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Kinderarzt Dr. Posth

Dr. Rüdiger Posth - Entwicklung von Babys und Kleinkindern

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Antworten von Dr. Posth zum Stichwort: Induktion
Frage:   Sohn malträtiert andere Kinder was können wir tun?

Lieber Dr.Posth,danke für Ihre bisherige Hilfe!Unser Sohn(17 Mon.)ist ein fröhliches,lebhaftes Kind.Familienbett,noch tlw.gestillt.Er erscheint uns eigentlich sehr"sozial",zeigt bereits viel Humor,geht freudig auf andere,besonders Kinder,zu,kuschelt gern.Allerdings gibt es seit einiger Zeit das Problem,dass er besonders gleichaltrige Kinder,aber auch uns Eltern,quasi"anfällt",an den Haaren zieht.Aber ohne offensichtlichen Anlass,aus einträchtigem Spielen heraus,gerne auch vor und nach einem Streicheln.Er zieht dann stark,lässt auch nicht los.Nein versteht er eigentich bereits gut,aber in diesem Fall wiederholt es sich tlw. immer wieder.Er streichelt danach bereitwillig das weinende Kind,um kurz drauf wieder(gleichmütig?)draufzustürzen.Es ist uns unangenehm("Die setzen wohl keine Grenzen!"-Reaktionen sind zu spüren),er ist einfach so offensiv!Induktion jetzt schon?Wir sind eher ruhige Gemüter,er aber so temperamentvoll!Was können wir noch tun?Danke!

Antwort

Stichwort: Induktion

Hallo, das Problem ist, dass Induktion erst bei einem Kind wirkt, das ausreichend Selbstbewusstsein besitzt. Denn ohne ein klares Verständnis von dem, "wer bin ich" und "wer bist du" gelingt kein emotionaler Perspektivwechsel (also das Hineinversetzen in die Gefühlswelt des Anderen). Die klare Selbstvorstellung entwickelt normalerweise aber erst bis zum 2. Geburtstag. und selbst ist es noch schwierig für ein Kind zu verstehen, dass die eigene aggressive Handlung dafür die Ursache ist, dass das andere Kind Schmerzen hat, einen Nachteil erleidet oder beleidigt ist usw. die ursächliche Beziehung von eigener Handlung und Leidenszustand beim anderen wird erst zwischen 2 1/2 und 3 richtig verstanden. Wenn Kinder sich schon früher zurückhalten, dann liegt es entweder in ihrem Charakter begründet oder sie haben schon Angst vor Strafe (was keine gute Erziehung ist).
D.h., es bleibt Ihnen nur die Möglichkeit, Ihren Sohn an seinem aggressiven Impulsen zu hindern und ihn per Blick und Wort energisch zu mahnen, es nicht zu tun. Dann versteht er zwar noch nicht, warum der es nicht tun soll, aber er richtet sich danach, ohne Angst vor Ihnen zu haben. Viele Grüße

 
Frage:   Zu http://www.rund-ums-baby.de/entwicklung/beitrag.htm?id=40893

Sehr geehrter Dr. Posth,
habe noch eine kleine Frage: wenn F. was nicht passt oder er wütend ist, versucht er uns manchmal zu hauen.Wir wenden schon seit langem Induktion an+mich tröstet er auch immer prompt+in letzter Zeit haut er mich auch so gut wie gar nicht mehr.Ist er mit seinem Papa alleine tröstet er ihn auch sofort.Sind wir aber zu 3. oder ist Besuch dabei, will er den Papa kaum trösten und wenn dann holt er mich und sagt:Sollen wir ihn zusammen trösten? oder er läuft zum Besuch und sagt:Schau mal Papa weint und lacht dann auch oft.Ich sag dann immer:oh der arme Papa ist traurig, er hat ein Aua,schnell tröste ihn, aber er machts wenn dann nur mit mir zusammen+widerstrebend.Meine Freundin sagt immer,wir müssten da viel härter durchgreifen,wenn ihr gleichaltriger Sohn haut setzt sie ihn sofort auf sein Zimmer o. er bekommt an dem Tag nichts süßes mehr etc.Wir wollen ja aber dass ers aus Mitgefühl nicht mehr macht oder sollten wir Ihrer Meinung nach was anders machen?DANKE!!!!

Antwort

Stichwort: Induktion

Hallo, so wie Sie in solchen Fällen erzieherisch vorgehen, ist es richtig und erfüllt die Anforderungen der kindgerechten Erziehungsweise zu empathischen, mitfühlenden Menschen. Solche Menschen brauchen wir später in der Gesellschaft. Sie haben ein starkes Gewissen, das sie daran hindert, ungerecht und brutal zu handeln.Schon in der Schule und den anderen Geminschaftseinrichtungen werden solche Menschen gebraucht.
Anders die autoritär und mit sinnlosen Strafen erzogenen Menschen. Die entwickeln nicht ausreichend Empathie und demzufolge auch weniger Mitleid und geringere Gewissensstärke. Sie sind dann anfällig für Härte anderen Menschen gegenüber und für Ellenbogenmentalität.
Was sich die wenigsten Menschen überlegen ist, dass solche unliebsamen Formen des Sozialverhaltens schon so früh in der Kindheit ihren Ursprung haben. Viele Grüße

 
Frage:   Traurig sein

Hallo,
meine Tochter (27 Monate)frägt mich sehr oft ob ich traurig bin. Wenn sie mich in ihrer Wut haut, sage ich schon mal, dass mich das traurig macht und sie entschuldigt sich dann gleich und will dann auch genau bestätigt haben das alles wieder gut ist. Jetzt ist es aber so, dass sobald ich mich mal stoße oder meine Hände vor Gesicht halt sie mich immer gleich fragt" Mama, bist du traurig? Sie ist dann immer sehr verunsichert. Ist es normal dass sich ein 2 jähriges Kind darüber so viele Gedanken macht und wie soll ich mit ihrer Wut umgehen wenn sie mich haut und sich danach sofort entschuldigt? Kann dann gleich alles wieder gut sein? Sie tut mir dann sehr Leid weil sie sich so um mich Sorgen macht obwohl sie ja gerade nach mir geschlagen hat.
Viele Grüße Lilly

Antwort

Stichwort: Induktion

Liebe Lilly, zwischen 2 und 3 Jahren beginnen die Kinder, ihre Gefühle auszuforschen und zu benennen. Dabei interessiert es sie natürlich besonders, wie ihre Bezugspersonen Gefühle erleben und damit umgehen. Ihre Tochter ist sicher sehr früh damit dran, aber sie macht alles das, was dazu nötig ist. Sie beobachtet Sie und versucht, Ihre Gestik und Mimik zu verstehen. Sie induziert Auseinandersetzungen, bei denen Gefühle entstehen und will erfahren, wie der Mensch damit umgeht. Induktion ist eine intuitiv vom Kind bevorzugte Methode, die Bezugspersonen zu Gefühlsregungen herauszufordern. Insofern sollten alle Eltern das "Spiel" mitmachen und ihre Gefühle regelrecht schauspielern.
Die Entschuldigung des Kindes für die Attacke oder den begangenen Fehler besteht einstweilen in der direkten Wiedergutmachung. Das "umgekehrte Trösten" also das Trösten der eigene Eltern gehört auch dazu. Die Verhaltensweisen müssen unbedingt zwischen 2 1/2 und 4 Jahren gelernt werden, denn in dieser Phase ist das zugehörige Zeitfenster weit offen. Viele Grüße

 
Frage:   Induktion

Hallo Herr Posth,ich hatte letzte Woche bezüglich des Hauens auf dem Spielplatz gefragt. Sie sagten ich soll im Suchlauf Induktion sehen. Dort erhielt ich Antworten wie, bitte sehen Sie im Suchlauf Induktion etc. Bitte beantworten Sie mir folgende Frage: Wenn mein Sohn 2 1/2 Jahre andere Kinder auf dem Spielplatz mit und ohne Beweggründe haut, wie gehe ich als Mutter vor wenn er sich verteidigt und wenn er es zu unrecht tut. Bzw.überhaupt. Ich brauche mal eine kurze Bedienungsanleitung da ich nicht viel weiterkomme, wenn ich die ganzen Texte die ich hier lese im Kopf durchdenke. Wie verhalte ich mich als Bezugsperson???Was ich bisher mache:Ich gehe hin und sage ihm es ist nicht ok, er macht bei dem Kind ei ei..ich habe das Gefühl er nimmt mich nicht mehr für voll mit dieser Maßnahme, da er es nicht aus dem Herzen herausmacht und unter dem "Nuckel"vorgrinst.Das macht mich wütend, aber Sanktionen soll man ja auch nicht ergreifen! also was dann??Danke für die Antwort. Liebe Grüße Iv

Antwort

Stichwort: Induktion

Hallo, Ihr Sohn grinst unter seinem Schnuller nicht, weil er Sie nicht ernst nehmen würde; so etwas dürfen Sie von ihm nicht denken, denn er kennt noch gar keine "doppelten Botschaften" oder "ironische Affekte". Nein er grinst, weil er stolz ist auf sein Verhalten und sich freut, daß er das Richtige tut. Nur sein Problem in diesem Alter ist, daß er den Vorgang nicht in seinem Inneren auswerten kann, sich noch nicht merken kann und nicht verinnerlichen kann, daß er beim nächstem Mal gar nicht mehr so handelt. Das heißt, damit Ihr Sohn moralische Kategorien mit prosozialen Handeln in sich aufbauen und verfestigen kann, denn darum dreht sich das ganze, muß er einstweilen immer wieder so handeln, um es schließlich zu lernen. Aber auch vom Abgucken lernt er. Das heißt wiederum, er braucht Ihr Vorbild oder das einer anderen wichtigen Bezugsperson, z.B. Vater. Sie dürfen ihn bei solchen Handlungen also ermahnen, auch einmal erschreckt ausrufen: "Das tut doch weh! Laß es bitte!", aber auf der Wiedergutmachung müssen Sie bestehen. Denn nur die sichert seinen Lernerfolg, weil die belobigte Wiedergutmachung stolz in ihm erzeugt. Übrigens kommen bei mir unter Induktion im Suchlauf sehr viele Antworten. Viele Grüße

 
Frage:   Induktion

Hallo,

ich bin noch neu hier und das erste was ich loswerden muß, an dieser Seite können sich andere eine Scheibe abschneiden.
Vor allem die Entwicklungstrilogie finde ich sehr gelungen. In diesen Artikeln wurden mir sehr viele Fragen beantwortet.

Meine jetzige Frage bezieht sich auf das Thema Induktion.
Leider finde ich im Suchlauf keine wirklich erklärenden Infos. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn sie mir kurz weitere Erläuterungen geben könnten oder andere weiterführende Webseiten.
In diesem Sinne, vielen Dank im Voraus,
mfg
Ronny Schneider

Antwort

Stichwort: Induktion

Liebe Ronny Schneider, Induktion wäre ein wichtiges Thema für die Fortsetzung der "Trilogie", die es aber nur in Buchform gibt. Für das Buch suche ich im Moment noch den passenden Verlag.
Zwar habe ich auf die Frage zur Induktion am 2.10.04 schon eine umfangreiche Antwort gegeben, aber ich will das wichtige Thema gerne noch einmal aufgreifen.
Als Induktion bezeichnet man die pädagogische Maßnahme, dem Kleinkind "ein Gewissen zu machen". Das Gewissen ist wahrscheinlich im Menschen genetisch angelegt (auf welche Weise ist allerdings noch völlig unbekannt), bedarf aber vieler psychologischer und erzieherische Schritte, damit es sich in der wachsenden Persönlichkeit als stabiler und zuverlässiger Faktor auch ausbildet.
Die Grundvoraussetzung für das Gewissen ist die Fähigkeit zur Empathie. Diese ist wiederum gebunden an ein selbständiges Selbst, von dem etwa mit eineinhalb Jahren gesprochen werden kann. Das Kind muß jetzt erfahren, daß seine Gefühle auch ebensolche eines anderen Menschen sind. Zunächst erfährt ein Kind das am Erleben in der Interaktion mit seinen Bezugspersonen, sprich seinen Eltern. Und an diesem Punkt setzt die Induktion ein. Negativ besetzte Verhaltensweisen wie v.a. aggressives Gebaren soll vom "Geschädigten" in deutlicher, vielleicht etwas übertriebener Weise quittiert werden, um das bei ihm ausgelöste Leid dem Kind zu spiegeln. In der Verbindung nun zum eigenen Leid soll das Kind lernen, einem anderen solche negativen Gefühle nicht mehr zu bereiten. Das begreift ein Kind nach einigen Malen tatsächlich und fängt automatisch an, die attackierte Mutter oder den Vater zu trösten, was in ihm wiederum großen Stolz auslöst. Dieser Stolz stärkt seinerseits das Selbstbewußtsein des Kindes und ist Garant dafür, das das Kind in diese Richtung weiter "arbeitet".
Das funktioniert einstweilen aber immer nur im konkreten Geschehen. Ab etwa 4 Jahren dann entdeckt das Kind (der Theorie of Mind zufolge), daß es dieses Gefühlsleben auch unabhängig von tatsächlichen Begebenheiten als ein ideales Gebilde in den Köpfen der Menschen gibt, was sich an interessanten psychologischen Tests (kognitiver Art) nachweisen läßt. Konkret: das Kind muß nicht immer wieder dieses Phänomen ausprobieren, sondern weiß die Reaktion der Mutter, das Vaters oder eines anderen im Voraus einzuschätzen. Damit beginnnt dann das, was wir Menschen Moral nennen und was sich schließlich im Gewissen für immer als Verhaltenskorrektiv verankert. Eine gesunde psychosoziale Entwicklung, für die ich hier eintrete, muß allerdings vorausgesetzt sein. Ich hoffe, das war jetzt nicht zu kompliziert. Viele Grüße

 
Frage:   Hauen und Schubsen...

Lieber Dr. Posth,

mein Sohn (2, ältere Schwester 5) haut und schubst in der Spielgruppe. Er macht es nicht ständig, aber doch ab und an. Er kann sich noch nicht gut sprachlich ausdrücken und schubst dann schonmal anstatt zu sagen: Ich will da sitzen! Aber manchmal auch einfach so, ohne Grund.

Eine andere Mutter sagte nun, sie hätte den Eindruck, ihr Sohn, der sehr zurückhaltend ist, hätte bereits Angst! Konkret beim Turnen als mein Sohn das Brötchen abgenommen und geschubst hat.

Meine Frage: Wie soll ich reagieren, wie kann ich die Schubserei/Hauerei eindämmen und ihm andere Möglichkeiten aufzeigen? Wir sagen ihm immer, daß Hauen nicht gut sei und der Gehauene weint und zB. Ei machen doch viel schöner sei.

Antwort

Stichwort: Induktion

Hallo, ein solches Verhalten ist (leider!?) bis zu einem gewissen Grade normal. Die Natur hat wohl keine bessere vorsprachliche! Methodik entwickeln können, zwischenmenschliche Konflikte zu lösen. Was hier stattfindet, hat etwas mit Rivalität und Machtanspruch zu tun, beides entwicklungstypische Eigenschaften von Kleinkindern, die dafür sorgen, daß genügend Selbstbewußtsein aufgebaut wird. Das Kind, das erfolgreich aus der Rangelei hervorgeht, verbucht das für sich mit Stolz, das unterlegene Kind fühlt sich beschämt und entwickelt Trauer oder sogar auch schon einmal Angst, wenn die Attacke zu rüde gewesen ist.
Da wir Menschen in unserem Angewiesensein auf eine funktionstüchtige, soziale Gemeinschaft, sprich friedliche Gesellschaft(en!), benötigen wir eine Methode, diese agressiven "Angriffe" gegen etwa Gleichaltrige in soziale Bahnen zu lenken. Die Methode hierzu lautet "Induktion". Das ist auch das Stichwort, unter dem Sie im Suchlauf nachschlagen sollten. Induktion bewirkt, daß das Kleinkind kraft seiner Fähigkeit zur Empathie ein Verständnis dafür entwickelt, daß es mit seinem Verhalten ein anderes Kind in gewissem Maße schädigt. Es soll nun Reue dafür empfinden lernen und Unterlassung und Wiedergutamchung anstreben. Wir Eltern müssen unseren Kindern diesen Weg vormachen und vorleben!!
Wo liegt der Nutzen? a) das reuige Kind lernt Stolz für etwas anderes zu empfinden, nämlich für seine Wiedergutmachung und Unterlassung, und zwar deshalb, weil es dafür soziale Anerkennung erntet. Und darauf sind menschliche Wesen stark angewisen. b) das unterlegene Kind erfährt Rechtfertigung und mindert so seine Schamgefühle. Im Erwachsenenleben wird dieses Geschehen auf einen kurzen sozialen Ritus zusammengedrängt, der sich dann in einem einzigen Wort offenbart. Dieses Wort heißt "Entschuldigung". Die Unterlassung eines solches Tuns muß dann allerdings noch durch die Vernunft geregelt werden.
Ich verkneife mir jetzt, auf Probleme der Erwachsenenwelt oder gar weltpolitische Fragen anzuspielen, wo Menschen extreme Macht ausüben, die diese im Grunde doch recht einfachen Prinzipien leider nie gelernt und verinnerlicht haben. Was denen fehlt ist, sagen wir, emotionale Intelligenz. Viele Grüße

 
Frage:   Fügt sich selbst Schmerzen zu

Unser Sohn(18 Monate)fing vor einigen Wochen an uns zu schlagen.Wenn wir ihm sagten,dass sei nicht in ordnung und es mit einem "Nein" unterstrichen,dann bekam er einen Wutanfall,schlug sich selbst,bis er weinte oder streichelte uns sofort.Eventl.hat er es bei anderen Kindern in der Kita gesehen,meinte auch die Erzieherin.Wenn er jetzt Abends schlafen soll(klappte sonst ohne Probleme)schreit er und wenn wir das Zimmer verlassen schlägt er mit seinem Kopf an den Bettrahmen,bis er weint.Er lässt sich zwar schnell beruhigen,lacht dann und will mit uns spielen.Gehen wir wieder hinaus,dann beginnt es von vorn.Wir erwarten nächsten Monat Nachwuchs.Spürt er das eventl?Fühlt er sich vernachlässigt?Wir machen uns grosse Sorgen,Wie sollen wir uns in solchen Situationen verhalten?Warum tut er sich selbst weh?In der Krippeund bei seinen Grosseltern wirkt er unauffällig.Vielen Dank...

Antwort

Stichwort: Induktion

Hallo, vielleicht lesen Sie erst einmal auch meinen Langtext zum Thema Widerstand, Trotz und Loslösung, link oben links Teil 3. Darin erkläre ich, daß der früh geübte Widerstand der Kleinkinder mit der Loslösung und der Selbstfindung zusammenhängt. Verbietet man dem Kind Dinge, die es unbedingt tun will, oder nimmt ihm einfach dasjenige weg, auf das es gerade Besitzanspruch anmeldet, dann entwickelt das Kind verständlicherweise Wut. Denn es braucht diese Dinge, um sein Selbst zu entwickeln. Selbst heißt, daß ein Mensch eine eigenständige Persönlichkeit wird, was ja lebensnotwendig ist.
Diese Wut wird u.U. impulsiv durch aggressive Handlungen gegen die Eltern, die verbieten, ausgetragen. Wird das Kind nun auch noch an diesen gehindert, schlägt es sich ersatzweise selbst. Typischerweise schlage die Kinder den Kopf auf den Boden oder gegen Möbelstücke und die Wand. Hier kann man dann nur noch mäßigend eingreifen und Schlimmeres verhindern. Wichtig ist, daß man sein Kind nach einem solchen Ausbruch tröstet. Den Trost, den es in zunehmend empathischer (mitfühlender) Weise schon einmal ansatzweise seinen Eltern zuteil werden läßt, muß man unbedingt zurückgeben ().
Das Wichtigste ist aber, daß man sein Kind nur dann in der Ausübung seiner Unternehmungen behindert, wenn es sich selbst oder wesentliche Dinge gefährdet. Entsprechend sicher muß der Haushalt gemacht werden. Viele Grüße

 
Frage:   Schlafen bei Eltern

Hallo Dr.Posth
Man soll ja Strafen(DAS WORT MAG ICH NICHT) geziehlt anbringen.Also der Sache nahe.
Mir fällt es hier und da schon schwer,für einen Fehltritt immer die passende STRAFE anzusetzen.
Jan hat z.zt. die Tritt und Hauphase. Er ist 5,5 Jahre .Und will sich jetzt immer mehr durchsetzen und wenn das nicht immer so klappt,bekomme ich schon mal einen Tritt und werde gehauen.
Ich habe ihm nun gesagt,das ich schwarze Punkte einfallen lassen haben und bei 3 Punkten laße ich mir was einfallen,für das Vergehen---nur was,wie soll ich ihn geziehlt für das gesagte BESTRAFEN:
--
sich nicht verabreden dürfen-Fernseh Verbot,nicht mit Papa spielen dürfen,ich weiß nicht was für das tretten angemesen wäre.

Antwort

Stichwort: Induktion

Hallo, Strafen ist eigentlich die Bankrott-Erklärung des Erziehers. Die ideale Erziehung kommt ohne Strafe aus. Wenn aber Strafen angebracht sind, dann müssen sie immer mit dem Anlaß der Bestrafung logisch verbunden sein. Wenn ein Kind seine Eltern gezielt schlägt, dann gilt die erste Frage dem, woher das Kind diese Verhaltensweise kennt und von wem es diese übernommen hat. Dieses schlechte Vorbild muß für die Zukunft unterbunden werden.
Wird man als Eltern von seinem Kind geschlagen, wendet man im Kleinkindalter die Methode der Induktion an, s. gezielter Suchlauf. Bei Vorschul- und Schulkindern muß mit dem Kind gesprochen werden. Inhalt dieses Gesprächs muß die Erklärung sein, daß die Verletzung eines anderen Menschen in unserer Gesellschaft aus moralischen Gründen verboten ist. Dieses Verbot gilt auch für Kinder. Dann muß gemeinsam überlegt, welche Möglichkeiten existieren, den angerichteten Schaden wiedergutzumachen. Dazu gehört es auch, dem Verletzten Trost auszusprechen und ihm um Verzeihung zu bitten. Dieses verbale Entschuldigen wird aber im Schulalter vom Kind erst richtig begriffen.
Ist das Potential für Wiedergutmachung ausgeschöpft und gelingt das Entschuldigen noch nicht, kann eine Strafe nur zum Inhalt haben, daß der Geschädigte aufgrund seiner "Schmerzen und Not" z.B. bestimmte Verrichtungen nicht mehr machen kann und der Schädiger, also das Kind, dafür einspringen muß. Dabei kann man als Eltern den Schweregrad der Beschädigung natürlich ein wenig auf die Spitze treiben. Das Kind soll dann "zur Strafe" die Spülmaschine ausräumen, das Abendessen zubereiten oder die Wohnung fegen. Verbote von geliebten Gewohnheiten wie Fernsehen gucken haben nichts mit dem eigentlichen Geschehen zu tun und bleiben dadurch vollkommen wirkungslos. Die Folge ist, daß man sich als Eltern immer stärkere Strafen ausdenkt, die aber wegen des fehlenden Zusammenhangs nicht wirkungsvoller werden Viele Grüße

 
Frage:   Was kann ich machen wenn unsere Tochter anderen Kindern weh tut?

Unsere Tochter (2 Jahre, 4 Monate) alt, pitscht, beißt,schbst, haut auch ab u. zu uns als Familienmitglieder aber auch andere Kinder (zumeist jüngere).
Sie hat das beißen bereits m. 8 Monaten angefangen u.es gab dann immer Phasen wo es weg war u. Phasen, wo es wieder aufgetreten ist.Nun ist es aber sehr stark geworden, ich brauche Rat u.ein paar konkrete Handlungstipps. Sie macht es in Situationen, wo wir mit ihr kuscheln, plötzlich aus dem Nichts (es geht ganz schnell wenn man Quatsch macht mit ihr-es kippt dann nach ein paar Min.schon). Sie macht es, wenn sie etwas nicht bekommt u. eben in untersch.Situationen m. anderen Kindern.
Herr Dr. Post, ich habe bereits im Suchlauf über Induktion gelesen, aber auch das übertriebene Weinen (früher schimpfen, erklären) von uns hat nichts gebracht. Manchmal haut sie sogar dann nochmal zu. Manchmal streichelt sie uns aber auch. Was mache ich ganz konkret wenn sie a.) anderen Kindern weh tut oder B) uns? Danke bridget

Antwort

Stichwort: Induktion

Hallo, Sie dürfen nicht übersehen, dass Ihre Tochter mit ihren gut 2 Jahren erst ganz am Anfang all dieser Prozesse steht. Der gewünschte Erfolg wird also noch etwas auf sich warten lassen. Offensichtlich besitzt Ihre Tochter eine gewissen Veranlagung zu aggressivem Verhalten. Gewöhnlich dient sie dazu, die Trotzaktionen zu verstärken und den Selbstbehauptungsdrang zu unterstützen. Mit ihr genetisch vergesellschaftet sind "vorzeitliche" Verhaltensweisen wie Beißen, Spucken oder Treten. Diese tauchen also immer wieder auf, obwohl sie längst nicht mehr zum Verhaltenspektrum des evolutorisch modernen Menschen passen. Solange die Empathie sich noch nicht ihren Platz im Gehirn erobert hat, solange brechen diese Verhaltensweisen immer wieder durch und das auch in unerwarteten Zusammenhängen. Aggression ist ein Trieb, der sozial schwer zu steuern ist, solange die Vernunft noch keinen Zugang zum Gehirn hat.
Einstweilen können Sie sich demzufolge nur selbst schützen, intensiv und eindringlich ermahen, im Einzelfall auch einmal schimpfen. Bei Angriffen auf andere Kinder verfährt man am besten genauso, wobei hier immer auf das Leid des anderen Kindes erklärend aufmerksam gemacht werden muss. Das fruchtet mit der Zeit, aber Sie brauchen schon etwas Geduld. Immerhin muss das Kind lernen, triebhafte Verhaltensweisen unter Kontrolle zu bekommen. Viele Grüße

 
Frage:   Induktion

Hallo Herr Dr. Posth,
gleich im Anschluss an meine erste Frage, hier noch eine zur Induktion, die mich brennend interessiert:
Mein Sohn (20 Monate) ist eigentlich ein eher "sanftes" Kind, geht also mit anderen eher behutsam und vorsichtig um (selten einmal schlagen, kratzen o.ä. wie man es sonst bei Kindern in diesem Alter beobachten kann). (Weiss natürlich nicht, ob das eher gut zu werten ist, oder ob Kinder in diesem Alter das andere einfach tun "müssen" - Er hatte jedoch noch nie Schwierigkeiten auf andere zuzugehen, ist sehr kontaktfreudig und hat viel Kontakt zu anderen Kindern) Bei den wenigen Malen, bei denen er zu uns etwas "grob" war sind wir dann wie von Ihnen beschrieben vorgegangen. Seine Reaktion zu Anfang - erstauntes Gucken, dann "Mitweinen" mittlerweile kommt er gleich auf den Schoss und versucht zu "trösten" (steichelt). Dieses Verhalten funktioniert jedoch nur bei uns. Bei den wenigen Situationen, in denen es ein anderes Kind traf reagierte er nicht wie oben,

Antwort

Stichwort: Induktion

Stichwort: Gewissen
Hallo, Sie haben vollkommen Recht. Es gibt Kinder mit einem eher sanften Gemüt und sagen wir Hitzköpfe. Zu der ersten "Sorte" scheint Ihr Sohn zu zählen, was man sicher positiv zu werten hat. Solche Kinder zeigen relativ wenig aggressive Elemente in ihrer Selbstverteidigung. Man sollte es nicht versuchen, diese Kinder auf Aggressivität zu trimmen, wie es manche Eltern meinen. Diese Kinder finden bei gesundem Selbstbewußtsein andere Wege, mit ihren Altersgenossen klar zu kommen.
Die Geschichte mit der Induktion klappt tatsächlich erst einmal nur mit den eigenen Eltern, und zwar wegen der bestehenden Bindungen. Gerade dafür ist die Bindung an Mutter und Vater so wichtig. Empathie ist in diesem ALter eben nur möglich im unmittelbaren Erleben mit einer Bezugsperson. Das sollte man vielleicht noch einmal deutlich zum Ausdruck bringen.
Die Übertragung dieses Verhaltens auf andere Kinder und eines Tages auf alle Menschen setzt zwei entscheidend wichtige Entwicklungsschritte voraus: erstens die Erkenntnis einer allen Menschen persönliche eigenen Wirklichkeitssicht (Theorie of Mind) und zweitens die Ausbildung eines Gewissens. Beide Schritte kommen in der Regel erst nach dem 4. Geburtstag zustande.
Das ist für meine Begriffe das spannenste Thema im menschlichen Leben überhaupt, die Ausbildung des Gewissens und schließlich der Vernunft. Das Gewissen ist meiner Auffassung nach das "Ziel" aller Gefühlsentwicklung im Menschen mit der Fähigkeit zum Mitleid und zur Verzeihung, aber auch mit der Empfindung von Schuld und einer zukünftigen Unterlassung und Wiedergutmachung. Bei der Vernunft kommt noch das verstandesmäßige Element und das präventive oder vermeidende Verhalten dazu. Gewissen und Vernunft entspringen der gesunden psychosozialen Entwicklung des Menschen und nehmen im weiteren Lebensverlauf die kulturell bedingten Werte in sich auf. In meinem Buch "Vom Urvertrauen zum Selbstvertrauen" zeige ich die emotionalen Schritte und psychosozialen Wege dahin detailliert auf. Viele Grüße

 
Frage:   Probleme im Kindergarten

Hallo Dr. Posth!
Jannik geht im Kindergarten viel zu anderen Kindern und kneift und haut und spuckt - ohne ersichtlichen Grund und findet es auch noch lustig. Es ist mittlerweile schon so weit, dass die Kinder nicht mehr so gerne mit Jannik spielen wollen. Die Erzieherinnen hoffen, es wäre nur ne Phase, die hoffentlich bald vorbeigeht - ist natürlich auch anstrengend für die beiden, weil sie immer wieder die anderen Kinder trösten müssen und auf Jannik achten müssen - er macht das sogar hinterrücks bei fremden Kindern! Jannik wird erklärt, dass es falsch ist, was er da macht und wenn das nicht funktioniert, wird er weggesetzt und muss sich erstmal alleine beschäftigen - genauso handhaben wir das zu Hause ja auch!

Wie können wir noch vorgehen? Oder war es vielleicht zu früh, dass Jannik (jetzt 3) schon mit 2 1/2 in den Kindergarten gekommen ist?
Gruß und Danke

Antwort

Stichwort: Induktion

Hallo, Sie sollten vielleicht auch die Antwort auf die vorige Frage lesen, denn vieles, was dort steht, trifft auch auf Ihre Situation zu. Mit 2 1/2 Jahren befinden sich die Kinder noch ganz stark in der Selbstbehauptungsphase, die außer dem Trotz auch aggressive Handlungsweisen hervorruft. Ihr Verhalten dient der Verteidigung des gerade erworbenen Selbst (als Grundlage ihrer lebenslangen Persönlichkeit). Die Auseinandersetzung in der meist altersgeleichen, sozialen Gruppe erzeugt eine Art Verteidigungsstress, denn die anderen Kinder sind Konkurrenten für den Einzelenen (immer die einzelsituation genau untersuchen!). Nun kommt -außer auf die Veranlagung- auch darauf an, wie sehr sich ein Kind von den anderen "bedroht" fühlt und mit wieviel schon eworbenem Selbstbewusstsein es aus seiner Familie kommt. Sicher gebundene und schon gut losgelöste Kinder (s. "sichere Bindung" und "Loslösung" im gezielten Suchlauf) sind sozial eindeutig im Vorteil. Die Anderen müssen mehr um ihr Selbst kämpfen. Dabei kommen dann auch erste provokative Aktionen vor, so wie sie auch ihr Sohn in der Gruppe zeigt. Zu Hause scheint es ja auch nicht viel anders zu sein.
Wenn Sie ihn jetzt bestrafen, berauben Sie ihn seiner Möglichkeit zur Selbstverteidigung und bestrafen sein natürliches Bedürfnis, sich selbst zu behaupten. Das aber unterminiert schon ganz früh sein aufkeimendes Selbstbewusstsein.
Wie man besser reagierren kann auf solche Attacken, beschreibe ich mit der "Induktion" (s. wieder gezielter Suchlauf). Das gilt auch für die Erzieherinnen. Viele Grüße

 
Frage:   Aggressionen

Wir wissen leider nicht mehr weiter. Unser Sohn,20 Monate kneift,beißt,haut u. kratzt.Das seit nunmehr über einem halben Jahr.Leider hat er es immer noch nicht verstanden,dass er das nicht darf.Wenn er das bei uns gemacht hat,haben wir bisher nach der umgekehrten Induktion verfahren.Dies funktioniert in letzter Zt.leider überhaupt nicht mehr. Er reagiert darauf nicht mehr–wahrscheinl.hat es sich abgenutzt.Wir sagen jetzt immer zu ihm,dass man nicht haut u.er solle ei ei machen,was er dann auch macht.Es stellt sich trotzdem keine Besserung ein.Inzw.werden wir schon morgendlich mit einem Schlag ins Gesicht geweckt,auch sucht er sich immer freie Hautstellen,z.Not auch die Fuße um dort reinzukneifen.Es scheint immer,als habe er richtig Spaß daran zu haben.Wir finden dass leider gar nicht mehr lustig,da wir inzw.etliche Kratzer am ganzen Körper haben u.es jetzt auch so ist,dass ich wieder schwanger bin u.es manchmal schwer ist seinen Tritten auszuweichen. Was können Sie uns raten?

Antwort

Stichwort: Induktion

Hallo, heißt umgekehrte Induktion verbale Belehrung und Aufforderung zum Trösten? Das wird noch nicht funktionieren, denn dazu fehlen dem Kleinkind von 20 Monaten schlicht weg noch der Verstand. Es sind viel zu komplizierte Denkstrukturen, die das Kind nachvollziehen müsste. Es geht nur mit dem Vorspielen von Betroffenheit und "Leid" und der Honorierung des Kindes für seinen tröstenden Maßnahmen. Das Kind lernt hier eben nicht per Verstand, sondern per Intuition. Dieser Vorgang aber braucht hundertfache Wiederholung. Das liegt in der Natur der Sache. Ist das entsprechende Netzwerk dann im Gehirn endlich geschlossen, hält es lebenslang und bereitet die noch viel komplizierteren Strukturen des Gewissens vor. Die wiederum sind Grundvoraussetzung für erfolgreiches Sozialverhalten. Viele Grüße

 
Frage:   Haare reissen

Lieber Herr Posth

Unser Sohn ist knapp zweieinhalb jährig und ein ganz liebes Kind. Er ist für sein Alter ausserordentlich verständnisvoll und auch rücksichtsvoll. Er ist ein fröhliches und vergnügtes Kind, das uns viel Freude bereitet. Er ist so kooperativ, dass wir uns manchmal gefragt haben, ob das eigentlich "normal" ist, wo doch alle von der Trotzphase reden. Seit ein paar Tagen findet er es enorm lustig, mich an den Haaren zu reissen, was mir weh macht, was ich ihm auch sage. Natürlich fordere ich ihn auf mit dem Reissen aufzuhören. Trotzdem fängt er immer wieder damit an, zu hause und draussen, wenn wir alleine sind und in Gesellschaft! Warum tut er das? Was hat das zu bedeuten und wie soll ich diesem Verhalten begegnen? Besten Dank für Ihren Rat! Freundliche Grüsse von Salome

Antwort

Stichwort: Induktion

Hallo, zunächst einmal gibt es natürlich Kinder, die sehr wenig trotzen. Solche Maulen vielleicht nur, gehen missmutig weg, setzen sich abweisend in die Ecke, oder stampfen mit dem Fuß auf. Aber auch das führt zu einer Verbesserung des Selbstbewusstseins.
Was Ihr Sohn jetzt zeigt, hat es mit angeborener Aggressivität zu tun. Der aggressive Impuls zwingt die Kinder, eine kleine Attacke auf seine Bezugspersonen auszuüben, ohne ihr damit schaden zu wollen. Das Haareziehen gehört dazu wie das Hauen oder Beißen.
Falsch ist es, an den Kindern dasselbe zu verüben, in der Absicht, sie so zu erziehen, dass sie es in Zukunft unterlassen. Richtig ist, die Methode der Induktion anzuwenden (s. gezielter Suchlauf). Man spielt als Betroffener sein erlittenes Leid und gibt dem Kind damit Gelegenheit, sich als Tröster darzustellen. Dadurch lernt das Kind Empathie und stärkt sein Selbstbewusstsein. Wie nebenbei lernt es, diese Angriffe In Zukunft nicht mehr auszuüben. Viele Grüße

 
Frage:   Umarmen ...

Guten Tag,

mein Sohn 2 Jahre und 3 Monate hat angefangen, seine Freunde recht "herzlich" zu umarmen(egal ob Junge oder Maedchen) Er laesst auch nicht mehr los und ich muss den Kindern aus dem "Wrestling-Griff" helfen. Ist das nur eine Phase und warum macht er das?

Vielen Dank.
Paulchen

Antwort

Stichwort: Induktion

Hallo, manche Kinder spüren die Macht des Umarmens sehr deutlich, vielleicht zu deutlich. Was bei ihnen mit Liebesbekundung und Zuneigung beginnt, endet in einer Machtdemonstration. Das ist vergleichbar mit dem Kleinkind, dass zuerst einen Kuss gibt und dann zubeißt. Liebe macht und Gewalt liegen in ihren Ursprüngen nicht allzu fern voneinander. Vor allem etwas aggressiv veranlagte Kinder können das am Anfag noch nicht richtig voneinander trennen. Da geht gleichsam die Lust mit ihnen durch.
Ab 2 Jahre macht es aber Sinn, die Methoden der Induktion anzuwenden (s.a. gezielter Suchlauf). Nun kann man aber in der Beziehung zwischen zwei anderen Menschen, hier zwischen zwei Kindern nur sehr indirekt Induktion ausüben. Man kann erst einmal seinen Ärger über das nicht zu duldende Verhalten mimisch ausdrücken. Dann sollte man die passenden, ermahnenden Worte dazu sprechen. Danach trennt man "Täter und Opfer" und demonstriert dem "Täter" in deutlichen Worten das Leid, das er damit angerichtet hat. Weint das betroffene Kind, hat man es damit natürlich leichter.
Es hat aber keinen Sinn, dem Kind sein Verhalten zu spiegeln, in dem man ihm umgekehrt zeigt, was es verursacht oder Sätze sagt wie: "soll das einmal bei dir machen ...". Das Täterkind erlebt hier also in der Negativbeurteilung durch eine wichtige Bezugsperson das notwendige soziale Korrektiv. Viele Grüße

 
Frage:   7-jähriger mit Soz.-Verhaltens-Problemen

Hallo,habe wegen meinem 7-j.schön öfter gepostet (http://www.rund-ums-baby.de/entwicklung/beitrag.htm?id=39930).Er macht ein Soz.-Komp.-Traing.,weil er beim Spiel und Streit kein Stopp kennt und weiter ärgert, streitet. Zitat der Lehrerin, um Problem zu verdeutlichen:
"...immer wieder Mädchen beschwerten, dass er sie immer so fest von hinten umarmen würde oder hochheben würde...Daraufhin sagt er mir allen Ernstes „ich habe Jenni aus Versehen gehauen“....Ich weiß nicht mehr weiter.Er ist ja auch kein richtig aggressives Kind,wenn wieder etwas vorgefallen ist,sieht er mich furchtbar traurig an,kann aber nichts erklären,und sein Verhalten ändert er trotzdem nicht...."
Also keine Fortschritte und ich sehe auch nicht,dass das Traing. das richtige ist.Psychiat. Diagnose vor 2 J. o.B. Würde ihn gerne neu untersuchen lassen, weil sein Verhalten nicht norm.ist. Aber von einem Arzt zum anderen?Haben Sie Rat?Er hat Schwester(5) mit "normalem" Soz.Vh.Er ist sehr anhänglich.
Danke und Gruß,Maya

Antwort

Stichwort: Induktion

Hallo, das Problem bei Ihrem Sohn scheint zu sein, dass er Kontaktsuche und Kontakterzwingung nicht auseinanderhalten kann. Das Erlernen solcher sozialer Fertigkeiten beginnt im 3. Lebensjahr mit der Empathie. Im Umgang mit seinen Eltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen lernt das Kind "Angriff" und "friedlicher Körperkontakt2 auseinanderzuhalten. Fallen die Attacken zu heftig aus, reagiert die Bezugsperson mit Abwehr und offensichtlichem Bedauern. Das Kind hält dann inne und verswucht, seine Bezugsperson zu trösten. Das nenne ich "Induktion" (s. gezielter Suchlauf). Sie sehen also, dass die Reaktion der Umwelt, sprich der Bezugspersonen stark mitgestaltend ist für das, was das Kind später dann als Sozialkompetenz unter Beweis stellt. Erfährt das Kind in solchen Zusammenhängen aber grobe Ablehnung oder gar inszenierte Vergeltung also, Zurück-schlagen, oder Zurück-beißen, was manchmal empfohlen wird, dann geht dieser Vorgang schief. Denn das Kind lernt daraus nicht, sich falsch verhalten zu haben, sondern nur, dass alles Angriff ist und jeder Angriff verteidigt werden muss. Mit der Zeit ist sein Weltbild dann verstellt und sozialer Kontaktaufnahme findet nur noch unter solchen Gesichtspunkten statt.
Verabreden Sie mit den Trainern des sozialen Kompetenz-Trainungs, genau solche Schritte der Induktion durch jetzt Nachinszenierung einzustudieren. Also der Trainer spielt die Bezugsperson und Ihr Sohn darf ihn "angreifen". Der Trainer reagiert dann wie die Bezugsperson mit Betroffenheit und Ihr Sohn darf sich überlegen, wie er seinen Fehler wiedergutmachen kann. Mit Umarmen und liebevollem Streicheln wird es jetzt nicht mehr gehen. Aber mit symbolischen Handlungen und verbalem Verzeihen wird es gelingen. Das muss jetzt natürlich immer wieder einstudiert werden, auch bei Fehlverhaltem den Mädchen gegenüber, wobei hier auch ein intensives Ermahen nicht fehlen darf. Viele Grüße

 
Frage:   Hauen

Hallo Dr. Posth!
Mein 2jähriger Sohn ist eigentlich ein ganz sanftmütiger Junge. In letzter Zeit kommt er allerdings öfters zu mir, grinst mich an und sagt dann: Ich haue die Mama jetzt! Ich habe schon mehreres probiert: 1. wenn er mich haut - weinen, er tröstet mich dann, um mich wieder zu hauen, auch mit einem Gegenstand. 2. ich habe ihm gesagt, dass ich das nicht möchte und ich ihn in den nebenraum bringe, wenn er es doch tut, er haut und ich tue es, mache die tür zu und er fängt an zu weinen und kommt sich entschuldigen. Papa schimpft mit ihm, und sagt, mädchen haut man nicht - bringt aber auch nichts. Was ist denn jetzt die richtige Methode?
Dass er es noch nciht richtig verknüpfen kann, dass andere hauen genauso unschön ist, wie selbst gehauen zu werden, weiss ich, aber wie soll ich am besten reagieren? Ignorieren klappt nicht, dann macht er immer weiter.

Danke für die Antwort!

lg Katrin

Antwort

Stichwort: Induktion

Hallo, Ihr Beispiel ist eine gutes Modell, die zwei grundsätzlich unterschiedlichen "Erziehungsmethoden" zu beschreiben. Die letztere Methode mit Schimpfen, in den Nebenraum bringen (Strafe) und die Tür zu machen (Ausgrenzung) führt zum Weinen des Kindes und zu keinerlei Verständnis. Es fühlt sich beschämt und negativ beurteilt (attributiert). Denn das Kind ist sich -vorläufig- noch keiner Schuld bewusst. Es handelt nur so, weil Trieb und Impuls ihm das so vorgeben. Es möchte dabei erfahren, wie die Bezugspersonen und anderen Menschen auf den spielerischen Angriff reagieren und wie es sich in Zukunft verhalten soll. Diese alte, autoritäre Methode halte ich für falsch.
Die zuerst genannte Methode entspricht dem Anfang der Induktion. Ich sage bewusst Anfang, denn das mitleidige Empfinden mit dem Anderen, die Empathie, muss in einem langwierigen Prozess erlernt werden. Das dauert bis zum 4. Lebensjahr. Dann findet im Bewusstsein des Kindes erst die Umkehr der Sichtweise statt. D. h. das Kind versteht erst dann, dass der andere unter seinem Angriff wirklich leidet und veilleicht Schmerzen empfindet, zumindest sich seelisch schlecht fühlt. Bis dahin werden solche Situation immer wieder spielerisch durch geführt, wenn das Spiel mit der Zeit auch schon früher nachlässt und eher uninteressant wird. Aber deswegen "freut" sich Ihr Sohn, wenn er Sie gehauen hat, denn er lernt im Spiel, was er wissen möchte. Nimmt er einen Gegenstand, dann nehmen Sie ihm den Gegenstand ab. Da geht er einen Schritt zu weit. Wie sie sicher längst heraus gehört haben, halte ich diese Vorgehensweise für richtig. Im gezielten Suchlauf unter Induktion finden Sie noch viele andere Antworten dazu. Viele Grüße

 
Frage:   Induktion funktioniert nicht

Wir haben das Problem dass unsere Tochter (knapp 2) sehr aggressiv ist. Sie haut, kratzt, kneift, beisst und tritt in jeglichen Situationen. Und zwar auch solchen, die nicht aus Trotz entstehen, z.B. während wir einfach nur da sitzen oder wenn ein Kind einfach an ihr vorbei geht. Sie behandelt Tiere so und auch zu sich selbst ist sie aggressiv, in dem sie sich kneift und haut.
Nach durch lesen Ihrer Tipps haben wir es jetzt einige Zeit mit der Induktion versucht, aber leider geht unsere Tochter da überhaupt nicht drauf ein. Sie möchte gar nicht trösten, sondern haut vielmehr noch ein 2. oder 3. Mal zu. Egal wie sehr wir ihr versuchen zu erklären dass wir jetzt ganz doll aua haben oder traurig sind etc. sie geht nicht darauf ein, sondern haut noch einmal.

Was können wir noch tun?

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Stichwort: Induktion

Hallo, das Prinzip der Induktion funktioniert bei 2jährigen noch nicht zuverlässig. Zwar haben Kinder in diesem Alter schon begriffen, ein eigenes Wesen mit eigenem Selbst zu sein, aber der nächste Schritt, Gefühle anderer Menschen verstehen zu wollen, fängt erst im 3. Lebensjahr so richtig an. Das hängt natürlich auch wieder damit zusammen, wie gut die Loslösung voran gekommen ist (s. gezielter Suchlauf unter "Loslösung") und wieviel aggressiver Impuls im Kind dafür benötigt wird. Ist dieser hoch, kommt das Prinzip Ausleben der eigenen Gefühle vor dem Prinzip Verstehen der Gefühle des Anderen. Also Fortschritte in Richtung Selbständigkeit und Autonomie bringen auch Fortschritte in Richtung Verständnis der Gefühle des anderen Menschen. Bleiben Sie also dran. Viele Grüße

 
Frage:   Frage zu Induktion

Hallo sehr geehrter Dr. Posth,
unser kleiner Schatz ist inzwischen 22 Monate u. seit einiger Zeit tröstet er uns meistens schon ganz toll mit eiei und einem Kuss, wenn wir auf kleine Attacken von ihm mit Induktion reagieren.Nur manchmal reagiert er gar nicht drauf und wir sind uns nicht ganz schlüssig ob wir ihn dann lassen sollen oder ihn nochmals zum trösten auffordern sollen.Meistens bitten wir ihn dann noch 1-2 mal uns zu trösten, lassen ihn dann aber.Wir wollen ihn auch nicht überfordern.Wie sehen Sie das?Ab wann ist es wichtig und sinnvoll, nachdrücklich aufs Trösten zu bestehen? Außerdem ist uns aufgefallen, dass er eigentlich vor allem nur in den Zeiten versucht zu beißen und an den Haaren zu ziehen o.ä.,wenn er wieder verstärkt Probleme mit dem Zahnen hat.Ist dann einfach die Hemmschwelle niedriger?
Vielen Dank für Ihre geschätzte Meinung, wir freuen uns schon!Auch wenn wir selber keine Frage haben, lesen wir immer mit großem Interesse und Vergnügen in Ihrem Forum!glg Melli

Antwort

Stichwort: Induktion

Hallo, die Möglichkeit zur Induktion fängt erst so richtig im 3. Lebensjahr an, also nach dem 2. Geburtstag. Am Anfang, d.h. deutlich unter 2 Jahren, spielen hier noch konditionierende Anteile eine Rolle. Das richtige Lernen mit eigenem Verständnis, mentaler Verankerung und zweckmäßiger Anwendung setzt noch eine Fortsetzung der kognitiven Entwicklungsschritte voraus. Aber es ist natürlich gut, wenn man früh damit anfängt. Nur wenn es dann einmal nicht klappen will, weil das Kind sich gerade auf ganz andere Dinge konzentriert oder sich einmal wieder Widersetzt, dann sollte man es mit einem Versuch bewenden lassen. Ein entspannter Umgang mit solchen Erziehungsschritte wirkt sich auf Dauer besser aus, als ein banges darauf Starren, ob es auch diesmal gelingt. Viele Grüße und vielen Dank für Ihr Lob

 
Frage:   Induktion

Hallo Dr. Posth, Ich habe heute eine Frage zur Induktion. Mein Sohn (16 Mo) fängt nun an , wenn etwas nicht nach seinem Willen geht zu beissen oder zu schlagen (interessanterweise nur mich)Ich habe nun 2x i:S der Induktion laut geweint und übertrieben gejammert. Leider fing er jedes Mal d bitterlich an zu weinen. (Hat es dann aber zunächst gelassen) Jetzt habe ich gelesen dass Induktion erst etwas für das 3 LJ ist. Habe ich damit etwas falsch gemacht , kann es ihm also schaden oder versteht er es einfach noch nicht? Und ist dieses Verhalten überhaupt in dem Alter schon normal?Warum zeigt er dieses Verhalten nur bei mir? Vielen Dank und Liebe Grüße

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Stichwort: Induktion

Hallo, mit 16 Monaten fängt die losgelöste Selbstvorstellung des Kindes erst an. Das heißt, Ihr Sohn ist diesbezüglich noch auf der Kippe. Teils schon eigenständiges Selbst, teils noch im Leih-Selbst-Status der Mutter verhaftet, erschrickt es vor der heftigen Reaktion seiner primären Bezugsperson und bekommt Angst. Das ist noch fast wie im ersten Stadium der Affektansteckung, wenn Empathie noch nicht möglich ist. Insofern geht echte Induktion erst so ab 2 Jahre. Bis dahin schützt man sich selbst und ermahnt das Kind eindringlich mit Blicken oder einer kurzen (harmlosen!) Abwehrreaktion. Viele Grüße

 
Frage:   Induktion klappt nicht

S. g. Dr. Posth,

unsere Tochter (etwas über 3 Jahre) trotzt in letzter Zeit wieder vermehrt (u.a. wg. Start im Kindergarten - trotz sanfter Eingewöhnung). Wir erlauben ihr diesen Rückschritt natürlich und versuchen, mit viel Zuwendung die Anfangsschwierigkeiten zu überbrücken. Papa ist noch nicht so der Star, bemüht sich aber. Insgesamt ist sie ein ausgeglichenes Kind, hat aber einen starken Willen. Wir versuchen unser Bestes, mit den Trotzanfällen umzugehen, meist klappt es auch ganz gut. Aber was tun wir, wenn sie haut, kratzt oder spuckt? (Macht sie selten, kommt aber vor.) Haben mehrfach Induktion versucht, das findet sie aber entweder lustig oder irritierend. Ich fühle mich auch nicht wohl damit, Weinen vorzutäuschen. Ich denke, dass das unser Kind verunsichert, wenn Mama oder Papa sich so verletzlich zeigen. Wie können wir noch reagieren?
Herzlichen Dank und viele Grüße!
Reba

Antwort

Stichwort: Induktion

Hallo, es hängt mit der eigenen Persönlichkeitsstruktur zusammen, wie bereit man für das übertriebene Zeigen von an sich harmlosen Verletzungen ist. Manche Menschen tun sich damit schwer, vielleicht weil ihnen dazu auch das Talent fehlt, vielleicht, weil man sich vor dem Kind für sein Täuschungsmanöver schämt. Dann genügt es, wenn man zumindest klar und deutlich den Unrechtscharakter der Handlung verbal zum Ausdruck bringt und das Kind zur einfachen Wiedergutmachung auffordert. Mit 3 Jahren ist ein Kind gewöhnlich auch sprachlich schon so weit, dass es für einfache Erklärungen zugänglich ist. Dabei kann man geschickt ein Kuscheltier, denn Teddybär oder die geliebte Puppe in Spiel bringen, der es ja auch wehtäte, wenn man sie zwickt, kratzt oder anspruckt. Das kann man dann viel leichter auch nachspielen. Und auch das zeigt seine Wirkung auf die Entstehung von Empathie. Viele Grüße

 
Frage:   Kind haut

Hallo Herr Dr. Posth,
mein Sohn ist 4,5 Jahre alt und haut mich seit kurzer Zeit, wenn er nicht bekommt was er möchte.
Manches Mal geschieht das so abrupt, dass ich dann reflexartig "zurück haue".
Wie kann ich diese Reaktion bei ihm abstellen?

Viele Grüße
sendet tanzsaby

Antwort

Stichwort: Induktion

Hallo, zunächst einmal sollten Sie sich so im Zaum halten können, dass Sie nicht zurück schlagen. Das einzige, dass Sie zum Selbstschutz einsetzen dürfen, ist das Festhalten der schlagenden Hand Ihres Sohnes oder die Abwehr mit dem eigenen Arm. Denn durch das Zurück-schlagen legitimieren Sie Ihren Sohn, so weiter zu machen. Sie müssten sich fragen, was im Moment diese Aggressivität bei Ihrem Sohn hervorruft. Das schließt ein, dass Sie hinterfragen, ob es gerechtfertig ist, was Sie ihm verbieten oder ihm versagen. Wenn die Einschränkung richtig und unumgänglich ist, gehört eine Erklärung dazu, damit das Kind spürt, dass sich das Verbot nicht gegen es selbst als Person richtet sondern gegen Sachinhalt allein. In diesem Zusammenhang sollte auch Alternativangebote von Ihnen gemacht werden. Oder Sie erklären den Grund der Aufschiebung, wenn eine Sache nur gerade jetzt nicht gegeben oder erlaubt werden kann. Auch das dient dazu, dem Kind klar werden zu lassen, dass es wichtige Gründe gibt, warum etwas verboten wird. Dass es also nicht gegen seine Person gerichtet ist. Mit 4 1/2 Jahren braucht ein Kind solche Erklärungen.
Wenn Ihr Sohn nicht von alleine merkt, dass die Schläge, die er Ihnen gibt, auch wehtun, dann müssen Sie ihm dass spiegeln. Also ruhig zeigen, das er Ihnen weh getan hat und notfalls auch ein bisschen übertreiben. Dadurch soll er angeregt werden, Sie zu trösten und durch einfache Maßnahmen wie Streicheln und Pusten die Sache wiedergutmachen (Induktion, s. gezielter Suchlauf). Viele Grüße

 
Frage:   Gewaltphantasien 3jähriger

Lieber Hr Dr Posth, mein 3 1/2-jähriger Sohn erschreckt mich neuerdings mit "Gewaltphantasien" im weitesten Sinne - er möchte Spielzeugmännchen mit seinen Zügen totfahren, eine kleine Feundin schubsen u ihr wehtun, seine Tante (sehr geliebt!) "ankreischen"/-husten, ihr Dinge klauen, sie aus dem Fenster schmeißen,... Gleiches bei einer älteren Nachbarin, die er nicht so mag. Tod und Altwerden sind generell gerade große Themen bei ihm. Ganz normal (will meine Reaktionen testen?) oder bedenklich? Induktion von mir bislang eher halbherzig angewandt, da mich sein Hauen mit dem Kopf, wenn ihm was nicht paßt, oft wütend macht. Hört auch nicht auf, wenn ich ihm eindringlich sage, dass das wehtut oder mal "jammere". Problem mit der Empathieentwicklung? Danke!

Antwort

Stichwort: Induktion

Hallo, zunächst einmal sind die Fantasien, die Ihr Sohn entwickelt, aus dem Bereich der Empathie resp. Nicht-Empathie. D.h. er beschäftigt sich mit den richtigen Fragen. Allerdings kommt er noch nicht auf die richtigen Schlüsse. Es stellt sich die Frage, woher Ihr Sohn diese Ideen hat. Dafür muss es einen äußeren Einfluss geben. Gibt es ältere Kinder in seiner Umgebung, die ihm so etwas beibringen? Gibt es andere Quellen? Das "Totmachen" ist für Ihren Sohn wenigstens jetzt noch kein moralischer Begriff. Da geht es nur um Ausleben von Aggression. Das gleiche gilt für Anschreien, die Scheibe einschmeißen usw.
Induktion setzt immer auch Belehrung voraus. Zwar in ganz einfachen Worten und Bildern, aber doch eindringlich müssen den Kindern die Zusammenhänge von Schmerzufügung und Verletzung klar gemacht werden. Auch eine negative Bewertung sollte das Erklärte beinhalten. Das eigene Vorbild muss stimmen. Hört ein Kind dann trotzdem nicht auf mit seiner Attacke, sollte man die auch abbrechen und sein Kind in Schranken weisen. Da scheint dann doch ein zu hohes aggressives Potenzial vorzuliegen, dessen Ursache abzuklären ist. Viele Grüße

 
Frage:   Hauen 4jährig

Lieber Hr. Dr. Posth, ich würde grene wissen, wie ich als Mutter mich am besten verhalte, wenn mein Sohn (4 J) mich haut. Er tut das sehr oft, immer wenn er wütend ist, oft auch zum "Spass", um Kontakt herzustellen oder zu raufen. Er freut sich auch, wenn ich mit ihm Tobe und es wild wird. Er ist sehr impulsiv. Andere Kinder haut er nicht, da kennt er die Regeln und beschwert sich eher bei Erwachsenen, wenn er gehauen wurde. Das Hauen tut mittlerweile auch weh, er hat ja schon Kraft. Ich verstehe ja, dass er distanz sucht und das Hauen ihm eben als erstes in den Sinn kommt. Aber wie am besten reagieren? Und: sollen Erwachsenen ihre "wilden Jungs" sich hauen lassen u nicht einschreiten, sondern die 4 jährigen das unter sich ausmachen lassen? Ich finde das nicht so gut, eine befreundete Mutter schon. Was meinen Sie? Mit frdl. Gruss, Helen

Antwort

Stichwort: Induktion

Liebe Helen, vorab: die Antworten auf Ihrer Fragen finden Sie versammelt im gezielten Suchlauf unter dem Stichwort "Induktion". Das Hauen "zum Spaß" ist eine (spielerische) Aufforderung an die Eltern, ihrem Kind zu zeigen, wie der richtige Sozialkontakt auf Aggresion funktioniert. Anders gesagt: das Kind will lernen, wie es mit seiner Aggression richtig umgehen kann und nicht der sozialen Zurückweisung ausgesetzt wird. Das heißt, Sie zeigen schon Ihren Ärger darüber, halten u.U. auch seine Hand fest und lassen sich nicht schlagen. Der Kommentar muss aber im guten Sinne belehrend sein und die Folgen des Schlagen für den Anderen aufzeigen. Mit seinen 4 Jahren ist Ihr Sohn jetzt auch schon in der Lage, die notwendigen sozialen Reaktion auf das Schlagen zu entwickeln und auszuüben, also z.B. Streicheln, Pusten, Umarmen und küssen (als Geste der Wiedergutmachung) oder symbolisch ein Pflaster aufkleben.
Ihr Sohn haut also nicht, um Distanz zu suchen. Das wäre aus dem kindlichen Sozialverständnis heraus unsinnig. Kind Kind möchte notwendigen Sozialkontakt gefähren oder verlieren. Und mit "wilden Jungs" hat das alles überhaupt nichts zu tun. Erstens handeln Mädchen genauso und zweitens wird da ein Männlichkeitsmythos herauf beschworen, der in der Welt schon so manche schreckliche Auswirkung gehabt hat. Viele Grüße

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