 2 ½, sollten Sie auf das Hauen oder die Schläge Ihres Kindes so reagieren, dass es versteht, welche Folgen sein Tun hat. Dabei müssen Sie sich selbst wahrscheinlich ein wenig überwinden, denn es geht darum, Schmerz und Trauer zu zeigen, die Sie in diesem Moment vielleicht weniger verspüren als Ärger und Enttäuschung. Spielen Sie, dass Sie Schmerzen hätten und weinen müssten. Ihr Kind versteht dann, dass es Ihnen wehgetan hat und wird nun in die Rolle des Beschützers wechseln und Sie trösten. Dabei fühlt es sich selbst stark und baut damit sein Selbstbewusstsein weiter aus. Über kurz oder lang wird es lernen, sein aggressives Gefühl in sich selbst abzubauen oder umzulenken.
Etwas später beschäftigen Kinder sich dann intensiver mit diesem Perspektivwechseln. Häufig stellen sie selbst bewusst Situationen her, in denen sie dann die Gefühle des Gegenübers erkunden. Zum Beispiel: Macht es Mama wütend, wenn die Schale mit dem Obst runterfällt? Für die Eltern kann das zuweilen extrem nervenaufreibend sein, aber diese Situationen haben ein sehr wichtiges Ziel: das Kind lernt dadurch zu verstehen, dass zwei Menschen völlig unterschiedliche Emotionen bei ein- und derselben Handlung haben können.

Moral entwickelt sich erst später

Es wird aber noch einige Zeit dauern, bis das Kind auch schon vor oder ohne den Ablauf einer Handlung versteht, welche Reaktion sein Gegenüber zeigen wird. Ab etwa vier Jahren setzt dann langsam das ein, was wir als die Entwicklung des Gewissens bezeichnen können: Das Kind lernt und versteht, dass ein bestimmtes Verhalten nicht richtig ist. Es wird entsprechend handeln beziehungsweise auf bestimmte Handlungen verzichten. Dafür ist es aber wichtig, dass es vom Säuglingsalter an auf seinem Weg zu einem positiven Selbstgefühl unterstützt wird. Wer durch die Eltern erfahren hat, dass seine Gefühle und Gedanken respektiert und geachtet werden, dem wird es auch leichter fallen, sich selbst gegenüber den Gefühlen anderer Menschen respektvoll zu verhalten.

von Eva Becker

Zuletzt überarbeitet: März 2017

   

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