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Kinderarzt Dr. Posth

Dr. Rüdiger Posth - Entwicklung von Babys und Kleinkindern

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Antworten von Dr. Posth zum Stichwort: Angst als Veranlagung
Frage:   Unser Sohn ist sehr anhänglich welche Ursache kann das Verhalten haben?

Lieber Dr. Posth,
unser Sohn (14 Monate) war von Anfang an sehr anhänglich an uns (Mama und Papa). Zeitweise hat er nur beim Anblick fremder Menschen in geschlossenen Räumen (z.B. wenn wir jemanden besucht haben oder wenn jemand bei uns zuhause war) geschrien und niemand durfte ihn angucken. Beruhigen ließ er sich nur, indem wir die Situation mit ihm verlassen haben oder unser Besuch wieder fuhr. Mittlerweile hat sich dies zwar gebessert, aber er ist immer noch sehr anhänglich. Selbst seine Oma oder Großtante, die er gut kennt, dürfen ihn nicht auf den Arm nehmen und meistens auch noch nicht einmal berühren. Wir als Eltern repsektieren dies und nehmen ihn dann immer zu uns oder weisen die anderen Menschen darauf hin, dass sie unseren Sohn lieber in Ruhe spielen lassen.
Haben Sie dennoch einen Tipp, wie wir unseren Sohn an solche Situationen gewöhnen können? Welche Ursachen könnte solche in Verhalten haben? Wir (und auch unser KiA) sind ratlos...
DANKE!
Viele Grüße von meve

Antwort

Stichwort: Angst als Veranlagung

Hallo, es gibt einige wenige Säuglinge, die nicht nur fremdeln, sondern früh schon eine übersteigerte Angst vor allem entwickeln, was Fremdheit bedeutet. Gibt es denn Angsterkrankungen in der Familie? Denn man muss in solchen Fällen eine Vorveranlagung für Angst annehmen. Kennt Ihr Sohn denn auch noch andere Ängste, die ihm Dinge oder Vorgänge einflößen? Die anhaltend hohe Anhänglichkeit gehört zum Muster der sozialen Angst, wobei zu sagen ist, dass man in diesem Alter in der Wissenschaft noch nicht von sozialer Angst spricht. Was sicher keinen Sinn macht, ist das Kind jetzt immer wieder solchen Situationen auszusetzen, die ihm Angst bereiten. Angst kann man nicht durch Lernen im eigentlichen Sinn verlieren und schon gar nicht durch Gewöhnung, zumindest nicht in diesem Alter. Es ist also richtig, einem davon betroffenen Kind erst einmal ganz viel Sicherheit in der Bindung zu geben, denn diese äußere Sicherheit wird mit der Zeit verinnerlicht und zu innerer Sicherheit umgewandelt. Die Loslösung tut ihr Übriges dazu. Aber Sie sollten auch die Angst-auslösenden Situationen jetzt nicht krampfhaft vermeiden. Gehen Sie normal damit um und bieten Sie Ihrem Sohn einfach weiter die Sicherheit in ihrer köperlichen Nähe. Es wird zu einer spontanen Verbesserung kommen, wenn das Selbst im Bewusstsein fertig ist und Selbstvertrauen entsteht.. Viele Grüße

 
Frage:   2Jährige und Ängste

Hallo,
Meine Tochter (2,3Jahre) entwickelt immer mehr "Ängste". Es gibt Dinge vor denen sie wirklich Angst hat (wie Hunde) und dann gibt es die Dinge, da scheint sie es nur zu sagen (zB Papa, beste Freunde von mir, die sie total liebt, sogar Tassen usw). Tiere findet sie trotzdem interessant, möchte z.B, dass ich jeden Hund streichle,sie ab und an auch (nur Rücken, Kopf ist richtiger Panikfaktor).
Sie ist ein aufgewecktes,pfiffiges, temperamentvollen Kind,.schläft bei uns im Schlafzimmer (direkt im Bettchen neben mir), ist Tragekind, als Baby wenig geschriehen, jetzt kaum Trotz. Loslösung hängt aber scheinbar noch etwas.
Zeigt solche Angstentwicklung unsicherer Bindung? Oder ist das relativ normal, dass Kinder ab 2 die Angst entdecken. Wie begegne ich dem am besten, wenn sie sagt, sie hat Angst? Manchmal scheint sie es einfach nur zu sagen, zeigt aber keine richtige Angstreaktion. Dann sagt sie zB "Anst Papa"(auch wenn der gar nicht da ist)-und grinst.

Danke

Antwort

Stichwort: Angst als Veranlagung

Hallo, Angst ist bis zu einem gewissen Grade erst immer auch eine Sache von Veranlagung. Man muss eigentlich davon ausgehen, dass jeder Mensch Angst als eine Grundemotion kennt und sich auch braucht, um sich intuitiv schützen zu können. So sind Menschen, die zu wenig Angst von Anfang an besitzen, höher gefährdet, durch riskantes Verhalten frühzeitig zu Tode zu kommen. Diese menschen fremdeln als Säuglinge weniger und erscheinen auch in der Loslösung weniger anhänglich an die Bezugsperson. Ein echter Schutzfaktor aber vor psychischen Störungen ist das sicher nicht. Wahrscheinlich kommen nur andere psychische Störungen zum Tragen.
Insofern kann es durch aus sein, dass ein sicher gebundenes und schon einigermaßen losgelöstes Kind plötzlich Ängst entwickelt. Hierbei sind die Entwicklungsängste, also die die auch für das Alter typisch sind, bevorzugt. Phobische Ängst dominieren, d.h. Ängst vor Tieren oder einfachen Objekten. Ein Kind mit gut 2 Jahren kann aber seine Emotionen noch nicht sicher benennen und schon gar nicht beschreiben. So wird der Begriff "Angst haben" auch manchmal unsinnig angewandt. Da dürfen Sie dann widersprechen und sagen, dass es offensichtlich gar nicht um Angst geht, sondern um etwas ganz anderes. Viele Grüße

 
Frage:   Angst

Hallo,

Mein Sohn (2J.4M.) hatte ein paar Anfangsschwiegigkeiten, er war die ersten 4 Lebenswochen im Kkh., zu Hause klappte das Stillen nicht, er bekam Neurodermitis und das Urvertrauen war weg.
Ich selbst war auch sehr unsicher, da er mein erstes Kind ist.
Mit einem Jahr fiel mir auf das er and. gegenüber sehr ängstlich ist. Mit 14 Mon. kam er dann vormittags in den KiGa.
Inzwischen geben mir immer mehr Sachen zu denken. Wenn wir zum Beispiel auf dem Spielplatz sind und dort sind andere Kinder, dann klammert er an mir und macht keinen Schritt ohne mich! Wenn andere Kinder auf ihn zugehen wollen, bekommt er Angst, weint manchmal sogar.
Hinzu kommen noch andere Ängste wie z.B. er will seine Jacke nicht ausziehen. Im KiGa nehmen andere die Spielsachen und er wartet nur ob was übrig bleibt, oder er lässt es sich wegnehmen. Er wehrt sich nicht mal.
Warum hat er schon solche Ängste?
ich selbst habe auch versch. Ängste, hat es damit etwas zu tun?
Wie bekommt er Selbstvertrauen?
LG

Antwort

Stichwort: Angst als Veranlagung

Hallo, Angst ist auch immer bis zu einem gewissen Grade eine Veranlagung, mit der Das Kind auf die Welt kommt. Eine erbliche Konstitution scheint da eine Rolle zu spielen. Aber viel wahrscheinlicher sind schon die anfänglichen Lebensumstände, die ihr Sohn nicht mehr verarbeiten konnte. So zieht sich jetzt die Angst in die Kleinkindzeit und vereitelt die notwendige Stärke zur Aufnahme von altersgrechten Sozialbeziehungen.
Selbstsicherheit und Selbstvertrauen kann man nicht einfach erzeugen oder verordnen. Es wächst mit der Reifung der Persönlichkeit und Eltern und Umwelt haben die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass diese Reifung möglichst ungestört verläuft.
Sehr wichtig für die Entwicklung von Selbstvertrauen ist neben der Bindung die Loslösung. D.h. der Vater als Loslösungsvorbild müsste sich intensiv in die Erziehungsarbeit einbinden und seinen Sohn "an der Hand nehmen", um möglichst viel mit ihm zu unternehmen. Dann sollten Sie und Ihr Mann ihm bei der Kontaktaufnahme zu anderen Kindern behilflich sein, in dem Sie ihm im Hintergrund eine sichere Basis bieten, zu der er zurück flüchten kann, wenn die Konflikte zu heftig werden.
Wie war denn die Ablösung in den Ki-ga? Hat er weinen müssen, sollten Sie sich trotzdem von ihm trennen? Vielleicht schreiben Sie mir noch einmal. Viele Grüße

 
Frage:   Angst im Dunkeln

Sehr geehrter Dr. Posth,

meine Tochter (3 1/2) hat seit einiger Zeit Angst im Dunkeln, bzw. wenn sie allein in ein unbeleuchtetes Nachbarzimmer gehen soll. Andererseits macht es ihr Nachts nichts aus in unser Schlafzimmerr zu kommen, bepackt mit Teddy und Sprudelflasche. Heute bekam sie auch Panik (tagsüber) als sie allein in ihrem Zimmer war. Ihr Zimmer ist ein Stockwerk höher. Ich weiss wohl dass Angst in diesem Alter normal ist, aber ich selber bin wegen Depression mit Angst vor der Dunkelheit in Behandlung. Ich dachte bisher dass meine Tochter davon nichts mitbekommen hat. Meine Frage ist daher ob diese Angst noch ok ist oder ob sie diese sich von mir "angeeignet" hat. Mein Mann und ich reden in ihrem Beisein nicht über meine Angst, aber andererseits bekommt sie mehr mit als wir uns vorstellen. Vielleicht hat ja noch die Geburt unserer zweiten Tochter (sie ist 10 Wochen) noch einen Einfluss darauf? Sie reagierte auf ihre Schwester eher fürsorglich bis garnicht. Danke!

Antwort

Stichwort: Angst als Veranlagung

Hallo, die Angst im Menschen ist einerseits ein Schutzfaktor für die Seele und den Körper andererseits aber auch eine Veranlagung, die zu übersteigerten Reaktionen führen kann. Im frühen Kindesalter wird hierzu eine entscheidende Weiche gestellt. Dabei fördern sich Veranlagung, angstauslösende Umwelterscheinungen und elterliches Vorbild gegenseitig. Wenn Sie es also schaffen, das elterliche Vorbild gezielt auszuschalten, gibt es immer noch die Veranlagung, einmal vorausgesetzt, dass angstauslösende Faktoren in der Lebensumwelt ausgeschlossen sind.
Gerade letzteres ist aber das Ergebnis ein gezielten Diagnostik, die darauf abzielt, Erlebnisse im frühen Kindesalter herauszufinden oder auszuschließen, welche Angst ausgelöst haben könnten. Wie ist es z.B. mit der Schlafsituation Ihrer Tochter? Haben Bindung und Loslösung erfolgreich funktioniert? Hat es eine frühe Fremdbetreuung gegeben? Was ist mit Ki-ga? Vielleicht schreiben Sie mir noch einmal. Viele Grüße

 
Frage:   "Fremdeln" mit drei Jahren ?

Lieber Dr. Posth,

unsere Tochter, ehem. Frühchen 28. SSW, ist ein zurückhaltendes Kind in fremder Umgebung. Im gewohnten Umfeld ist sie eine "richtige" Dreijährige und steht im wesentlichen keinem reif geborenen Kind etwas nach.
Sie hat nie richtig gefremdelt, was wir auf den langen KK-Aufenthalt (elf Wochen) zurückgeführt haben (wechselnde Betreuung durch med. Personal).
Seit dem Sommer entwickelt sie - auch vertrauten Personen gegenüber - extreme Schüchternheit (häufig) bis zu Angst - sagt sie selbst, kann nicht sagen, warum - (vereinzelt), die sich beim Anblick der Personen in Herz zereißendem Weinen äußern kann.
Kann es mit dem Eintritt in den Vorkindergarten zusammenhängen ? Wir haben dort sanfte Loslösung praktiziert, wie Sie es mir seinerzeit empfohlen haben, das hat toll geklappt. Sie geht in den Vorkindergarten seit vier Wochen, das "Fremdeln" hat allerdings schon deutlich früher begonnen.
Wie sollten wir am besten damit umgehen ?

Danke, LG, Sandra S.

Antwort

Stichwort: Angst als Veranlagung

Liebe Sandra, es ist sehr fraglich, ob man das von Ihrer Tochter geschilderte Verhalten noch als Fremdeln bezeichnen darf. Wahrscheinlich müßte man hier von Fremdenangst oder Sozialangst sprechen. Sozialangst, zu der auch die Trennungsangst oder später die Schulangst gehören, sind Folge von erzwungenen Trennungsereignissen in der frühen Kindheit ohne adäquaten Trost oder emotionale Absicherung durch die fremde Person, mit der sich das Kind dabei konfrontiert sah. Gewisse Veranlagungen verstärken die Neigung zur Angst. Warum nicht viel früher solche Ängste aufgetreten sind, ist schwer zu erklären. Möglicherweise wurde die Angst durch übergroße Herausforderungen in der frühen Säuglingszeit (Frühchen, medizinische Eingriffe etc.) zunächst einmal aus Überlebensgründen blockiert. Solche Kinder reagieren grundsätzlich vermeidend. Aber die Gefahr, daß eines Tages die Vermeidung nicht mehr gelingt und die daruter liegende Angst dann doch aufbricht, ist generell groß. So ähnlich ergeht es ja den Kindern, die durch Schreikonditionierung auch eines Tages still sind, aber nicht, weil sie das Erwünschte Verhalten gelernt hätten, sondern weil sie innerlich blockiert sind. Sehr viel später bricht die Wunde dann doch wieder auf und die Angst kriecht hervor. Leider erkennen die Eltern dann nicht mehr den Zusammenhang (und manche Psychologen und Ärzte leugnen ihn).
sie können nur so damit umgehen, daß Sie Ihrer Tochter die emotionale Absicherung gewähren, die sie dann braucht. Versteht man das Aufbrechen alter seelischer Wunden als Regression, dann bahnt sich dadurch ja auch eine Chance zur Heilung an. Viele Grüße

 
Frage:   Ist das normal?

Hallo, meine Tochter ist jetzt 11 Monate alt. Sie hat schon sehr früh angefangen zu fremdeln. So mit 3,5 Monaten. Sehr stark auch. Selbst bei Oma hat es lange gedauert bis das Vertrauen da war. Haben sie auch immer geschützt also auf den arm genommen. Auch Oma langsam als zeitweise Betreuungsperson herangeführt. Das geht auch richtig gut. Sie hat auch schon 1 mal jetzt bei ihr geschlafen und das ging auch gut. Es ist jetzt schon besser, aber bei manchen Menschen immer noch. Selbst wenn ich sie auf dem arm habe, ich muß dann manchmal weggehen damit sie sich beruhigt. Ist unsere Bindung ok? Desweiteren ist es so, daß sie nahezu bei jedem auch wenn derjenige das erste mal da war und sie zu Anfang geweint hat am ende wenn derjenige geht weint. Sie läßt sich schnell wieder beruhigen aber erstmal weint sie dann kurz. Ist das normal? Danke LG Pinski

Antwort

Stichwort: Angst als Veranlagung

Hallo, ganz offensichtlich gehört Ihre Tochter von Geburt an zum ängstlichen Typ. Solche Säuglinge fremdeln in der Regel sehr früh und sehr stark. Selbst die sichere Bindung vermag es nicht immer, die Angst vor fremdem Einfluss oder fremden Gesichtern ganz zu bannen. Allerdings ist die sichere Bindung der einzige Garant dafür, dass die Fremdelangst nicht in eine extreme Anhänglichkeit übergeht oder zu einer fortgesetzten Fremden- und Sozialangst wird. Sie handeln also vollkommen richtig.
Ängstliche Kinder neigen aber auch zu späterer Trennungsangst, und da kann das Paradox auftreten, dass ein Kleinkind sogar Trennungsangst und Tr.-schmerz empfindet, wenn die eigentlich fremde Person fortgeht. Man sieht daran, dass es dem Kind nicht allein um die Person geht, von der es getrennt wird, sondern um den Augenblick der Trennung, bzw. des Verschwindens einer Person generell. Das ist für das Verständnis von Trennungsangst eine hoch interessante Geshichte. Außer Ihre Tochter trösten, können Sie im Moment nichts dagegen machen. Dieses Phänomen wird sich wieder verlieren. Viele Grüße

 
Frage:   Extreme Angst

Hallo Herr Posth,
es geht um meine Tochter Pauline, sie ist 2 Jahre und 8 Monate und hat EXTREMSTE Angst vor fremden und auch bekannten Männern. Ich weiß einfach nicht mehr weiter, dieses Verhalten verunsichert mich wirklich zutiefst. Nichts hilft, kein Ignorieren und keine Strenge, es wird eher noch immer schlimmer. Ihr Onkel z.B. wohnt zwei Häuser neben uns, ist Landwirt und sie geht auch immer sehr, sehr gerne dort auf den Bauernhof. Wehe aber, er ist da und spricht sie an. Dann ist das Geheule riesengroß. Er ist selbst Vater von 3 kleinen Kindern und sie geht oft dort spielen. Sie sieht, wie die Kinder mit ihm toben, wie sie zu ihm auf den Arm gehen, alles also ganz normal! Heute kam er mit seinem Traktor hier an und hat gesäht, sein Sohn ab auf den Traktor, sie ein RIESENTHEATER gemacht. Ich habe es nicht von Anfang an mitbekommen und dachte, sie wäre von der rutsche o.ä. gefallen, so schlimm hat es sich angehört. Ich hab' Angst, ich hab' Angst, heulte sie die ganze Zeit...

Antwort

Stichwort: Angst als Veranlagung

Angst als Veranlagung
Hallo, Angst bei Kleinkindern hat zwei Quellen. Erstens eine gewisse Veranlagung. Zweitens eine Geschichte. Gegen die Veranlagung läßt sich zunächst nicht viel machen. Sie zeigt sich in starkem Fremdeln, hochgradiger Anhänglichkeit, Trennungsproblemen und vielleicht auch schon in gezielter Furcht. Selbstverständlich ist vonseiten der Eltern alles zu unterlassen, was die Angstneigung noch Nahrung gibt. Sonst weitet sich die Angst aus und unterminiert das Selbstbewußtsein. Extreme Schüchternheit ist die Folge.
Damit wären wir bei der Geschichte. Meist haben sich im Laufe der ersten zwei, drei Jahre doch, sagen wir, Verständigungsprobleme zwischen Kind und Eltern eingestellt, so daß die Angst geschürt worden ist. Häufig tragen Männer (auch Väter!) selbst dazu bei, daß Kinder Angst vor ihnen haben. Dabei bleibt dann die Angst nicht auf den einen ungeschickt vorgehenden Mann beschränkt, sondern wird ganz schnell auf alle Männer übertragen. Häufig bekommt man jedoch den eigentlichen Auslöser nicht heraus. Das Kind aber weiß ihn nicht mehr. Eine solche Angst würde man als Furcht vor Männern bezeichnen.
Das Vorgehen gegen Furcht besteht in der vorsichtigen und schrittweisen Desensibilisierung. Im Falle von Männern ist aber zunächst einmal der Vater gefragt und die wichtigste Leitperson in Richtung einer Annäherung. Danach käme der Großvater, vielleicht auch ein wichtiger Onkel oder ein Mann, der der Familie sonst noch sehr verbunden ist. Das muß im Einzelnen aber abgesprochen sein. Alle diese Männer haben sich jeglicher Bedrohung auch im Ansatz zu enthalten. Sie sollten sich freundlich und geduldig anbieten, damit das ängstliche Kind zunächst im Schutz der Mutter auf sie zugehen kann. Beim Vater müßte das ohnehin ohne Schwierigkeiten gelingen, da er ja auch Vorbild für die Loslösung ist. Viele Grüße

 
Frage:   Ängstliches Kind

Sehr geehrter Herr Dr. Posth,
unser Sohn (2 Jahre) ist sehr vorsichtig und ängstlich in allen Lebenslagen. Teilweise hat er solche Angst, dass er dabei zittert. Wir versuchen durch pos. Erlebnisse sein Selbstbewusstsein zu stärken. Die Erzieherin im Kiga (die dies auch schon bemerkt hat) riet uns, ihm mehr zuzutrauen und ihn loszulassen. Wir seien zu ängstlich. Das sehe ich aber nicht so, er soll alles probieren was er möchte, ich bin ja in der Nähe, falls was passiert. Er will ja nichts probieren, dass ist das Problem. Gleichaltrige Kinder im Bekanntenkreis sind viel aufschlossener und mutiger. Unser Robin hat sogar Angst vor Fliegen (wenn sie sich auf die Hand oder Arm setzen)! Was können wir tun, damit er mehr Selbstvertrauen empfindet?
In Erziehungsfragen sind wir Ihrer Meinung und haben dies m.E. auch so umgesetzt.
Ich hoffe auf Ihre Hilfe. Viele Grüße Yvonne mit Robin

PS: Habe ihr Buch bestellt, ist aber noch nicht angekommen.

Antwort

Stichwort: Angst als Veranlagung

Hallo, es ist die altherberachte Meinung, Schwächen, Unsicherheiten und Ängste mit gezielter Zumutung zu behandeln. Ich nenne die Herausforderung des Kindes bewußt Zumutung, weil das Wort Mut, das darin steckt durch die Vorsilbe "Zu" entkräftet ist, und so verhält es sich auch in Wirklichkeit. Wenn dieses Prinzip funktionierte, dann hätte es sich schon in hunderten von Jahren bewähren müssen. Hat es de facto aber nicht. Im Gegenteil, die damit "behandelten" Kinder sind eher noch ängstlicher geworden, zumindest aber haben sie sich von ihren Eltern und Erziehern mißverstanden gefühlt. Das wiederum hat schnell zu einem Vertrauensbruch geführt.
Die Neigung zur Angst ist bis zu einem gewissen Teil angeboren. Die beste Methode, mit übertriebener Ängstlichkeit umzugehen, ist die schrittweise Desensibilisierung. Wie man das macht, das habe ich in verschiedenen Antworten zum Thema Angst schon erklärt. Diese Antworten finden Sie im gezielten Suchlauf unter "Angst als Veranlagung" und "Angst und Furcht". Sie können mich aber auch gerne wieder anschreiben, wenn noch Fragen aufkommen. Viele Grüße
PS: bei meinem Buch gab es durch einen kleinen verlegerischen Fehler Schwierigkeiten bei der Auslieferung. Nächste Woche geht es aber weiter. Also das Buch kommt! Viele Freude beim Lesen!

 
Frage:   18 Monate und Ängstlichkeit

Hallo lieber Herr Dr. Posth,

Benjamin ist nun 18 Monate alt und etwas beschäftigt mich.

Er scheint sehr ängstlich zu sein, was nicht immer der Fall war, sondern erst seit dem letzten Vierteljahr.
Es ist so, dass er teilweise vor Dingen Angst hat, die ihm unbekannt sind, Geräusche von sich geben und vielleicht zu laut sind.
Ebenso beim Spielen mit seinem Freund, der genauso alt ist wie Ben. Sein Freund ist sehr fidel, laut und leider auch manchmal zu forsch in seinen Annäherungen. Es kam schon vor, dass sein Spielkamerad ihm mit einem kleinen Zweig im Gesicht verletzt hat und seitdem er lieber bei uns Müttern bleibt als sich mit seinem kleinen Gegenüber zu befassen. Dabei nuckelt er am Daumen und ich mache mir schon Sorgen, dass er überängstlich wird oder sein könnte. Am liebsten ist er bei den Omas und dem Opa. Es dauert lange bis das Eis bei Fremden bricht, er hat Angst.

Was kann ich tun, damit seine Ängste reduziert werden können? Ist dies pathologisch?

Danke Isa

Antwort

Stichwort: Angst als Veranlagung

Liebe Isa, pathologisch wird dieses -sagen wir- vorsichtige Verhalten Ihres Sohnes noch nicht sein. In gewisser Weise sind solche objektbezogenen Ängst sogar typisch für dieses Alter. Die Kleinkinder sind nun aus der Mutter-Kind-Dyade heraus (die bislang immer noch absoluten Schutz bei der Mutter suggerierte) und sehen sich körperlich allein in die Welt gestellt. Da machen ihnen viele Dinge Angst, die irgendwie unberechenbar sind und sie selbst theoretisch verletzen könnten. Besonders vorsichtige Kinder verhalten sich jetzt automatisch ängstlich und suchen sich zu schützen, wo sie können. Die Draufgänger hingegen machen sich nichts daraus und fallen dafür desöfteren heftig auf die Nase. Die meisten Kinder bewegen sich irgendwo dazwischen.
Es macht keinen Sinn, sein ängstliches Kind nun zu seinem "Glück zu zwingen". Besser ist es, man begleitet es Schritt für Schritt in die Herausforderung und gibt ihm quasie Rückendeckung. Für diese Rolle sind Väter besonders gut geeignet, da sie ja auch die Aufgabe haben, die Loslösung voranzutreiben. Viele Grüße

 
Frage:   Angst

Mein Sohn knapp 5Jahre,ruhiges kind.
Loslössung gelungen aber Vater ist oft beruflich weg.
Bindungsverhalten sicher
Kiga sanfte Ablösung, da gefällt es ihm auch,das war noch nie ein Problem.
Schlief bis 4Jahre im Elternbett.
Nun meine Frage:Er hat starke Ängste vor fremden Menschen, Situationen und in fremder Umgebung,da hängt er sich ganz eng an mich.Ich habe den Eindruck je älter er wird,desto verstärkter.Wie kann ich dem entgegenwirken ohne ihn irgendwo weinend zurückzulassen.

Vielen Dank

Antwort

Stichwort: Angst als Veranlagung

Hallo, die Veranlagung zum Angstempfinden ist bis zu einem gewissen Grade angeboren. Wie war Ihr Sohn denn als Säugling? Stark gefremdelt? Stark anhänglich mit etwa 1 Jahr? Solche Ängst können durch konkrete Erlebnisse, aber auch bedingt durch vorzeitliche Prägungen objektbezogenen charakter bekommen. die Angst vor der fremden Person gehört mit dazu, spiegelt aber auch ein grundsätzliches Angstempfinden.
Wenn alle Entwicklungsparameter wie Bindung, Loslösung und Selbstentstehung stimmen, dann kann man nur versuchen, die Ängste direkt anzugehen. Das geht ohne fachkundige Hilfe eher schlecht, aber ein paar Grundsätze kann jeder beachten. Z.B. das Ausweichen vor angstbereitenden Situationen und Konfrontationen konkret und gezielt angehen. Das darf aber nur im Schutz der begleitenden Bezugsperson geschehen. Und es darf immer nur soweit vorangeschritten werden, wie das Kind seine Angst gerade noch ertragen kann. Die Bezugsperson darf sich erst dann zurückziehen, wenn sie merkt, dass das Kind auch ohne sie annähernd angstfrei bleibt. Natürich darf mit der Angst keine Erziehung betreiben werden. Und das KInd darf nicht zwangsweise in Situationen verbracht werden, die ihm Angst bereiten. So wie Sie begonnen haben, können Sie im Moment forfahren. Sie können ja gerne über den Fortschritt weiter berichten. Viele Grüße

 
Frage:   Wie Angst abbauen?

Guten Morgen Herr Dr. Posth,

Unsere Tochter (14 Monate) war 5 Monate ein sog. Schreibaby. Auch nach dieser Zeit ist sie bis heute schnell am Schreien und sehr ängstlich. Wann das Fremdeln angefangen hatte können wir nicht mal sagen, da sie schon immer allem Fremden ggü. so war. Sie ist Einzelkind. Mir wird immer öfter gesagt, sie bräuche Kinder umsich um sich besser anzupassen. Nur ist es so, gehe ich in das Babyschwimmen, zu Müttertreffen etc. Gibts Geschrei. Würde es ihr helfen sie langsam an die Kita einzugwöhnen?

Kann diese extreme Angst mit der Geburt zusammen hängen? Ich hatte leider eine Panikattacke.

Besten Dank für Ihre Antwort.

Freundliche Grüsse S.

Antwort

Stichwort: Angst als Veranlagung

Hallo, mit der zu frühen Konfrontation Ihrer Tochter mit einer größeren Gruppe von Kindern könnten sie die Angst sogar noch vergrößern und regelrechte Sozialangst erzeugen. Nein, für solche Kinder müssen die Entwicklungssschritte in der Sozialisation besonders sorgsam eingehalten werden. Das sehen Sie schon am Scheitern beim BabySchwimmen und Müttertreffen. Aber die Isolation hilft diesen Kindern auch nicht. Ein wohl dosiertes Maß an Kinderkontakten über kürzere Zeiträume und nicht gleich jeden Tag helfen am besten. Voraussetzung ist, dass zunächst immer die primäre Bezugsperson, also sie als Mutter, dabei bleibt. Ihre Tochter braucht Sie als sichere Basis für ihr Auskundschaften. Dafür sitzt sie auch gerne auf Ihrem Schoß und betrachtet erst einmal das Geschehen von sicherer Warte.
Angst ist auch ein angeborenes Phänomen. Veranlagung spielt ein nicht unerhebliche Rolle. Ihre Angst unter der Geburt hat sicher nicht ausgereicht, die Grundeinstellung Ihrer Tochter in richtung Angst zu beeinflussen. Viele Grüße PS. siehe gezielter Suchlauf unter "Angst als Veranlagung".

 
Frage:   Was tun, wenn unsere Tochter Ängste entwickelt?

Sehr geehrter Herr Posth,
meine fast dreijährige Tochter besucht seit etwas über einem Jahr eine Kindertagesstätte, sie ist zusammen mit ihrem sechsjährigen Bruder untergebracht. Es handelt sich um einen Waldorfkindergarten, den wir im Hinblick auf eine hohe Betreuungsqualität ausgesucht haben.
Sie geht gerne zum KIGA und freut sich abgeholt zu werden, was Sie ja in einem Ihrer Artikel als „emotional stabil“ beschreiben.
Allerdings ruft Sie uns abends zig Mal an ihr Bett, bis sie einschläft, nachts wacht sie noch regelmäßig auf und verlangt nach mir. Sieht sie mich z.B. im Supermarkt für einige Sekunden nicht, fängt sie panisch an zu weinen. Vor einigen Wochen wurde sie von einer ihr fremden Person ermahnt und begann so zu intensiv zu weinen, dass sie über 15 Minuten nicht zu beruhigen war. Zu Hause ist sie aufgeweckt und aktiv, vor Fremden ist sie sehr schüchtern. Wie sollen wir uns verhalten? Wie kann ich dem Kind helfen, ein gesundes Maß an Vertrauen und Selbstbewusstsein zu

Antwort

Stichwort: Angst als Veranlagung

Hallo, man muss unbedingt Veranlagungen und mögliche Folgen einen falschen Umgangs mit einem Kind gut unterscheiden. Das ist zugegeben manchmal nicht ganz einfach. Nur scheint mir im Falle Ihrer Tochter die Schüchternheit und Ängstlichkeit eher eine Temperament- und Charakterveranlagung zu sein als die Folge ihres Ki-ga-besuchs. Diese Ängstlichkeit macht sich gerade abends beim Zubettgehen bemerkbar, weil ihre Tochter weiß, dass sie zum Einschlafen auf Sie als Bindungsperson verzichten soll. Wird sie in der Nacht wach, ist diese Angst, sie seien für sie nicht erreichbar, gleich wieder da. Schläft sie denn bei Ihnen im Elternschlafzimmer? Denn da gehört allein schon vom Alter her noch hin. Und auch die geduldige Einschlafbegleitung bis das Kind schläft gehört noch zu einer ungestörten, angstfreien Nachtruhe.
Erst wenn Ihre Tochter in diesen entscheidenden Momenten ausreichende Bindungsicherheit erhält, kann sie auch ihre Angst, fremden Menschen gegenüber abbauen. Viele Grüße

 
Frage:   Kleinkind hat extreme Angst - wie damit umgehen, damit ihr Leben leichter wird.

Uns.Tocht.,23Mon,hat seit ca.ihrem 15. Mon extr. Angst vor gleichaltrig. bzw. jüng. Kindern u auch vor fr. Personen.Ist sehr sensibel, schücht.(die 1. 3Monate Schreikind wg Kol, ab 6.Mon stark gefremdelt),wurde nie weinend all. gelassen,nie etw.(für uns)einschn. passiert.Kiga erst m.3.Die Loslös z. Papa hat gut funktioniert,wurde v. ihm ohne Protest gewickelt,spazieren gefahren, schlafen gebracht, das funkt.seit 2 Mon.leider auch nicht mehr so toll, will abends nur mehr Mama.Kontakt mit anderen Kindern war immer da, ist fast nicht mehr möglich,da sie zu schwitzen u weinen beginnt,wenn sich ein Kind schon nähert od.sie anschaut,auch im Freien,sie will mit mir dann mind.10 Meter Abstand od.gleich nach Hause.Mit anderen Unterhalten ist fast nicht möglich.Geht nur unt.Protest auf Besuch,weint.daheim u bei oma,opa fühlt sie sich wohl,ist ein ausgel.,fröhl. Kind,das viele Späße macht.Wie verhalten wir uns richtig?Zurückziehen,weiter Kinder treffen?Sind verzweifelt,sie tut uns so leid.Danke!

Antwort

Stichwort: Angst als Veranlagung

Hallo, Ihrer Beschreibung des 1. Lebensjahres nach dürfte es sich bei Ihrer Tochter um eine Kind mit starker angeborener Angst handeln. solche Veranlagungen gibt es, und meist gibt es auch in der Familie "Vorbilder" dafür. Angst, Zwang und Depression hängen aus bestimmten Gründen erblich eng zusammen.
Es ist gut, dass Sie im 1. Lebensjahr so einfühlsam auf Ihre Tochter eingegangen sind. Das hat zunächst einmal eine gute Bindungsgrundlage gelegt. Aber offenbar im Rahmen der Wiederannäherungskrise mit der Entdeckung des eigenständigen Selbst und den ersten sozialen Herausforderungen in der Gruppe mit Gleichaltrigen hat sich die Angstveranlagung wieder durchgesetzt (im Sinne einer Fremdenphobie und sozialen Ängstlichkeit). Bis zur Loslösung im Kontakt zum Vater (und Großeltern) hat es aber gereicht, und auch das ist eine wichtige Grundlage. Darauf lässt sich dann aufbauen.
Auf keinen Fall sollte man die Kontakt jetzt zu anderen Kindern abbrechen. Aber Sie müssen Ihre Tochter dabei dabei begleiten und sie zunächst ganz nah an ihrer Seite bleibend unterstützen. Machen Sie ihr vor, wie man gut Kontakt zu anderen Kindern herstellen kann. Das gleiche sollte dann auch Ihr Mann mit ihr versuchen, der ja sowieso für die Loslösung zuständig ist. Wenn Ihre Tochter aber erst einmal nur Sie dafür wählt, dann sollten Sie das zulassen. Mit der Zeit wird sie sich dann auch wieder immer mehr ihrem Vater zuwenden. Viele Grüße

 
Frage:   27 Wochen Baby interessantes Verhalten ...

Sehr geehrter Herr Posth,

Da sie uns schon einmal das Verhalten unseres Sohnes erklaert haben, wende ich mich erneut an sie.
Zur Zeit scheint unser Sohn zu fremdeln, nicht sehr stark, im Schutz unserer Arme entdeckt er die Welt sehr interessiert und nimmt auch Kontakt zu anderen Menschen auf, allerdings moechte er nicht von den Anderen angefasst oder gar getragen werden. Gleichzeitig hierzu hat sich folgendes Verhalten entwickelt: sobald mein Mann oder ich aus dem Zimmer/Tuer gehen, faengt er panisch an zu schreien, auch wenn er uns noch sieht (er ist dabei natuerlich nicht allein, sondern wird vom Vater o. mir gehalten), gleichzeitig erschrickt er aber immer extrem, er zuckt regelrecht zusammen, wenn wir wieder durch die Tuer das Zimmer betreten. Ausserdem darf ich mich keinen Schritt von ihm entfernen. Ist das Verhalten auch mit dem Fremdeln zu erklaeren?
Herzlichen Dank fuer Ihre Einschatzung,
Anne.

Antwort

Stichwort: Angst als Veranlagung

Liebe Anna, es klingt danach, als sei im Rahmen des Durchschreitens der Tür oder überhaupt im Zusammenhang mit der Tür einmal ein stark beängstigendes Erlebnis aufgetreten. Nun ist das Phänomen Tür für Säuglinge und auch noch im 2. Lebensjahr ein bedeutsames. Tür bedeutet Übergang von einem Raum in den anderen, wobei Raum beim Säugling für Weltabschnitt steht. Hier geht ein bekannter Ort zu Ende, dort fängt ein vielleicht ganz neuer an. Menschen verschwinden hinter der Tür und tauchen wieder auf. Für uns Erwachsnen alles banal, weil wir die Aufteilung der Wohnung kennen und auch die Gleichzeitigkeit verschiedener Orte in der Wohnung begreifen.
Ein Säugling und ein Kleinkind müssen das alles erst begreifen lernen. So kann Angst entstehen, wenn eine Bindungsperson den Raum verlässt. Der Säugling weiß ja nicht, dass die Person nicht in einem anderen Weltabschnitt verschwindet, sondern vielleicht nach 2 Minuten unverändert wiederkehrt. Anhänglich ältere Säuglinge und junger Kleinkinder krabbeln oder laufen ihrer Bindungsperson hinterher, um zu sehen, wohin sie geht. Das kann Ihr Sohn noch nicht, und so entwickelt er Angst. Das heißt aber auch, dass er überhaupt eher der ängstliche Typ ist. andere Säugling sorgen sich da nicht so sehr. Auch die Intensität des Fremdelns sagt etwas über eine Veranlagung zu Angst aus. Aber mit richtigem Umgang kann man diese Veranlagung schon eine bisschen reduzieren. Viele Grüße

 
Frage:   9Monate Baby Trennungsangst?

Sehr geehrter Hr. Posth,
Sohn klammert z.Z. extrem. Er „verkrallt“ sich geradezu. Kurze (ca. 15 min) Betreuung durch liebev. Vater möglich, aber nur mit viel Ablenkung auch während Übergabe (sonst weinen). Sobald ich wieder da bin, große Freude und will zu mir. Wenn ich ihn ablege, kommt nur zum wickeln, waschen vor, schreien, kein quengeln. Muss doch aber sein! Rede mit ihm, singe, versuche abzulenken, zwecklos. Angst, Bindung zu gefährden. Nehme ihn sonst überall mit hin, sogar auf WC, sitzt hier auf Schoss, will nicht mehr in Babywippe (steht neben WC, Körperkontakt), sonst s.o. Leidet zurzeit auch unter Nachtangst (laut Kia).
Sohn nie alleine o. schreien gel.. Fam.bett, einschlafstillen, viel Körperkont. Wird ausschl. getragen, kein Kiwa. War 1.3 M. Schreikind (Körperkont., viel gestillt), anschl. Stark gefremdelt.
Angst was falsch gemacht zu haben, Bindung beschädigt?
Herzlich und tausenddank für Ihre Arbeit,
Anne.

Antwort

Stichwort: Angst als Veranlagung

Liebe Anne, eher ist es so, als sei Ihr Sohn ein von Natur aus sehr ängstliches Kind. Diese Veranlagung benötigt zwar absolut sichere Bindungserfahrungen, wird aber dadurch nicht beseitigt (s. Angst als Veranlagung im gezielten Suchlauf). Jetzt mit 9 Monaten kommen erste Loslösungsphänomene dazu, vermutlich kann er jetzt wegkrabbeln und die Beziehung zum Vater wächst. Aber paradoxerweise macht ihm das wieder Angst, und er wird sehr anhänglich. Andere Kinder erleben diesen Aufbruch als durchweg beglückend, ein ängstliches Kind genießt das nur mit Unsicherheitsgefühlen.
Es ist schon richtig und wichtig, dass Sie Ihrem Sohn noch das notwendiger Sicherheitsbedürfnis befriedigen, aber das muss nicht soweit gehen, dass Sie selbst gar nicht mehr allein machen können. Es genügt, dass Sie in Sichtweite Ihres Sohnes bleiben, mit ihm reden und sich immer wieder zuwenden, aber er muss es jetzt schaffen, die körperliche Trennung zu ertragen. Theoretisch könnte er auch neben Ihnen im eigenen Bett schlafen. Für den nötigen Körperkontakt in der Nacht könnten Sie durch Ihre Hand bei ihm sorgen. Aber am Tage kann er Sie sehen und hören, und das muss jetzt genügend Sicherheit hervorrufen.
Wenn Sie weggehen, und Ihr Mann versorgt ihn in der Zeit, dann sollten Sie in diesem Alter noch ohne dass er es sieht weggehen. Denn noch kann er sich nicht vorstellen, dass Sie gleich zurückkommen. Also entwickelt er Angst. Die Zeit, in der Sie weg sind, kann er noch nicht ermessen. Er erlebt dann nur Ihre Rückkehr und die macht in glücklich. (Das gilt natürlich nicht für größere Kinder im Kindergarten usw. wie einige Mütter hier offenbar falsch verstanden haben. Da mus man sich natürlich mit beruhigenden Worten verabschieden). Viele Grüße

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