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Impfung bei Frühgeborenen

Interview mit Kinderarzt Prof. Dr. med. Gerhard Jorch

Prof. Dr. med. Gerhard Jorch - Kinderarzt
Wie kann man Neurodermitis sinnvoll vorbeugen und behandeln?

Das angeborene und erworbene Immunsystem von Frühgeborenen ist schwächer und der Nestschutz durch mütterliche Antikörper geringer als bei reif geborenen Kindern. Daher sind Frühgeborene besonders durch Infektionen gefährdet und benötigen somit den Impfschutz besonders dringend.
 
Wir haben mit Prof. Dr. med. Gerhard Jorch über Impfungen bei Frühgeborenen gesprochen.

Professor Dr. med. Gerhard Jorch ist als Kinderarzt besonders spezialisiert auf die Behandlung von Frühgeborenen und Risikoneugeborenen. Er ist außerdem langjähriger Experte bei Rund-ums-Baby.de und leitet seit vielen Jahren unser Expertenforum für Frühgeburt und Frühchen.

Redaktion:

Frühgeborene sind besonders durch Infektionen gefährdet. Warum ist das so?

Prof. Dr. med. Gerhard Jorch:

Auch nachdem Sie die ersten Lebenstage dank fürsorglicher Behandlung in der Klinik überstanden haben, besteht für Frühgeborene ein mehrfach erhöhtes Risiko, an einer schweren Infektion (Sepsis, Meningitis) zu erkranken. Das liegt vor allem daran, dass das angeborene und erworbene Immunsystem aufgrund seiner Unreife schwächer ist. Das Abwehrsystem tut sich noch schwerer damit, Krankheitserreger rechtzeitig zu erkennen und dagegen Antikörper und andere wichtige Abwehrfaktoren zu bilden. Auch der Nestschutz durch mütterliche Antikörper, die während der Schwangerschaft übertragen werden, ist geringer, weil aufgrund der zu frühen Geburt für die Übertragung weniger Zeit blieb.

Redaktion:

Dürfen Frühchen denn genauso wie reif geborene Kinder schon mit 6 Wochen nach ihrer zu frühen Geburt geimpft werden?

Prof. Dr. med. Gerhard Jorch:

Ja unbedingt, sie dürfen und müssen, weil sie den Impfschutz besonders dringend benötigen, insbesondere beim Schutz vor Pertussis (Keuchhusten) und Pneumokokkeninfektionen.

Redaktion:

Können Sie Eltern die Bedenken nehmen, so kleine Frühgeborene schon so früh  mit einer 6-Fach-Impfung und der Pneumokokken-Impfung impfen zu lassen?

Prof. Dr. med. Gerhard Jorch:

Frühgeborene jenseits von 32 Schwangerschaftswochen (8,5 % aller Kinder) vertragen Impfungen als junge Säuglinge genauso gut wie Reifgeborene. Frühgeborene unter 32 Schwangerschaftswochen (1,5 % aller Kinder) können zwar in seltenen Fällen mit Atempausen in den ersten 48 Stunden nach Erstimpfung reagieren, weshalb es sich empfiehlt, die erste Impfung mit 6-8 Wochen noch während des Aufenthaltes im Krankenhaus unter Monitorüberwachung durchzuführen. Ansonsten vertragen auch diese Babys die empfohlenen Impfungen sehr gut.

Redaktion:

Warum sollen vor Abschluss der 37. Woche zu früh geborene Kinder weiterhin 3 mal die Pneumokokken-Impfung im ersten Lebensjahr erhalten, also insgesamt 4 Dosen als Grundimmunisierung bis zum 14.Lebensmonat, während alle reif geborenen Kinder nur noch 2 Dosen im 1.Lebensjahr und insgesamt 3 Dosen erhalten?

Prof. Dr. med. Gerhard Jorch:

Je unreifer das Immunsystem bei Erstimpfung ist, desto geringer ist im Durchschnitt der erreichte Impfschutz. Das wird durch die insgesamt 4 malige Impfung ausgeglichen, die bis zum 14.Lebensmonat abgeschlossen sein sollte.

Redaktion:

Gibt es weitere Maßnahmen (Ernährung, Hautpflege etc.), die für Frühgeborene relevant sind?

Prof. Dr. med. Gerhard Jorch:

Stillen bzw. die Gabe von abgepumpter Muttermilch sowie Hautpflegemaßnahmen, die die natürliche Hautoberfläche nicht angreifen, schützen vor Erregereintritt über Darm und Haut.

 

Herr Prof. Jorch, vielen Dank für das Gespräch.

 
 

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