Entwicklungskalender
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Buchtitel - Gefühle regieren den Alltag
Buchtitel - Vom Urvertrauen zum Selbstvertrauen
 
 
     
 
  Entwicklung von Babys und Kleinkindern
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Antworten zum Stichwort: Fremdeln
Re: Nur die Mutter?
Re: Fehlende Anhänglichkeit?
Re: Fremdeln - 2. Teil
Re: Fremdeln?
Re: Verschiedenes
Re: Fremdeln
Re: Trennen/Fremdeln - gern auch an alle! (lang)
Re: Fremdeln schon mit 4 Mo.
Re: Fremdeln
Re: fremdeln
Re: Mein Sohn fremdelt gar nicht.
Re: Fremdeln?
Re: sensibel?
Re: Fremdeln
Re: schlafen und fremdeln
Re: sichere Bindung
Re: Tragen
Re: frühes Fremdeln
Re: Kein Fremdeln
Re: Leichtes Fremdeln?

 
Dr. Posth:   Re: Nur die Mutter?
 
Liebe Dorthe, Mike befindet sich jetzt in der Fremdelphase, die offenbar stark ausgeprägt ist. Fremdeln bedeutet, daß die Erkenntnisleistung des Säuglings einen großen Sprung macht, und zwar dahingehend, daß vertraut, bzw. beruhigend und fremd, bzw. beängstigend genau auseinandergehalten werden können. Da der Säugling eine Art Personalunion mit seiner primären Bezugsperson, die bei Ihnen wohl Sie sind, eingeht, irritiert es ihn stark, wenn Sie ihn unvertrauten Personen "anvertrauen". Die Fremdelangst kann sich auch schon mal bis auf den Vater ausdehnen. Das aber in der Regel nur kurz, wenn sich der Vater nämlich liebevoll um die Rückgewinnung des Vertrauens seines Kindes bemüht. Damit entlastet er dann die Mutter.
Säuglinge, die so stark fremdeln, werden häufig auch stark anhänglich mit ca. 1 Jahr sein. Dies umso mehr, je stärker man sie fremden Personen aussetzt, also ganz anders, als viele Leute behaupten. D.h. Vertrauen zu fremden Menschen ist eigentlich keine Gewöhnungssache. Erst, wenn das Gefühl der Fremde und der Bedrohung aufgelöst ist, kann die Gewöhnung beginnen. Das ist die Grundlage für alle Antworten auf Babysitterfragen.
Sie müssen also die wenigen Monate des starken Fremdelns mit Ihrem Sohn aushalten, um ihm die Gewöhnung an Ersatzbezugspersonen zu ermöglichen (vielleicht eine Großmutter oder Freundin) und um eine allzu große, von (Verlust-)Angst geprägte Anhänglichkeit zu vermeiden. An diesem "Balanceakt" in der frühen Mutter-Kind-Bindung entzünden sich entscheidende Verhaltensweisen des Säuglings in der späteren Kindheit (und darüber hinaus). Viele Grüße
 
 
Dr. Posth:   Re: Fehlende Anhänglichkeit?
 
Hallo noch einmal, die Behauptung, daß schwach fremdelnde Säuglinge keine so starke Bindung an ihre Mutter entwickelten, erscheint irgendwie plausibel, ist aber falsch. Das Ausmaß des Fremdelns ist mehr von den Charakternalagen abhängig als von der Bindungsintensität. Allerdings fremdeln schlecht gebundene ältere Säuglinge heftiger (erhöhter Angstfaktor), v.a. wenn sie auch temperamentvoll sind. Ebenso falsch ist die Auffassung, daß viel herumgereichte Säuglinge sich an die fremden Menschen gewöhnten. Allenfalls entwickeln sie ein vermeidendes Verhalten, was ihre Angstgefühle angeht. Eine unsicher vermeidende Bindung ist aber ein deutlicher Risikofaktor für die weitere Entwicklung des Selbst.
Aus all dem können sie schließen, daß Sie den richtigen Gedankenansatz im ersten Lebensjahr vertreten haben.
eine konkurreierende Bezugsperson könnte die Oma trotzdem sein, wenn sie wichtige Aufgaben in der Pflege Ihres Sohnes übernommen hat. die geringe Verfügbarkeit des Vaters macht sie jetzt in der Phase der Loslösung aber zu einer wichtigen "3.Person". So müssen Sie die Zusammenhänge verstehen. Prinzipiell müßte sich Ihr Mann viel stärker seinem Sohn verfügbar machen. Eine typische Schwierigkeit in unserer vollbeschäftigten Gesellschaft, die automatisch zu Unsicherheiten in der Loslösung führt. Solche Kinder ertrotzen ihre Loslösung viel stärker als andere und jetzt kommt dieselbe Frage wie im 1. Lebensjahr: Schreien-lassen = Grenzen-setzen, oder Geborgenheit-bieten = Regeln-erarbeiten. Wie Sie wissen, bin ich für das jeweils letztere. Dazu mein Langtext über das emotionale Bewußtsein. Viele Grüße
 
 
Dr. Posth:   Re: Fremdeln - 2. Teil
 
Hallo, ja, diese skeptischen Blicke sind eindeutig auch Fremdeln. Über das Fremdeln wurde bisher in der Entwicklungspsychologie wenig berichtet und v.a. wurde keine Fremdelskala entwickelt. Für die Ztschr. Kinderärztliche Praxis habe ich das Fremdeln des Säuglings in drei Stufen eingeteilt, wobei die erste der lang andauernde, skeptische Blick ist. Dieser kann je nach Temperament des Kindes und spontaner Sympathiegefühle sehr schnell in ein Kontaktlächeln übergehen. Es hängt natürlich viel auch von der Mimik des Fremden ab, wie der Säugling reagiert.
Ansonsten erscheinen sicher gebundene Säuglinge insgesamt ruhig und ausgeglichen, so wie offenbar Ihr Sohn. V.a. in der beginnenden Phase der Anhänglichkeit, die ja bei Ihrem Sohn erst noch kommt, zeigt der Säugling, resp. das Kleinkind, das es nur in der Nähe der Mutter absolut sicher ist und freudig auf Entdeckungsreise geht. Das jedenfalls ist das Ergebnis der klassischen Untersuchungen v. M. Ainsworth, Untersuchungen, die inzwischen vielfach bestätigt worden sind. Und eine Großmutter als Ersatzmutter im Hintergrund kann eigentlich nur von Nutzen sein. Viele Grüße
 
 
Dr. Posth:   Re: Fremdeln?
 
Liebe Ursel, das ist eindeutig fremdeln, was Ihre Tochter jetzt zeigt. Fremdeln bedeutet, daß es ein Säugling gelernt hat, zwischen fremd und vertraut zu unterscheiden. Das ist wichtig für ihn, um seine Bindung einzugehen. Diese sog. primäre Bindung ist exclusiv, was erklärt, warum auch Großeltern und häufig sogar der Vater angefremdelt werden. Es handelt sich also um einen normalen Vorgang und ist kein Zeichen besonderer Sensiblität. Wenn man in dieser Phase mit einer frühen Fremdbetreuung beginnen möchte, so ist das immer recht kompliziert. Es geht grundsätzlich nur mitttels einer Ersatzbezugsperson, die liebevoll und mit Geduld eingeführt werden muß und die dann manchmal mit der leiblichen Mutter in Konkurrenz tritt. In der Regel aber bildet des Säugling eine Hierarchie seiner Bezugspersonen. Besser ist es jedoch für den Säugling, das erste Lebensjahr ganz in der Obhut der Mutter zu bleiben und erst im zweiten Lebenjahr im Rahmen der ohnehin einsetzenden Loslösung vorsichtig mit Ersatzbezugspersonen zu "operieren". Der Vater käme da natürlich absolut gelegen, wäre also die hundertprozent geeignete Person, bis dann eine oraganisierte Fremdbetreuung im Kindergarten möglich wird. Viele Grüße
 
 
Dr. Posth:   Re: Verschiedenes
 
Hallo Claudine, die "Samthandschuhe" sind gemeint für eine Übervorsichtigkeit im Umgang mit Ihrem Säugling. Ein Säugling ist keine Porzellanpuppe. Er muß spüren, daß er von sicheren und starken Händen gehalten wird. Aber das Fremdeln muß von fremden Erwachsenen toleriert werden, denn es ist Ausdruck einer "Verteidigung der eingegangenen Bindung". Erwachsene müssen lernen, die Bedrüfnisse der Säuglinge zu verstehen und zu respektieren, nicht umgekehrt. Abstillen in zweiten Lebensjahr ist generell in Ordnung, obwohl kein Muß. allerdings bleibt im Fall des Weiterstillens auch der Schlafrhythmus im Stillniveau. Die abendliche Breimahlzeit ist obligat und zum Einschlafen könnte dann doch noch die Brust gegeben werden (später besser ein Milchfläschchen). In der Nacht dürften dann aber nur noch Beruhigungsmaßnahmen außer dem Stillen erfolgen. Zur Not geht auch einmal das Tee- oder Wasserfläschchen. Besser sind Nuckel, Schmusetuch, Mamas getragenes T-schirt u.ä. Auch sollte jetzt immer häufiger der Vater an den Beruhigungsmaßnahmen beteiligt sein. Dafür muß er aber auch tagsüber sich mit einschalten. Wenn einem diese Schritte ruhig und besonnen gelingen, dauert es nur wenige Nächte und das Stillbedürfnis hört auf. Viele Grüße
 
 
Dr. Posth:   Re: Fremdeln
 
Hallo, ja fremdeln "muß" Ihre Tochter, das ist ein natürlicher Prozeß. Die Stärke des Fremdelns ist allerdings individuell sehr unterschiedlich und hat etwas mit Charakteranlagen zu tun. Stark fremdelnde Säuglinge sind eher ängstlich veranlagte Wesen. Es macht gar keinen Sinn, aktiv einen Gewöhnungsprozeß an fremde Menschen einzuleiten, um das Fremdeln dadurch abzuschwächen. Es geht nur so, daß ein anderer Mensch als die primäre Bezugsperson sich behutsam und liebevoll in die Pflegevorgänge einschaltet, so daß das Bedürfnis des Säuglings nach Distanz zu dieser Person langsam nachläßt. Übrings sind stark fremdelnde Säugling auch am Anfang der Loslösungsphase eher anhängliche Kleinkinder, was für die Veranlagung spricht (und nicht für eine Verwöhnungsfolge). Viele Grüße
 
 
Dr. Posth:   Re: Trennen/Fremdeln - gern auch an alle! (lang)
 
Liebe Sylvia, ein großer Fehler besteht in der Auffassung, Trennungen könnte der Mensch lernen, oder es gäbe die Möglichkeit, ein Kind an Trennungen zu gewöhnen. Das Gegenteil ist der Fall. Erzwungene Trennungen bei noch nicht selbständigen Kindern führen zu einer Verunsicherung in der Bindung und im Vertrauen auf die Bezugsperson (Urvertrauen). Diese Verunsicherung läßt dann bestenfalls eine leidliche Anpassung zu, schlechtestensfalls verusacht sie eine massive Verdrängung. Je mehr Verdrängung, das jedenfalls lehrt die Tiefenpsychologie, desto höher das Risiko für eine psychische Irritation oder Störung. Die Trennungsängstlichkeit ist die häufigste psychische Störung im Kindesalter!
Aber die Natur hat ja eine Lösung vorgeben. Es ist die der sanften Ablösung. Die gilt nicht nur im Ki-ga, sondern auch bei der frühen Fremdbetreuung. Wenn Ihre Tochter also die befreundete Familie sehr gut kennt und die weibliche Anlaufstelle dort als Ersatzbezugsperson akzeptiert, wird es vermutlich keine Probleme geben. Vorsichtiges Vortasten wäre allerdings immer wichtig. Erst wenn das Selbst eines Kindes stabil genug ist, kann man in solchen Dingen zügiger vorgehen. Viele Grüße
 
 
Dr. Posth:   Re: Fremdeln schon mit 4 Mo.
 
Liebe Sabine, ja etwas sensiblere Säuglinge fremdeln schon mit 4 Monaten. Die Geschichte von der Achtmonatsangst, die immer wieder voneinander abgeschrieben wird, stimmt nicht (s. mein Langstext, Teil 2, link oben links). Ich habe in meiner Praxis sogar zwei Säuglinge erlebt, die schon mit 3 Monaten eindeutige Fremdelerscheinungen zeigten. Früher hätte das niemand geglaubt, aber es gibt soviel "Märchen" über Säuglinge und Meinungen und Behauptungen, die nicht stimmen. Leider findet man sie auch in vielen Ratgebern wieder. Viele Grüße
 
 
Dr. Posth:   Re: Fremdeln
 
Stichwort: Fremdeln
Hallo, das Ergebnis meiner Beobachtungen zum Fremdelverhalten und zur Anhänglichkeit ist das, daß sowohl der Fremdeleaffekt als auch die Anhänglichkeit stark von angeborenen Anlagen und Voraussetzungen im Temperament abhängig sind. Dabei sind die Kinder, die als Säugling schwach gefremdelt haben (skeptische Blicke ist Fremdelstadium 1) - eine gesunde psychosoziale Entwicklung vorausgesetzt- auch die, die weniger anhänglich sind. Davon abweichend spätere starke Anhänglichkeit, wie auch vermeidendes Verhalten (so tun, als ob einen das alles nicht berührt) ist in der Regel ein Zeichen für falschen Umgang mit dem fremdelnden Säugling oder ein Zeichen für häufiges Schreien-lassen. D.h. man kann durch falschen Umgang schwache Fremdler ängstlich und unsicher machen. Umgekehrt ist es etwas schwieriger, aber ein stark fremdelndes Kind profitert sehr von einem behütenden Umgang.
So frühe Fremdbetreuung ist in diesem hoch sensiblen Geschehen immer ein Risiko. Es gelingt weitgehend atraumatisch eigentlich nur über eine geeignete Ersatzbezugsperson. Viele Grüße
 
 
Dr. Posth:   Re: fremdeln
 
Stichwort Fremdeln
Hallo, meinen Beobachtungen nach fremdeln höchsten 25% aller Säugling schon mit 4 Monaten, etwa 50% fremdeln mit einem halben Jahr und der Rest erst mit ca. 9 Monaten. Die Frühfremdler sind meist auch die sehr sensiblen Kinder.
Ihre Tochter hat demzufolge also noch Zeit. Sie müssen aber bedenken, daß langes Mustern eines fremden Gesichts, merkwürdige Ernsthaftigkeit und die Mundwinkel verziehen auch zum Fremdeln gehören. Viele Grüße
 
 
Dr. Posth:   Re: Mein Sohn fremdelt gar nicht.
 
Hallo, normalerweise fremdelt jeder Säugling, manche aber so wenig und versteckt, daß Eltern dieses "Stadium I" nicht als Fremdeln wahrnemen. Die Stärke des Fremdelns hängt größtenteils von den Charakteranlagen des Kindes ab, wobei es natürlich Kinder gibt, die sehr neugierig und interessiert erscheinen und wenig von Vorsicht und Angst geprägt sind. Vielleicht gehört Ihr Sohn dazu. Vielleicht kommt das Fremdeln aber erst noch richtig. Manche Säuglinge empfinden die Exklusivität der primären Bindung ziemlich spät. Ein Gewöhnen an fremde Personen oder fremde Umgebung erscheint problematisch und gelingt auch nicht. Viele Grüße
 
 
Dr. Posth:   Re: Fremdeln?
 
Stichwort: Fremdeln
Hallo, erstens kann das Fremdeln noch kommen und zweitens gibt es tatsächlich Säuglinge, die sehr versteckt und schwach Fremdeln. Wenn man sehr geschult ist, erkennt man aber auch bei diesen Säuglingen Anzeichen von Fremdeln. Fremdeln ist zum großen Teil Ausdruck der anlagemäßigen und charakterlichen Einstellung des Kindes. Je ängstlicher und empfindlicher, um nicht zu sagen sensibler, ein Kind ist, desto früher und stärker fremdelt es. Die Neigung zur Ängstlichkeit bleibt im Leben bis zu einem gewissen Grade erhalten. Durch die sichere Bindung aber verliert der Säugling einen Teil seiner Ängstlichkeit. eine unsicher Bindung verstärkt sie. Am Ende des 1. Lebensjahres im Rahmen der alterstypischen Anhänglichkeit, kann man eine erste vorsichtige Bilanz ziehen (s. mein Langtext, Teil 2, link oben links).
Das Gegenteil des Fremdeln ist die Neugier auf alles Neue und auch Fremde. Fühlt sich ein Säugling sicher und geborgen, wächst diese neugier stark an. Viele Grüße
 
 
Dr. Posth:   Re: sensibel?
 
Stichwort: Fremdeln
Liebe Claudia, Neugier auf Fremde(s) und Angst vor Fremde(n) scheinen bei den Säuglingen in einem einigermaßen ausgewogenen Verhältnis zueinander zu stehen. Das hat die Natur aus gutem Grund so vorgegeben. Das Bedürfnis nach Schutz sollte das Bedürfnis nach Erfahrung nicht erdrücken. Aber im Einzelfall sind die Säuglinge unterschiedlich "begabt". Die einen sind etwas wagemutig und streben auf den oder das Fremde zu und die anderen sind etwas ängstlich und vorsichtig und ziehen sich auf den elterlichen Arm zurück. Zu letzterer Gruppe gehört offenbar Ihr Sohn. Mag sein, daß er dadurch auch etwas sensibler ist, aber das ist dann seine Veranlagung, mit der Sie auskommen müssen. Üben kann man das Zugehen auf Fremde jedenfalls nicht, man erreichte dadurch eher das Gegenteil. Viele Grüße
 
 
Dr. Posth:   Re: Fremdeln
 
Stichwort: Fremdeln
Liebe Maria, Fremdeln ist in der Hauptsache Ausdruck einer Veranlagung, was nicht daran hindert zugleich aus Zeichen der eingegangenen Bindung zu sein. Folglich ist der Grad der Anhänglichkeit bei sicherer Bindung etwa identisch mit dem Fremdeln und ebenfalls Ausdruck der Veranlagung. Allerdings trägt die sichere Bindung bis zu einem gewissen Grad zur Entspannung und Angstfreiheit bei.
Mit etwa 1 1/2 verstärkt sich die Angst vor Fremden noch einmal vorübergehend durch die Tatsache, daß das Kleinkind jetzt das endgültige Getrenntsein von der primären Bezugsperson erkennt (Spiegeltest). Aber wie gesagt, das ist nur vorübergehend. Wenn die Loslösung dann normal weiter voranschreitet, kommt sofort wieder das Erkunden und Ausschwärmen, um das Neue zu erfahren. Viele Grüße
 
 
Dr. Posth:   Re: schlafen und fremdeln
 
Hallo, solange ein Säugling nur skeptisch guckt, hält er die "Konfrontation" mit dem fremden Menschen ja aus. Wenn Sie als Mutter zunächst dabei bleiben und den Rückzug sofort absichern, kann die Großmutter ihr Enkelkind sicher auch auf den Arm nehmen. Je geschickter und einfühlsamer sie dabei ist, desto besser entwickelt sich eine Ersatzbeziehung, auf die Sie dann in Zukunft zurück greifen können. Aber dazu gehört ein bißchen Fingerspitzengefühl.
Was die unruhigen Nächte angeht, müßte ich zuerst fragen, ob Ihre Tochter noch richtig satt wird. Was macht das Gewicht? Notfalls beim KiA noch einmal kontrollieren lassen. Wie ist es tagsüber mit dem Nahrungsbedürfnis? Diese Dinge sollten Sie vielleicht zuerst einmal klären. Sie können mir ja dann gerne wieder schreiben. Viele Grüße
 
 
Dr. Posth:   Re: sichere Bindung
 
Stichwort: Fremdeln
Hallo, Fremdeln ist generell ein wichtiges Zeichen des Säuglings dafür, daß er eine Bindung eingegangen ist. An wen läßt sich am besten ermitteln, indem man beobachtet, bei wem er sich am schnellsten beruhigt oder zu wem er sich im "Ernstfall" hin flüchtet. Die sichere Bindung unterscheidet sich von den Formen der unsicheren dadurch, dass der Säugling mit etwa 1 Jahr, bei seiner Mutter den Kontakt mit fremden Personen akzeptiert und je nach Veranlagung sogar sucht. Sicher heißt auch, dass er momentweise seine Mutter entbehren kann und bei einer einigermaßen vertrauten Person ohne Angst zu bekommen bleibt. So etwas lässt sich eigentlich nur konkret beobachten und nicht theoretisch abklären.
Dass ein Säugling gerne mit fremden Personen lacht und sie mimisch oder mit Stimme zum Kontakt anregt, ist charakterspezifisch und kein Zeichen für eine nicht gelungene Bindung. Viele Grüße
 
 
Dr. Posth:   Re: Tragen
 
Stichwort: Fremdeln
Hallo, mit Loslösung hätte das nur dann etwas zu tun, wenn sich Ihr Sohn an diese neue Person anbinden würde, um sich aus der primären Bindung zu Ihnen herauszulösen. Ziel der Loslösung ist das eigenständige Selbst.
Nein, was Ihren Sohn auf die fremden Arme treibt, ist die schiere Neugier. Und die wird solange ausgekostet, wie sie sich durch die neue Situation erhalten lässt. Denn Neugier hat auch etwas Befriedigendes und schürt die Motivation. Und ein sicher gebundenes Kind kann sich seiner Neugier viel freier hingeben, als ein unsicher gebundenes. Das ist also der Grund, warum Sie als Mutter im Moment dann "abgemeldet" sind.
Verhält sich der Fremde aber nicht kindgerecht oder bemerkt ds Kind, dass ihm der Fremde doch unsypathisch ist, dann flüchtet es sich schnell wieder auf der mütterlichen Arm zurück. Viele Grüße
 
 
Dr. Posth:   Re: frühes Fremdeln
 
Stichwort: Fremdeln
Liebe Anita, das Fremdeln hat etwas mit Angstgefühlen zu tun und zeigt, dass der Säugling die Sicherheit bei seinen Bezugspersonen braucht. Wenn man diese Sicherheit gibt, hört die Angst auf und er beruhigt sich. Das also allein genügt. Nun deswegen jede Situation zu meiden bringt keinen entscheidenden Vorteil. DEr Säugling selbst verhält sich ja auch anders. Zunächst ist er neugierig und hat häufig sogar das Bedürfnis, den unbekannten Menschen kennenzulernen, dann aber überfällt ihn plötzlich das Unbehagen. Dadurch, dass Sie prompt und richtig auf die Signale reagieren, schöpft er zusätzliches Vertrauen in Sie als seine primäre Bezugsperson und ist zufrieden. In diesem Vorgang steckt also auch ein Beitrag zu wichtigen Grunderfahrungen. Viele Grüße
 
 
Dr. Posth:   Re: Kein Fremdeln
 
Stichwort: Fremdeln
Hallo, Femdeln ist zwar ein wichtiger Indikator für das eingehen und funktionieren der bindung, aber wie stark ein Säugling fremdelt, das hängt hauptsächlich von seinem Temperament ab. Übrigens fremdeln viele Säuglinge sehr kurz und versteckt, was oft nur ein Geübter direkt erkennt.
Allerdings kann eine Mutter durch unzuverlässiges, nächlässiges und abweisendes Verhalten die Fremdelstärke eines Säuglings verstärken, was ich nicht empfehlen würde. Aus der Fremdelstärke einen Liebesbeweis abzuleiten, ist sicher nicht berechtigt. Da würde der ängstliche Säugling auf einmal zum Liebenden und der eher angstfreie zum Gleichgültigen. Fremdeln kann übrigens auch noch etwas später kommen. Früher sprach man immer von der 8-monatsangst. Das ist aber heute nicht mehr richtig so. Im Einzelfall stimmt es dann manchmal doch. Viele Grüße
 
 
Dr. Posth:   Re: Leichtes Fremdeln?
 
Stichwort: Fremdeln
Stichwort: Fremdeln
Hallo, das Fremdeln dient in der Natur des Menschen einerseits als Bestätigung, eine Bindung eingegangen zu sein, andererseits auch als Schutzreflex, sich vor gefährlichen Abenteuern in Acht zu nehmen. Dem Fremdeln steht die Neugier gegenüber und das Interesse, etwas auszuprobieren. Menschen, die auf Dauer nur Fremdeln, entwickeln Angst und verkriechen sich zuletzt. sie lernen nichts kennen, was ihre Angst überwinden hilft. So gehen Kinder manchmal ganz spontan Risiken ein, wenn sie die Lust dazu überkommt. Das betrifft vor allem anderen Menschen, wenn diese ihnen interessant und/oder sympathisch erscheinen. Das Neue, was sie dabei erfahren, hilft ihnen dabei, zuviel Fremdenangst zu überwinden. Das Verhalten Ihrer Tochter ist somit gut verstehbar. Viele Grüße