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Kinderarzt Dr. Posth

Dr. Rüdiger Posth - Entwicklung von Babys und Kleinkindern

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Antworten von Dr. Posth zum Stichwort: Selbstbewußtsein
Frage:   Selbstbewusstsein

Da in diesem Forum so viel über das Thema Selbstbewusstsein gefragt und geantwortet wird würde mich mal folgendes interessieren: Wie äussert sich eigentlich genau fehlendes Selbstbewusstsein bei einem 2 1/2 jährigem Kind? Wie merkt man, dass das Kind kein Selbstbewusstsein hat? Unsere Kleine zum Beispiel ist in einigen Dingen mutiger, in anderen ängstlicher, wie lässt sich also der "Oberbegriff" Selbtbewusstsein definieren? Wann bildet es sich? Vielen Dank

Antwort

Stichwort: Selbstbewußtsein

Hallo, Ihre Frage zielt, wenn ich Sie richtig verstehe, auf eine grundsätzliche Darstellung des Persönlichkeitsmerkmals Selbstbewußtsein. Zunächst einmal ist zu sagen, daß sich Ihre Tochter mit 2 1/2 Jahren noch mitten in der Aufbauphase ihres Selbstbewußtseins befindet. D.h. zu diesem Zeitpunkt kann noch nicht von einer steten Ausgewogenheit ausgegangen werden.
Das Selbstbewußtsein eines Kindes ist meiner Auffassung zufolge das Produkt aus verinnerlichter, sicherer Bindung, gefolgt von erfolgreicher Loslösung und der Vermehrung positiver Attribute oder Attributionen über das eigene Selbst. D.h. das Kind muß erst ein selbständiges und mit sich selbst indentifizierbares Selbst entwickelt haben, damit es Selbstbewußtsein aufbauen kann. Das Selbst ist aber das Ergebnis der beiden Faktoren sichere Bindung und gelingende Loslösung. Die Basis für das perönliche Selbst gibt das Ich ab, das langsam aus dem reinen Körpergefühl heraus, da zu sein, zu dem Bewußtsein anwächst, eine eigenständige, d.h. von der primären Bezugsperson unabhängige Person zu sein (der Kinderpsychologe D. Stern spricht in dieser Phase von einem Kern-Selbst).
Vom eigenständigen Selbst spricht man in der Entwicklungspsychologie ab etwa 1 1/2 Jahren. Im Trotz wird diese Eigenständigkeit nun inszeniert, ausprobiert und durchgesetzt. Ohne diese Erlebnisse mit Reibung an der sozialen Umwelt macht das eigene Selbst wenig Sinn. Denn alles, was sich in der Natur und auch in der Sozialität durchsetzt, erzeugt Reibung und ist Ergebnis von Auseinandersetzungen.
Je nachdem, wie nun die genetischen Anlagen des Kindes aussehen, ist das eine Kind mehr eine Kämpfernatur und das andere mehr der beharrliche Durchsetzer. Auf jeden Fall muß das Selbst durchgebracht werden, sonst entsteht das Risiko einer seelisch kranken Persönlichkeit.
Das Geschick elterlicher Erziehung, incl. früh gewählter Fremdbetreuung!!, besteht darin, dem Kind zu einem ausgewogenen Selbst zu verhelfen. D.h. viele sinnvolle, positive Attribute (Zuschreibungen durch Liebe, Anerkennung, Respekt, Lob usw.) müssen die unvermeidbaren negativen (Mißerfolge, Tadel usw.) immer etwas überwiegen, damit diese Ausgewogenheit zustande kommen kann. Das ist das, was ich als die gesunde Basis eines starken Selbstbewußtseins bezeichne. Viele Grüße

 
Frage:   Selbstbewusstsein

Ich hätte mal generell eine Frage zum Thema Selbstbewusstsein. Was versteht man genau darunter? Wie muss sich ein Kind mit 3 Jahren verhalten, um unter den Begriff "Selbstbewusst" zu fallen? Unsere Tochter zB. hatte keine Mühe bei der Loslösung, geht sehr gerne in die Spielgruppe, zu Oma, zu Freundinnen, sofern sie diese kennt. Auch kann sie sich zeitweise gut wehren, manchmal jedoch wieder überhaupt nicht. Manchmal ist sie ängstlich, manchmal mutig. Grundsätzlich eher defensiv veranlagt, kann aber auch mal ordentlich "zulangen". In grösseren Gruppen eher noch scheu. Was also ist altersgemäss und was selbstbewusst? Wie äussert sich fehlendes Selbstbewusstsein in diesem Alter überhaupt? (Was gilt als "normal" und was als fehlendes SB?) Ich hoffe, Sie verstehen meine Frage, würde mich jedoch ganz allgemein mal interessieren. (Gibt es Punkte, welche ein gutes SB auszeichnen?) Vielen Dank

Antwort

Stichwort: Selbstbewußtsein

Hallo, so viel ich weiß, gibt es keine klar definierten Anzeichen für das Selbstbewußtsein eines Kindes. Aber jeder Mensch kann im Erleben mit einem Kind oder überhaupt mit einem anderen Menschen sagen, ob dieser selbstbewußt erscheint oder nicht. Aber das sind natürlich immer subjektive Ansichten. Selbstbewußtsein ist auch kein starrer Wesenszug, der immer und in jedem Augeblick gleichermaßen im Menschen vorhanden ist. Anders gesagt: die jeweilige Situation entscheidet mit, wie selbstbewußt ein Mensch, v.a. ein Kind, eagiert.
Bei einem 3jährigen Kind zeugt es von ausreichend hohem Selbstbewußtsein, wenn es sich mit fremden Erwachsenen unterhalten kann, wenn es ohne die Eltern andere Kinder zum Spielen besucht, wenn es sich im Erleben von Benachteiligung wehrt, wenn es einem anderen Menschen klar zu verstehen gibt, welche Form der Nähe es zulassen möchte und welche Distanz es von ihm einfordert. Selbstbewußtsein ist auch Ausdruck eines ausgewogenen Selbst, was bedeutet, daß die Ansicht über die eigene Wertigkeit sich im Positiven bewegt. Das Kind sollte das Gefühle haben, so wie es ist, gut angesehen zu sein und in der Gemeinschaft erfolgreich zu agieren. Viele Grüße

 
Frage:   Selbstbewusstsein

Sg Dr Posth,
ich hoffe Sie und die anderen Eltern verzeihen mir, wenn ich noch ein Fragenpaket formuliere. Habe Ihre Ausführungen zum Selbstbew.(SB) durchgelesen und hoffe Sie können uns folgende Fragen beantworten:
A) Sind die unten angeführten Punkte Ausdruck eines fehlendes SB:
* Im KiGA und anderen sozialen Situationen sehr ruhig vs. zu Hause trotzig und bestimmend.
* ein Ordnungstick und Scheu vor Neuem/Ungewohntem
* Sehr stark ausgeprägte Besitztümer: Das ist mein!
* starker Neid
--
B) Die Entwicklung des Kindes bringt ein Trotzphase mit sich. Die ist nehme ich an bei Kindern mit fehld. SB stärker ausgeprägt ? Wie reagiert man nun darauf, da ja der Trotz das SB stärken soll aber enorme Nerven kostet ?
--
C) Wie lassen sich eigentlich fehlendes SB und damit zusammenhängende Scheu bzw. Angst vor Blamieren von der Angstvariante bis hin zu selektivem Mutismus abgrenzen bzw. erkennen?
--
Können Sie uns ein Buch zu diesem Themenkreis empfehlen?
Vielen Dank
Ben

Antwort

Stichwort: Selbstbewußtsein

Lieber Ben, das sind schon Fragen, die weit in die Theorie über die Selbstentstehung hinein reichen. Ein gutes und zugleich allgemein verständliches Buch hierzu kenne ich nicht. Wichtige theoretische Beiträge zur Selbstentstehung haben Psychoanalytiker wie Heinz Kohut und Otto Kernberg geliefert. Aber das ist trockene Fachsprache.
zu A) die Verhaltensweisen und auch Charakterzüge, die Sie nennen, passen zu einem Kind, das (noch) schlecht attributiert ist. D.h. dieses Kind sucht noch nach Zeugnissen über seine positive Wertigkeit. Da es diese aus sich selbst nicht ableiten kann, versucht es sie über Bestimmungsmacht im Trotz und über Selbstaufwertung mittels Besitz zu erreichen. In der sozialen Konfrontation verhält es sich verständlicherweise noch sehr vorsichtig, zu Hause "langt es aber zu".
zu B) wie man als Eltern am besten für sich und das Kind mit Trotz umgeht, erkläre ich zusammenhängend in meine Langtext, Teil 3. Sie werden es gelesen haben. Das Selbstbewußtsein entwickelt sich aber erst mit dem Trotz und steht im erfolgreichen Fall quasi an dessen Ende. Jetzt fängt die Suche nach guten Attributionen (Selbstzuschreibungen an).
zu C) die von Ihnen gewünschte, klare Abgrenzung ist beinahe unmöglich. Dafür greifen diese Entwicklungsvorgänge allesamt viel zu sehr ineinander. Ein Blamieren kennt das Kind allerdings nicht. Denn die Blamage verursachen die Anderen, die Mitmenschen, die mit dem unzulänglichen Auftritt eines Menschen nicht umgehen können. Ein Kind zeigt aber auf natürlich Weise immer wieder Unzulänglichkeiten, und ich halte es für ein Versagen der Pädagogik, wenn sie es zuläßt, daß sich ein Kind damit blamiert. Viele Grüße

 
Frage:   Selbstbewusstsein

Hallo Herr Dr. Posth,
inwiefern ist Selbstbewusstsein angeboren und wie stark lässt es sich durch Rückenstärkung steuern? Unser Erstgeborener ist stark auf die Meinung anderer und seine Sachen (notfalls reißt er es dem Bruder aus der Hand) angewiesen. Der Bruder scheint mehr in sich zu ruhen, ist aber nicht kritikfähig, fängt bei einem Nein sofort an zu heulen, als ob die ganze Welt gegen ihn wäre. Habe ihre Langtexte gelesen und die Antworten hier, bemühen uns den beiden sehr den Rücken zu stärken, wüsste aber gerne, wie stark der Einflss ist und wie wir mti beiden am besten vorgehen.
Danke im Voraus,
MuckelsMama

Antwort

Stichwort: Selbstbewußtsein

Hallo, Charakteranlagen sind von der Natur dazu vorgesehen, dem Individuum eine Basis für die Persönlichkeitsentwicklung vorzugeben. Die Eigenschaft Selbstbewußtsein gehört höchtens in der Form dazu, daß es jeden Säugling und Kleinkind zueigen ist, nach Möglicheit seinen Kopf durchzusetzen und zu zugleich seinem Vorteil zu handeln.
Aber dabei fängt das Problem zwischen "Anlage" (genet.) und "Umwelt" schon an. Gelingt es einem Kind, in dieser Weise erfolgreich zu sein, stärkt sich automatisch sein Selbstbewußtsein, gelingt es ihm nicht, kann es sich nicht richtig entwickeln. Ob nun das Kind auf Gelingen oder Nichtgelingen zurückblicken darf, ist aber weitaus mehr ein Ergebnis der angetroffenen Lebensumwelt als ein Resultat persönlicher Leistung. Und persönliche Leistung ist auch nicht direkt ein Ausdruck angeborenen Selbstbewußtsein, sondern die Dinge verhalten sich dabei genau umgekehrt: das Selbstbewußtsein ist eine Folge geglückter persönlicher Leistung. Persönliche Leistung ergibt sich wiederum aus den Anforderungen, die dem Kind von der Lebensumwelt gestellt werden, und damit sind wir zurück bei der Sozialisation.
Selbtbewußtsein ist also überwiegend ein Ergebnis der Sozialisation und viel weniger eins besonderer angeborenen Eigenschaften. Selbstverständlich sind Kinder mit guten Anlagen und Talenten im Vorteil. Aber dieser Vorteil kommt nur dann zum Tragen, wenn Eltern und Umwelt die Vorteile erkennen und auch wirklich gedeihen lassen. Anders ausgedrückt: Erwachsene können jedes Kind bis zur Selbstaufgabe psychisch beschädigen und das vorhandene Talent verdorren lassen. Andererseits können sie ein Kind aber auch in falschen Fähigkeiten wieden und es damit dem Absturz in der Wirklichkeit preisgeben.
Auf jeden Fall ist Selbstbewußtsein ein Ergebnis der psychosozialen Entwicklungsschritte und der realistischen Förderung des Kindes in seinen Möglichkeiten. Dabei kommt den Eltern eine hohe Verantwortung zu. Viele Grüße

 
Frage:   Selbstwertgefühl

Lieber Dr. Posth
Vielen Dank schonmal für die Antwort auf meine Frage vom 24.03. Dabei ging es darum das mein Sohn Dinge zerstört und auch nicht meldet wenn er die Hose voll gemacht hat.

Ihren Langtext werde ich heute Abend in Ruhe lesen, jedoch wollte ich nochmal nachfragen wie sie es meinten das mein Mann und ich nun die Aufgabe hätten ihm mehr Selbstwertgefühl zu geben? Ich bin eigendlich der Meinung das wir das immer versuchen.
Wir lieben ihn sehr und zeigen ihm das auch täglich immer wieder, außerdem wird er gerne und reichlich gelobt und bestätigt. Auch insgesamt ist sein soziales Umfeld recht harmonisch, mit vielen Kontakten zu Kindern und auch ein sehr enges Verhältnis zu seinen Großeltern besteht.

Aber jetzt mache ich mir natürlich Sorgen wenn sie sagen das sein Selbstwertgefühl gestärkt werden muß, wie können wir denn das erreichen?

Außerdem wir in ca. 4 Wochen seine kleine Schwester zur Welt kommen, wird das evtl. ein großes Problem für ihn werden? Wir werden natüßrlich alles tun um ihm nicht das Gefühl zu geben er sei benachteiligt oder soetwas! Gibt es denn etwas was wir konkret für unseren Sohn tun können?
Für eine weitere Antwort wäre ich ihnen wirklich sehr dankbar!
Mit freundlichen Grüßen
Isabell Hendel

Antwort

Stichwort: Selbstbewußtsein

Liebe Isabell Hendel, das ist immer eine der schwierigsten Fragen in der Entwicklungspsychologie, wie man das Selbstbewußtsein seines Kindes stärken kann. Dazu muß man eigentlich die bislang aufgebaute Persönlichkeitsstruktur des jeweiligen Kindes genau kennen und auch die familiären Gepflogenheiten. D.h. wie man miteinander umgeht, wie was kommentiert wird, wie auf welche Verhaltensweisen reagiert wird, was man von seinem Kind erwartet usw. usw.
Selbstwert baut sich schrittweise auf zunächst durch eine sichere Bindung (ausreichende Verinnerlichung positiver Gefühle in der Säuglingszeit mit Abbau negativer Gefühle) und eine erfolgreiche Loslösung v.a. im tradischen Verbund, also über den Vater (die Mutter muß diese Entwicklung zulassen können), dann durch erfolgreiches Trotzen, was bedeutet, daß die Eltern ausreichend Widerstand bieten, der aber auch überwunden werden kann (nur nicht immer und in jedem Fall), und schließlich durch Ansammlung vieler positiven Attribute, wie erfolgreiches soziales Agieren, Erfahrung von persönlicher Macht, Bestätigung von anderen Menschen, insbesondere von Kindern in der Gruppe, Einheimsen von Lob u.v.m.
Wie gesagt, im Einzelfall muß man immer suchen, wo es hapert und wo man erfolgversprechend ansetzen kann. Vielleicht erfahren Sie ja durch den Langtext über das emotionale Bewußtsein Dinge, die Ihnen den Verlauf klar machen. Kommen Sie allein nicht klar, hielt ich es für sinnvoll, sich mit einer Beratungsstelle für Erziehungsfragen einmal in Verbindung zu setzen. Viele Grüße

 
Frage:   Erfolgreiche Loslösung?

Lieber Herr Dr. Posth,
Unsere Tochter (4J) hat leider 2x eine erzw. Ablösung hinter sich. Mit 8 Mon. bis ca. 2J in Fremdbetreuung. Dann 1 Jahr zu Hause (kl. Bruder bekommen). Dann mit 3 J in Kiga. Ich kannte das Konzept der sanften Ablösung leider noch nicht. Freut sich nach Ferien (5Wo) jetzt wieder auf den Kiga, ging aber letztes Jahr nicht gerne (ich arbeite vormittags) und hat morgens manchmal geweint. Ansonsten gute Entwicklung (beide Kinder bei uns im Familienbett), muss sonst nirgends alleine bleiben, wenn sie nicht will. Wollte alleine zur Oma auf Urlaub (4 Tage), keine Probleme. Will aber tw. nicht alleine zu Freundin (begleite sie dann), manchmal kann ich dann gehen. Vater gutes Loslösungsvorbild, macht alles auch alleine mit beiden Kindern. Es kommen aber Aussagen wie: Ich will immer nur dort sein, wo du bist. Ansonsten aufgeweckt u. selbstbew.
Mehr können wir gegen die Trennungsangst wohl nicht tun, oder? Und wie zeigt sich eine erfolgreiche Loslösung?
Danke und lg, Sigrid

Antwort

Stichwort: Selbstbewußtsein

Liebe Sigird, die erfolgreiche Loslösung zeigt sich in einem "ausgewogenen Selbst". Das ist aber mit 4 Jahren noch sehr schwer zu beurteilen. Denn die Selbststrukturen eines Menschen sind um diese zeit erst im Wachsen begriffen. Immerhin lassen sich einige Feststellungen treffen, wie weitgehende Angstfreiheit in neuen Situationen und bei gewissen Anforderungen (z.B. Schlafen im eigenen Zimmer, Verzicht auf Übergangsobjekt usw.), selbstbewusstes Auftreten fremden erwachsenen Personen gegenüber, erfolgreiches Agieren in der altersgleichen Gruppe, Spielideen und kooperatives Rollenspiel, erkennbare Empathie bei Leidenszuständen anderer Kinder und evtl. auch Erwachsener, Verständigkeit in Konfliktsituationen, d.h. verbale Auseinandersetzung über affektive Ausbrüche, emotionale Beständigkeit und Zuverlässigkeit sowie auch zunehmendem Gehorsam. Das Kind mit ausgewogenem Selbst zeigt Stolz auf seine Fähigkeiten ohne ständig damit zu prahlen und kann Scham bei Fehler und Versagen schon ganz gut ertragen.
Vielleicht treffen diese Eigenschaften ja schon auf Ihre Tochter zu, und es ist trotz anfänglicher Schwierigkeiten alles noch einmal gut gegangen. Viele Grüße

 
Frage:   Jammervoll

Lieber Dr. Posth!

Meine 6 jährige Tochter hat eine total niedrige Frustationstoleranz. Sie fängt sofort das Quengeln an, wenn was nicht funktioniert. Manchmal geht das den ganzen Tag so. Am schlimmsten ist ihr Jammern, sie zieht damit - innerhalb der Familie - alle runter. Mittlerweile macht es keinen Spaß mehr, irgendetwas mit ihr zu unternehmen. Im Kiga - jetzt Schule - war/ist sie dagegen anders. Dort wird sie als schüchtern und zurückhaltend beschrieben. Sie nimmt dort alles so hin wie es ist, kann auch Fehler akzeptieren.

Zuhause fällt ihre Maske. Sie versucht mit ihrem Jammern ihre Mitmenschen emotional zu Erpressen. Man kann ihr auch keine Vorfreude auf etwas machen. Für sie ist es eine Qual auf etwas warten zu müssen; sie kompensiert das dann mit Jammern und schlechter Laune.
Sie ist vor 4 Wochen eingeschult worden. Wenn sie mal Hausaufgabenblätter bekommt, die etwas schwieriger sind,wirft sie schon das Handtuch und fängt an zu jammern, ohne dass sie es versucht hat.:(

Antwort

Stichwort: Selbstbewußtsein

Hallo, im Verlauf von 6 Jahren hat ein Kind schon einen ganzen Berg von Erfahrungen gesammelt, der jetzt zum Tragen kommt. Bis zum 4. Lebensjahr entwickeln die Kinder ihr Selbst in Form eines ausgewogenen oder unausgewogenen Selbst (s. mein Buch: Vom Urvertrauen zum Selbstvertrauen). Kinder mit ausgewogenem Selbst sind im Vorteil, weil sie in der Lage sind, Anforderungen zu ertragen und Lösungsstrategien auch spontan zu entwickeln, um auf der sozialen Leiter immer höher zu kommen. Die Schule ist eine solche, entscheidende Stufe auf dieser Leiter.
Kinder mit unvollkommenen Selbst tun sich dabei viel schwerer und brauchen ständig Unterstützung, hautpsächlich noch von ihren Hauptbezugspersonen. Mit emotionaler Erpressung hat das überhaupt nichts zu tun. Diese Kinder sind wirklich in Not und brauchen Hilfe. Nur können sie das nicht richtig ausdrücken. Dazu verstehen sie ihre Gefühle viel zu wenig. In meinem gezielten Suchlauf unter "Selbstbewußtsein" werden Sie zusätzlich viele hilfreiche Antworten zu Ihrer Frage finden. Viele Grüße

 
Frage:   Selbstbewußtsein

Hallo,
mein Sohn ist 3 Jahre alt und geht nicht in den Kiga,weil ich weiss,das er untergehen würde.Er spielt konzentriert,liebt die Ordnung, packt fremde Spielsachen nicht an,ist schüchtern, wehrt sich selten.Wenn fremde ihn kritisieren,kinder(auch jüngere) ihm was wegnehmen,sein Umfeld beeinflussen,weint er und sucht meine Hilfe.Hauptproblem ist sein mangelndes Selbstbewußtsein,die dazu führt,dass er schnell weint und sehr schüchtern wird.Bei Besuch braucht er mehr als 1 Stunde,bis er sich entspannt.Trotzdem will er,dass wir bei ihm bleiben.Wenn wir draussen sind,ist er viel lockerer und hat sofort Spaß. Er geht sehr gerne spazieren,auch mit Kindern.Distanziert dann sich von uns.Der Papa unternmimmt am WE und abends sehr viel mit ihm.Wir schaffen es nicht,dass er versteht,bei jeder Kleinigkeit nicht zu weinen und bei Problemen nicht von uns immer Hilfe zu fordern.Zugegeben spielen wir sehr oft mit ihm,verglichen zu anderen bekannten Familien.Wie sollten wir damit umgehen? Vorab Danke

Antwort

Stichwort: Selbstbewußtsein

Hallo, wahrscheinlich sollte ich noch einmal darauf hinweisen, daß im Alter von 3 Jahren das Selbstbewußtsein erst in der Aufbauphase ist. Erst mit 4 bis 5 Jahren kann man da von einem Kind erste sichtbare Erscheinungsformen im Verhalten erwarten. Insofern sollten Sie Ihrem Sohn einfach noch etwas Zeit lassen und nur die Dinge beachten, die nötig sind, damit ein Kind Selbstbewußtsein aufnauen kann.
Mit Weinen quittieren die Kelinkinder im Wesentlichen drei Gefühle, ertens Schmerz, zweitens Wut (über eigenes Mißlingen oder z.B. auch fremde Kritik) und drittens jetzt zunehmend Trauer (über Verlust oder Enttäuschung). Dann gibt es auch noch das Weinen vor Angst. Daran sieht man, daß Weinen in diesem Alter noch ein wichtiges Instrument ist, übermäßige Spannung in sich selbst anzubauen. Erst im Schulalter läßt diese emotionale Reaktionsweise dann deutlich nach.
Elterliche Hilfe einzufordern, erspart einem Kind die Auseinandersetzung mit Aufgaben, die es zu bewältigen hat. Aber Selbstbewußtsein erwächst auch aus der Bewältigung dieser Aufgaben ohne fremde Hilfe. Sie sollten also genau überlegen, wann Sie ihrem Kind tatsächlich helfen und wann ihre Hilfe darin besteht, es einfach zu ermuntern, zunächst selbst klar zu kommen. Viele Grüße

 
Frage:   Weint sehr schnell... Kein Selbstvertrauen

Hallo,
meine Tochter (5) hatte schon eh und jeh ein wenig gefremdelt, aber ging eigentlich gerne in den Kindergarten etc. Im Februar fing sie an zu weinen und weigerte sich strikt da noch mal hin zu gehen. Dann kam eine ziemlich harte Zeit für uns, da sie 4 Monate jeden morgen weinte. Die Erzieherinnen waren leider keine Hilfe. Sie verlangten, daß ich sie trotzdem einfach da lassen solle, eine Phase wäre das. hätte jeder mal. Aber 4 Monate und ein depresives Kind zuhause, war für mich keine Phase mehr. Wir meldeten unser Kind dort ab, jetzt geht sie seit August in einen neuen Kindergarten und es funktioniert wieder, sie geht eigentlich ganz gerne und hat nette Erzieherinnen. Aber geblieben ist, daß sie absolut kein Selbstvertrauen mehr hat und sofort weint wenn was schief geht. Sie will immer alles perfekt machen und setzt sich selbst unter Druck. Wie kann ich ihr Selbstvertr. stärken ?
Können wir etwas tun, außer loben und ihr sagen, wie stolz wir auf sie sind ?
Danke,
Michaela

Antwort

Stichwort: Selbstbewußtsein

Liebe Michaela, um Selbstvertrauen bei einem Kind zu stärken genügt das Loben in der Regel nicht. Außerdem ist Loben nur dann sinnvoll und richtig, wenn es auch etwas zu loben gibt. Das Kind versteht ein Lob nur in einem konkreten Zusammenhang. Die Grundlagen des Selbstbewußtseins sind die sichere Bindung und die gelungene Loslösung sowie das Vertrauen auf oder in sich selbst. Dieses Vertrauen entsteht auf der Basis vieler positiver Selbstzuschreibungen oder Attribute. Dazu gehören neben materiellem Besitz (Spielsachen etc.) auch erfolgreiches Handeln in der Gemeinschaft,Erfolge bei Sozialpartnern, bei ihm selbst von den Eltern erkannte Fähigkeiten, die Übertragung von kleinen Aufgaben, die zu bewältigen sind usw. Strafen, demütigende Kommentare und Beschimpfungen bewirken das Gegenteil. Das also ganz allgemein.
Das Mißlingen der sozialen Anerkennung im verlassenen Ki-ga hat dem Selbstbewußtsein ihrer Tochter einen weiteren Knacks zugefügt. Aber Selbstvertrauen läßt sich nicht von heut auf morgen so einfach wiederherstellen. Das beansprucht schon eine etwas längere Dauer und einige psychologische Arbeit. Viele Grüße

 
Frage:   Selbstbewußtsein

Hallo Dr. Posth, meine Tochter ist knapp 21 Mon. alt und ist gegenüber anderen Kindern sehr schüchtern und zurückhaltend. Wir gehen seit 1 Jahr in eine Krabbelgruppe, kennt die anderen Kinder also schon lange, jedoch sitzt sie fast die ganze Zeit nur auf meinem Schoß und beobachtet. Sie spielt auch kaum, wenn ja, lässt sie sich jedes Spielzeug wegnehmen ohne sich zu wehren. Sie weint dabei aber auch nicht. Das gleiche ist zuhause, wenn ein Kind zu Besuch ist, lässt sie sich alles aus der Hand herausreißen, ohne sich zu wehren. Auf dem Spielplatz spielt sie, solange sie alleine ist.
Sonst ist sie ein sehr fröhliches, aufgewecktes und auch sehr temperamentvolles Kind. Uns gegenüber äußert sie in letzter Zeit gegenüber Gegenständen, die sie hat "Meine". Warum macht sie das nicht bei anderen Kindern?
Wie können wir Sie unterstütze, dass sie ein bisschen selbstbewußter wird. Ich war als Kind auch sehr schüchtern - kann sich das vererben?

Vielen lieben Dank
Gruß Carmen

Antwort

Stichwort: Selbstbewußtsein

Liebe Carmen, es gibt Wissenschaftler, die sind der Auffassung, daß Schüchternheit bis zu einem gewissen Grade auch eine Anlage ist. Ich meine aber, daß die ganze Entwicklung des Kindes entscheidend mitgestaltet. Aber mit weniger als 2 Jahren kann man noch kein Selbstbewußtsein im eigentlichen Sinne bei einem Kind erwarten. Kinder, die sich alles grapschen und rabiat in Szene setzen sind nicht selbstbewußt. Das ist ein Irrtum. Sie nur durchsetzungsfreudiger, offensiver und meist auch aggressiver. Die Äußerung Ihrer Tochter "alles ist meins" ist typisch für das Alter und auch wichtig. Die Kinder fangen damit an, sich und ihr gefundenes Selbst durch -oft nur vermeintlichen- Besitz aufzuwerten. Daher nehmen sie sich alles, was sie bekommen können und deklarieren es als ihr Eigentum, auch das von fremden Kindern. Damit geht natürlich der Streit los. Und jetzt zeigt sich, ob das eigene Kind eher zu dem offensiven Typ gehört oder zu dem defensiven. Und da mag Vererbung eine Rolle spielen.
Aber es hat keine Sinn, sein Kind "umdrehen" zu wollen und aus dem stillen Beobachter den forschen Kämpfer zu machen. Jedes Kind sucht sich mit seinen Voraussetzungen seinen eigenen Weg. Und je mehr dieser Weg der eigenen Veranlagung entspricht und je mehr Erfolg das Kind auf diese Weise hat, desto selbstbewußter wird es, ob offensiv oder defensiv. Beide Typen sind gleich stark und werden im Leben gebraucht. Viele Grüße

 
Frage:   Geringes Selbstbewusstsein

Hallo Dr. Busse,

unser Sohn (gerade 5 geworden) macht uns momentan einigen Kummer. Es hat sich immer stärker herauskristallisiert, dass er ein sehr geringes Selbstbewußtstein hat. Alles neue, unbekannte schrickt ihn erst mal ab, er braucht lange, bis er Vertrauen faßt, kann auch vor Zuschauern nicht agieren. So z. B. beim Sommerfest im KiGa, die Gruppe übte eine kurze Tanzvorführung ein, er freute sich darauf, aber als es soweit war, traute er sich unter weinen und trotzig sein nicht mitzumachen, aus Angst, die Leute außenrum würden lachen. Selbst im Stuhlkreis im KiGa, wenn er direkt aufgefordert wird etwas zu machen, passiert es zu 50 %, dass er sich nicht traut und dann nach ein wenig Drängen der Erzieherin das weinen anfängt. Er ist überhaupt sehr sensibel, aber zuhause sehr bestimmend, rotzfrech, führt sich auf wie ein Pascha, auch mit seinen Freunden zusammen. Da will immer er der Bestimmer sein. Ich bin leider öfters viel strenger mit ihm, als ich das möchte, da unsere Kleine (20 Mon.) mit schlechtem Schlaf, sehr, sehr viel kranksein, Anhänglichsein bis zum Äußersten meine stark beanspruchten Nerven bis zum äußersten reizt. Wie kann ich ihm helfen (Loben bspw. erfolgt sehr oft, freut ihn aber oft nicht mal) bzw. wie kann ich meine Erz.fehler wieder ausbügeln?

Herzlichen Dank bereits im voraus.

Freundliche Grüße

Ingrid

Antwort

Stichwort: Selbstbewußtsein

Liebe Ingrid, es ist schon mutig, daß Sie einen Erziehungsfehler erkennen und nicht, wie so oft, "alles dem Kind in die Schuhe schieben". Es gibt natürlich gewisse Anlagefaktoren, die Schüchternheit verursachen, aber ich meine, daß es sich hierbei nicht eigentlich um Schüchternheit handelt, sondern vielmehr um Introvertiertheit und Zurückhaltung, vielleicht auch Öffentlichkeits-oder Mittelpunktsscheu. Alles andere sind Erziehungsfolgen.
Ein Kind, das wenig Selbstbewußtsein besitzt, sich also selbst wenig positiv einschätzt, verträgt Lob widererwartend schlecht. Wieso? Es kann keine Übereinstimmung seiner eigenen Gefühlshaftigkeit, resp. Wertigkeit und der Selbsteinschätzung durch den anderen herstellen. Auf einen einfachen Nenner gebracht: es fühlt sich verschaukelt. Daher reagieren Kinder dann schnell beleidigt.
Folglich muß zuerst immer die persönliche Wertigkeit von Grund auf verbessert werden. Da geht über nachlassenden Druck und Rücknahme von Kritik. Wenn kritisiert werden muß, immer nur den Fehler, d.h. die Sache kritisieren, nicht die Person! Positive Seiten des Kindes müssen erkannt und bestärkt werden. Ein solches Kind braucht Aufgaben, die es erfüllen kann. In ihrem Fall muß der ältere dadurch aufgewertet werden, daß er kleine Aufträge in Bezug auf sein Geschwisterchen erledigt. Die Loslösung muß v.a. vonseiten des Vaters weiter unterstützt werden, und er braucht gute elterliche Vorbilder. Das sind so die Dinge, die man ganz allgemein empfehlen kann. Alles andere bedarf dann einer genauen Kenntnis der jeweiligen persönlichen und familiären Umstände. Viele Grüße

 
Frage:   Ausrasten wenn was schief läuft

Hallo Herr Dr. Posth

unser Sohn wird in 1 Monat 4 u.die Trotzphase war bei ihm sehr heftig, ist aber schon ca. 1/2 Jahr vorbei. Aber: Wenn er beobachtet dass ein Erwachsener was falsch macht kann er regelrecht ausrasten! Er schreit dann rum "der Mann ist dumm" u. noch mehr solcher Dinge. Abgesehen davon dass mir das sehr peinlich ist weiss ich in dem Moment nicht wie ich ihn dazu bringen kann das ruhig u. gelassen zu sehen. Von uns daheim reagiert niemand irgendwie schlimm wenn ein anderer was falsch macht, wir wissen nicht woher er das hat. Was können wir also tun?

Auch provoziert er uns manchmal wenn er Wut hat u. wirft dann mit Sachen um sich - wie kann man ihm beibringen sich anders abzureagieren?

viele Grüße

Antwort

Stichwort: Selbstbewußtsein

Hallo, die Frustrationstoleranz eines Kindes entsteht auf dem Boden des Selbstbewußtseins. Das Selbstbewußtsein ist umso höher, je ausgewogener das Selbst eines Kindes ist. Ein ausgewogenes Selbst ist eine Gefühl von sich selbst, mehr positive Aspekte in sich beherbergen zu können als negative. Das jedoch ist das Ergebnis von Bindungsstrukturen und Erziehung (s. gezielter Suchlauf unter Selbstbewußtsein). Ihr Sohn scheint da bisher noch nicht mit sich im Reinen zu sein. Die Wut darüber, die er als Spannung in sich fühlt. keht er als Häme nach außen, wenn andere Fehler machen, v.a. Erwachsene, von denen er sich selbst ja auch beurteilt fühlt. Und der Tonfall stammt, wenn nicht aus dem Elternhaus, dann von anderen Kindern in der Gruppe, Ki-ga oder auf der Straße, wie auch immer. Davor sind Sei nicht gefeit. Sie müssen sich also um das Selbstbewußtsein Ihres Sohnes kümmern, damit er sein ungebührliches Verhalten abstellen kann. Viele Grüße

 
Frage:   2,5jähriger Sohn hat Angst vor Kindern! auch an alle

Lieber Dr.Posth, Yanic ist 2,5 und zu Hause eigentlich nicht zu bändigen, setzt ständig seinen Kopf durch und ist wirklich aufgeweckt und offen.

Aber kaum sind wir an einem Ort wo es Kinder hat, klammert er sich an mich, will auf den Arm. Kommt ihm ein Kind zu nahe, beginnt er panisch zu weinen.

Wir treffen uns seit er ein Baby ist regelmässig mit einer Familie mit 2 Kleinkindern. Die sollte er ja langsam kennen, doch auch dort, klebt er die erste Stunde nur an mir und weint. Erst dann taut er langsam auf und spielt in meiner Gegenwart ein wenig mit den Kindern. Vorallem mit der älteren, das Kleinere macht ihm eher Angst.

Er war auch als Baby schon eher schüchtern, aber es bessert einfach nicht. An Kindergarten o.ä. nicht zu denken. Krabbelgruppe musste ich abbrechen, da er immer nur geweint hat.

Dazu muss ich sagen, dass ich im März (dann ist er 3) noch ein Baby erwarte. Ich weiss einfach nicht, ob er dann noch anhänglicher wird.
Bei Erwachsenen geht es besser, er ist bei Fremden auch da sehr zurückhaltend und spricht kaum ein Wort (zu Hause plappert er ständig), aber bei Kindern ist es am Schlimmsten.

Wie kann ich ihm die Angst vor anderen Kindern nehmen? Woran liegt das denn?

Kann mir jemand helfen, wäre sehr dankbar!!!!

Viele Grüsse aus der Schweiz!

Antwort

Stichwort: Selbstbewußtsein

So, jetzt habe ich einen kurzen Text zur Entwicklung des Selbstbewußtseins zusammen:
Wie gelingt es, daß ein Kind große Selbstsicherheit erwirbt? Die Selbstwerdung oder Individuation eines Menschen ist ein vielgestaltiger Prozeß, der sich nicht auf einige wenige Erziehungseinflüsse beschränkt. Natürlich gehören auch -sagen wir- glückliche Veranlagungen eines Kindes dazu, die den kommunikativen und interaktiven Umgang mit den Eltern und allen anderen Mitmenschen erleichtern. Aber im wesentlichen geht es um eine Entwicklung des Kindes im Austausch mit seiner Umwelt und seinen Mitmenschen.
Sie beginnt schon in der Säuglingszeit mit der Ausbildung einer sicheren Bindung an die primäre Bezugsperson, sprich die Mutter. Sie setzt sich fort in der gelungenen Loslösung über den Vater oder eine andere "dritte Person" als Vorbild für Autonomie in Richtung Selbständigkeit.
Der hierzu notwendige Widerstand und Trotz muß von den Eltern verständnisvoll begleitet werden. Hierbei müssen aber auch erste, überzeugende Erziehungsmaßnahmen stattfinden, die dem Kind Gelegenheit geben, Strukturen im Miteinanderauskommen in der Gesellschaft zu finden. Dabei ist es von entscheidender Bedeutung, daß das Kind überwiegend positive Attribute (Bewertungen) auf sich vereinen kann und negative Attribute auf das unausweichliche Maß beschränkt bleiben. Auch bei der Attributierung spielen die Eltern zunächst wieder die wichtigste Rolle. Nur auf diese Wiese ist gewährleistet, daß das Kind Stolz auf sich selbst erwirbt und seine Scham in Grenzen halten kann. D.h. konkret, daß sich alle erzieherischen Maßnahmen bei fehlerhaftem Handeln des Kindes auf die Sachproblematik zu beschränken haben und die werdende Persönlichkeit des Kindes unangestastet lassen. Sonst baut sich die Kritik mit ihren Negativattributierungen mit der Zeit in die Persönlichkeit mit ein! Also Kränkungen, Herabwürdigungen oder wüste Beschimpfungen haben zu unterbleiben.
Im Ausgleich zur unvermeidlichen, wohlgemerkt sachlicher Kritik müssen die positiven Eigenschaften des Kindes hervorgehoben, belobigt und gefödert werden. Solches Lob muß nun aber angemessen bleiben und darf das Kind nicht fälschlich in den Himmel heben. Denn das "über den grünen Klee loben" wird vom Kind nicht angnommen und mehrt eher wieder nur die Beschämung, denn das Kind spürt es, wenn Lob und Leistung nicht übereinstimmen.
In der Ausgewogenheit von Stolz und Scham, wobei Stolz die Scham überwiegen muß, entsteht eine harmonische Persönlichkeitsstruktur. Ein Kind, das stolz auf sich selbst sein kann, kehrt automatisch seine guten Eigenschaften heraus und erweist sich zusehens als sozial kompetent.
Letzteres hat den Vorteil, daß jetzt auch Regeln in der Gesellschaft freiwillig anerkannt werden und sich sinnvoller Gehorsam als ein selbstärkendes Element im Bewußtsein etabliert. Schuldempfinden bei Regelverstoß, ob unbewußt oder gewollt, führt dadurch zu Reue und zu dem Bedürfnis nach Wiedergutmachung. Aggressiv opponierende oder sogar provozierende Verhaltensweise werden gleichzeitig auf ein Minimum reduziert und tauchen eigentlich nur noch dann auf, wenn dringend benötigte Selbstbehauptung erforderlich ist. Ein gewisses Grundmaß an Machtgefühl muß das Kind schon besitzen, um Selbstvertrauen aufzubauen. Als letzte Stufe kindlicher Sozialkompetenz entwickelt sich das verantwortungsbewußte Handeln in der Gesellschaft.
Soweit also die Kurzfassung der höheren Stufe des emotionalen Bewußtseins. Da Sie nun wissen wollen, wie Sie das Selbstbewußtsein Ihres Sohnes oder ihrer Tochter vergrößern können, müssen Sie sich fragen, auf welcher Stufe der Entwicklung ein -sagen wir Versagen- stattgefunden hat. Da müssen Sie ansetzen und nacharbeiten. Da schlechtes Selbstbewußtsein meist erst mit 4 oder 5 Jahren in den ersten, größeren sozialen Auseinandersetzungen auffällt, können Sie natürlich nicht mehr zurückgehen in die primäre Bindung.
Auch die Loslösung ist kaum mehr zu erreichen, es sei denn die Loslösungproblematik besteht noch bis in dieses Alter fort. Das sind die immer noch ständig opponierenden oder provozierenden Kinder, die bei nahezu jeder Gelegenheit rebellieren.
Die wichtigsten Elemente für die Stärkung von Selbstbewußtsein sind also die akzeptierte Loslösung im Trotz, das Gewähren eines nötigen Quantums Macht, die Vermittlung von Strukturen im sozialen Umgang und die sich konsequent daraus ableitende positive Attibutierung der Kinder. D.h. erzieherische Kompetenz auf Seiten der Eltern ist sehr wichtig, verbunden mit den Kenntnissen darüber, was es heißt im guten Sinne konsequent zu sein (Strukturen) und sein Kind auf günstige Weise aufzuwerten (positive Attributierung). Jetzt kann es nur noch darum gehen, wie das im Einzelfall am besten gelingt. Das herauszufinden ist aber schon Ausweis elterlicher erzieherischer Kompetenz. Mein Forum trägt dazu bei, Ihnen Anregungen zu geben. Viele Grüße

 
Frage:   Schüchtern ist das nur eine Phase oder magelndes Selbstbewußtsein?

Hallo Dr. Posth,
unser Sohn 27 M,lange Schreibaby,war immer eher zurückhaltend und ängstlich.Besonders in fremden Sit. und anderen Kindern gegenüber.Das hat sich mit der Zeit gut entwickelt und er kann gut mit solchen Situationen umgehen.Nun zeigt er ein ähnliches Verhalten, aber in anderen Situationen.Ich weiß nicht genau wie ich das deuten und damit umgehen soll.Wenn z.B. eine Bekannte ihm einen Keks geben will, dreht er sich verschämt weg und schafft es nicht, diesen Keks anzunehmen.Oder wir treffen gute Freunde, dann kann er diese nicht angucken,dreht sich weg und versteckt sich.Sogar,wenn er morgens mit seiner Eisenbahn spielen will,kann er sein Zimmer nicht betreten,weil er sich vor ihr versteckt.Er freut sich dann so,daß er sich schämt,rot wird und etwas kokettiert.Dreht sich weg,sagt immer wieder "meine Lok" etc. aber kann nicht auf sie zu gehen.Woran liegt das?Ist das eine Phase?Hat er kein Selbstbewußtsein?Ganz herzl. Dank für ihre tolle Arbeit

Antwort

Stichwort: Selbstbewußtsein

Hallo, gewöhnlich geht man inzwischen davon aus, dass ehemalige Schreibabys später stark trotzige Kinder werden und aggressiv-oppositionelle Züge entwickeln, wenn man nicht richtig mit ihnen umgeht. Aber es gibt auch Kinder, die gar keine starken Aggressionen entwickeln, sondern ganz umgekehrt Ängstlichkeit und regressive Verhaltensauffälligkeiten. Diese Veranlagung hat sich bei Ihrem Sohn ja schon frühzeitig gezeigt, wie Sie selbst schreiben.
Nun ist Ihr Sohn erst 2 1/4 Jahre und steht noch ganz am Anfang seiner Selbstentstehung. Aber dieses Selbst erweist sich schon als irritabel und unsicher in der Konfrontation mit den Mitmenschen. Sind diese fremd, erwachsen oder scheinbar angriffslustig, wird das eigene,noch so ganz unsichere Selbst zu verbergen gesucht und buchstäblich versteckt (z.B. hinter dem Körper einer Bezugsperson).
Das Phänomen mit der Schüchternheit vor seiner Spielzeugeisenbahn erfodert zusätzliche Kenntnisse. Ein Kind dieses Alters kann einen Gegenstand personifizieren. Seit J.Paiget nennt man dieses Alter deswegen das Alter der magischen Phase. Also auch die Lok hat auf einmal den Charakter eines Wesens, das ihn, den kleinen scheuen Jungen direkt anschaut. So wird er verlegen, errötet und wendet sich ab. Aber er bezeichnet die Lok doch klar als seinen Besitz..
Für solche Kinder ist die Unterstützung der Eltern als Hauptbezugspersonen sehr wichtig. sie sollten alles unterlassen, was in Wort und Tat, das zarte Pflänzchen Selbstbewusstsein beschädigen könnte. Aber plumpes Lob funktioniert nicht. Vielmehr hilft die gezielte Ankennung für jede erwiesene Leistung. Aber auch das Gefühl geliebt zu werden und umsorgt zu sein stützt natürlich das Selbstbewusstsein. Viele Grüße und danke für Ihr Lob

 
Frage:   Sehr Besitzergreifend

Hallo Dr. Posth,

meine Tochter ist 2 Jahre alt und ist seit einiger Zeit sehr besitzergreifend, was Spielsachen angeht. Ich weiss, dass es in diesem Alter normal ist, aber so ausgeprägt wie bei meiner Tochter habe ich es noch nicht erlebt. Wir waren heute morgen wieder in der Spielgruppe und meine Tochter raffte alle Spielsachen, die sie nur kriegen kann, an sich und war nur am Schreien und Weinen. Wenn ein anderes Kind nur in ihre Nähe kam, ist sie total hysterisch geworden. Sie steigerte sich da so rein, dass sie fast keine Luft mehr bekam. Ich bin dann kurz mit ihr raus, damit sie sich beruhigen konnte und habe ihr erklärt, dass die Spielsachen für alle Kinder da sind und alle damit spielen dürfen. Sie hat sich beruhigt und wir sind wieder rein und es hat dann einigermassen geklappt. Es ist aber jedes Mal das selbe Theater. Wie kann ich ihr begreiflich machen, dass es so nicht geht und sie nicht alles an sich raffen kann? Bzw. wann hört diese Phase wieder auf?

Vielen Dank

Antwort

Stichwort: Selbstbewußtsein

Hallo, zunächst einmal muß man verstehen, wo dieses Verhalten herkommt. Daß nicht alle Kleinkinder so starke Besitzansprüche stellen, widerlegt nicht, daß es sich hierbei um ein grundsätzliches Phänomen im Kindesalter handelt. Den Kindern geht es in diesem Alter ganz besonders um den Erwerb von ersten positiven Selbstanteilen. Das bedeutet, daß ein Kleinkind, um ein starkes Selbst zu bekommen, Selbst kann man der Einfachheit halber hier mit Selbstbewußtsein gleichsetzen, alles unternimmt, was seine Person -in seinen eigenen Augen- aufwertet. Der Besitz von attraktivem Spielzeug gehört unbedingt dazu.
Ein (Klein-)Kind unternimmt aber auch alles, um sich in den Augen seiner wichtigen Bezugspersonen (Eltern, Großeltern, Erzieherinnen) aufzuwerten. Dazu gehören: Späße machen und gut ankommen, Koketterie, Sich-herausputzen und darstellen, das Wort führen, "die erste Geige spielen" usw. Überhaupt ist es wichtig, "erster" zu sein, das größte Stück vom Kuchen abzubekommen, positiv herausgestellt zu werden, Beachtung zu finden und und und.
Wenn ein Kind meint, von allen diesen positiven Aufwertungen nicht genug zu haben, vielleicht bekommt es ja davon zu Hause wirklich nicht genug (z.B. ständige Kritiken, erschwerte Loslösung, mißglückende Sauberkeitsentwicklung usw.), dann geht es hin und versucht sich überall woanders seine positiven Attribute zu erwerben, notfalls auch mit dem Anspruch, alles zu besitzen. Eine juristische Vorstellung von Rechtmäßigkeit eines Besitzes haben die kleinen Kinder noch überhaupt nicht!
Es macht daher auch keinen Sinn, die Kinder zu Hause auf solche Prinzipien wie alle Spielsachen gehören allen einzuschwören. Vielmehr muß man den "Verteilungskampf" in dem Kleinkindgrupen akzeptieren und darf nur hier und da korrigierend eingreifen mit simplen Argumenten wie: du weißt doch, daß die/der/das ...... zu Lisa/Paul etc gehört. Gib es ihm wieder zurück. Wenn es sich weigert, muß man es ihm schon abnehmen, auch auf die Gefahr von Protest hin. Die postiven Attribute müssen von zu Hause kommen, nicht aus dem "Wert"-besitzt der anderen. Übrigens ein lebenslanges Prinzip! Gut sind auch Möglichkeiten des Tausches. Eins gegen das andere. Dabei ist es den Kindern gleichgültig, ob die Gegenstände gleichen Wert besitzen. Sie müssen nur im Moment attraktiv sein. Viele Grüße

 
Frage:   Sorgen um Sohn (5,8)

Guten Tag Hr. Dr. Posth,
mein Sohn wirkt emotional instabil. Kleine Ereignisse können Heulen, Schreien, Weinen, Wut oder Verzweiflung hervorrufen. Z.B. am Tisch: ich verknittere ihm versehentlich die Serviette - Weinen, Fahrrad steht an einer andren Stelle wie sonst: Schreien, Wut(...), . Wacht morgens auf, ist gereizt oder gut drauf oder schlecht gelaunt - man weiß dann oft, wie der Morgen/ Tag verlaufen wird. Kann tägl. wechseln. Neigt schnell zu Kopfschmerzen. Bindet sich fest an einzelne Freunde, ist sehr unglücklich, wenn dieser mit andrem Kind spielt. Ist aber beliebt in Kiga. Erträgt aber keine Kritik o. "Schimpfen" d. Erz. . Traut sich viel nicht zu, sagt oft "kann ich nicht", macht es dann nicht, obwohl KiA sagt, er sei sehr fit für sein Alter. Wir arbeiten an seinen Stärken, loben, ermuntern ihn Dinge zu tun, die er kann, aber sich nicht zutraut. Emotional "normal" für sein Alter? Was können wir tun? Danke für Ihre Antwort!
MfG T.

Antwort

Stichwort: Selbstbewußtsein

Hallo, das Selbstbewusstsein eines Kindes macht sich fest an den Erfolgen, die es in der Gemeinschaft erzielt. Wie erfolgreich es aber in der Gemeinschaft agiert, hängt wiederum davon ab, welche soziale Kompetenz es bis dahin erwerben konnte. Soziale Kompetenz ist ein Ergebnis guter Bindungsstrukturen, einer erfolgreichen Loslösung, einer funktionierenden Empathie, einer Fähigkeit zum Perspektivwechsel (die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzudenken), einer Einsichtigkeit in bestimmte Notwendigkeiten und der dazu gehörigen Anpassungsleistung usw.
Wenn bei diesen sozialen Fertigkeiten "Schräglagen" entstanden sind, gibt es in der Gruppe Schwierigkeiten.
Solche Kinder sind dann leicht verletztlich. Ungerechte Behandlung (auch vermeintlich) und Kritk können sie überhupt nicht vertragen. Entweder reagieren sie regressiv-weinerlich oder aufbrausend-agressiv, macnmal auch beides abwechselnd. Sie bsitzen ein unausgewogenes Selbst (so bezeichne ich das). Offenbar ist das bei Ihrem Sohn so. Ihn jetzt einfach immer wieder zu loben funktioniert nicht, denn das Lob ist nur dann fruchtbar, wenn auch der Boden fruchtbar ist, auf den es fällt. Kinder, die sich selbst schlecht bewerten, vertragen Lob oft gar nicht gut. Psychosomatische Beschwerden sind typisch. Unter dem gleichen Stichwort "Selbstbewußtsein" finden Sie viele Antworten, wie Sie jetzt mit Ihrem Sohn umgehen könne, damit er an Selbstbewusstsein gewinnt. Der erste Schritt ist, dass Sie seine Reaktionsweisen im Moment verstehen können und ihn nicht durch weitere Kritik und Abwertung immer tiefer in die Krise treiben. Viele Grüße

 
Frage:   Kinderzimmertür geschlossen

Hallo,

mein Sohn (4J.) macht seit einigen Tagen immer seine Zimmertür zu, wenn er spielen geht.

Das hat er bisher noch nie gemacht, wie verhalte ich mich da nun am Besten -ich meine, ich möchte schon gerne seine Privatsphäre respektieren und lasse ich auch im Moment halt bei geschlossener Tür spielen.
Aber auf der anderen Seite finde ich es doch schade,dass er sich so zurück zieht :-(

Oder ist das vielleicht nur eine Phase und bald lässt er die Tür wieder auf !?!
Wie sehen Sie das, sollte er die Tür in dem Alter schon zumachen; ich dachte immer, das kommt erst später ;-)

Vielen Dank und LG

Antwort

Stichwort: Selbstbewußtsein

Hallo, auch oder gerade mit 4 Jahren machen die Kinder einen Entwicklungsschritt in Richtung Selbständigkeit und Abgrenzung von der übrigen Familie durch. Ihr Selbst ist jetzt so stark geworden, daß sie dieses Für-sich-sein als Fortschritt empfinden. Das sollte man unbedingt respektieren. Im Grunde hat man sich das ja als Eltern immer so gewünscht und war unzufrieden, wenn die Kinder noch so anhänglich gewesen sind. Jetzt ist es soweit, und nun sollte man nicht gleich wieder unzufrieden sein. Viele Grüße.

 
Frage:   Selbstbewusstsein

Mein Sohn, fast 6, ist sehr intelligent und einfühlsam. Ich merke allerdings, dass er sehr zwanghaft ist, alles muss genau festgelegt sein, nichts darf aus der Bahn geraten. Er weiss wirklich viel und schlägt sich selbst wenn er mal "dumm" ist wie er sagt. Zudem kann er nicht verlieren beim Spielen und fängt sofort an zu weinen und schreien. Wenn ich mit ihm schimpfe fragt er immer ob ich ihn jetzt nicht mehr liebe.
Ich habe Angst, dass er sich zu sehr unter Erfolgsdruck setzt,ein Problem das Mama und Papa auch haben, aber wir haben ihn immer positiv bestärkt.
Ich frage mich jetzt ob es zuviel war und er glaubt wir würden ihn nur lieben, wenn er gewinnt und viel weiss.
Am meisten Kopfzerbrechen macht mir seit gestern, dass er bei einer Meinungsverschiedenheit mit seiner Oma weinend meinte er würde sich umbringen.
Für mich klingt es so als glaube er wenn wir schimpfen, würden wir ihn weghaben wollen.
Ich mache mir grosse Sorgen...
Was können wir konkret tun. danke dani

Antwort

Stichwort: Selbstbewußtsein

Stichwort: zu hoher Erfolgsdruck
Hallo, was man als Eltern häufig gar nicht merkt ist, wie sehr sich das eigene Denken und Handeln auf die eigenen Kinder überträgt. Dazu bedarf es keines erziehrsichen Aktes, sondern nur des entsprechenden Vorbilds und das wirkt schleichend und von beiden "Parteien" weitgehend unbemerkt. Insofern ist es etwas trügerisch, wenn man meint, das man seinem Kind ja in diese Hinsicht gar nicht geprägt hat, weil man sich dem Kind gegenüber ja ganz anders verhalten hat, als man ist. Aber wie man ist, das spürt man selbst ja gar nicht, und wenn wie in Ihrem Fall sogar beide Eltern in dieselbe Richtung tendieren, dann gibt es auch kein spontan dagegen haltendes Korrektiv. Insofern äußert Ihr Sohn Dinge, die von Ihnen ausgegangen sind, und er fühlt sich dabei offensichtlich nicht wohl, denn er kann diesen Standart nicht halten. Dass Sie ihn kräftig loben, ist zwar richtig, aber keine Entlastung für ihn, denn Sie werden ihn hauptsächlich dann loben, wenn er Ihnen gefällt und nicht wenn er sich gefällt.
Die Äußerung, sich umzubringen muss aus irgendeiner Quelle stammen, denn in seinem Alter ist der Tod für den Menschen noch kein realer Ausweg. Ihm geht es nur um das Fortsein und damit um die Ersparung einer Enttäuschung seiner Eltern durch sein Sosein. Aber dieses Empfinden sollten sie unbedingt mit ihm besprechen und ihm versichern, in Zukunft mehr auf ihn und seine Möglichkeiten und Wünsche zu achten und weniger die eigenen Erwartungen an ihn heranzutragen. Viele Grüße

 
Frage:   Geringes Selbstbewußtsein

Hallo, vielen Dank erst einmal für ihre tolle Arbeit.Seit ihr ihr Forum und ihre Bücher kenne, hat sich vieles in unserem Erziehungsverhalten geändert. Leider mußten wir erkennen, dass wir vor allem bei unserer Großen (5) doch vieles Falsch gemacht haben. In Folge dessen, glaube ich dass ihr Selbstvertrauen nicht sehr groß ist. Sie ist Fremden gegenüber anfangs sehr unsicher, will nicht die Hand geben und klebt an uns. Auch im Kindergarten beim Hinbringen z.T. wenn ihre Erzieherin noch nicht da ist. Ansonsten ist sie im Kindergarten voll integriert und erscheint sehr selbstbewußt. Zu Hause gibt es seit einiger Zeit auch Probleme da sie vermehrt provoziert und sich in alltägl. Sachen verweigert (anziehen...) Wie gehe ich damit am besten um. Kann man in diesem Alter die Bindung+das Selbstbewußtsein noch nachträglich steigern?Ihr Verhältnis zu Papa scheint besser zu sein-dann lieber Verhältnis zu ihm stärken?
vielen Dank schon mal

Antwort

Stichwort: Selbstbewußtsein

Hallo, ja, Bindung und Loslösung gehen natürlich weiter und gestalten sich auf immer höherem und komplizierterem Niveau. Dadurch ist es natürlich auch nicht mehr so einfach, diese emotionalen und sozialen Grundbedingungen dem Kind zu vermitteln. Es verlangt jetzt schon mehr und vor allem verlegt es seine Bedürfnisse viel mehr in den sprachlichen Bereich. Will heißen, ein Kind mit 5 Jahren braucht gute Kommentare über sich selbst, braucht offenkundige Anerkennung und Lob für positive Leistung. Zwar spielen immer noch Nähe, Zuverlässigkeit, menschliche Wärme und direkter Körperkontakt eine Rolle, aber an Mamas oder Papas Hals kleben reicht nun nicht mehr aus.
Das jetzt mehr und mehr logische Denken braucht nun klar ersichtliche, ursächliche Zusammenhänge zwischen der Selbsteinschätzung und den Zuschreibungen aus der Umwelt, besonders durch die Bezugspersonen. Kurz gesagt, viel mehr als früher muss alles hinterfragt und besprochen werden. Lob und Anerkennung benötigen verständliche Anlässe. Die Kinder fragen in diesem Alter nach allem, sofern sie gnügend Vertrauen zu ihren Eltern haben.. Z.B. ist das eine gute Gelegenheit für den Vater in Aktion zu treten und Weltzusammenhänge zu erklären, während die Mutter weiter die emotionale Stütze bildet. Auf diesen zwei Säulen kann sich das Selbstbewusstsein gut entwickeln. Viele Grüße und danke für Ihr Lob

 
Frage:   Wie selbstbewusstsein eines sehr defensiven kindes stärken

Wir erziehen anscheinend eher streng - wertebasiert (aber zugewandt) und habem wohl sehr hohe moralische ansprüche. Ergebnis sind sehr empathische hilfsbereite kinder, die aber aggressiveren Zeitgenossen deutlich unterlegen sind. Kann es sein, dass sich Zurechtweisungen und Belehrungen auch eenn sie nicht personenbezogen sind schlecht auf das Selbstbild auswirken? Wie kann man vermeiden, dass das Kind soetwas persönlich nimmt ? Wir haben drei kinder. Die aelteste (6) wirkt in letzter zeit oft traurig(insbes. Wenn ihre Freunde sich sehr für die beiden kleinen interessieren), weint oft und leicht (auch willentlich, es klingt dann gespielt), oft wird sie ärgerlich obwohl sie ein eher ruhiges temperament hat. Es geht ihr sichtbar schlecht. Was können wir tun ? Der Vater hat gerade zudem noch große Probleme darauf dauerhaft empathisch zu reagieren, anfangs schon, aber nach einer Weile Jammerton reisst ihm leider der Geduldsfaden. Wie können wir helfen ? Versuchen Unternehmungen allein.

Antwort

Stichwort: Selbstbewußtsein

Hallo, es ist schwer für mich Ihren Zeilen nach einzuschätzen, was Sie unter streng und wertebasiert verstehen. Strenge kann schnell zu zahlreichen Einschränkungen führen und zum Verlust von Selbstwirksamkeit und damit auch Selbstbewusstsein. Wenn das der Fall ist, dann entsteht beim Kind ein unausgewogenes Selbst, womöglich mit dem Gefühl von Minderwertigkeit. Kinder nehmen immer alles persönlich. Es ist schwer, ihnen zu erklären, dass vielleicht nur die Sache gemeint ist und nicht die Person. Daher muss man sich schon sehr behutsam ausdrücken in allem, was das Kind charakterisiert. Traurigkeit ist häufig ein Ausdruck von Selbstunzufriedenheit und dem Gefühl von Ohnmacht. Scham über die eigene Versagerrolle kommt auch schnell auf.
Zunächst ist es wichtig zu erkennen, in welchen Bereichen man die Zügel ein wenig lockern muss. Die so hinzugewonnene Freiheit verbessert schon den Selbsteindruck des Kindes. Ihre ältere Tochter braucht eigene Freundinnen und Freunde, mit denen sie altersgerecht spielen kann. Findet sie selbst keine, helfen Anmeldungen z.B. in Sportvereinen, beim Turnen oder in der Musikschule. Also dabei müssen Eltern den Kindern oft helfen. Zu Hause braucht Sie Aufgaben, die sie kompetent übernehmen kann und die sie aufwerten. Da sollte sich auch ausdrücklich über die Geschwister gestellt werden. Die Empathie des Vaters ist ein wichtiger Baustein in der Loslösung aus der primären Bindung. Dafür sollte er schon ausreichend Geduld aufbringen und seine tochter fragen, warum sie so viel jammert. So erfährt er viel besser, was sie vermisst. Viele Grüße

 
Frage:   Selbstbewusstsein fördern

Hallo!
Wir haben 3 Kinder, unser Ältester ist gerade 7 geworden, kommt in die 2. Klasse. Sehr lieb als Baby, forumsgerecht erzogen. Leider mit 3 Jahren unsanfte Eingewöhnung in den KiGa. Papa brachte ihn immer, Sohn hat manchmal geweint und wollte nicht bleiben. Er hat schon lange Probleme mit Selbstbewusstsein. Ärgert viel andere Kinder, schubst, piekst sie, ärgert, stört sie beim Spielen usw. Andererseits verliert er auch manchmal mit Absicht, damit kleinere Geschwister gewinnen, geht allein zu Freunden, auch mal alleine zum Bäcker. Mag sich selber sehr gerne, sagt er, nur manchmal findet er sich etwas doof. Spielt viel mit anderen Kindern, hat ein paar gute Freunde. Wir lassen ihm viel Bestimmungsmacht, loben ihn oft wenn es passt, kritisieren nie die Person nur die Taten und das auch sehr vorsichtig. Das machen wir schon lange so, trotzdem wird das Selbstbewusstsein nicht besser. Kann man das in diesem Alter immer noch schaffen oder ist es dazu schon zu spät?Was noch tun? Danke

Antwort

Stichwort: Selbstbewußtsein

Hallo, Selbstbewusstsein entwickelt man lebenlang immer wieder etwas mehr. Aber man kann auch Selbstbewusstsein wieder einbüßen. Das hängt ganz stark von den individuellen Lebensumständen ab, z.B. ob man erfolgreich ist, leistungsstark und seine Ziele erreicht oder das Gegenteil dessen erleben muss. Sie haben aber recht, wenn Sie meinen, das die Grundlagen des Selbsbewusstseins bereits in der frühen Kindheit gelegt werden. Auf diesen Grundlagen gilt es dann aufzubauen.
Im Grundschulalter spielt natürlich der Erfolg in der Schule ein große Rolle und wie ein Kind in der Klasse positioniert ist. Das heißt, sowohl die Leistung als auch der soziale Erfolg gehen in die Privatstatistik ein. Kommt das nicht auf eine positve Attributierung aus, schwindet das Selbstbewustsein. Also an dieser Stelle ist erst einmal nachzuforschen, wenn das Selbstbewusstsein leidet.Auch im Kontakt mit der befreundeten Gruppe gibt es manchen Anlass zu Kritik und Schmähung, was das Selbstbewusstsein herabsetzt. Also, man kann in der Familie noch so behutsam mit seinem Kind um gehen, die Außeneinflüsse sind kaum zu steuern.
Eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung ist immer eine gute Quelle für neu hinzukommendes Selbstwertgefühl. Vielleicht denken Sie einmal in diese Richtung (z.B. Sportverein oder aufbauend auf einem anderen Hobby). Viele Grüße

 
Frage:   Geringe Frustrationstoleranz, Selbstbewußtsein

S. g. Hr. Dr. Poosth, Sohn (6,5) wird schnell wütend, wenn es nicht nach seinem Kopf geht, tritt od. haut schon mal, schreit rum, knallt Türen, weint, hält sich nicht an Vereinbarungen (diskutiert dann od. behauptet es wäre anders), kann nicht verlieren, lügt oft zu seinem Vorteil (ich war es nicht etc.). Wir vermuten, er hat zu geringes Selbstbewußtsein. Wir loben viel, sind konsequent bei Fehlverhalten (muss z. B. Auszeit nehmen, Fernsehverbot wenn er den Fernseher nicht ausschalten will trotz Vereinbarung etc.), erklären Fehlverhalten/Konsequenz, zeigen dass wir ihn lieben. Wahrscheinlich "Spätfolgen" aus Kiga (er war "Problemkind" lt. Kiga, zu zappelig, aggressiv, hörte schlecht, war immer an allem Schuld usw.), dies wurde vor ihm angesprochen, auch vor anderen Kindern. War im letzten Jahr v. d. Schule so schlimm, es gab viele Diskussionen zw. uns und Kiga. Er hat alles mitbekommen. In d. Schule jetzt super Lehrerin, trotzdem keine Besserung. Wie können wir helfen? Danke!

Antwort

Stichwort: Selbstbewußtsein

Hallo, mit Ihrer Vermutung werden Sie sicher richtig liegen. Nur Selbstbewusstsein ist kein Empfinden, dass man so einfach von außen beeinflussen und herstellen kann. Es wächst mit dem Menschen von frühester Kindheit heran und bildet den entscheidenden Bestandteil der Ichvorstellung. D.h. Selbstbewusstsein entsteht aus dem Gefühl des Selbstwertes, also aus dem Stolz auf sich selbst. Ist da aber nicht viel entstanden in den Jahren 1 bis 5, dann hilft diesem Kind letztlich nur noch der "Kampf ums Selbst" (meine Bezeichnung) in den weiteren Lebensjahren, denn das Selbst will dem Minderwertigkeitsgefühl entkommen. Das geht jedem Menschen so, nur in der Kindheit bestehen noch nicht so viele Mechanismen, in der Gruppe und der sozialen Gemeinschaft damit einigermaßen verträglich umzugehen. So kommt es zu den von Ihnen bei Ihrem Sohn geschilderten Verhaltensproblemen.
Ihm jetzt einfach viel Lob auszusprechen, verfehlt aber das Ziel. Denn ein KInd, das mit sich und seinem Selbstwert hadert, nimmt so einfach kein Lob an. Da muss dann schon mehr passieren. Und mit den "abstrakten " Strafen wie Fernsehverbot verschärfen Sie das Problem zusätzlich. Es bedarf also eines größeren Programms, das Ihr Sohn zur Verbesserung seines Selbstbewusstseins braucht. Am besten, Sie wenden sich erst einmal an eine Beratungsstelle für Erziehungsfragen (gibt es in jeder Stadt und größeren Gemeinde). Die sollten Ihnen weiterhelfen können. Viele Grüße

 
Frage:   Selbstbewusstsein

Sg Dr. Posth,
meine Tochter wird bald vier Jahre. Sie geht seit August 2013 für 30 Stunden pro Woche in eine kleine Kita mit etwa 20 Kindern. Die Eingewöhnung dauerte sieben Wochen. Ihre Gruppe besteht aus neun Jungen und insgesamt drei Mädchen (alle im gleichen Alter), wobei ein Mädchen etwas später dazu kam. Die beiden Betreuerinnen der Gruppe teilten mir nun mit, dass meine Tochter ein schwaches Selbstbewusstsein hat, was die Schuld der Eltern ist, da sie sich sehr zurück ziehen würde und auch in Konfliktsituationen mit den Kita-Kindern oft keinen Ton mehr herausbringt, außerdem ist sie äußerst sensibel und bekommt um sich herum alles sehr sehr genau mit. Seit kurzem haut das eine Mädchen andere Kinder, so auch meins. Außerhalb der Kita verhält sich mein Kind so, sie geht nicht sehr offensiv auf fremde Kinder zu, das war aber noch nie so, zeigt aber dennoch Interesse und sucht auch Kontakt. Wir haben unser Kind nie unterdrückt. Ist das ein schwaches Selbstbewusstsein?

Antwort

Stichwort: Selbstbewußtsein

Hallo, das halte ich für sehr gewagt, ein solches Verhalten gleich mit schlechtem Selbstbewusstsein in Zusammenhang zu bringen. Da können sich ebensogut schon Charaktereigenschaften bemerkbar machen und sich z.B. Schüchternheit zeigen. Solche Defensivität ist genau genommen eine natürliche Schutzmaßname vor zu viel Einfluss aus der Gruppe. Jeder Mensch steht in diesem Alter vor der Aufgabe, Individualität und Selbstschutz mit Sozialität und Exposition der eigenen Person in Übereinstimmung zu bringen. Erst mit der Erfahrung und Reife bilden sich dann Verhaltensstrategien heraus, die schließlich auch dem Selbstbewusstsein dienen. In diesem Alter zeigt sich Selbstbewusstsein hauptsächlich noch im geschützten Umfeld in der weiteren Familie. Viele Grüße

 
Frage:   Selbstbewusstsein fördern

Lieber Hr. Dr. Posth, meine T. (*02/11) geht seit Apr. in den Kiga. Eingew. rel. sanft. Mag Erz. sehr. Sie war schon immer sehr sensibel, hat viel gefremdelt. Nach Ihren Empf. erzogen. Trotzdem verkriecht sie sich oft, wenn wir auf "fremde" Menschen treffen. Hatte angefangen, sich im Kiga mit Kindern anzufreunden. Aber dann wurde sie dort von einem größeren Jungen geärgert/gehauen. Es hat ein wenig gedauert, bis sie davon erzählt hat. Nun sind alle involviert, passen auf etc. Sie hat aufgehört im Kiga zu spielen, steht nur rum und schaut, wenn Erz. mal keine Zeit für sie haben. Ansonsten klammert sie an Erz. Hinbringen kein Problem, verabschiedet sich. Freut sich, wenn ich sie hole. Wie kann ich ihr Selbstbewusstsein fördern? Da sie so sensibel und schüchtern ist, ist sie das ideale Opfer für andere Kinder. Redet sehr viel und gut (aber nicht bei Fremden), weint bei Kleinigkeiten oder schämt sich, LL jetzt endlich gut. Herzlichen Dank für Ihre Arbeit

Antwort

Stichwort: Selbstbewußtsein

Hallo, das frühe Selbstbewusstsein eines Kindes setzt sich zunächst einmal zusammen aus sicherer Bindung und gelingender Loslösung. Letzteres trägt bei Ihrer Tochter offenbar erst jetzt so richtig zum Selbstwertgefühl bei. Dazu braucht das Kind dann auch noch viele positive Attributionen oder Selbstzuschreibungen. Das sind die vielen kleinen Erfolge und Anerkennungen, die ein Kind zu Hause und auch woanders erleben sollte. Der "Rest" ist hauptsächlich Veranlagung.
Es gibt defensiv-introvertierte Kinder, die in der Gruppe zumindest am Anfang wenig Erfolg haben und schlecht Anschluss finden. Mit der Zeit finden sie dann allerdings kraft ihrer Intelliganz und Anpassungsfähigkeit Methoden, sich ihren Platz in der Gruppe zu erkämpfen. Dann sind sie meist besonders gern gesehene Gruppenmitglieder, da sie häfig empathischer sind als andere und mit mehr Verständnis und Nachsicht an Konflikte herantreten.
Im Augenblick können nur die Erzieherinnen dafür sorgen, dass Ihre Tochter eben nicht am Rande steht, sondern geschickt in die Gruppe mit einbezogen wird. Das ist Teil guter frühkindlicher Pädagogik. sie selbst können Ihre Tochter nur ermuntern und ihr vielleicht zeigen, wie man sich am besten in eine Gruppe einfügt. Viele Grüße

 
Frage:   Schüchtern?

Lieber Hr. Posth!

Unsere Tochter wird im Dez. 5 Jahre! Hat 2-J. Schwester, nachts noch Windel und Schnuller!! Diesen will sie partout nicht hergeben. Wenn ich sage sie wird bald 5 - "Na und, ich brauch ihn noch". Im Kiga ist sie wie ausgewechselt. Braucht lange bis das sie Anschluss zum Spielen findet, mag nicht gerne große Gruppen von Kindern besonders Ältere, stellt sich sehr langs. auf neue situationen ein. Tante sagt ihr fehlts an Selbstbewussts.. Zuhause ganz anders. Eher Temperamentvoll. Brauchtzwar viel Aufmerksamkeit, doch sie spricht sogar Fremde Leute an, traut sich auch viel und ist sehr neugierig.
Wie soll man Selbstbewussts. im Kiga aufbauen? Ist das einfach ihr Charakter od. unsere Aufgabe ihr zu helfen?? Muss jedes Kind Extrovertiert sein??? Wg. Windel nachts u. Schnuller: Komm nicht voran das Abzustellen. Mir kommt vor, sie stört das nicht, deshalb will sie es so belassen. Wie vorangehen oder mach ich mir zuviele Sorgen?
Vielen Dank für ihre tolle Arbeit
lg

Antwort

Stichwort: Selbstbewußtsein

Hallo, das Wort Selbstbewusstsein ist etwas vielgestaltig. Das hängt mit den jeweiligen Situationen zusammen, in denen sich der Mensch bewegt. Wenn er umfassend selbstbewusst ist, dann mag das egel sein, was ihm entgegensteht, aber schon ein bisschen Unsicherheit macht die jeweilige Umgebung besonders wichtig. So kann Ihre Tochter zu Hause geradezu auftrumpfen und sich regelrecht darstellen, im Ki-ga in der Gruppe aber hat sie große Schwierigkeiten Anschluss zu finden.
Das eine ist individuelles Selbstbewusstsein, das andere soziales. Letzteres kann man schwer von außen beeinflussen. Sicher spielen da auch charakterliche Eigenschaften mit eine Rolle. Es gibt die Menschen, die den Auftritt lieben und andere, ebenso begabte, die lieber im Hintergrund bleiben. Man sollte das überhaupt nicht beeinflussen wollen oder ändern, der Konkurrenzdruck unter den Menschen würde zu groß. Menschen mit geringeren sozialen Selbsbewusstsein suchen sich im Leben ihre "Nischen" oder Aktionsbereiche und sind letztlich zufrieden mit ihrer Position. Allerdings ist es auch so, dass individuelles Selbstbewusstsein soziales fördert. Das gilt auch oder gerade für Kinder.
Für den Schnuller gibt es ja das Regelprinzip. Das sollten Sie anwenden. Und dan vereinbaren Sie mit Ihrer Tochter, wann die Schnuller-Fee kommen soll (jetzt schon etwas verspätet). Viele Grüße

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