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Mein Kind hört nicht

Mein Kind hört nicht

Gerade wenn Kinder mit etwa 18 Monaten anfangen vieles zu verstehen, hören sie plötzlich auf, auf Mama und Papa zu hören. Wer die Hintergründe versteht, kann mit dem "Nichthören" besser umgehen und sich öfter Gehör verschaffen.

Es hört sich seltsam an aber Kinder setzen das "Nichthören" als Mittel der Kommunikation ein. Die Gründe, die dahinter stecken, sind komplex. Sie resultieren teilweise aus den Entwicklungsschritten des Kindes, zum Beispiel der Trotzphase. Oder aber auch aus Fehlern in der Kommunikation zwischen Eltern und Kind. Ganz wichtig: Wer gehört werden will, muss bedenken, dass Kleinkinder noch gar nicht so viel verstehen. Auch wenn wir das aufgrund ihrer "cleveren" Kommentare häufig denken.

1. Nichthören heißt Selbstwirkung spüren

  • Sturkopf auf Hochstuhl und Wickeltisch: Rund um den ersten Geburtstag werden die meisten Kinder bei zwei alltäglichen Gelegenheiten bockig: Beim Wickeln und beim Füttern. Wenn Kinder sich auf dem Wickeltisch winden und beim Breiessen alles daran setzen, dass der Karottenbrei möglichst großflächig verteilt wird, zerrt das an den Nerven aller Eltern. Dieses "Auf-der-Nase-herumtanzen" zeigt jedoch den starken Willen Ihres Kindes und daraus resultiert wiederum ein starkes Selbstgefühl. Dabei ist es wichtig, dass dieser Wille nicht mit aller Gewalt gebrochen wird. Auch wenn es anstrengend ist: Eltern sollten auf dieses "Nichthören" möglichst ruhig reagieren. Damit stärken sie das aufkeimende Selbst des Kindes und bestätigen es in seinem Vertrauen in Mutter und Vater.
  • Ein "Nein" spornt an: Natürlich hören Eineinhalbjährige auf Erkundungstour das "Nein" ihrer Eltern rein akustisch. Nur die Botschaft kommt bei ihnen nicht an. Sie stoppen also nicht ihre Handlung, sondern verstehen das Wort als Ansporn, um weiter zu machen. Auch wollen sie in ihrer "Selbstentfaltung" die Reaktion der Eltern sehen. Im Idealfall unterstreichen Eltern ihre Worte mit einer deutlichen Gestik oder Mimik. So lernt das Kind, ein "Nein" zu begreifen.

2. Nichthören heißt nicht verstehen

  • Vom Abstrakten zum Fassbaren: Wenn Eltern ihre Kinder von etwas abhalten wollen, dann benutzen sie häufig abstrakte Begriffe: Das sei "zu gefährlich", "zu schwierig" - oder: Du bist dafür noch "zu klein". Besser ist es, ihnen Gefahren möglichst bildhaft zu erklären. Auch den Satz "Wir müssen gleich los", verstehen Kinder nicht, weil er zu unkonkret ist. Stellen ihnen die Eltern hingegen eine Sanduhr hin, dann können sie sehen, wann die Zeit abgelaufen ist. Bis dahin können sie ihr Spiel zu Ende bringen.
  • Klare Botschaften statt offene Fragen: "Wollten wir nicht einkaufen gehen?" Dieser Satz mag sich netter anhören als ein "Ich möchte jetzt mit dir einkaufen gehen." Der zweite Satz ist aber der bessere, weil er dem Kind eine klare Botschaft sendet. Mit dem ersten hingegen deutet man einen Handlungsspielraum an, der aber wahrscheinlich gar nicht gegeben ist. Gerade bei kleinen Kindern ist es auch wichtig, sich körperlich bemerkbar zu machen: sich dem Kind zuwenden, es ansehen, vielleicht sogar anfassen (aber nur, wenn es diese Berührung zulässt). Auch für den Augenkontakt gilt: das Kind nicht zwingen, einen anzusehen.

3. Nichthören heißt Achtung einfordern

  • Kinder wollen mitbestimmen: Der oben erwähnte Satz "Wollten wir nicht einkaufen gehen?" macht hingegen Sinn, wenn die Frage wirklich als solche gestellt wird. Das Kind also sagen kann, dass es jetzt nicht möchte. Und dies wird dann von den Eltern akzeptiert. Kindern ist es wichtig, mitentscheiden zu können. Und sie spüren schon früh, ob sie wirklich Entscheidungsmacht bekommen oder ihnen das nur vorgespielt wird. Auch bei dem Aufstellen von Regeln sollten Kinder - so weit wie möglich - beteiligt werden.
  • Kinder wollen respektiert werden: Von Anfang an ist für Kinder das Gefühl, angenommen und geliebt zu werden, ganz wichtig. Und das auch - oder vor allem - in Situationen, in denen sie sich nicht richtig verhalten. Daher ist bei einer Auseinandersetzung über Grenzen und Regeln (dies betrifft ältere Kinder) immer wichtig, dass die Eltern in der Ich-Perspektive sprechen, ihre Gefühle und Wünsche formulieren, dabei aber nicht das Kind als Person angreifen. Sonst passiert es leicht, dass es nicht zuhört, weil es sich selbst vor der Kritik schützen will. Und: Wenn ein Kind nicht auf das hört, was die Eltern ihm sagen, kann es auch daran liegen, dass es die gesetzten Grenzen als zu strikt oder eng empfindet.

4. Nichthören heißt Verlässlichkeit einfordern

Wenn Eltern sich kein Gehör bei ihren Kindern verschaffen, dann wirken sie in ihren Grenzen und Regeln eventuell nicht verlässlich. Dann drohen sie vielleicht zu viel und erklären zu wenig. Und zeigen ihren Kindern nicht auf, wie diese an der Beseitigung von Störungen mitarbeiten können. Sobald Kinder dazu in der Lage sind, die Konsequenzen eines Handelns zu verstehen, sollten sie diese auch erklärt bekommen. Und zwar in einem ruhigen Ton. Grenzen setzen heißt nämlich nicht, übermäßig streng oder hart zu sein. Grenzen setzen heißt, dass ein Kind weiß, woran es ist.

In einer angespannten Situation ist es nicht immer einfach, ruhig und überlegt zu argumentieren. Damit Eltern dann nicht sprachlos dastehen oder schimpfen, hilft es, sich bereits vorher eine Strategie zu überlegen und mit dem Kind eine Vereinbarung zu treffen. Wenn es sich an die vereinbarte Regel nicht hält, folgt eine Konsequenz. Und diese muss dann auch unbedingt durchgezogen werden.

von Eva Becker

Zuletzt überarbeitet: März 2017

   

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