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Geschwisteralltag

Geschwisteralltag - großer Krach, große Liebe

Geschwister vertragen sich, spielen lieb zusammen und bilden eine verschworene Gemeinschaft. So hätten es die Eltern gern. Doch wer selbst Brüder und/oder Schwestern hat, weiß, wie idealistisch solche Vorstellungen sind. Denn auch Geschwister sind in erster Linie Individuen, die erst lernen müssen, miteinander auszukommen. Das geht nicht ohne gelegentliche Kämpfe.

Streit gehört dazu

Etwa die Hälfte der Zeit liegen sich Geschwister laut Expertenmeinung in den Haaren. Da ist alles geboten: Eifersüchteleien, unterschwellige Spannungen, kleine Boshaftigkeiten, versteckte Angriffe, wütende Beschuldigungen, wildes Herumschreien - und mitunter heftige Kloppereien.

Sind die Kinder zwischen drei und sechs Jahre alt, geht es meist besonders wild zu. "Was ist nur los?", fragen sich viele Eltern dann. Dazu sollten Sie wissen:

Geschwister sind oft total verschieden
Obwohl aus demselben Topf, fällt die Mischung der Erbanlagen doch bei jedem Kind unterschiedlich aus. Manche Geschwister haben so wenig gemeinsam, dass sich ihre Eltern fragen, wie das bloß sein kann. Während das Erstgeborene vielleicht in jeder wachen Minute Aufmerksamkeit forderte, kann sich das zweite wunderbar mit sich selbst beschäftigen. Ein Kind kommt bereitwillig jeder Aufforderung nach, das andere findet endlose Ausflüchte: Unterschiedliche Charaktere bedingen unterschiedliche Verhaltensweisen, und daraus resultiert oft Knatsch.
 
Auch die Reihenfolge der Geschwister zählt
Es spielt eine entscheidende Rolle, ob ein Kind als erstes, zweites oder drittes Kind einer Familie zur Welt kommt. Die Altershierarchie der Geschwister bestimmt ebenso der jeweilige Entwicklungsstand ihre Handlungen und beeinflusst die Reaktionen der Eltern. Außerdem ist das Familienleben naturgegeben beim zweiten Baby nicht dasselbe wie beim ersten, dritten oder vierten Kind. Auch das Geschlecht eines Kindes spielt eine Rolle: So ernten Jungen Studien zufolge als Babys bei ihren Müttern meist mehr Verständnis als Mädchen, wenn sie schreien. Kein Wunder, dass Jungen und Mädchen unterschiedliche Strategien entwickeln, um die Aufmerksamkeit ihrer Eltern zu gewinnen und ihre Ziele zu erreichen.
 
Eigene Erfahrungen prägen die Eltern
Einfluss hat auch, welchen Part Vater und Mutter in ihrer eigenen Kindheit hatten. Selbst wenn sie sich noch so sehr bemühen, sie können nicht bei Null anfangen. Ihre eigenen Geschwistererlebnisse und -erfahrungen bestimmen mit, wie sie mit ihren Kindern umgehen.
 

Jedes Kind hat eigene Bedürfnisse

Wahrscheinlich steht es für Sie außer Frage, dass Sie jedes Ihrer Kinder gleich lieb haben. Aber bitte versuchen Sie nicht, daraus abzuleiten, dass Sie alle gleich behandeln müssen. Eher ist das Gegenteil der Fall - allein wegen des unterschiedlichen Alters Ihrer Kinder. So braucht ein Einjähriges Ihren vorausdenkenden Schutz, während sich ein Fünfjähriges von so viel Fürsorge bevormundet und eingeschränkt fühlen wird. Dazu kommen die unterschiedliche Wesenszüge der Kinder. Eltern werden Ihren Kindern nicht gerecht, wenn Sie z.B. einen kleinen Draufgänger gleich behandeln wollen, wie sein eher schüchternes Geschwister. Sogar das Maß an Aufmerksamkeit, das Kinder brauchen, kann unterschiedlich sein. Hauptsache, Sie fragen sich immer wieder mal, ob Sie den aktuellen Bedürfnissen jedes Kindes gerecht werden, so gut das eben geht.

Richtig streiten zu lernen braucht Zeit

Doch bei allem Einsatz werden Sie nicht alle Konflikte vermeiden können (das müssen Sie auch gar nicht). Geschwister konkurrieren viel zu stark um Aufmerksamkeit und Zuneigung der Eltern, als dass sie nicht gelegentlich in Streit gerieten. Versuchen Sie lieber nicht, jede Auseinandersetzung im Keim zu ersticken. Das zieht unterschwellige Rangeleien, im schlimmsten Fall Hassgefühle nach sich. Helfen Sie Ihren kleinen Zankteufeln stattdessen, faire Regeln fürs Streiten zu entwickeln.

Das ist besonders wichtig, wenn es häufig zu Handgreiflichkeiten kommt. Starke Gefühle wie Wut oder Hilfslosigkeit entladen sich bei Kindern oft in spontanen Raufereien. Buben schlagen meist etwas mehr als Mädchen. Wahrscheinlich, weil sie gelernt haben, ihre Aggressionen deutlicher auszuleben (s. oben). Sie müssen körperliche Auseinandersetzungen, vor allem bei jüngeren Kindern, nicht um jeden Preis unterdrücken. Die Kleinen sollten aber ein paar Regeln beherzigen:

Nicht zu mehreren auf einen Einzelnen losgehen.
 
Nur die Hände sind erlaubt, aber nicht mit harten Gegenständen zu werfen oder damit loszuschlagen.
 
Nicht treten, schon gar nicht mit Schuhen an den Füßen.
 
Sofort aufhören, wenn sich einer geschlagen gibt.
 

Nicht den Schiedsrichter spielen

Getöse aus dem Kinderzimmer ruft unweigerlich Mama oder Papa auf den Plan. Die finden ein weinendes Kleinkind und eine tobende große Schwester inmitten eines Berges verstreuter Spielsachen vor. Was sie nicht sehen: wie es zu dem Tumult gekommen ist. Weder ihre Erfahrung ("Der Kleine macht seiner Schwester immer ihre Bauwerke kaputt"), noch ihr Mitleid ("Die Große hat dem Kleinen wohl wieder eins übergezogen") befähigen sie, die Situation richtig zu beurteilen. Das ist oft nur schwer möglich. Deshalb sollten Sie sich nicht zum Richter aufschwingen. Sorgen Sie dafür, dass die Kampfhähne sich etwas beruhigen und lassen Sie Ihre Kinder ansonsten ihren Knatsch möglichst untereinander ausmachen. Darüber, wie aufgeräumt wird etc. können Sie später reden. Wenn sich Erwachsene nicht einmischen, glätten sich die Wogen meist viel schneller: Ohne Publikum und ohne Anwälte, die Partei ergreifen, macht Streit nicht lange Spaß. Lassen Sie sich nicht in die Kämpfe hineinziehen, werden Ihre Kinder selbst Lösungen finden müssen. Das wird ihnen ohne Einmischung von außen zunehmend besser gelingen.

Aktiv den Zusammenhalt fördern

In jeder Familie gibt es Zeiten, da scheinen Geschwister nur zu streiten. Oft steckt ein gut Teil Langeweile dahinter. Mit gemeinsamen Spielen können Sie gegensteuern, denn dann ist einer auf den anderen angewiesen. Das funktioniert sogar bei einem größeren Altersunterschied zwischen den Kindern. Eine gute Möglichkeit sind Rollenspiele, die Kindern die Möglichkeit geben, ganz in eigene Welten einzutauchen. Vielleicht müssen Sie ein paar Anstöße geben: eine Decke über dem Tisch liefert z.B. eine Höhlenwelt, die Kuscheltiere stellen Mitakteure in Zirkus oder Zoo dar. Haben sich Kinder erst einmal warmgespielt, sind sie oft für lange Zeit bestens und recht einträchig beschäftigt.

Generell sorgen gemeinsame Aktivitäten für ein solides Fundament. Das ist dann auch tragfähig, wenn wieder einmal Zanknickel-Tag und der schönste Krach im Gange ist. Zwingen Sie Ihren Kindern aber keine Gemeinsamkeiten auf, wenn sie gerade nicht in Stimmung dazu sind. Jedes Kind braucht Rückzugsmöglichkeiten. Zeiten, in denen es ganz für sich seinen eigenen Interessen nachgehen darf. Ohne kleine Schwester oder großen Bruder, die unbedingt mitspielen wollen.

Das kleine Einmaleins für Eltern

Hier noch einmal die wichtigsten Grundregeln dafür, wie Sie ein harmonisches Zusammenleben Ihrer Kinder fördern können:

Schenken Sie jedem Kind gleichviel Aufmerksamkeit - aber behandeln Sie nicht alle gleich, denn Kinder sind verschieden.
 
Legen Sie klare familiäre Spielregeln fest und sorgen Sie dafür, dass die eingehalten werden.
 
Sehen Sie die Einzigartigkeit jedes ihrer Kinder und vergleichen Sie sie nicht miteinander; schon gar nicht sollten Sie eines dem anderen als gutes oder schlechtes Beispiel vorführen.
 
Lassen Sie ihre Kinder Konflikte soweit irgend möglich selber lösen.
 
Reagieren Sie nicht oder nur mit großer Vorsicht, wenn ein Kind petzt oder ein anders beschuldigt.
 
Fördern Sie gemeinsames Spiel, aber lassen Sie jedem Kind seine Eigenständigkeit.

 

Tipp: Ihr Erstes ist eifersüchtig auf das neue Baby? Wie Sie Ihr Kind und sich selbst auf die Geburt des Zweiten vorbereiten können, sagen wir ihnen hier.

Fragen und Antworten rund um die Erziehung vom Baby- bis ins Kindergartenalter können Sie hier finden.

 

Dorothee Walzel

Familie