Die letzten Tage vor der Geburt und unser Geburtsbericht

09.04.2000
Gegen 17:30 Uhr sind wir im Krankenhaus und gehen in den Kreissaal.
Es werden die Daten aufgenommen,ein CTG geschrieben und wir werden aufgeklärt.....-  
völlig verheult komme ich in "meinem"Zimmer an.Die Chancen,dass es beim ersten oder
zweiten Mal klappen könnte (es soll mit Gel eingeleitet werden) sind uns genommen.
Dabei wussten wir dies ja schon aus diversen Vorgesprächen...,aber gegen die Tränen kann ich
einfach nichts machen - Erleichterung,Angst,Freude,Trauer,Erwartung...ich glaube,ich habe
sämtliche Gefühle auf einmal.
Auf meinem Zimmer ist Susanne,sie hat ihr Baby bereits und das verschlimmert meine Situation
noch zusätzlich.
Sie erzählt mir,das ihr Baby auch "geholt"werden musste und das Gel erst nach dem 6.Versuch anschlug.Da am Tag nur 2 Versuche gemacht werden können,sehe ich mich schon Ewigkeiten
in dem KH und beginne gleich mit einem Hungerstreik.
Thomas freut sich darüber und macht sich über mein Abendbrot her :-).
Susanne und ich unterhalten uns bis tief in die Nacht und irgendwann schlummern wir beide ein.

10.04.2000
Morgens um kurz nach 7:00 Uhr gehe ich in den Kreissaal.Mein Gyn ist da,das beruhigt mich ungemein,er untersucht den MuMu - der Gebärmutterhals ist noch nicht ganz verstrichen - Hoffnungslosigkeit macht sich in mir breit.Das Gel wird eingeführt,ich an das CTG angeschlossen
und die nächsten Stunden verbringe ich  im Kreissaal .
Jedesmal,wenn jemand fragt,warum ich da bin und die Antwort fällt ,"wegen psychischer Probleme", könnte ich meinen Krempel nehmen und gehen. Das schlechte Gewissen, Engelchen einfach eher
zu holen, überrollt mich dauernd.
Aber die Hebammen sind ganz toll nett,keine von denen gibt mir das Gefühl etwas Unrechtes zu tun.
Im Gegenteil,sie schauen ständig nach uns (Silvio ist mittlerweile auch da) und versuchen uns aufzumuntern.Sogar die mir/uns bekannten Ärztegesichter lassen sich öfters bei uns sehen -
das baut doch sehr auf !!!!
Gegen 13:00 kann ich auf Station gehen um etwas zu essen.
Ich schalte mein Handy ein und muss lachen,piep,piep,piep....,ich habe unzählige SMS er -
Dankeschön an euch alle!!!!

14:00 Uhr - zweiter Versuch!

Der MuMu hat sich nicht gravierend verändert - die Nerven liegen blank - am liebsten würde ich
wieder nach Hause gehen - wir sind müde.
Gegen 17:00 können wir den Kreissaal verlassen, nichts hat sich getan.
Um 21:00 soll ich nochmal vorbei kommen,um ein CTG zu schreiben.
Wir gehen in die Cafeteria,dort kennt man uns ja auch schon - entmutigt bestellen wir.....
Mein Gyn sucht mich,meint,ich solle doch bis morgen warten - als ob ich es mir aussuchen könnte.*lächel*
Ich finde diesen Satz so lustig,das es mich tatsächlich aufbaut.

20:00 Uhr bis 0:00 Uhr

Susanne und ich quatschen und quatschen , bis mir bewusst wird, das ich leichte Wehen habe.
Ich schaue auf die Uhr,sie sind sogar relativ regelmässig.
Silvio und Thomas kommen mich nochmal besuchen und ich bin wie aufgezogen, muss ihnen
gleich die Neuigkeiten erzählen. Als ich auf's Klo gehe,läuft es weiter....ich sehe eine
klare Flüssigkeit und bin mir sicher,das ich einen Blasensprung habe.
Um 21:00 im Kreissaal meint man zwar,man könne keinen Blasensprung feststellen,aber ich bin
mir trotsdem sicher das es einer war. Die Wehen sind etwas stärker geworden,sie kommen
meistens aller 2- 3 Minuten,dann aber mal wieder 5 Minuten gar keine.
Die Hebammen freuen sich richtig mit uns.
Es ist Schichtwechsel - ich kenne von dieser Schicht keinen und fühle mich überhaupt nicht wohl.
Ich verpasse meinen geliebten Frauenknast (was einen da alles für "blöde" Gedanken im Kopf rumsausen*lach*) und laufe,nachdem ich einen Einlauf bekommen habe,den Flur hoch und runter.
Ich fühle mich furchtbar allein,es herrscht eine totale Ruhe in dem Kreissaal
(da ja auch nur 2 Hebammen da sind).
Gegen 23:30 kommt endlich Silvio nochmal.Die Hebamme macht uns das Angebot,mir eine Spritze
zu geben,damit ich schlafen könne,die Wehen werden dadurch eingedämmt,wenn sie nicht
kräftig genug sind.Ich möchte die Spritze nicht haben,ich WILL mein Baby.

11.04.2000
Der MuMu ist ca 3 cm offen,aber es geht einfach nicht mehr vorwärts. Als sich bis halb 2 noch
immer nichts verändert hat und Silvio und ich völlig übermüdet sind,entschliessen wir uns
für die Spritze. Silvio fährt nach Hause,ich übernachte im Kreissaal.
An Schlaf ist kaum zu denken,aber die Wehen werden schwächer und schwächer.

Schichtwechsel - endlich kommt wieder Leben in den Kreissaal.
Meine Wehen sind fast weg,der MuMu hat sich keinen Milimeter mehr geöffnet.

ca.7:30 Uhr
Mein Gyn kommt ins Zimmer geschneit und schafft es mal wieder,mich mit seinen Optimismus
aus der Reserve zu locken*lächel*.
Wir unterhalten uns wieder einmal über unser gemeinsames Hobby - den PC .
Er verlegt in der Zwischenzeit die Kanülen - ich kann an den Tropf*erleichtertschau*.

8:00 Uhr
Silvio kommt.

ca.8:30 Uhr
Das Ärzteteam huscht durch,der Professor "genehmigt" eine PDA.
Irgendwie haben Silvio und ich das Gefühl,er fiebert richtig mit uns mit,scheint so viel von uns
zu wissen,dabei haben wir ihn erst zum 2x gesehen.
Ich habe wieder leichte Wehen,aber unregelmässig.

9:00 Uhr
Der Tropf wird eingeschaltet,es geht los.
Ich bin verkabelt ohne Ende,aber es werden noch mehr...
Engelchen's Herztöne werden ständig überwacht,die Hebammen sind ständig für uns da,
schauen immerzu nach uns,muntern uns auf - ein richtiges super Team haben wir da erwischt!!!!

Irgendwie habe ich so komische Wehen,die kenne ich von meinen beiden anderen
Entbindungen überhaupt nicht.
Sie ziehen so stark im Rücken und anstatt dann in Richtung Bauch zu ziehen,ziehen sie sich
die Beine entlang nach unten.Ein wirklich unangenehmer Schmerz,weil da auch nicht viel
mit veratmen drin ist.
Ca.aller halbe Stunde wird die Tropfenzahl des Tropfes*lach*ein wenig höher gestellt.

ca.11:00 Uhr
Der Anästesist schwebt herein,stellt sich vor,erklärt uns den Ablauf einer PDA,
ich unterschreibe und er beginnt.Silvio sah ihm zu und ihm wurde ganz anders.
Er meint ,der Arzt habe ca.7 cm tief mit einer Nadel zwischen die Wirbel gestochen
und dann so eine Art dünnen weichen Gummischlauch hinein geführt.
Er hat seinen Job gut gemacht,ich fand es überhaupt nicht schlimm.
Dann wurde ich nochmals verkabelt.Eine Spritze sollte nun automatisch die Flüssigkeit nach spritzen.
Ausserdem wurde ich noch an einen automatischen Blutdruckmesser angeschlossen,welcher aller
5 Minuten meine Werte nahm.Ich war perfekt verkabelt und überwacht :-).
Innerhalb kürzester Zeit war ich schmerzfrei.Ich merkte zwar die Wehen,den sich
verhärtenden Bauch,aber der Schmerz war wie weg gezaubert.
Meine Mutter rief an und erkundigte sich nach uns.
Silvio und ich versuchten etwas zu dösen.

ca.12:30 Uhr
Schrödi,meine Hebamme ,welche uns all die vielen Monate,
Woche für Woche und manchmal noch zwischendurch betreut hat,rief an und liess
viele liebe Grüssean uns ausrichte
n.
Der MuMu stand immer noch nur zwischen 3 und 4 cm offen.

13:00 Uhr
Plötzlich bekomme ich spürbar starke Wehen.Da mir der Anästesist sagte,das die Flüssigkeit,
von der PDA,auf der kleinsten Stufe stünde und man diese nachstellen kann,sobald es
schmerzhafter werden sollte,dachte ich zuerst,das es daran liegen würde.
Aber als ich dann auch noch diesen Druck nach unten bekam,sagte ich zu Silvio,das es
gleich los gehen müsste.Er war sofort hellwach.
Als die Hebammenschülerin zu uns rein schaute,fragte ich sie,ob man mal nach dem MuMu
schauen könne.Sie meinte,das würde dann die nächste Schicht machen.
Aber es schien auch ihr keine Ruhe zu lassen,sie holte dann die Hebamme,welche mich betreute.
Sie schaute nach und dann ging alles sehr schnell.
Bettenwechsel,Nachthemdenwechsel,Blase entleeren,nebenbei meinen Gyn anpiepen....
- ich kann mich nur daran erinnern,das ich dauernd fragte,ob ich nun pressen könne.
Irgendwann durfte ich pressen .
Erinnern kann ich mich nicht daran,das Silvio meinen Kopf auf die Brust drückte und auch nicht daran,das mein Gyn am Ende mit auf meinen Bauch drückte.
Ausserdem kann ich mich nicht daran erinnern,das mein Gyn zu Silvio sagte,er solle doch
mal nach dem Köpfchen schauen,es sei zu sehen.
Ich kann mich aber daran erinnern,das die Hebamme sagte,das Köpfchen sei da und ich fragte,
ob ich es anfassen könne -was ich dann auch tat.
Dann war sie auch schon geboren,lag da zu meinen Füssen....und ich fragte dauernd,
ob es denn wirklich ein Mädchen sei und heulte.
Silvio sass wie versteinert da  - während mein Gyn unseren Fotoapperat schnappte und knipste
*freu und vielen lieben Dank*.
Dann bekam ich unser so lang ersehntes Engelchen auf den Bauch und hätte sie am liebsten
nicht wieder her gegeben.
Sie wurde dann noch untersucht,gewogen und vermessen und ich wurde noch mit 3 - 4 Stichen genäht
und verlor mal wieder zu viel Blut...

nach.13:30 Uhr
Ich bekomme Angelique in mein Bett und wir werden um ca.18:00 Uhr auf Station zurück gefahren.
Einen Schrecken jagt sie mir allerdings noch ein.
Sie hat zu viel Fruchtwasser geschluckt,bekommt keine Luft mehr,wird blau und wird
von den Schwestern sofort abgesaugt,die Blutwerte werden sofort kontrolliert.
Die erste Nacht schläft sie unter Beobachtung,aber es ist alles in Ordnung....


Niemals hätte ich gedacht,jemals sagen zu können,dass es eine schöne Geburt geben kann
- aber es gibt sie wirklich!


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Background by Peggy