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Re: Trinkschwäche

Hallo Lars91
Ich kann nur erahnen, was ihr alles durchmachen musstet. Und ich kann vielleicht nicht direkt auf eure Fragen antworten. Aber ich schildere euch unseren Weg und vielleicht hilft es euch in irgendeiner Weise.
Ich hatte vor zwei Jahren eine Schwangerschaftvergiftung, mein Baby wurde gerade noch rechtzeitig in der 32 Woche per Kaiserschnitt zur Welt gebracht. Er war 1190kg schwer. Danach musste er 6 Wochen auf der Intensivstation bleiben. Ich konnte ihm leider keine Muttermilch geben.
Man gab ihn uns nach Hause, obwohl er mit trinken völlig überfordert war. Er hatte Sauerstoffabfälle und musste bei einem Schoppen bis zu 5 mal zum atmen animiert werden. Es war ein Alptraum. Einmal waren wir im Spital, weil er trinken wollte, aber einfach nicht konnte und ich wusste mir nicht mehr zu helfen. Aber im Spital angekommen, ging es wieder. Man erklärte uns, dass er einfach überfordert wäre, mit dem Schleim im Rachen und dem Schlucken der Milch. Man bot uns an, auf die Kinderstation im Spital zu gehen, wo wir ihn aber selber betreuen sollten. Aber dass konnte ich nicht, die Nächte im Spital konnte ich kein Auge zu tun, es war mir lieber zu Hause zu sein. Nach einigen Wochen hatte mein Sohn, das mit dem Atmen und Schlucken im Griff. Aber nach jedem Schoppen schreite er wie am Spiess. Er hatte Bauchschmerzen, krümmte sich, es quälte ihn furchtbar, er trank alle zwei Stunden und schreite dann eine Stunde lang. Heute weiss ich nicht mehr, wie wir das geschafft haben. Wir nahmen an, es seien die drei Monatskoliken, dann die Zähne, wir waren immer wieder beim Kinderarzt, ich wechselte das Schoppenpulver, wir waren beim Osteopath, beim Naturheiler...wir versuchten alles.
Dann war es Zeit für den Brei, für die anderen Babys, nicht für meins. Mein Sohn verweigerte den Brei und ich merkte, dass auch Breizusätze, wie Hirse, Hafer, Griess für seine Verdauung nicht gut waren. Es war ein stetiges ausprobieren und das Schlimme dabei war, dass seine Bauchschmerzen vorallem Nachts auftraten. Im zwei Stunden takt trug ich ihn duch die Wohnung. Das Tragen half die Blähungen durch den Darm zu schleusen und als dann die Luft nach Stunden draussen war, ging es ihm wieder gut. Mein Mann half mit, aber er musste um vier aus dem Haus, die Nachtschicht blieb also vorallem an mir hängen. Der Schlafmangel hatte furchtbare Auswirkungen auf mein Wohlbefinden. Mir war oft schwindlig, ich war vergesslich, war alle zwei Monate krank. Wenn ich krank war, bekam ich Unterstützung von meiner Familie, war ich wieder gesund, musste ich die Nachtschichten wieder alleine übernehmen. Als mein Sohn 1 1/2 Jahre alt war, begann er Kuhmilch zu trinken. Jetzt denken viele, dass wäre sicher nicht das Richtige. Ich kann nur sagen, seit dem ist es besser. Mein Sohn trinkt jetzt mit zwei Jahren, ca 1,5 liter Kuhmilch am Tag. Dazu hat er gerne ein Wienerli, Lachs oder Rindfleisch, Hüttenkäse, oder Quärkli. Es hat lange gedauert, bis ich begriffen habe, dass alles andere einfach nicht geht. Noch nicht. Man macht sich einfach Sorgen als Mutter, wenn das Kind nicht richtig essen kann. Und ich könnte heulen, wenn ich sehe, wie andere Kinder essen. Die Suche nach dem Grund oder nach der Lösung für unser Problem hat mich nach St. Gallen ins Kinderspital geführt. Schade, dass wir da nicht früher waren. Der Facharzt für Darmerkrankungen hat genau gewusst, wovon ich rede. Schon das hat mir gut getan. Er meinte, dass er wisse, wie schlimm diese Schmerzen für die Babys und Kinder seien und auch für die Eltern. Und er sagte uns, dass Eltern von normal geborenen Säuglingen nicht erahnen könnten, wie schrecklich es ist. Und er hat recht. Sogar meine Kinderärztin durfte mir an den Kopf werfen, dass sie selber drei Kinder hatte und man müsse halt Nachts ab und zu aufstehen, das gehöre dazu. Ich hatte nie Porbleme Nachts aufzustehen, zum Rechten zu sehen und dann wieder weiter zu schlafen. Aber es ist etwas ganz anderes, wenn mein Kind Schmerzen hat und eine Stude vor Schmerzen schreit und ich ihm nicht wirklich helfen kann. Das ist furchtbar. Und ich werde mich wohl nie daran gewöhnen. Wir wissen jetzt, dass es bis zum dritten Lebensjahr dauern wird, bis sich die Magen- Darmflora unseres Sohnens so aufgebaut hat, wie bei einem normal geborenen Kind. Dass er auf Kohlenhydrate und Fruchtzucker verzichten sollte, damit sich keine Gase im Darm bilden, weil die Schmerzen verursachen. Wir wissen auch dass er mit Milch, Fleisch und Fisch die nötigsten Nährstoffe erhält, die er für einen gesunde Entwicklung braucht. Und wir wissen, dass ihm nichts ernsthaftes fehlt, und dass er in absehbarer Zeit essen kann, wie ein Kind, dass nicht zu früh auf die Welt kommen musste.
Bis dahin sind es im Schnitt zwei Nächte pro Woche, die wir opfern müssen. In der Regel sind wir von zwei Uhr bis fünf Uhr auf, bis sich der Bauch beruhigt hat, und die Luft draussen ist. Macrogol, das Abführmittel wird er weiterhin zweimal am Tag bekommen, auch das hilf uns sehr. Für alle die ähnliche Probleme haben: Der Facharzt meinte, man hätte ihm von Anfang an ein Milchpulver geben sollen, dass nicht auf Kuhmilchbasis aufgebaut wäre. Vielleicht hilft auch das jemandem, ich habe das :"Was wäre wenn.." aus meinem Kopf gestrichen. Nach dem was wir erlebt haben, ist das besser.
Liebe Grüsse und viel Kraft
Sandra

von mickipuhh am 28.09.2017, 14:19 Uhr

 

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