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Kinderarzt Dr. Posth

Dr. Rüdiger Posth - Entwicklung von Babys und Kleinkindern

Geschrieben von henricke am 18.02.2013

Anhänglichkeit

Lieber Herr Posth,
meine Tochter( im März 3 Jahre) ist seit einiger Zeit wieder sehr anhänglich. Eigentlich sehr gut losgelöst, soll ich nun wieder alles tun-anziehen, Zähneputzen, ins Bett bringen...Der Papa darf gar nichts mehr, obwohl er sich immer sehr liebevoll bemüht. Seit einem halben Jahr hat sie ein kleines Geschwisterchen. Liegt es wohl daran? Ich bemühe mich, sie nicht zu kurz kommen zu lassen. Kann man darauf bestehen, dass der Papa sie ins Bett bringt? Ich muss zur gleichen Zeit häufig stillen usw und bin natürlich abends über eine Entlastung dankbar oder geht das nach hinten los? Im März soll es mit dem Kindergarten losgehen, sie ist ansonsten sehr selbstbewußt und reif für ihr Alter, dennoch mache ich mir Gedanken, da es ein Kindergarten mit offenen Konzept ist. Ist diese Anhänglichkeit ein Zeichen, dass sie vermutlich noch nicht reif ist für den Kiga?
Liebe Grüße, Henrike

*Antwort:

Re: Anhänglichkeit

Antwort von Dr. Posth am 21.02.2013 Uhr
 
Liebe Henrike, wenn ein Geschwisterchen zur Welt, muss das ältere Kind auf eine Teil der mütterlichen Zuwendung verzichten. Das ist ein Naturgesetz. Aber es gibt eine zweite Bindungsperson in der Familie, der Vater. Der sollte jetzt kraft der Loslösung dem älteren Geschwister die fehlende mütterliche Zuwendung ersetzen. Mehr noch, der Vater solte seine Chance nutzen, die Bindung zu diesem Kind noch zu stärken und auszubauen.
Nur steht dem häufig die Realität im Wege. Berufliche Belastung und gesellschafltiches Vorurteil halten viel Väter davon ab, ihre angestammte Rolle gebührend auszufüllen. Spürt dann das Kind, dass der Vater ihm nicht wirklich zur Verfügung steht, kommt es zur Regression (s. gezielter Suchlauf), und dann ist der Vater schnell "abgemeldet". Es passiert, was Sie von Ihrer Tochter beschreiben (s. "Eifersucht auf den Neuankömmling" im gez. Suchlauf). Wenn jetzt noch die Ablösung in den Ki-ga bevorsteht, kann es zu einer heftigen Verweigerungshaltung kommen.
Man kann das Kind aber nicht zwingen, sich dem Vater wieder intensiver zuzuwenden. Da muss schon der Vater kommen und dem Kind durch einfühlsame und attraktive Angebote seine Bereitschaft zu Bindungsstärkung beweisen. Lassen Sie Ihrer Tochter für ene sanfte Ablösung viel Zeit, sonst könnte es schwierig werden. Viele Grüße
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