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Geschrieben von Ralph am 09.11.2004, 12:16 Uhrzurück

@schneckchenmama

Hallo,

Deinen Ausfall kann ich nun wirklich nicht nachvollziehen. Das Thema Drogen und alle daran anschließende Themen muß man sehr differenziert betrachten. Und insbesondere nachdem soviele Projekte und Programme nicht den gewünschten Erfolg gezeitigt haben sollte man nicht so blind sein und eine bestimmte Idee von vornherein als Blödsinn abqualifizieren.

Ich habe im Laufe MEINER Tätigkeit auch viel mit Drogenabhängigen zu tun gehabt, kenne ihre "Verläßlichkeit" bis zum Abkot... und kann das Geseiere und Gelabere schon gar nicht mehr hören. Das beginnt anfangs mit "Ich hab alles im Griff..." über "Wenn ich will, hör' ich auf..." bis "Ich habs geschafft...". Klaro, mit rotunterlaufenen Augen, stoned bis zum gehtnichtmehr, und nichts auf die Kralle kriegend! :-((

In Hamburg lief/läuft über Jahre das Pola-Programm. An sich eine gute Sache, aber leider wurde und wird Beikonsum geduldet. Bei Beikonsum würde ich den Abhängigen sofort rauswerfen. Dann muß er/sie halt noch einmal in die Gosse zurück. Da ist jeder Cent schade drum. Erst wenn er/sie wirklich 100% substituiert werden will, lohnt das Ganze den Aufwand, alles andere ist halbgares Zeugs. Hilfe anbieten, ja, zu jeder Zeit, aber nicht um jeden Preis. Kommt ein Abhängiger in die Beratung und will ehrlich weg von der Droge, dann sollte man ihm alle mögliche Hilfe zukommen lassen, nicht aber, wenn das Ganze nur halbherzig ablaufen soll.

So schlimm es sich anhört, aber in erster Linie sind die Süchtigen selbst Herr ihres Schicksals. Daß es Faktoren gibt, die eine Lösung vom Suchtmittel erschweren, steht außer Frage. Aber niemand anders als sie selbt können letztlich den Impuls setzen, den Abnabelungsprozeß weg von der Droge starten. Das kannst weder Du, noch der Berater, der Arzt, der Freund/die Freundin... Schuldzuweisungen sind daher fehl am Platz.
Keine Frage auch, daß Dealer verfolgt werden müssen, meines Erachtens auch, saofern Ausländer, konsequent ausgewiesen gehören (für mich ist Dealerei ein Verbrechen). Sicherlich haben sie auch eine Teilschuld an der Misere, aber es hilft nichts, daß die Hauptrolle der Süchtige spielt.

In meinen Augen gibt es in der Tat eine ganze Menge guter Argumente, jede Art von Drogen insoweit zu legalisieren, daß sie auf Rezept vom Arzt verschrieben und gegeben werden. Welche Indikationen es dann gibt (Sucht- und/oder Schmerztherapie), wie das Ganze im Einzelnen ausgestaltet werden muß, das müßte sehr klar definiert werden. Ich halte es aber für falsch, so wie Du diesem Vorschlag von vornherein die Seriösität abzusprechen. Es gibt mir inzwischen zuviele gute Ideen, ob in Zürich, Amsterdam oder auch in den USA, die sich gut anhören, bei denen aber nach Jahren der Erprobung relative Ernüchterung sich einstellte.

Ich habe bei meinen Kindern schon zu Kleinkindzeiten mit der Drogenprävention begonnen, ich habe zwar irgendwie das Gefühl, daß es etwas gebracht hat, den ersten Joint meiner Tochter konnte ich damit trotzdem nicht verhindern, OBWOHL sie für die Schülerzeitung Aufklärungsartikel über die verschiedenen Drogen verfaßt und veröffentlich hat.

Geblieben ist sie nicht dabei, und es gibt keine Garantie, und ich bin dankbar für jeden Tag, wo meine Kinder drogenfrei bleiben. Auch ich empfinde eine Wut auf Dealer.
Das Problem an sich aber ist dermaßen komplex, daß man auch an unorthodoxe Lösungen denken (dürfen) muß. :-)

In diesem Sinne alles Gute
Ralph/Snoopy

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