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Kinderarzt Dr. Posth

Dr. Rüdiger Posth - Entwicklung von Babys und Kleinkindern

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Antworten von Dr. Posth zum Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern
Frage:   Schlagen, Beissen, Kratzen

Hallo,
meine Tochter wurde im August 2 -war eigentlich immer sehr lieb&verschmust&größere/langanhaltende Schwierigkeiten gab es nie.Nun ist es aber so daß sie seit mind.schon 2-3 Monaten sehr aggressiv gegenüber mir&dem Papa agiert/reagiert.Sie beisst,schlägt,staucht&kratzt.Ich weiß nicht woran es liegt warum sie so etwas macht - &ich weiß bald nicht mehr wie ich drauf reagieren soll.Ich habe es mit Traurigkeit versucht damit sie zum Trösten animiert wird&versteht daß es weh tut.Ich hab es mit Ignorieren versucht&mit Schimpfen. Zurück schlagen will ich nicht!!Ich hab es ihr in einer ruhigen Minute erklärt warum sie das nicht machen soll aber alles fruchtet nicht!Wenn ich sie in Arm nehme&mit ihr kuscheln will ist z.B. so ein Fall daß sie dann anfängt,sie macht es aber manchmal auch ohne für mich erkenntlichen Grund,z.B.wenn wir zusammen etwas spielen (Turm bauen o.ä.)Ist das nur ein Austesten der Grenzen wie weit sie gehen kann?Haben Sie einen Tip für mich was ich noch machen kann?

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Hallo, das mit dem Austesten von Grenzen ist gewöhnliche bzw. Vulgärpsychologie und hat mit den tatsächlichen Gründen für das Verhalten des Kindes nicht viel zu tun. Das Kind will etwas ganz anderes, nämlich lernen, wie gutes, norm- und wertekonformes Sozialverhalten funktioniert. Anlaß für dieses Lernbedürfnis bietet der innenwohnende Aggressionstrieb, der jetzt mit 2 Jahren sich (bei jedem Kind) immer stärker bemerkbar macht. Würde das Kind diesen Trieb nicht heirfür benutzen, müsste es für jeden Schritt des Lernens immer auf eine soziale Konfliktsituation warten. Da dieser Lernprozess aber Hunderte Einzelübungen braucht, um ein funktionstüchtiges Netzwerk hierzu im Gehirn aufzubauen, käme das Kind nicht weit genug.
Flug macht das Kind ein Spiel aus dem Geschehen und will es nun immer wieder "durchexerzieren".
Wir Erwachsenen müssen uns daran gewöhnen, das so Erlernen von sozialen Fertigkeiten geschieht und schon immer geschehen ist. Nur haben es die Menschen offenbar nicht immer richtig verstanden und gemeint, sie müssten Ihr Kind rechtzeitig mit Strenge in seinem Verhalten einschränken. Daraus bestand und besteht auch heute noch die autoritäre Erziehung. In Kenntnis dessen, sollte man es heute besser machen. Die kleinen Attacken der eigenen Kinder haben einem Erwachsenen noch nie wirklich Schaden zugefügt (s. auch gezielter Suchlauf unter obigem Stichwort). Viele Grüße

 
Frage:   Problem mit 4 Jährigen, aber etwas weitreichender als 1000 Zeilen...

Hr Posth

ich wende mich an Sie weil ich z.zt einfach nicht mehr weiter weiß. ich bin so ziemlich am ende meiner kräfte und meiner Nerven.
Ich habe 2 kinder, Sohn (*07/04) und Tochter (*02/07). Mein Großer bringt mich zur Zeit zur Weißglut. und da meine Nerven teilweise was ihn betreffen schon überstrapaziert sind, passieren Dinge, die ich eigentlich nicht will und auch nie wollte. Ich werde laut, ständiges schimpfen, anschreien, klaps.
ich merke auch langsam, dass er mein verhalten kopiert im Spiel und das beunruhigt mich am meisten, denn man kann es so sagen: ich ernte faule/giftige früchte. :(
Er macht Dinge, von denen ich mich manchmal frage: kommt das von meinem verhalten? oder ist das ein psychischer "fehler"? bsp:
- die decke über den kopf seiner schwester tun, mitten im spiel. nach erklärungen was passieren kann, hat er es doch noch 2x gemacht. Ansich verstehen sie sich sehr gut und er ist ganz vernarrt in sie.
1000 Zeichen sind ein Witz für mein Problem ;(((
Gruß V.

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Hallo, die 1000-Zeichen-begrenzung ist die einzige Möglichkeit, das Forum vor dem mengenmäßigen Ausarten zu bewahren. Jeder hat seine ellenlange Leidensgeschichte, das 40mal die Woche??? Aber konkret: Die nüchteren Analyse Ihrer häuslichen Situation ergibt wahrscheinlich einen aggressiven Bruder mit einer willfährigen kleinen Schwester, die ihm als Projektionsfläche dient. D.h. er lässt seine Aggressionen an ihr ab, obwohl sie gar nicht der Grund für seine Spanungen ist (oder vieleicht nur am Rande).
Naheliegend ist, dass Ihr Sohn kein ausreichendes Loslösungsvorbild hat (Vater? Ersatzvorbilder?) und sich nur erschwert aus der Mutterbindung lösen kann. Damit ist seine Entwicklung zur Selbstständigkeit gehemmt und das macht ihn unzufrieden. Sein Selbstwertgefühl sinkt und über Aggression und übersteigerten Machtanspruch versucht er es aufzubessern. Das ist zumindest der klassische Weg für verstärkte, frühkindliche Aggression.
Folglich hilft dem Kind (und damit der Mutter) alles, was die Loslösung voranbringt und die Selbstständigkeit fördert. Das geht aber nicht per Verordnung, sondern nur über Identifikation. Die muss ihm das Loslösungsvorbild bieten. Also der Vater oder eine ihn ersetzende Person muss sich verstärkt um Ihren Sohn bemühen und ihn die Chance zur Selbstständigkeit eröffnen. Wie sieht es diesbzgl. bei Ihnen aus? Vielleicht schreiben Sie mir noch einmal. Viele Grüße

 
Frage:   Krippeneingewöhnung - sie schubst und kneift die anderen Kinder!

Sehr geehrter Dr. Posth,

seit 3.6. geht meine Tochter (21 Monate) nun in die Krippe. Anfangs nur mit mir zusammen, nun auch schon einige Stunden allein. Sie macht das sehr gut, weint auch nicht, wenn ich gehe. Aber - sie haut, schubst und knieft die anderen Kinder, auch wenn ich noch da bin. Das fing schon einige Wochen vor der Eingewöhnung im Bekanntenkreis an, ist nun in der Krippe aber ganz extrem. Sie macht das nicht nur, wenn ihr jemand zu nah kommt oder ihr Spielzeug weg nimmt, sondern sie geht gezielt auf die Kinder zu und schubst. Wenn sie müde ist oder ihren Schnuller nicht hat, wird es noch schlimmer.
Warum tut sie das?
Wir gehen sehr liebevoll mit ihr um, Schläge o.ä. gibt es nicht. In der Krippe sind auch alle sehr lieb zu ihr.
Sie ist sehr groß für ihr Alter, kann aber noch nicht soviel sprechen (wächst 2-sprachig auf).
Die Erzieherinnen sagten, es wäre deine Phase, die vorbei geht, aber ich mache mir Sorgen, dass sie ein "Schläger" bleibt!
Was kann ich dagegen tun?

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Hallo, ganz gleich, ob die Eingewöhnung mit oder ohne ausreichende sanfte Ablösung vonstatten gegangen ist, die frühe Fremdbetreuung (unter 3 jährige) bedeutet sozialen Stress für die Kleinkinder. Die Kinder müssen rangeln, konkurrieren und sich verteidigen, denn es sind zuviele etwa gleichaltrige Menschen auf kleinem Raum.
Da Aggressivität beim Menschen zunächst auf Verteidigung angelegt ist, wird von entsprechend veranlagten Kindern diese auch als Verhaltensstrategie benutzt. je größer nun der Stress ist, desto leichter fühlt sich ein Kind bedrängt und vielleicht auch angegriffen. Also verteidigt es sich. Dabei erfolgreich zu sein, verschafft dem Kind aber auch positive Gefühle. Diese positiven Gefühle und Erfahrungen stärken das Selbst. Macht zu haben bedeutet bereits im Kindesalter sozialer Aufstieg.
Es ist noch schwierig, bei unter 2-jährigen schon Induktion (s gezielter Suchlauf) anzuwenden. Einstweilen muss noch das eindringliche Ermahnen helfen. Mehr ist nicht möglich. Schlaggefährliche Gegenstände müssen dem Kind aus der Hand genommen werden. Vielel Grüße

 
Frage:   Hauen...

Hallo Hr. Dr. Posth,

unser Sohn (2 Jahre) ist seit einiger Zeit sehr grob. Er haut, kneift und zieht in den Haaren. Es wird immer schlimmer. Wir versuchen uns dann immer auf Augenhöhe zu begeben, seine Hände festzuhalten und seinen Blick einzufordern (den er aber verweigert), dazu sagen wir immer deutlich nein. All das interessiert ihn herzlich wenig. Wir (besonders ich) reagieren immer öfter genervt, was natürlich nicht gerade förderlich ist. Dazu kommt, dass er auch gerne bei seiner einjährigen Cousine zulangt. Hier würde ich gern nach vergeblicher Verwarnung dazu übergehen, als Konsequenz den Besuch abzubrechen. Wird er das mit seinen 2 Jahren aber auch wirklich verstehen?

Viele Grüße,

Sarah

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Hallo, nein, das würde er nicht verstehen, was nicht heißt, dass eine Kontaktunterbrechung zwischen zwei Kindern, die sich schlecht vertragen, manchmal ratsam ist. Bei Ihrem Sohn mit jetzt 2 Jahren macht sich immer stärker der Aggressionstrieb bemerkbar, der uns allen Menschen zueigen ist. Die damit verbundenen, wehrhaften Handlungen sind Ergebnis jahrtausendealter Menschheitsgeschichte und genetisch vorprogrammiert. Die Kinder nutzen die Wirksamkeit dieser Handlungen für Ihre Zwecke, was von der Sache her nicht falsch ist und auch nicht moralisch verwerflich (Trotz/Selbstbehauptung).
Die Natur hat sich diesen Vorgang zunutze gemacht und von ihm die Entwicklung zur Empathie abgeleitet. Das heißt, die kleinen Angriffe, die das Kind zunächst in Wehrhafitgkeit einsetzt und später auch gezielt spielerisch, sollen von den Eltern und Bezugspersonen dazu genutzt werden, deas zugefügte Leid zu demonstrieren (durchaus in prägnanter und leicht übertriebener Weise), um damit Einfühlsamkeit und Mitleid beim Kind auszulösen (Induktion). Sich selbst schützen oder ein anderes Kind sollte man natürlich auch, und dabei darf man auch ärgerlich reagieren. Aber man sollte nie Gleiches mit Gleichem vergelten! Vielmehr sollte man sich aber immer vor Augen führen, dass jetzt der Einstieg zur eminent wichtigen Entwicklung zur Empathie gegeben ist. Viele Grüße

 
Frage:   Warum so aggressiv?

Lieber Dr Posth,

Sohn 31 Monate ploetzlich extrem aggressiv (Tendenz auch schon in den letzten Wochen, aber ok).

Im Moment sehr schwierig: haut andere Kinder grundlos, tritt, zieht an den Haaren (Kind geht an ihm vorbei, zack er gibt einen Tritt). Gewalt gegen sowohl grosse als auch kleine Kinder (weniger). Aergert auch den Hund (bewusst!). Tritt auch gegen Gegenstaende, schneidet Grimassen.

Induktion funktioniert so lala. Nur wenn ich sehr sauer werde und wir den Spielplatz verlassen, ist er zur Wiedergutmachung bereit. Er sagt dann selbst mehrmals hintereinander aua nein,ei ei machen, haut aber zwei Minuten spaeter wieder zu.

Kann ein Umzug Grund fuer diesen Aggressionsschub sein (augenscheinl. wurde der Umzug gut verkraftet). Sonst keine Veraenderung.

Auffaellig: Sucht vorallem Kontakt zu Maennern (Vater oft weg, Losloesungsvorbild=Oma, war auch Ersatzbezugsperson).

Ansonsten: viele Aengste im Moment (Hupen, Wasser, Dunkelheit).

Gruss+Danke
Christiane

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Liebe Christiane, ein väterliche Loslösungvorbild hat den Vorteil, die eigenen aggressiven Tendenzen, die in gewisser Stärke auch angeboren sind, auf gemäßigte männliche Verhaltesweisen abzustimmen. Denn im Alter von gut 2 1/2 Jahren wird auch die Geschlechtsidentität immer wichtiger. Möglicherweise hat Ihr Sohn aber in seinem Umfeld andere Jungen, vielleicht schon ältere, die ihm aggressives Verhalten quasi unkorrigiert vorleben, und nach denen richtet er sich. Der Vater ist natürlich nur dann ein gutes Vorbild, wenn er selbst nicht aggressiv reagiert.
Zuviel weibliches Vorbild (Mutter und Großmutter) kann dazu führen, daß Jungen sich stärker aggressiv gebärden, als sie eigentlich veranlagt sind. Seine vielen Ängste bzw. die geschilderte Furchtsamkeit sprechen für diese Variante. Ideal wäre es, wenn es Ihnen gelänge, einen etwas älteren Freund für ihn zu finden, der ein eher sanftes Gemüt besitzt. Ansonsten hilft nur Ihr Ermahnen und der fortgesetzte Einsatz von Induktion. Das fruchtet aber bekanntermaßen erst mit der Zeit. Viele Grüße

 
Frage:   2 jähriger Tyrann

Hallo. Mein Sohn wird im Mai 2 Jahre alt. Wir gehen 1x die Woche zum Spielkreis & zum Kinderturnen. Er hat immer alles begeistert mit gemacht. Seit kurzen fängt er an, auch ohne Grund, anderen Kindern & auch uns Eltern an den Haaren zu ziehen oder an ihren Sachen. Manchmal kneift er auch ziemlich dolle in das Gesicht. Ich gehe immer sofort hin, halte ihn die Hände fest, sage NEIN, MAN DARF NICHT KNEIFEN, HAUEN ect. Er fängt dann an zu weinen weil ich mit ihm schimpfe. Am schlimmsten ist es, wenn er mit etwas spielt & ein anderes Kind kommt dazu & will mitspielen, oder nimmt ihm etwas weg, dann brüllt er sofort packt zu. Normalerweise ist er ein sehr ruhiges, liebes Kind & ich hatte nie Probleme mit ihm. Klar hat er manchmal so seine Anfälle, wenn irgendwas nicht so läuft wie er es gerne hätte, aber das finde ich noch sehr normal. Ich kann mir auch nicht erklären, woher er das hat. Es hat ihm ja niemand GEZEIGT. Ich muss noch dazu sagen,dass ich wieder schwanger bin. Lieben Dank -Petra

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Liebe Petra, die Verhaltensweisen, die Ihr Sohn zeigt, sind Teil unserer menschlichen Erbinformation und damit angeboren. Mit etwa 2 Jahren stellt sich bei jedem Kind mehr oder weniger stark (je nach Veranlagung) der Aggressionstrieb ein. Was bis dahin nur ein reaktives Sich-wehren gewesen ist, schlägt jetzt um in echte Aggression. Je stärker ein Kind trotz, desto stärker sind auch seine aggressiven Affekte. Die lässt das Kind normalerweise zu Hause und an seinen Eltern aus. Durch die Frühbetreuung und die Kinderkrippen, die eine soziale Herausforderung für das Kind darstellen, kommt die Aggression natürlich auch in der sozialen Gruppe zum Tragen.
Es hat nun wenig Sinn, seinem Kind eine Moralpredigt zu halten oder durch schlichtes Verbieten die aggressiven Tendenzen zu unterdrücken. Aus der Sicht des Kindes ist sein Verhalten ja richtig. Es wehrt sich und es behauptet sich in der Gruppe. Die Mittel, die es dazu benutzt, sind ihm genetisch vorgegeben. Was macht es falsch?
Um das zu erkennen, muss das Kind Moralvorstellungen entwickeln und das dauert noch 2-3 Jahre. Bis dahin wendet man am besten die Strategie der Induktion an (s. gezielter Suchlauf). Und ganz wichtig ist, dass man als Eltern nicht durch eigene Aggression und vergleichbare Verhaltensweisen sein Kind auch noch zu diesem Verhalten legetimiert. Viele Grüße

 
Frage:   Entwicklung

Hallo,

Am Do erfuhr ich im Kiga (2x/Wo 5h), dass unsere Tochter (15 Mon)einem gleichaltrigen Jungen angegriffen hat. Außerdem wirft sie seit einigen Tagen ihr Abendessen ständig auf den Boden ohne tatsächlich zu essen. Es wird nur „gematscht“. Sie angelt nach allem, was sich auf dem Tisch befindet und wirft es zu Boden. Ich habe sie genommen, in Ihr Zimmer getragen, geschimpft u. die Tür geschlossen (zum 1. Mal). Für ca. 1 Minute (wir wissen, dass kl. Kinder die Zeit als sehr viel länger empfinden). Sie hat natürlich geweint. Als ich sie holte hat sie sich dann kaum noch (bestimmt 20 Min.) beruhigen können. Als wir sie dann später ins Bett brachten, haute sie ihr Kuscheltier, was sie noch nie getan hat. Machte aber auch wieder „eiii“, als wir es sagten. Zudem schlägt sie ständig nach der Brille ihres Vaters, der zwar schimpft – die Maus sich aber trotzdem nicht beeindrucken lässt.

Ist ihr Verhalten ok? Muss sie in ihrem Alter überhaupt betraft werden und ggf. WIE?

Danke Bella

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Liebe Bella, verzeihen Sie, wenn ich Sie korrigiere. Sie hätten fragen sollen: "Ist unser Verhalten okay?" Zunächst einmal ist es völlig nutzlos, ein junges Kleinkind in dieser Wiese zu bestrafen. Die sogenannte Auszeit oder soziale Trennung ist erst für das Trotzalter ab etwa zwei Jahren geeignet. Dabei ist es aber die härteste Maßnahme, die höchst selten einmal erforderlich sein sollte.
Ein 15 Monate altes Kind kann eine erzürnte Reaktion seiner Eltern oder Bezugspersonen nur in unmittelbarem Zusammenhang mit der auslösenden Handlung begreifen. Diese erzürnte Reaktion darf und muß angemessen sein! D.h. wenn das Kind einmal kneift, pitscht oder nach der Brille greift (was bei frühen aggressiven Empfindungen durchaus einmal vorkommt), dann darf man kurz böse gucken oder einmal knapp schimpfen, mehr aber nicht. Denn das Kind hat in diesem Alter überhaupt kein Unrechtsbewußtsein!!! Ein solches muß es ja erst lernen und zwar anhand der eindeutigen, aber nachsichtigen Elternreaktion. Ab 1,5 bis 2 jahren verfährt man in solchen Situation mit dem Instrment der Induktion (s. gezielter Suchlauf).
Reagieren Eltern härter oder beantworten das kindliche Verhalten mit einer Spiegelung, in dem sie denselben "Angriff" zurück geben, dann verstärken sie das kindliche Verhalten. Aber eigentlich soll es ja abgeschwächt oder unterbunden werden. Man fördert also die Aggression und wundert sich nachher, warum das Verhalten des eigenen Kindes immer schlimmer wird.
So ist es z.B. durchaus denkbar, daß Ihre Tochter genau deswegen in der Kinderkrippe so reagiert. Es ist aber auch denkbar, daß Ihre Tochter in der Frühbetreuung leidet, weil alle Regeln der sanften (atraumatischen) Ablösung nicht beachtet worden sind. Ich kann Ihnen hier erst einmal nur diese Anregungen geben, bitte Sie aber dringend, Ihr eigenes Verhalten noch einmal kritisch zu überdenken. Viele Grüße

 
Frage:   Umgang mit anderen Kindern

Hallo Herr Dr. Posth,

ich gehe mit meiner 14 Monate alten Tochter in eine Spielgruppe. Sie ist dort sehr gerne, denn es wird gemeinsam gefespert, sehr ruhig und kontrolliert gespielt und sie war -als Einzelkind- schon von Anfang an ein großer Fan von anderen kleinen Kindern. Gestern allerdings ist sie ausgesprochen rabiat geworden, da sie die Puppe eines anderen Kindes wollte. Sie ist richtig rot und wütend geworden und hat hüpfend auf das andere Kind -tja man kann fast sagen eingeprügelt.
Meine Fragen:
1.: Wie kommt sie darauf loszuschlagen, sie wird nicht geschlagen und auch sonst niemand in der Familie. Im Gegenteil bei uns geht es eher ruhig zu und wir schimpfen auch nicht mit ihr. Wir runzeln höchstens mal die Stirn.

2.: Soll ich in so einem Fall eingreifen? Wie reagiere ich am besten, wenn sie anderen Kindern gegenüber zu grob ist?

Ich muss dazu sagen: meistens ist sie lieb und macht "ei".

Viele Grüße,

Antje

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Liebe Antje, der aggressive Impuls dient dem Menschen grundsätzlich dazu, seine eigenen Interessen zu verteidigen. Im zweiten Lebensjahr erwacht dieser aggressive Impuls in ersten Konfliktsituationen. Je früher die Kleinkinder in Auseinandersetzungen mit Rivalität einbezogen sind, und Kleinkindgruppen sind prädestiniert dafür, desto früher erwacht auch der Aggressionstrieb. Die Art und Weise, wie diese Aggression ausgetragen wird, ist angeboren. D.h. ein Kleinkind braucht nicht erst zu sehen, daß jemand schlägt, beißt oder an den Haaren zieht, es tut es aus sich selbst heraus.
Am Anfang des zweiten Lebensjahres gelingt noch keine Induktion (s. gezielter Suchlauf), da muß man mit viel Geschick die Kinder auseinanderhalten und mit Tauschangeboten und Ablenkung das Geschehen entzerren. Sich selbst muß man einfach schützen. Ein böses Gesicht machen und maßvolles Schimpfen sind natürlich erlaubt. Das Kind soll ja erfahren, daß es nichts Gutes tut. Viele Grüße

 
Frage:   Beissen

Seit ca. 3 Wochen plötzlich nun beißt, kneift und zieht meine Tochter (28 Monate) anderen Kindern an den Haaren. Sie beißt, wenn sie etwas nicht haben kann oder man ihr etwas wegnehmen will.
Sie beißt auch, wenn sie sehr aufgedreht ist. Z.B ist sie neulich auf dem Spielplatz gerutscht und unten am Ende der Rutsche saß noch ein Mädchen. Zuerst hat sie das Mädchen vor Freude an sich gedrückt und dann auf einmal hat sie dieses gebissen. Sie lässt dann auch nicht los. Manchmal beißt sie sich auch selbst. Wie verhalte ich mich am besten, denn es ist wirklich sehr anstrengend zurzeit mit ihr. Ich stehe dauernd unter Anspannung, sobald sie mit anderen Kindern zusammen ist. Sie beißt eben auch nicht immer so harmlos, und das ist mir sehr unangenehm. Wie erklärt sich diese Phase?

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Hallo, im 3.Lebensjahr entwickelt sich (nach meiner Vorstellung) der Aggressionstrieb. Sicher gibt bei stark aggressiver Veranlagung auch schon früher entsprechende Anzeichen.
Die natürliche Aufgabe der Aggression im Menschen besteht zunächt einmal darin, seine Selbstentwicklung zu unterstützen und Angriffe auf das Selbst abzuwehren. Es geht also um eine Verteidigungsfunktion. Die Mittel, die das Kind dafür wählt, haben etwas mit den vorzeitlichen Verhaltensmustern zu tun, die die Evolution im Menschen festgelegt hat. Das Beißen gehört dazu, wie das Schlagen, Treten, Kneifen und vieles andere mehr.
Die erzieherische Aufgabe lautet nun, die attackenförmigen, aggressiven Akte, die dem Anderen Schmerzen bereiten oder ihn verletzen, durch Induktion auf ein friedliches Gleis umzuleiten. Induktion (s.a. gezielter Suchlauf) bedeutet, daß man als "Geschädigter" seine Verletzheit etwas übertrieben zur Schau stellt, damit das Kind "in sich geht" und durch promtes Trösten Wiedergutmachung leistet. Geschickterweise schützt man sich natürlich vorher schon vor dem Angriff, damit die Auswirkungen gar nicht erst so schlimm werden. Gleiches gilt für den Angriff auf ein anderes Kind. Die Betroffenheit zeigt das andere Kind schon ganz von alleine. Als Eltern sollte man in solchen Fällen sein Kind dazu anhalten, das andere Kind zu trösten und an ihm Wiedergutmachung zu üben. Dazu wählt man, wenn Belehrung nicht ausreicht, das Mittel des guten Vorbilds. Viele Grüße

 
Frage:   Dinge umherwerfen und regressive Phase 28 Monate

Lieber Dr. Posth,

unser temperamentvoller und impulsiver Sohn (28 Monate) wirft gerne Gegenstände mit Wucht auf die Erde. Tut er dies, weil man ihm etwas aufdrängen wollte („hier, spiel doch lieber mal damit...“), kann ich das ja noch verstehen, aber er macht es auch einfach so aus einer Laune heraus und das in letzter Zeit immer häufiger. Z. B. spielt er eine ganze Weile mit einem Puzzle, dann aber plötzlich pfeffert er die Teile in alle Richtungen. Wiedereinsammeln lehnt er entschieden ab. Nach mehrmaligem Ermahnen und Wiedereinsammeln bin ich die Sache Leid und lasse das Puzzle verschwinden, das gibt dann natürlich ein Riesentheater.

Neulich begann er nach dem Frühstück, Dinge von Tisch hinunterzuwerfen. Ermahnen nützte gar nichts und ich wurde sehr wütend. Da begann er zu weinen und wollte dann auf meinen Arm. Ich habe das verweigert und ihm gesagt, er müsse erst die Gegenstände wieder aufheben. Das wollte er partout nicht, es folgte das übliche Riesengezeter, aber ich war inzwischen so sauer, das ich auch nicht nachgeben konnte. Mein Mann bot ihm mehrfach an, beim Aufheben zu helfen, aber es dauerte noch eine ganze Weile, bis er laut zeternd einwilligte, kam dann schluchzend bei mir angelaufen und ich habe ihn dann sofort in den Arm genommen. Mein Verhalten war sicher nicht richtig, aber wie kann ich es besser machen? Immer gleich nachgeben?

Das Trotzverhalten unseres Sohnes ist seit 14 Tagen besonders schlimm, da er unter einer grässlichen Erkältung leidet. Dabei ist er auch in eine heftige regressive Phase verfallen: wollte er seit einiger Zeit schon ohne Körperkontakt zu Mama einschlafen (ich hatte davon berichtet), so geht es zurzeit wieder nur auf Mamas Bauch, anschließendes Ablegen extrem schwierig. Wird das lange dauern? Wie verhalte ich mich am Besten?

LG, Moni

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Hallo, das Herumschmeißen der Spielsachen und anderer Gegenstände gehört in die Kategorie der Aggression. Vom unkontrollierten Affekt bis zur gezielten Zerstörung kommen alle Spielarten vor. Die erste Frage muss lautet: warum äußert sich meine Kind so agggressiv? Nun können einzelne aggressive Ausbrüche noch im Normalbereich des Trotzens gewertet werden. Sobald sich aber ein Art Dauerszustand der Aggression einstellt, ist irgendwo ein Problem in der Entwicklung. Erkrankungen können verstärkend mit wirken, sind aber nicht die eigentlich Ursache. Meistens sind die Konflikte im Bereich der Loslösung zu suchen, was dann auch immer das regressive Verhalten erklärt ("will wieder auf den Bauch einschlafen").
Ich kann Ihnen leider von hier aus nicht sagen, was es ist. Gibt es Probleme mit dem Vater? Haben Sie die frühe Fremdbetreuung angefangen? Sind Sie umgezogen und hat sich die lebensumgebung verändert? Soll Ihr Sohn jetzt im eigenen Zimmer schlafen? Soll Sauberkeit erzwungen werden? Das alles wären typische Auslöser. Sie wissen es besser als ich. Vielleicht schreiben Sie mir noch einmal. Viele Grüße

 
Frage:   3 Fragen

Sehr geehrter Herr Dr.,
in der letzten Woche stellte ich Ihnen eine Frage zum Thema Wut und Sie haben mir zum Stichwort Aggression eine umfassende Auskunft gegeben. Dafür möchte ich Ihnen herzlich danken. Zu diesem Thema habe ich noch 3 Fragen und würde Sie gerne nochmals um Rat fragen.
1. Sind impulsives Verhalten von Kindern und Autoaggression genetisch veranlagt oder ein Fehlverhalten der Eltern?
2. Muß ich befürchten, dass die Autoaggression,z.B. Kopf an Gegenstände schlagen oder mit Bausteinen an den Kopf schlagen, sich auch irgendwann in Aggression gegen die Mutter umwandelt, wenn das Kind nicht seinen Willen bekommt? Sind Tendenzen schon beim wilden Strampeln und Umsichschlagen beim Anziehen und Windelwechseln bereits zu erkennen?
3. Kann sich das aggressive Verhalten wieder bessern (mein Sohn ist 15 Monate)?
Vielen Dank. C.

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Hallo, eine schwierige Frage, weil bis heute nicht zu klären ist, wieviel Aggressivität tatsächlich angeboren ist und damit genetisch determiniert und wieiviel durch entsprechende Lebensumstände dazu kommt. Neueste genetische Forschungen beschäftigen sich jetzt mit der Epigenetik, was bedeutet, dass bestimmte Anlagen zu Lebzeiten gefördert werden können und andere unterdrückt. Das macht die Sachlage eher noch komplizierter. Auf jeden Fall ist Impulsivität ein stark das Verhalten bestimmender Anlagefaktor. Das heißt, selbst bei maximal Stress-mindernder Erziehung wird ein Großteil dieses Verhaltens erhalten bleiben. Auf jeden Fall ist es aber schlimm, wenn nun Lebensunmstände und/oder Vorbilder ein aggressiv-impulsives Verhalten zum selbsterhaltenden Element werden lassen.
Die autoaggressiven Erscheinungen lassen in der Regel mit zunehmendem Alter nach, weil das Kind mehr Mechanismen entwickelt, die Aggression nach außen abzuleiten. Der Trotz ist dabei aber ein natürliches Entwicklungszeichen, das nur aggressiv verstärkt wird, nicht aber der Aggressivität entpringt. Genauso ist die widerständige Wehrhaftigkeit des älteren Säuglings und Kleinkindes keine Aggressivität gegen die Mutter, sondern nur ein "sich freikämpfen" aus der engen Mutter-Kind-Bindung (Dyade). Viele Grüße

 
Frage:   Aggresives Kleinkind was kann man dagegen tun?

Sehr geehrter Herr Dr. Posth,
wir haben seit ca. 6 Mo. immer größere Probleme mit unserer Tochter (3,5 J./Einzelkind). Mutter Hausfrau, Vater im Aussendienst u. viel auch nachts weg. Sie geht seit 2 J. in eine Spielgruppe, freut sich aber schrecklich auf den Kindergarten (ab Aug.). Glaube sie langweilt sich zuhause, muss immer beschäftigt/angeregt werden. Mit anderen Kindern keine Probleme, ist kooperativ und sucht regelrecht Freundinnen, wird in diesem Suchen aber oft abgewiesen. Sie ist sehr impulsiv, will alles sofort, rastet aus, wenn sie ihren Willen nicht bekommt. Schlägt, beißt, kratzt. Oft redet sie bei schlechter Laune ihrerseits im Befehlston mit uns, fängt an uns anzuschreien, wenn wir nicht sofort reagieren: "Hol mir Apfelsaft!SOFORT!" Wenn wir ruhig fragen, ob das auch freundlich geht, fängt sie an zu schreien und wüste Drohungen auszustoßen: Wenn Du nicht sofort...,dann beiß ich/kratzt ich/schmier meinen Schnodder an Dir ab/zerstöre ich XY usw. Was tun?

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Hallo, abgesehen einmal von einer gewissen Veranlagung mit Bereitschaft zur Aggression, die bei Ihrer Tochter möglicherweise vorliegt, sieht man solche frühen aggressiven Verhaltensauffälligkeiten bei Störungen in der Bindung. Einmal dürfte sich das weitgehende Fehlen des Vaters ungünstig für die Eltern-Kind-Beziehung auswirken, zum anderen erschwert die frühe Fremdbetreuung das familiäre Beziehungsgefüge. Die Betreuerinnen in der Spielgruppe können den Mangel konstanter elterlicher Zuwendung nicht völlig ersetzen. Das wollten Sie persönlich sicher auch gar nicht, denn dann wären Eltern ja überflüssig.
Da das Kind selbst nicht unter seinen Problemen leidet, sondern sich seiner Situation nur so oder so anpasst, trifft das Problem hauptsächlich Sie. Sie müssen nun die verbal aggressiven Attacken abwehren und geschickt in Aktivitäten umleiten, auf die Ihre Tochter verständlicherweise stark angewiesen ist. Am besten erscheint mir, Sie holen sich dazu Hilfe bei einer Beratungsstelle für Erziehungsfragen, die es kostenlos in jeder größeren Stadt und Kommune gibt. Sie können mir aber gerne auch wieder Fragen stellen. Viele Grüße

 
Frage:   Gehört das Hauen gegen sich selbst zum Lernprozess?

Guten Morgen!
Mein Sohn ist jetzt 14 1/2 Monate. Seit einigen Tagen nun fängt er an zu hauen. Er haut mir auf den Kopf und wartet meine Reaktion ab ( oder die eines anderen ) Ich setzte ihn dann auf den Boden seines Zimmers sage dass er mir wehgetan hat und gehe aus seinem Zimmer mit trauriger Miene. Ist das ok?
Was mich allerdings überrascht hat ist, dass er sich auch selbst gegen den Kopf haut. Auch wenn er sich den Kopf zufällig z.B am Kopfende des Kindesbettes stößt ( er ist auch meistens sehr schnell in seinen Bewegungen, rast auch bisweilen) probiert er es gleich selbst nochmal vorsichtig aus und stößt sich selbst dagegen ( als teste er aus, ab wann es wehtut )
Mein Mann schimpft meistens, ich versuche es auf die ruhigere Weise und sage ihm dass das doch nicht schön ist und doch wehtut....
Gehört das Hauen gegen sich selbst zum Lernprozess? Ich denke schon, allerdings sind Papa und Oma nicht dieser Meinung. Wie verhalten wir uns am sinnvollsten?
Danke und Gruß
Nicole G.

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Liebe Nicole, nicht das Hauen an sich gehört zum Entwicklungsprozess, sondern die Entdeckung der Aggression. Die Aggression ist ein Trieb, der im 2. Lebensjahr je nach Veranlagung sich mehr und mehr durchsetzt. Das Problem für das Kind besteht darin, die nützliche Seite der Aggression von der schädlichen unterscheiden zu lernen. Dabei müssen ihm die Eltern wie auch weitere Mitmenschen behilflich sein. Denn einerseits braucht das Kind Aggression, um sich selbst durchzusetzen und andererseits muss es sie beherrschen lernen, um nicht dauernd Fehler in der Gemeinschaft zu machen. Aber am Anfang steht das spielerische Ausprobieren. Auf welches "Spiel" das Kind dabei verfällt hängt wie gesagt von Veranlagung ab, von Vorbildern und sicher auch von Zufällen. Als Eltern ist es ratsam, klar und deutlich zu reagieren, wenn einem die kindlichen "kleinen Angriffe" missfallen, aber man darf das Kind dabei nicht abstrafen und auch nicht in seinem Verhalten offenkundig verurteilen. Auf keine Fall darf man aggressiv gegen-reagieren, denn damit verstärkt man Aggression und verschafft ihr zunehmend Legitimation. Viele Grüße

 
Frage:   Hauen, beißen, kratzen, schubsen, kneifen,...

Ich habe ein großes Problem mit meinem Sohn (2,5 Jahre). Ständig geht er auf andere Kinder los - egal ob groß oder klein - und haut, beißt, kratzt, schubst, kneift sie. Ich kann wirklich nirgendwo mehr hingehen, wo viele Kinder sind, oder ich muß ständig auf der "Lauer" sein. Daher meide ich schon jeden Kontakt mit anderen und gehe nur noch, wenn es wirklich sein muß. Neulich waren wir Schuhe kaufen. Jedes Kind im Schuhladen hat geweint - und niemand hat sich mal gewehrt. Ich weiß wirklich nicht mehr, was ich noch machen soll. Er kann auch so lieb und zärtlich sein. Aber von einer Minute auf die andere ändert er sich. Er weiß genau, daß man es nicht darf und den anderen Kindern weh tut. Er sagt sogar zu einem Kind in einem Heft "Kind petzen, dann weinen". Er geht seit ein paar Monaten 2 Vormittage in eine Spielgruppe. Dort ist auch noch nichts vorgefallen. Nur wenn ich ihn abholen komme, wird er wilder. Was kann/muß/soll ich tun? Ich bin am verzweifeln und weiß nicht mehr weiter.

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Hallo, zwei Grundtendenzen in der Entwicklung des Kleinkinds rufen aggressives Verhalten hervor (auf der Basis von unterschiedlich starken genetischen Anlagen), einmal der Trotz, der der Selbstbehauptung dient, und der im Einzelfall, z.B. bei erschwerter Loslösung aggressiv verstärkt wird. Zum anderen ist es die Rivalität, die insb. unter Kindern gleichen Alters und gleichen Geschlechts besonders groß ist. Nun ist es offensichtlich so, daß diese beiden Ursachen in ihren Auswirkungen über kurz oder lang gleiche Wirkungen hervorrufen. D.h. eine erschwerte Loslösung zu Hause, die starken und aggressiven Trotz hervorbringt, oder starke Geschwisterrivalität führt zu aggressivem Wehren und sogar Provozieren in der altersgleichen Gruppe. Weniger stark geschieht es umgekehrt, daß Streß und Unterdrückung in der altersgleichen Gruppe Aggressivität zu Hause verursacht.
Schließlich spielt auch das häusliche Vorbild noch eine wichtige Rolle, v.a. je älter die Kinder werden. Ältere Geschwister können auch ein negatives Vorbild abgeben, das wird oft übersehen.
Die Geburt eines Geschwisterchens ist eine häufige Ursache für vorübergehende Aggressivität, da ein solches Geschwisterkind natürlich die eigene Dominanz infrage stellt ("Entthronungstrauma").
All das muß überlegt und beachtet werden, wenn man sich fragt, warum sein eigenes Kind aggressiv reagiert. Wie man mit aggressivem Verhalten konkret umgeht, dazu sind Antworten unter dem Stichwort "Induktion" im Suchlauf zu finden. Viele Grüße

 
Frage:   Beißen/Beißversuche....

Hallo,
mein Sohn (fast 3J.) beißt mich/meine Mutter bzw. versucht es ständig.....angefangen hat es vor etwa 6-8 Wochen, dann aber "nur", weil er eben seinen Willen nicht bekam!

Aber mittlerweile macht er es nur noch einfach so -aus heiterem Himmel einfach so zwischendurch (wir können mitten im Spiel sein oder ein Buch am gucken) --WARUM????

ICh hab anfangs auch sogar zurück gebissen, ihm auf den Mund gehauen; dann hab ich es mit ins Zimmer schicken versucht.
Eine Zeit lang klappte es ganz gut, wenn er dann kein Fernseh mehr gucken durfte (abends das Sandmännchen) oder seine Lieblings-CD kam weg.......dann hatten wir mal so 1-2 Tage Ruhe- ohne beißen!!

Aber nun interessiert ihn das alles absolut nicht mehr; er regt sich dann zwar tierisch auf und brüllt, aber dann ist es gut.
Auch hab ich versucht seine Beißversuche zu ignorieren, gar nicht groß drauf eingehen/ablenken --hatte mir Fr.Schuster hier im Forum geraten-- aber auch das stört ihn nicht....er beißt weiterhin!!

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Liebe Cäcilia, zwei Fehler liegen Ihrem Vorgehen zugrunde. Erlauben Sie mir diese zu benennen. Erstens darf man nicht!!! zurückbeißen. Ich habe das hier im Form schon mehrfach herausgestellt und auch in meinem Langtext, link oben links, an geeigneter Stelle genauer erklärt. Wenn Sie zurückschlagen oder gar zurückbeißen passieren zwei Dinge: Sie als Mutter erlauben damit ihrem Kind exakt das Fehlverhalten, das Sie eigentlich verbieten wollten. Sie erlauben es, weil Sie es selber tun. Dabei werden Sie zu einem schlechten Vorbild, denn Kinder imitieren noch sehr das Verhalten ihrer Bezugspersonen. Wenn Sie also ein unerwünschtes Verhalten Ihres Kindes "wegerziehen" wollen, dann dürfen sie dieses Verhalten auf keinen Fall selbst anwenden.
Der zweite Fehler: Ein Kind kann seine Gefühle nicht mit dem Verstand korrigieren. Selbst uns Erwachsenen fällt das oft noch sehr schwer. Wenn Ihren Sohn also die Beißwut packt (in der Aggression des Menschen angelegt), dann kann er sich nicht bremsen, weil er abends kein Sandmännchen gucken darf. Insofern zielt Ihre Strafe vollkommen ins Leere. Das müssen Sie sich am Abend von Ihrem Sohn dann erklären lassen.
Nun haben Sie also selbst eine Steilvorlage zum Beißen ihrem Sohn gegeben, und jetzt ist es doppelt schwierig, diese Sache wieder rückgängig zu machen.
Am besten sprechen Sie mit Ihrem Sohn in entspannter Athmospäre und kindlicher Manier über das Beißen und bekennen ihm, daß es ganz falsch war, daß auch Sie ihn gebissen haben. Das müssen Sie ihm aber in Abständen bestimmt mehrmals sagen, denn diese Kehrwende seiner Mutter versteht er nicht mit einem Mal. Erst dann können Sie darauf abheben, auch sein Beißen als negativ und verwerflich darzustellen, und zwar weil es dem anderen weh tut, weil es die Haut des anderen beschädigt, schlicht weil man Menschen nicht essen kann. Ein Kind versteht diese Aussage sofort, obwohl sie provozierend klingt.
Wenn er es im Affekt dann trotzdem wieder tut, dann reagieren Sie bitte so, wie ich es unter dem Begriff "Induktion" hier schon mehrfach erklärt habe. Gehen Sie dafür in den Suchlauf. Wenn Sie das ein paar Mal überzeugend gemacht haben, hört das Beißen auf. Sollten sie Ihren Sohn auch schon einmal im Affekt geschlagen haben, egal wohin, verfahren Sie bitte ganz genauso. Sie wollen doch auch nicht, daß Ihr Sohn eines Tages Sie zurück schlägt, oder außerhalb von Zuhause andere, schwächere Kinder. Wenn Sie noch Fragen haben, bitte wieder melden. Viele Grüße

 
Frage:   Wutanfälle/Ängste

Lieber Dr. Posth,
meine Tochter wird im Dez. 3.Seit ca 3Wo haben wir mit ihr große
Probleme bezüglich ihrer Wutanfälle.Diese finden ca 1-3mal pro Tag statt und dauern 1-2 Stunden, letzte Wo waren wir im Urlaub, da war es sogar nachts.Manchmal ist es wirklich Bock (wenn sie z.B. Essen kommen soll und nicht will),manchmal scheint es auch fast grundlos zu sein,zumindest können wir keinen erkennen.Sie läßt sich weder beruhigen oder ablenken, sie kreischt und schlägt.Sie geht seit 1J. in die KITA,welche mit offenen Gruppen arbeitet.Bis Ende Aug. bestand Ihre Stammgruppe aus 2- und 6jährigen.Die großen sind in der Schule und in der Gruppe sind nun neue 3jährige Kinder.Bisher ging sie scheinbar gerne dahin,jetzt gibt es schon mal Disk. und wir müssen sie überreden.Ich arbeite in 3Schichten, leider Vollzeit und der Papa in Teilzeit auch im Schichtdienst, deshalb ist sie manchmal übers WE bei Oma und Opa. Seit einiger Zeit klammert sie auch wieder extrem an mir, obwohl es mit ihm gut klappt.

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Hallo, mit 3 Jahren lassen normalerweise die Trotzerscheinungen bei den Kleinkindern langsam wieder nach, was damit zusammenhängt, dass sie jetzt mehr und mehr zu ihrem Selbst finden und bereiter sind, sich an Regeln zu halten. Sie empfinden es auf einmal als Vorteil, Regeln einzuhalten, weil sie dadurch höhere Anerkennung bei ihren Eltern und anderen Bezugspersonen finden und allgemein stärker gemocht werden. Das macht sie stolz auf sich selbst, ein Stolz. der ganz aus ihrem Inneren komt.
Kinder, denen das nicht gelingt oder aufgrund ihrer Lebensumstände nicht gelingen kann, bleiben trotzig und gehen über in die aggressiv-oppositionelle Verhaltensauffälligkeit. Um das zu verhindern steht natürlich Ursachenforschung an oberster Stelle. die aber können erst einmal nur Sie selbst betreiben. Denken Sie z.B. an den Wechsel der Kindergartengruppe oder an den häufigen Wechsel der Betreuungspersonen zu Hause. Es ist übrigens typisch, dass solche Kinder sich in ihrer Not wieder verstärkt an die Mutter wenden und anfangen zu "klammern". So etwas bezeichnet man in der Entwicklungspsychologie als Regression (s. gezielter Suchlauf). Gibt es irgendwo bei Ihnen in der Nähe eine Stelle, die Elternberatung anbietet? Viele Grüße

 
Frage:   Beißen

Mein Sohn (18 Monate) hat zwei Kinder in der Kinderkrippe gebissen.
Warum macht er das? Was habe ich evtl. falsch gemacht?
Wir haben eigentlich gar keine Probleme mit ihm. Er ist ein liebes, aufgeschlossenes Kind.
Die Eingewöhnung in die Krippe (mit 14 Monaten) verlief auch problemlos.
Er hat auch schon gebissen, bevor er in die Kinderkrippe ging, so dass ich da keinen Zusammenhang sehe.
Es ist jetzt nicht so schlimm, dass er es ständig macht – eher phasenweise und er ist auch nicht „aggressiv“ anderen Kindern gegenüber. Er setzt sich durch, aber leider manchmal mit beißen. Was kann ich tun? Mir ist es auch so peinlich den Eltern gegenüber, weil ich mich mitschuldig fühle.

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Hallo, Beißen zählt wie Schlagen/Hauen, Treten, Zerren und sogar Spucken zu den aus der menschlichen urgeschichte herrührenden Verhaltensformen im Rahmen des Aggressionstriebs. Im Alter von 1 1/2 Jahren aber meldet sich in jedem Kind -seinen Anlagen entsprechend- dieser Trieb und wird auch -zunächst sicher ohne böse Absicht- zur Selbstbehauptung eingesetzt. merken, die Kinder, dass sie dadurch Vorteile haben, machen sie natürlich davon Gebrauch. Aber dieses Verhalten ist auch aus sozialer sicht nützlich. Denn mit solchen Attacken verbunden ist die Zufügung von Leid (beim Anderen). Dieses Leid muss nun zunehmend immer wieder gepiegelt werden, damit das Kind verinnerlicht, etwas Unrechtes zu tun. Denn dieses Bewusstsein hat ein Kind im Kleinkindalter noch nicht direkt. (Manche Menschen, die es jetzt nicht lernen, haben es auch als große Kinder oder als Erwachsene noch nicht!). Spätestens ab 2 jahre kann man das anwenden , was ich als Induktion bezeichne (s. gezielter Suchlauf). Man selbst spielt den leidenden, übertreibt dabei auch etwas und gibt dem Kind Gelegenheit, den Betroffenen zu trösten. Das hält das Kind zunächst für ein Spiel und freut sich dabei, was man nicht missverstehen darf. Bei Attacken gegen andere Kinder muss intensiv ermahnt werden mit der Anweisung, das betroffene Kind zu trösten oder zu entschädigen. Für den nötigen Affekt sorgt das betroffene Kind meistens selbst. Es brüllt los oder schreit zumindest auf.
Was Ihr Sohn also macht, geht nicht auf Ihr Konto, sondern ist ein Stück Entwicklung, die richtig zu nutzen weit wichtiger ist, als sich Strafen auszudenken. Auf keine Fall darf man zurück-beißen oder das betroffene Kind dazu auffordern. Viele Grüße

 
Frage:   Aggressivität eines 3,5-jährigen

Hallo Dr. Posth,
sein Problem hat unser Sohn (3,5 J.) wohl in seine Wiege gelegt bekommen, da ich als Kind auch so war, und wir Eltern beide so sind: seine Impulsivität und
Aggressivität. Es ist so, daß er bei kleinsten Problem oft ausflippt inkl. Sachen zerstören und uns hauen, und
zwar so schnell, daß man gar nicht erst den Konflikt vermeiden kann. So ist er dann nat. nicht ansprechbar, und wir können nur sehen, daß er und die Wohnung heile bleiben. Wenn er sich beruhigt hat, tut es ihm wirklich leid, er versteht seinen Fehler und hilft aufräumen. Ich glaube, er leidet selbst darunter. Für Wutkissen, -bilder etc. ist er noch zu klein. Es funktioniert jedenfalls nicht. Haben Sie vielleicht einen Tip, wie wir das in den Griff kriegen.
"Verwächst" sich das mit zunehmender Vernunft oder ist das schon ein Fall für professionelle Hilfe?
Ach ja, er hat eine anderthalbjährige Schwester, mit der ihn eine recht innige Beziehung verbindet, aber auch Eifersucht!
Vielen Dank u. Gruß, M.

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Hallo, genetisch weitergegeben oder stilles Vorbild (Lernen am Modell), das ist hier die Frage. Im ersten Fall hätten Sie wenig Chancen, das Verhalten Ihres Sohnes vollständig zu ändern, im zweiten Fall schon, indem Sie nämlich darauf achten, kein Modell mehr hierfür abzugeben. Das wäre auch schon die ganze Therapie. Die bereits eingeschliffenen Reaktionen müßten Sie dann langsam durch ein konsequent einzuhaltendes Regelkonzept abbauen.
Die Wahrheit liegt wie in fast allen Dingen auch hier in der Mitte. D.h. ein Teil wird des Verhaltens wird angeboren sein und damit genetisch vorgegeben, der andere Teil ist falsches Vorbild. So trifft mein gerade gemachter Vorschlag durchaus zu, und Sie sollten sich wirklich bemühen, kein schlechtes Vorbild mehr zu sein.
Darüberhinaus braucht Ihr Sohn überzeugende Eltern, die wissen, was in der Familie zu gelten hat und was nicht. Aber alle Regeln müssen gewaltfrei durchgesetzt werden! Liebevolle Konsequenz ist das Zauberwort. Konsequent sein heißt: ausgehandelte Regeln müssen von beiden Seiten eingehalten werden, Übertretungen und Verstöße müssen verbal, also mit eindringlichen Worten geahndet werden, nicht mit Strafen und schon gar nicht mit Strafen, die mit der Sache nichts zu tun haben. Die Ächtung der Tat (nie der Person!) genügt, und es muß ein Wiedergutmachungsvorschlag gemacht werden. Der muß sach- und kindgerecht sein, und auf seine Verwirklichung ist unbedingt zu achten. Sie muß konsequent durchgeführt werden. Ziel ist die Unterlassung der sanktionierten Handlung in der Zukunft.
Mit der Zeit schleift sich dieser Vorgang im Kind ein. Die erfolgreiche Umsetzung er Wiedergutmachung erzeugt Stolz, der durch ein angemessenes Lob im Kind gefödert werden sollte. In der weiteren Entwicklung werden diese Mechanismen vom Kind innerlich übernommen und in sein Verhaltskonzept eingebaut. Dadurch entwickeln sich Gewissen und Vernunft, die in Zukunft ohne ständige elterliche Kontrolle die Einsichtsfähigkeit im Kind übernehmen. Viele Grüße

 
Frage:   Schlagen etc.-wie reagieren

Lieber H.Dr.Posth,meine Tochter (22M)schlägt immer wieder die anderen Kinder.Auf dem Spielplatz kippt sie den anderen Sand über den Kopf.Desw.kann es passieren,das jemand,egal ob Kind o.Erw.von ihr eine Handvoll Steine ins Gesicht bekommt.Kurzum:keines der anderen Kinder(wir haben viel Kontakte)macht diese Dinge.Bei meiner Kleinen muss ich immer vom grösstmögl.Blödsinn ausgehen.Natürl.reag.ich sofort,sage ihr das sie nicht Schlagen,mit Steinen werfen etc.darf.Ich bin aber,da sie so extrem temperamentv.ist,den ganzen Tag am Neinsagen,Schimpfen,Bremsen,Regulieren,Ablenken, usw.Sie hat auch vor nichts Angst,steckt ohne Murren auch mal die tätl.Reaktionen der (i.d.Fall immer älteren)Kinder ein.Sie orientiert sich sowieso eher an den Grossen,da sie selbst motorisch sehr fit ist und am liebsten rennt,klettert o.Ballspielt.Ich bin aber schon sehr an meinen Grenzen,wie verhalten ich mich richtig?
Ich möchte auf jeden Fall erwähnen, das unsere Tochter NICHT von uns geschlagen wird.
DANKE

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Hallo, Sie haben vollkommen Recht damit, die ungelittenen Verhaltensweisen der Kinder nicht dadurch im Nachhinein zu rechtfertigen, in dem man sie als Erwachsener kopiert. Schlagen von Kindern verbietet sich aber schon aus humanistischen Gründen.
Wenn Ihre Tochter so ein kleines Temperamentsbündel ist, dann hat das für sie ja auch gewisse Vorteile. Offenbar ist sie aber auch ein wenig aggressiv veranlagt und Impulsivität und Aggressivität führen zu dem Verhalten, das Ihre Tochter an den Tag legt. Zu hinterfragen wäre, ob es außer der persönlichen Veranlagung auch noch andere Gründe für Agressivität gibt, wie z.B. ein schlecht gelingende Loslösung, zu hohe Geschwisterrivalität, schlechtes Vorbild oder zu große elterliche Strenge. Können Sie das alles ausschließen, dann bleibt Ihnen nur die Methode der "Induktion" und das in zunehmenden Maße. Denn erst zwischen 2 und 3 Jahren funktioniert diese psychopädagogische Maßnahme erst richtig (s.a. gezielter Suchlauf). Soweit ist Ihre Tochter noch nicht.
Im Einzelfall geht es aber auch nicht anders, als daß Sie Regeln mit ihrer Tochter einstudieren und die Regel lautet in diesem Fall, Sand anderen Kindern in die Haare zu schütten ist nicht erlaubt. Reagiert Ihre Tochter nicht auf mehrere Ermahnungen, muß sie das Schüppchen hergeben oder den Sandkasten mit einem anderen Spielgerät austauschen. So vorzugehen ist keine Bestrafung und auch kein starres Grenzen setzen. Denn sie haben vorher die Regel besprochen, haben Ermahnungen ausgesprochen und vielleicht sie dabei ernst oder "böse" angeblickt, und sie haben Ihre Tochter nicht "schlecht gemacht", sondern nur erst einmal den Schauplatz gewechselt. Mit der Zeit fruchten solche Maßnahmen auch bei temperamentvollen Kindern. Man muß nur eine klare Linie fahren und konsequent sein. Viele Grüße

 
Frage:   Was kann ich tun, das sich mein Kind wehrt?

Danke für die antwort. also wird sie im laufe der zeit strategien entwickeln, sich gegen diese "giftzwerge" zu wehren. aber wie bis dahin verfahren?

heute auf dem spielplatz wurde sie prompt wieder angegriffen. ein gleichaltes kind steuerte auf sie zu und schlug sie. als sie dann weinend bei mir zuflucht suchte wollte dieses kind erneut zuschlagen und ich ging dazwischen, was die mutter von diesem kind mit: "das müssen sie unter sich ausmachen" und 'was ich denn denke, was später in der kita und in der schule abgehen würde, wenn ich nicht dabei bin' kommentierte.

aber ich kann doch nicht dabei zusehen, wie meinem kind wehgetan wird?! sie ist doch nocht nicht mal 2 jahre. dann wollte sie schon gar nicht mehr auf den spielplatz. das ist doch verkehrte welt, oder?! (auch das ich hier schreibe und manche mütter sich kaum drum kümmern, dass ihre kinder so aggressiv sind - ohne ersichtlichen grund)

nachdenkliche grüße, sandra g.

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Liebe Sandra, Ihre Anklage gegen die anderen Mütter, die nicht einschreiten, wenn oder weil ihre Kinder so aggressiv reagieren, ist völlig berechtigt. Nur könnten Sie diese Klage leichtens auf die ganze Welt alle Veranwortlichen ausweiten, die Gewalt zulassen. Das aber ist eine müßige Vorstellung. Die Aggressivität unter Kinder ist prinzipiell aber auch eine andere als die unter Jugendlichen und Erwachsenen. Denn das Kleinkind hat noch kein Unrechtsbewusstsein. Und es ist diesem auch nicht durch einfache Belehrung beizubringen. Das ist ein illusorische Vorstellung einer vordergründigen Psychologie, die die Entwicklungsschritte des Kindes zur Moral nicht kennt.
Aber das Problem ist ohnehin noch ein anderes. Frühkindliche Aggressivität ist zunächst nur von außen steuerbar. Das Kleinkind selbst kann sich diesbezüglich noch nicht kontrollieren. Demzufolge ist es unschuldig. Es sind die Eltern eines solchen Kindes, die diese Aggressivität zu steuern haben, nur machen Sie dabei oft einen Kardinalfehler. Sie versuchen der Aggressivität Ihres Kindes durch eigene Aggressivität beizukommen. Und das funktioniert nicht. Es führt zum Gegenteil. Denn die Eltern sind Vorbild für ihr Kind, und wenn sie selbst aggressiv reagieren, geben sie gleichzeitig ihrem Kind die Legitimation auch aggressiv zu sein. Wenden sie Gewalt an, wendet das Kind, sobald es die Macht hat, auch Gewalt an. Aggressivität ist ansteckend. Erwachsene stecken ihre Kinder an. Der Trieb ist beim Kind mehr oder weniger stark vorhanden. Aber dieser Trieb muss sozial verträglich gestaltet werden und das ist eine der wichtigsten Aufgaben in der Erziehung. Vorbild spielt ein große Rolle. Eindringliches Ermahnen und nötigenfalls verhindern sind die ersten Erziehungsschritte. Dann folgt Induktion zur Empathie (s. gezielter Suchlauf) und schließlich muss das Kind lernen, Wiedergutmachung und Unterlassung (durch Selbstkontrolle) zu üben, indem es stolz auf diese Leistung ist. Das ist Grundbestandteil des menschlichen Gewissens.
Einstweilen können Sie ihre Tochter nur schützen und trösten. Etwas später können sie ihr versuchen zu erklären, warum das andere Kind so "böse" gewesen ist. Viele Grüße

 
Frage:   Schlägt sich und andere

Hallo Hr. Dr.

meine 13 monate alte tochter schlägt sich seit ein paar tagen auf den Kopf und meinen Mann und mir ins Gesicht....warum?? wir erklären ihr bereits dass sie das nicht tun soll und tippen ihr auf ihr handgelenk

warum tut sie das?

danke für ihre antworten, bei ihnen merkt man gleich, dass sie nicht "nur" dr, sondern vor allem auch vater sind
danke !

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Hallo, manche Kinder entdecken schon sehr früh ihren angeborenen aggressiven Trieb. Gewöhlich sind die Kinder eher 1 1/2 bis 2 Jahre. Allerdings bleibt es bei den gut 1-jährigen meist bei zeitweiligen und kurzenTemperamentsausbrüchen. Der attackierte Adressat ist machmal auch das Kind selbst, was sich bei den ersten Widerständen und der aufkommenden Wut zuweilen unangenehm bemerkbar macht.
Viel erklären können Sie ihrer Tochter aber noch nicht. Sie können sich nur selbst und auch Ihre Tochter vor Kratzern im Gesicht und ausgerissenen Haaren schützen. Sie dürfen auch ein böses Gesicht machen und sich unerfreut zeigen. An der Mimik kann Ihre Tochter dann zunehmend ablesen, dass Sie ein solches Verhalten missbilligen. Sie können sich auch demonstrativ von ihrer Tochter einen Augenblick abwenden, aber mehr ist nicht nötig und auch nicht sinnvoll. Viele Grüße

 
Frage:   Aggresivität

Sehr geehrter Herr Dr. Posth,
ich möchte sie gerne wieder nach ihren fachlichen Rat fragen. In der Suche habe ich einges gefunden, aber dennoch:

Mein Sohn 18 Mon. ist ein quirrliges, temperatmentvolles Kind. Doch mit seiner Aggressivität habe ich stark zu kämpfen! Ich weiß nicht wie ich mich verhalten soll.

Am schlimmsten ist es ggü anderen Kindern. Ohne Vorwarnung im Sandkasten z.b. prügelt er mit einer Schaufel auf das andere Kind ein. Das andere Kind weint und er schaut, zwar etwas betroffen, aber kaum 30 min. später das gleiche Spiel. Entweder die Schaufel, oder Sand oder sonstiges. Ich sage: Geschlagen wird nicht. Schau der XY weint jetzt wegen dir. du hast ihm Aua gemacht.

Dann noch wenn er z.B. mir ggü Aggresiv ist, sage ich "Geschlagen wird nicht" und setzt ihn ab zur Seite. Wenn ich so tue als ob es mir weh tat und aua sagt, lacht er und macht es wieder und wieder.

Sie raten zur Induktion, aber das kommt bei ihm überhaupt nicht an. Ist mei Verhalten so ok? danke

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Hallo, die Möglichkeit zur Induktion setzt zuverlässiges Empathie-Verständnis voraus. Das aber existiert mit 18 Monaten noch nicht. Ihr Sohn fängt jetzt erst einmal an zu begreifen, dass er eine eigenständige, von Ihnen völlig getrennte Person ist. Die Fähigkeit zur Empathie bildet sich in den nächsten Monaten bis zum 3./4.Lebensjahr heraus. Dabei braucht dann das Kind Hilfe von seinen Eltern im sinne der Induktion.
Also noch entwickelt Ihr Sohn keine Mitgefühl und hält seine Attacken auf Sie und Ihre "gespielte" Reaktion für ein interessantes Spiel, das er gerne wiederholt. Antrieb für ihn ist sein gerade wachsender Aggressiontrieb, denn er vorzugsweise an anderen Kinder ausprobiert. Denn die vielen rivalisierenden Augenblicke eignen sich gut für aggressives Gebaren.
Im Moment können Sie gegen die aggressiven Übergriffe nur mit eindringlichem Ermahnen, Selbstschutz und Behinderung der Attacke reagieren. Aber Ihr verbales Schimpfen mit "Geschlagen wird nicht" ist zu theoretisch. Allein die passive Befehlsformulierung ist für ein Kind dieses Alters völlig unverständlich.
Wenn Sie schon schimpfen wollen, dann sagen Sie besser: "Du sollst mich nicht hauen!". Viele Grüße

 
Frage:   Vielen Dank für Ihre Arbeit + Frage zur Erziehung

Hallo, erstmal danke! Dank ihrer Tips zur Brustentwöhnung in der Nacht haben wir es ohne Tränen geschafft. Nun hat sich meine Tochter (16 Monate) quasi von selbst ganz abgestillt, obwohl ich noch bis zu 12 mal am Taa gestillt habe. Nun meine Frage. Ich höre immer von vielen Mütter das sie ihre Kinder (alle zwischen 8 Monaten und 16 Monaten) zurück schlagen, beissen (richtig fetse damit sie merken das es weh tut) etc. wenn diese dies bei ihnen tun. Ich bin echt entsetzt, wie kann man sein Kind nur so quälen? Das kann doch nicht gut sein, oder? So lernen die Kinder doch das dies eine normale Reaktion ist und nicht das es falsch ist was sie tun.Was kann man von einem Kind in dem Alter Verhaltenstechnisch verlanegen?

Danke im Voraus

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Hallo, Ihr Entsetzen ist berechtigt und wenn Sie meine Erklärungen und Empfehlungen zum Umgang mit frühkindlicher Aggression lesen, dann werden Sie sich bestätigt sehen. Das Problem ist folgendes: das Kleinkind hat grundsätzlich keine Unrechtsverständnis. Es handelt gemäß seines Triebes und seiner gentisch vorgegebenen Chraktermerkmale und wir Erwachsenen haben die Aufgabe, aus diesem Naturzustand im kleinen KInd einen -sagen wir- Kulturzustand im größeren Kind und Erwachsenen zu machen. Zwei dingen helfen uns dabei: erstens unser eigenes Vorbild und zweites die richtige und geschickte Erziehung. Beides aber wird beim Zurückschlagen und Zurückbeißen außer Kraft gesetzt.
Vielmehr wird ein Rache- oder Vergeltungsprinzip vorgelebt und auch vollzogen, dass im Endeffekt beim Kind schleichend das legitimiert, was ihm eigentlich "ausgetrieben" werden soll. Die Angst vor der schmerzlichen Vergeltung, die hierbei die Erziehung ersetzen soll, ist kein guter Lehrmeister. Im Gegenteil, Angst ist immer ein Killer aller verstandlichen Regungen im Gehirn. Das Konzept geht demzufolge auch nicht auf. Die Kinder schlagen, treten und beißen weiter, aber nicht mehr die, vor denen sie Angst haben müssen, sondern andere schwächere Kinder oder, was gar nicht selten ist, auch kleine Tiere. Und dann ist die Empörung der Leute groß.
Richtig ist bei sehr kleinen Kinder das eindringeliche Ermahnen in Verbindung mit dem Selbstschutz. Im 3. Lebensjahr mit Zunahme der Empathiefähigkeit kommt die Induktion dazu (s. gezielter Suchlauf). Viele Grüße

 
Frage:   Hauen

Sehr geehrter Herr Dr. Posth,

ich benötige Ihre Hilfe bei folgender Situation, die uns überfordert hat und bei der wir nicht richtig reagiert haben:

Unser Sohn (2 1/2 Jahre, eigentlich sehr lieb) fing total übermüdet an, auf meinen Arm zu hauen. Nach mehrmaligen Aufforderungen, das zu unterlassen, machte er weiter (Drang, Trotz!?). Mein Mann und ich wurden sehr laut, setzten ihn vom Abendbrotsttisch weg. Wie zum Ablenken oder als Übersprungshandlung, begann er dann am Fernseher zu spielen. Wieder lautes Schimpfen, Wegnehmen, Sohn läuft wieder hin, fummelt weiter... Verfahrene Situation. Ich nahm ihn schließlich auf den Arm, erklärte nochmals in Ruhe, gab Knuddelbär und Nuckel und setzte ihn wieder zu uns. Die Situation entspannte sich. (Mein Mann meinte, ich hätte ihn nun durch Nuckel und Bär noch belohnt...?)
Hinterher waren wir traurig über das "ungezogene" Verhalten unseres Sohnes, mehr noch über unsere Unfähigkeit!
Wie machen wir es nächstes Mal besser?

Lieben Dank!

M

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Hallo, die kleinen Attacken auf die Bezugspersonen, also vor allem die Eltern, im Übermut sind absolut typisch für dieses Alter. Im Trotzalter meldet sich immer stärker der Agressionstrieb im Menschen und der will auch ausgelebt werden. Aus "Sicherheitsgründen" wählen sich dafür die Kinder also erst einmal ihre Eltern und probieren aus, was geht. Dabei bleiben sie eigentlich immer absolut im Rahmen, außer sie trotzen aus Gründen der Selbstbehauptung sehr stark oder sie haben Vorbilder für gewaltsames Handeln erlebt. Allerdings probieren die Kinder ihre Aggression und was sie damit an Macht erreichen können auch bei etwa gleichaltrigen anderen Kindern aus. Das ist vielen Eltern ein Dorn im Auge.
Das eine wie das andere ist aber zunächst ein natürliches Verhalten und sollte von den Eltern verständnisvoll nachsichtig beantwortet werden. Kann man es nicht ertragen, weicht man einfach aus und negiert damit das unerwünschte Verhalten. Zunehmend sollte man sich als Eltern aber damit anfreunden, diese kleinen Attacken als Anlss zur Induktion zu benutzen (s, gezielter Suchlauf unter selbigem Stichwort). Viele Grüße

 
Frage:   Wie soll ich mit dem aggressiven Verhalten umgehen?

SgH dr posth
meine frage bezieht sich auf meine 2,5 jährige tochter. sie geht 3 mal pro woche in die spielgruppe. sie ist sehr aktiv normal entwickelt.eigentlich auch sehr gerne. nur letztens machte mich eine gruppenleiterin darauf aufmerksam, dass sie immer wieder andere kinder haut, schupft, kratzt oder gar beißt. auch ich merke dieses verhalten bei ihr immer wieder. ständig reagiert sie aggressiv auf andere kinder. dann haut sie nicht lediglich mit der hand gegen die kinder, sondern zielt richtig gehend mit der faust gegen deren gesicht. öfters ist sie auch gegen mich oder meinen mann aggressiv, sobald es nicht nach ihren wünschen geht.
ich weiß langsam nicht mehr weiter. da sie mein einziges kind ist kann ich nicht einschätzen, ob das über die "normale trotzphase" hinaus geht, oder ob womöglich eine störung vorliegt (psychologe?). zuhause herrscht überhaupt keine gewalt. ich wäre ihnen für eine einschätzung dankbar!

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Hallo, obwohl in der Fachwelt derzeit ein Streit darüber entbrannt ist, ob überhaupt und wie stark der Aggressionstrieb im Menschen veranlagt ist, stellen wir Im Kinderzimmer, in der Spielgruppe oder in der Kinderkrippe immer wieder dieses Phänomen bei Kindern fest. Das spricht meines Erachtens sehr dafür, dass ein solcher Trieb auch beim Menschen vorhanden ist. Denn es ist so wie Sie richtig schreiben, dass nicht alle diese Kinder aus Familien stammen, in denen Aggression und Gewalt an der Tagesordnung sind.
Aber eines ist doch festzustellen, je stärker sich ein Kind um seine Selbstwerdung kämpfend in der Gruppe oder gegen Erziehungspersonen durchsetzen muss, desto deutlicher nimmt es seinen Aggressionstrieb zuhilfe. Setzt man also in der Erziehung seinem Kleinkind schon -sagen wir- starre Grenzen oder steckt man sein Kleinkind frühzeitig in die Krippe oder Spielgruppe und zwingt es auf diese Weise, seine Person zu behaupten, dann wird es von seiner Veranlagung zur Aggression auch Gebrauch machen. Je stärker diese Veranlagung ist, desto deutlicher fällt diese Aggression auch aus. Da muss man sich nicht wundern.
Zwischen 2 und 3 Jahren geht man gegen diese zu stark aufkeimende Aggression mit induktiven Maßnahmen vor, um die ebenfalls veranlagte Fähigkeit zur Empathie (Mitleid) auszklösen und zu verstärken (s. Stichwortverzeichnis "Induktion"). Lässt sich die Indution nicht durchführen, weil es sich um eine anderes Kind dreht, das angegriffen wird, dann muss man eindringlich ermahen und einfach Schritte der Wiedergutmachung "induzieren". Also streicheln, trösten, auf die vermeintliche Wunde pusten usw. Das Kind lernt so das so dringend benötigte Mitleid. Ein theoretisches Entschuldigen kommt später! Vorher muss sich das Gewissen im Kind entwickelt haben.
Sich selbst darf man natürlich schützen, wenn einen das eigene Kind haut, notfalls ihm auch die Hand festhalten und grimmig dreinschauen, das genügt schon. Viele Grüße.

 
Frage:   Wutanfälle und schreien mit aggressivem Verhalten bis zu einer Stunde

Guten Morgen...

Meine Tochter wird in einer Woche drei Jahre.seit ungefähr einem Monat wird Ihr Verhalten immer schlimmer wenn sie etwas tun will und man es ihr nicht erlaubt dann schreit sie sofort los, versteift sich total,steht da wie angewurzelt hält die Hände hoch wie ein kleines Monster bis zum Zittern und wiederholt ihren Willen fast eine Stunde unter schreien.haben schon soviel probiert..in den Arm nehmen lässt sie nicht zu nur wenn sie es selbst bestimmt.u dann auch nur an einer bestimmten Stelle die sie auch selbst bestimmt,die aber nicht immer gleich ist,man kann sich also nicht darauf einstellen,manchmal sowie gestern war sie so aggressiv das sie sehr an den Haaren riss und obwohl ich so tat als wenn ich weine hat sie immer weitergemacht,zudem noch schlagen kratzen und keifen,sie macht sowas nur zu Hause und ist woanders immer sehr brav..ich weiss mir kaum noch einen Rat ist das denn normales Verhalten?
Wie soll ich mich verhalten?
Danke und liebe Grüße gladys

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Hallo, bei ungestörter Entwicklung verbessert sich das Trotzverhalten des Kindes mit etwa 3 Jahren, wenn der sprachliche Austausch immer besser wird. Ist das nicht der Fall, ist von eine Entwicklungskrise auszugehen. Dafür gibt es Gründe. Aber die müssten sie selbst wissen. Ohne gezielte Angaben zur familiären Situation kann ich Ihnen dazu nichts sagen. Zu fragen ist auch, wieviel Freiheit Sie eigentlich Ihrer Tochter zugestehen. Was darf sie und was nicht? Kinder, denen enge Grenzen gesetzt werden, begehren dagagen verständlicherweise auf. Das kommt meist, wenn sie so um 3 Jahre herum alt sind. Sie wollen dann gar nicht erst mit ihren Eltern "diskutiere" sondern wehren sich gleich in heftigem Aufstand. Die übliche Empfehlung, jetzt gerade strenge Grenzen zu setzen, führt dann häufig in eine Beziehungsstörung. Die Empathieentwicklung mit Induktion, wie Sie es versuchen, funktioniert dann auch nicht gut. Vielleicht schreiben Sie mir noch einmal. Viele Grüße

 
Frage:   Beißen beim Kleinkind

Mein Sohn ist 15 Monate, ich versuche ihn Forumsgerecht zu erziehen.
Er ist leider ein Trennungskind und bekam im ersten halben Jahr sehr viel Streit mit. Sein Vater kümmert sich jetzt wenig, aber regelmäßig, idR max 3-4h im Monat.
Körperlich ist er sehr weit entwickelt, er ist groß und sehr stark. Schon mit 9 Mon. Lief er.
Außerdem ist er sehr aktiv, schlafen war lange ein Problem, mittlerweile relativ problemlos, wacht aber immer noch 1x pro Nacht auf.
Er bekommt ständig Zähne, es fehlen nur noch 6, das bereitet ihm wohl Schmerzen.

Unser Problem ist das er seit einigen Monaten andere Kinder und manche Erwachsene packt und beißt. Er macht das sehr grob, reißt dabei auch kleine Kind um. Wenn ich nicht dazwischen gehe kann es auch mal bluten.
Gestern biß er mich in den Oberschenkel.

Wenn wir mit anderen Kindern spielen muss ich immer hinter ihm herlaufen das er sie nicht anpackt.
Ist das noch Unwissenheit oder steckt schon mehr dahinter?

Vielen Dank für ihre Arbei

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Hallo, beides ist der Fall. Die Unwissenheit, was er damit beim anderen Menschen verursacht, entschuldigt das Verhalten Ihres Sohnes noch, aber die Aggressivität, die sich hinter dem Beißen verbirgt, ist etwas,worauf Sie reagieren müssen. Der aggressive Trieb ist dem Menschen angeboren und wie stark er ausfällt, ist zunächst einmal genetisch festgelegt. Aber was im Leben eines Menschen aus diesem aggressiven Trieb wird, ist in der Hauptsache das Ergebnis seiner Lebensumwelt.
Aggression bemühen die Kinder immer dann, wenn sie den Eindruck haben, sich durchsetzen zu müssen. Dabei fühlen sie sich entweder allgemein zu schwach oder sie haben den Eindruck, sonst nicht zum Zuge zu kommen. Auch autoritäre Erziehung erzeugt höhere Aggressivität beim Kind.
Nur kann ein Kind erst mit etwa 3 Jahren durch Empathie langsam verstehen, dass ein aggressiver Angriff den anderen Menschen schädigt, entweder körperlich und/oder seelisch. Bis 3 Jahre hilft somit nur das eindringliche Ermahnen durch die Bindungs- oder Bezugsperson. Eindringliches Ermahnen heißt, ärgerlich abwehrend reagieren ohne selbst aggressiv zu sein. Belehren mit kindlicher Wortwahl und konkretes Verhindern. Das Kind kann in diesem Alter also nur ein Gebot in diesem Zusammenhang verstehen, aber nicht ein moralisches Wertegefüge. Viele Grüße

 
Frage:   Schlagen, Beißen 2,5 Jahre alt

Guten Morgen Hr. Dr. Posth, unser Sohn 2,5 J,(seit 1 Jahr Krippe) schlägt, beißt u. zwickt immer noch, vor allem wenn er müde ist. Meist gehen die Attacken auf mich, aber auch auf Oma und Papa. Versuche, ihm das zu erklären scheitern immer. Auch ihn aus dem Geschehen rauszunehmen funktioniert nicht. Wenn ich mich zurückziehe entspannt sich die Situation meist schnell. Allerdings ist das nicht immer möglich. Wenn ich ihm erkläre, dass wir uns doch alle lieb haben und deshalb auch nicht schlagen, umarmt er mich und es ist alles gut. Ansonsten ist er ein ganz liebes freundliches Kind. Ich kann es einfach nicht verstehen, warum er es immer wieder macht. Auch abends im Bett droht er mit Sätzen wie: "Wenn ich aufstehe, dann hau ich dich!" Ich bin immer wieder entsetzt darüber. Solche Sätze gibt es bei uns nicht. Woher kommt das? Wir bekommen in ca. 1 Wo ein Baby und ich habe Sorge, dass es dann noch schlimmer wird. Haben sie einen Rat? Vielen Dank f. i. Arbeit!

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Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Hallo, Aggression ist ein dem Menschen angeborener Trieb. Auch wenn es gerade in letzter Zeit auch anders lautende Meinungen gibt (z.B. Joachim Bauer, Prinzip Menschlichkeit), in meiner direkten Beobachtung von Kleinkindern kann ich dieses natürlich Prinzip nicht aus der Welt diskutieren. Die Aggression dient beim Menschen dem speziellen Zweck, sich von anderen abzugrenzen und die Individualität zu entwickeln. Das ist nötig, weil der Mensch ein Bewusstsein hat und mit den beiden entgegengesetzten Bestrebungen nach Bindung und Loslösung fertig werden muss. Für die Bindung ist im Regelfall die Mutter zusätndig und für die Loslösung der Vater. Ist der Vater nun nicht ausreichend verfügbar und übernimmt seine Rolle nicht überzeugned, muss sich das Kind, um nicht in der Bindung zu verhaften, mit Kraft aus ihr lösen. Dazu nimmt er die Aggression zuhilfe, sobald sie sich in ihm meldet (im 2. Lebensjahr). Allerdings ist die Veranlagung zu Aggression recht unterschiedlich ausgeprägt. Nicht jedes Kindes reagiert so stark. Aberr auch nicht jedes Kind braucht die Aggression so sehr.
Im 3. Lebensjahr wird es dann immer wichtiger, die aggressiven Handlungen der Kinder durch eindringliches Ermahen im Zaum zu halten und schließlich dazu auszunutzen, Empahtie zu entwickeln. Diese Methodik finden Sie, wie auch den Begriff "Aggression", unter "Induktion" im gezielten Suchlauf. Außerdem empfehle ich Ihnen das Stichwort: "Eifersucht auf den Neuankömmling". Auch da spielt der Vater wieder eine wichtige Rolle. Viele Grüße

 
Frage:   Aggressives kleinkind

Guten morgen,
wir haben ein problem mit unserem sohn 18 mon. forumsgerecht erzogen. wenn er etwas nicht bekommt, nicht klappt ist er sehr schnell frustriert und schlägt dann auch schnell/ kratzt/ kneift/ wirft sachen um sich (wie wohl auch vater und mutter in diesem alter :-). vorallem bei mir, aber auch vater. es ist besonders schlimm, wenn wir alle zusammen sind, alleine mit ihm ist es nicht annähernd so problematisch.geht seit ca 2 mon so.
verteidigt sich auch gegen andere kinder schnell mit hauen, wir sagen dann immer nein, wir hauen nicht, lenken ihn ab... klappt dann eigentlich auch ganz gut. aber sein verhalten uns gegenüber bereitet uns sorgen. war schon immer sehr anstrengend, sehr fordernd, schnell unzufrieden, aber gut beruhigbar/ ablenkbar. loslösung schreitet mE gut voran, papa soll viel machen, ins bett bringen, baden... trösten lässt er sich aber noch von mir. schläft im elternschlafzimmer, keine fremdbetreuung. vielen vielen dank

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Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Hallo, wie Sie selbst schon zur Sprache gebracht haben, ist die Stärke der anfänglichen Aggression eine Frage der erblichen Veranlagung. Aber jetzt müssen auch gleich die Weichen gestellt wie es mit dieser Veranlagung weitergeht. Zunächst geht es aber nur mit eindringlichem Ermahnen und ernsten Blicken. Notfalls muss man die Streithähne voneinander trennen und jedes Kind mit etwas Interessantem ablenken. Beim Schlagen darf man die Hand des Kindes auch festhalten.
Selbst darf man nie aggressiv werden, denn damit rechtfertigt man auch die aggressiven Verhaltensweisen des Kindes. Bei autoaggressiven Erscheinungen hilft auch jetzt Ablenken Ermahnen. Manchmal muss man ein Kind vor sich selbst schützen. Ein schwieriges Temperament mit hoher Impulsivität, Nervosität und Empfindsamkeit wirkt sich hier schon ungünstig aus. Aber mit Veranlagungen eines Kindes kann man nur umgehen lernen. Viele Grüße

 
Frage:   Aggression,besonders gegen Mama

Hallo Dr, Posth,
meine Tochter 2J. ist z.z. sehr Aggressiv. Schlägt, Tritt, besonders mich oder sich selber. Vielleicht ist es nur ein Zufall aber ich meine das es losging kurz nachdem mein Sohn (19.09.12) zu Welt kam.Vorab, wir wohnen mit meinen Eltern in einem Haus und sie bekommt genau soviel Aufmerksamkeit wie vorher. Ich habe schon viele Fragen und Antworten zu dem Thema gelesen,finde aber leider keine Antwort wie man sich Verhalten soll.Ich habe wie die meisten der anderen Eltern schon alles versucht. Ich habe auch schon ernsthaft geweint weil sie mich so doll getreten hat das es wirklich schmerzhaft ist aber ich habe das Gefühl das ist ihr egal. Diese ganze Situation tut mir so weh. Ich möchte nicht ständig die Luft anhalten müssen wann sie wieder ausrastet und permanent schimpfen. Ich würde mich sehr freuen wenn sie mir helfen könnten. Wie verhalte ich mich richtig?
Lg

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Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Hallo, aggressiv verstärktes Trotzen gehört in die Phase der Loslösung und lässt nach der Rolle des Vaters fragen. Kinder dieses Alters brauchen zur Befreiung aus der engen Mutter-Kind-Bindung ein Loslösungsvorbild, dass ihnen den Weg in Richtung Selbstständigkeit weist. Ist das nicht ausreichend vorhanden, verbleibt das Kind vermehrt in der Bindung, aus der es sich dann nur aggressiv befreien kann. Kommt in dieser Phase nun auch noch ein Geschwisterkind auf die Welt (wie es häufig der Fall ist), das dem Kind den Rang in der Gunst der Mutter streitig macht, wird die Aggressivität noch angeheizt.
Das etwas theatralische Weinen der Bezugsperson, wenn das Kind sie gehauen oder getreten hat, bewirkt erst deutlich jenseits der 2-Jähresgrenze etwas (s. Induktion im gezielten Suchlauf). Bis dahin hilft nur das "eindringliche Ermahnen". Also ganz viel wird beim Vater liegen, des durch seinen verstärkten Ensatz die Situation am besten entspannen kann. Viele Grüße.

 
Frage:   Latent aggressiv

Falls es wichtig ist: 2 Söhne 09/2010 und 09/2012 beide viel getragen, Familienbett, Erziehung in Ermunterung zur Selbstbestimmung ( Montessori)
Wir haben folgendes Problem: Der "Große" hat generell ein ausgeprägtes Temperament. Er geht nun 1x/Wo zum Kinderturnen. Dort flippt er total aus, rennt alle über den Haufen, schubst und kneift die kleineren und zur Krönung hat er letztens ein Mädchen auf den Boden geworfen sich draufgesetzt und ihr an den Ohren gerissen. Er ist sonst bei anderen Kindern eher schüchtern. Bei papa ist er aber auch sehr grob.ER piekt ihm ins Auge, haut ihn aus heiterem Himmel beim spielen oder kneift. Bei Oma und Opa macht er das auch. Bei mir hat er eher selten solche Anwandlungen, dem Baby gegenüber deutet er es nur an mit "Bamm" o.ä. sagen. Wieso macht er denn sowas? Wie soll ich da reagieren? Wiue kann ich das unterbinden?

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Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Hallo, aus Ihrem Schreiben geht hervor, dass Sie offenbar nur dem älteren Sohn Probleme haben, der jetzt 2 1/2 Jahre alt ist. Er fällt damit von seiner Entwicklung her noch in das Trotzalter. Dabei scheint sein Temperament verbunden mit einer gewissen agressiven Veranlagung deutlich durchzubrechen. Möglicherweise wir der dazu auch ein bisschen angetrieben durch zu wilde Spiele mit dem Vater. Väter neigen ja manchmal dazu, ihre Söhne durch gespielte Kämpfe zu einer männlichen Haltung zu verhelfen. Das kann sich aber gerade bei ohnehin etwas impulsiv veranlagten Kindern auch sehr nachteilig auswirken. Vielleicht wäre es angebracht, wenn sich Ihr Mann da etwas zügelte.
Solche Attacken in Ki-gruppe sind bis zu einem gewissen Grade zu tolerieren, schlägt eine Kind aber über die Stränge, muss ihm auch Einhalt geboten werden. Noch sind Induktionsmaßnahmen (s. gezielter Suchlauf) zur Verstärkung der Empathie schwierig durchsetzen, aber ein eindringliches Ermahnen gehört schon dahin. Viele Grüße

 
Frage:   Treten

Guten Tag,unser Sohn wird nächsten Monat 3 Jahre alt. Leider hat er bis heute die, für uns unangenehme Art, wenn er z.B. nicht gewickelt werden möchte, verstärkt z.B. durch Müdigkeit, sowohl mich als auch meinen Mann kräftig tritt oder ins Gesicht schlägt. Auf ein bestimmtes Nein und Erinnern an unsere Regeln, mache ich weiter. Teilweise hört er dann auf und meckert nur noch so herum, teilweise aber schaut er mich an und macht "bewusst" weiter, um meine Reaktion abzuwarten. Auch schon versucht mit Induktion, funktioniert aber nur teilweise, macht trotzdem weiter, je nach Situation.Wie sollte man konkret reagieren? Zimmer verlassen?Wie Auszeit?Bis wann ist dieses Verhalten altersmässig noch normal? Machen uns langsam Sorgen, dass er auch später sich aggressiv verhält. Kommt zwischen 1 bis 3 mal pro Tag vor, manchmal auch garnicht.Versagen wir als Vorbilder? Wir schreien und schlagen nicht in der Familie.Macht mich sehr betroffen und hilflos.Freundliche Grüsse und ein Dankeschön.

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Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Hallo, der Aggressionstrieb ist entgegen manchen neueren Behauptungen eben doch ein angeborener Trieb, den die Kind automatisch zuhilfe nehmen um sich zu wehren oder auch zu widersetzen. Das heißt, die Aggression unterstützt auch den Trotz. Aber mit zunehmender Sprachfähigkeit und damit verbundener Verständigungsmöglichkeit sollte der Trotz langsam abnehmen und friedlicheren Methoden der Auseinandersetzung weichen. Das kommt, je nachem wie gut ein Kind spricht, nach dem 3. Geburtstag im 4. Lebensjahr (emotionaler Perspektivwechsel). Also bei Ihrem Sohn sollte dieser Reifeschritt jetzt einsetzen (was ja offenbar in Ansätzen auch geschieht). Bis dahin aber gelten die Regeln für die Trotzzeit beim jungen Kleinkind, wobei im Rahmen von körperlichen Angriffen wie schlagen, treten und beißen auch die Verhinderung der Tätlichkeit gehört. Intensives Ermahnen und Belehren ersetzen die noch nicht mögliche Induktion. Aber jenseits von 3 Jahren sollte die Induktion immer häufiger zur Anwendung gelangen. Viele Grüße

 
Frage:   Kneifen 2 jhrg

Hallo dr. posth, mein sohn (26 monate), viel getragen, nie schreiengelassen, netter grosser bruder (5 jahre). Kneift schon seit monaten. Wir ermahnen immer „nein, nicht kneifen“. Der grosse weint öfter, weil mini ihn vorw. Ins gesicht kneift bis es blutet. Er wehrt die angriffe nicht ab. Bei mir und oma macht er das ab und zu, beim papa nicht. bei den Tamu kindern seit eingewöhnt. Da blutet jd tag einer im gesicht.unangenehm! Er macht das schon so lange. Oftmals, wenn die stimmung am ausgelassensten ist. Warum? dabei „brutaler gesichtsausdruck“(erschreckend).in DER form "normal"? alles hier gelesen z d themen aggression&induktion (mache ich jetzt auch). Aber es tut sich nix. Hab gelesen, bis 3 jahre ist es so schlimm? Er wird jetzt echt 10 monate noch die kinder so zerfleischen? Ich hab angst, dass weil er jetzt so ist, dass es später ein aggressives kind wird. hat das was zu sagen?Haben sie erklärende, beruhigende worte für mich? manchmal wütend, aber auch lieb u. schmusig.valerie

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Liebe Valerie, es ist schwer für mich, eine direkte Beurteilung kindlichen Verhaltens abzugeben, wenn ich das Kind nicht selbst erlebt habe. Ich stimme Ihnen aber zu in der Aussage, dass ein solcher Drang nach Angriff auf ein anderes Kind, nicht mehr dem Üblichen entspricht. Man wird sich fragen müssen, woher dieses Verhalten kommt, und was es in Gang gesetzt hat. Kneifen, Pitschen, Kratzen Beißen usw. sind an und für sich spielerische, frühkindliche Verhaltensweise verbunden mit ersten aggressiven Regungen, die nun einmal im Menschen angelegt sind. Da werden auch kleine Machtkämpfe mit ausgetragen, wenn es sich um gleichaltrige Kinder handelt und wenn Konflikte auftreten. so gilt es zu beobachten, was vorher passiert, wenn eine solche Kneifattacke auftritt. Dann ist zu klären, warum Ihr Sohn auf keine anderen Strategien verfällt als nur auf diese. Und dann ist auch noch zu hinterfragen, warum er zusätzlich kratzt, denn wenn es beim anderen blutet, muss Haut verletzt sein.
Auf jeden Fall gilt es in solchen Fällen, jede Attacke dieser Art klar abzuwehren und mit dem nötigen Ausdruck von Schmerz zu kommentieren. Da gilt auch für den Schutz anderer Kinder. Die Empathie muss sich erst in Ihrem Sohn richtig ausbilden, und bis dahin muss er erleben, was dieses Verhalten für Konsequenzen nach sich zieht. Diese müssen einerseits klar negativ beschrieben sein und andererseits die Zufügung von Schmerz beim Anderen erkenntlich machen. Was man aber nicht machen darf, ist mit gleicher Münze heimzahlen, das Kind ausschimpfen und es bestrafen. Wenn Sie das einhalten, werden Sie erfolgreich das Verhalten Ihres Sohnes ändern. Viele Grüße

 
Frage:   Auswirkungen durch mehrfaches blutig gekratzt werden

Guten Morgen Hr.Dr.Posth,
unser Kind (2,5 J) wurde nun 3x in der Kita vom gleichen anderen Kind, mit dem es gern und sonst prima spielt, blutig im Gesicht gekratzt.Auslöser waren für Erwachsene wohl harmlos, plötzlich nicht einig gewesen,daher anderes Kind gekratzt.Erzieher haben immer erst beim Abholen erzählt,und Eltern d.anderen Kindes erst nach dem 3.mal informiert.Wir wollen nicht,daß unser Kind sich künftig ebenfalls so wehrt,einmal weil das andere Kind ja schon gemerkt hat,daß es so weiter kommt,u.dann weil sich daraus ja nochviel mehr Streit entwickeln kann.Wie soll man am besten damit umgehen?Die anderen Eltern finden es ist Erziehersache.Haben jetzt wohl mal mit dem Kind gesprochen.Aber unser Kind fängt an zu sagen,dass es nicht in die Kita will,weil a.Kind es kratzt(und haut).Ansonsten ist unser K.sehr fröhlich u.hat volle Punkte in Bildungsdoku.Müssen wir agieren?Wenn ja was?Haben mehrfach erklärt,dass Kratzen und dergl.falsch ist u.daß Erzieher aufpassen werden.Lieben Dank

Antwort

Stichwort: Aggressivität bei Kleinkindern

Hallo, Kinder sind in diesem Alter noch weitgehend unempathisch. Ihr Einfühlungsvermögen in andere Menschen und eben auch in andere Kinder wächst jetzt erst langsam. Aber dabei brauchen Sie Unterstützung durch ihre Bindungs- und Bezugspersonen. Es gibt zwar auch die Auffassung, dass das alles ganz von alleine käme, aber dagegen spricht die Realität.
Unter dem Begriff Induktion fasse ich zusammen, wie das geht, wenn man sein Kind bei der Empathieentwicklung unterstützt (s. gezielter Suchlauf). Solange aber noch kein emotionaler Perspektivwechsel (Umdenken zugefügter Schmerzen auf sich selbst) existiert, müssen die Eltern und Erzieher(innen) den angreifenden Kindern ein Gewissen machen (Instruktion).
Das heißt, man muss solche Kinder, die soviel Aggressivität mitbringen eindringlich ermahen, belehren (was der Angriff verursachen kann) und auffordern, eine Art Wiedergutmachung beim geschädigten Kind vorzunehmen. Das sind natürlich in diesem Alter ganz einfach Maßnahmen wie "ei-ei" machen und auf die Wunde pusten. Mehr geht aus Entwicklungsgründen noch nicht.
Aber ganz vermeiden lassen sich solche Ereignisse nicht und man ist gut beraten, wenn man sich nicht zu sehr über angreifende Kinder aufregt und das eigene Kind ermutigt, weiter in den Ki-ga zu gehen. Notfalls wechselt man mit seinem eigenen Kind die Gruppe. Die Erzieherinnen haben in jedem Fall eine Aufsichtspflicht. Viele Grüße

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