Kindergesundheit
Hilfe für chronisch kranke und behinderte Kinder Hilfe für chronisch kranke und behinderte Kinder
Geschrieben von Zwerg1511 am 05.10.2017, 14:32 Uhrzurück

Re: ADS - wie haben sich eure Kinder entwickelt

Ich denke, das ist sehr abhängig von dem, was das betroffene Kind an unterstützenden Hilfen (Elternhaus, Therapien usw.) erfahren hat.

Ich kann jetzt nur einen Fall aus beruflicher Sicht schildern. Ich bin Ausbilderin und hatte bis im Sommer einen Auszubildenden mit ADHS. Ich wusste bei Einstellung von der Erkrankung, habe mir aber ehrlich gesagt keine Gedanken gemacht, wie groß die Auswirkungen sein können. Er war von seiner Art sehr nett und ging relativ offen mit seiner Erkrankung um. Er selbst hatte im Einstellungsgespräch angegeben, gut medikamentös eingestellt zu sein. Er hatte die Fachhochschulreife auf einer Privatschule absolviert.

Ich muss sagen, das war der erste Auszubildende, der mich an meine Grenzen gebracht hat. Er war nicht in der Lage, sich auch nur im Geringsten selbst zu organisieren. Bei Terminen und Schulungen erschien er oftmals nicht, weil er einfach vergessen hatte in den Kalender zu schauen. Aufgaben die zur Ausbildung gehörten, konnte er oftmals nur unvollständig erledigen, da er nach kurzer Zeit nicht mehr wusste, was der Arbeitsauftrag gewesen ist. Ich hatte in der ganzen Ausbildungszeit nicht einen Ausbildungsnachweis, der fehlerfrei war. Falsches Datum, Einträge usw. usw.

Er musste im 1-zu-1- Bezug durch die Ausbildung geschoben werden. Das fing damit an, dass er bei jeder Besprechung losgeschickt wurde, sich etwas zu schreiben zu holen. Ich habe wöchentlich seinen beruflichen Kalender kontrolliert (inkl., ob Alarme für Termine gesetzt waren). Die Ausbildungsnachweise musste er alle zwei Tage abgeben, damit die Zeitspanne nicht zu lang wurde. Es fehlte ihm an allen Techniken, die einem helfen können, wenn man dieses Handicap hat.

Wir haben ihm einen Coach an die Hand gegeben. Letztlich kam heraus, dass er von Zuhause bezgl. seiner Erkrankung fast keine Unterstützung erfahren hat. Insbesondere sein Vater unterstellt ihm mehr Faulheit als Krankheit. Medikamente hatte er wohl selbständig abgesetzt (wusste ich aber nicht genau, darf ich auch nicht danach fragen). Seine einzige Technik im Umgang mit der Erkrankung war das sich "Schönreden" was er alles für Pläne hat, aber irgendetwas Handfestes (und hierfür brauchen die Betroffenen m.E. schon früh die Unterstützung des Elternhauses) war nicht vorhanden.

Wenn ich ehrlich bin, hätte ich ihn in der Probezeit kündigen müssen. Das habe ich nicht fertig gebracht. Also habe ich ihn durch die gesamte Ausbildungszeit geschleppt und war heilfroh, als er im Sommer die Prüfung mit einer schlechten 4 gerade noch so bestanden hat. Anschlussvertrag hat unsere Personalabteilung abgelehnt (ich hätte auch nicht zugestimmt).

Aus privater Sicht tut mir der junge Mann leid. Ich weiß gar nicht, wie er überhaupt eine Arbeit bewältigen soll. Aber aus beruflicher Sicht kann ich nur sagen, mehr konnten wir nicht leisten. Kein Gespräch oder Unterstützung hat auch nur ansatzweise längerfristig etwas gebracht.

Hier wurde ganz klar ganz viel in der Jugend versäumt.

 

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