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Rund um die Erziehung Rund um die Erziehung
Geschrieben von Hexhex am 02.02.2012, 10:25 Uhr.

Re: Kinder leben in einer Bilderwelt, deshalb würde ich sagen...

Hallo,

sei erstmal lieb umarmt, es tut mir Leid, dass Dein Opa gestorben ist.

Wegen Deines Sohnes: Du hast völlig Recht, dass es nicht richtig wäre, ihm zu sagen: Also der Opa wird da jetzt eingegraben. Wenn Du ihm sagen würdest, er ist jetzt im Himmel, wäre das keine Lüge, auch wenn Du nicht an den Himmel glaubst. Denn der "Himmel" ist ja nur eine Umschreibung, eine Metapher für die Überzeugung, dass der Mensch nicht nur aus Körper besteht (der in der Erde vergeht), sondern auch eine Seele hat. Diese Tatsache erfährst sicher auch Du an Dir selbst jeden Tag. Die Seele aber ist etwas Körperloses, Nicht-Sächliches. Anzunehmen, dass sie nicht eingegraben werden kann, ist eigentlich etwas Natürliches.

Was nun mit dieser Seele geschieht, weiß natürlich niemand. Kinder leben aber in einer Bilderwelt, sie begreifen praktisch noch alles über Bilder, nicht über rationale Erklärungen oder Fragestellungen. Ich finde es deshalb - ganz unabhängig von der Religion - richtig, die Frage, was nun mit Opas Seele ist, mit Hilfe eines Bildes zu lösen. Du musst nicht sagen, die Seele vom Opa sei nun beim lieben Gott. Aber ich finde es unschädlich und nicht gelogen zu sagen: das, was den Opa ausgemacht hat, sein Wesen, ist nicht in seinem toten Körper versteckt, sondern im "Himmel". Dort fühlt sich der Opa jetzt wohl, nichts tut ihm mehr weh.

Ob Dein Sohn auch später, wenn er älter ist, an so ein Bild glauben möchte, ist letztlich natürlich seine Sache. Ihm den Verbleib des Opas momentan mit Hilfe eines solchen, sehr allgemeinen und offenen Bildes zu erklären, finde ich altersgemäß und richtig. Wenn Du Deinem Sohn später die Märchen der Brüder Grimm vorlist, wirst Du sicher auch kein Problem damit haben, dass diese Geschichten sich nicht wirklich so zugetragen haben. Auch Märchen sind Seelenbilder, die von symbolischen Figuren und Handlungen leben. Sie sollen urmenschliche Themen greif- und sichtbar machen. Warum sollte man nicht auch den abstrakten Tod in ein symbolisches (und gutes) Bild fassen?

LG

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