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Geschrieben von marit am 06.05.2004, 15:44 Uhrzurück

Re: @frosch, auch wenn ich nicht Elisabeth bin

Hallo Antje,

also ich versteh das so, daß es noch nie einer Generation wirtschaftlich so gut ging, wie unserer Elterngeneration (im Allgemeinen, es geht nicht um Individualschiksale). Sie haben alle recht wenig in die Rentenkassen zahlen müssen und bekommen jetzt das Maximum heraus, sie hatten zu einem recht großen Teil das Glück subventionierter Arbeitsplätze (v.a. im Bergbau und in der Landwirtschaft), sie hatten das große Glück (was wir ihnen natürlich gerne gönnen)einer quasi-Vollbeschäftigung, als sie auf den Arbeitsmarkt kamen. Schon die Generation danach, die Ende der 50er geboren wurde, hatten viel weniger Chancen, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Sie konnten in großem Umfang von billigen Baukrediten und Steuergeschenken (wie Eigenheimzulagen etc. profitieren). Oft höre ich von dieser Generation "ich hab mir meine Rente verdient, schließlich habe ich 40 Jahre lang gearbeitet. Daß es aber ein riesiges Glück ist, überhaupt die Möglichkeit gehabt zu haben 40 Jahre arbeiten zu können, ohne z.B. auch nur ein mal umziehen zu müssen, DAS sehen sie nicht. Der Nachkriegsgeneration stand beruflich eigentlich alles offen - trotzdem haben sie so sehr über ihre Verhältnisse gelebt, daß wir heute so hoch verschuldet sind.

Natürlich ist nicht unbedingt ein Einzelner dafür verantwortlich zu machen... aber es ist schon merkwürdig, daß sich z. B. mein Vater noch leisten konnte, mit EINEM Gehalt eine 5köpfige Familie zu versorgen, ein Haus zu bauen und stets 2 Autos vor der Tür stehen zu haben. Heute würde das von einem einzigen Gehalt (mein Vater war angestellter Rechtsanwalt, nicht etwa Chef eine großen Firma) nie und nimmer gehen, weil die Abgaben ebenso wie alle damit verbundenen Kosten viel höher sind. Das ist aber nicht unsere jetzige Regierung schuld, auf der ihr immer herumhackt, sondern die früheren (bzw. deren Wähler). Diese Generation hat z.B. verdammt wenig Geld ins Bildungssystem gesteckt, obwohl es ihr so gut ging.

Daß ausgerechnet diese Generation sich jetzt wegen eines kleinen Rentenabschlages aufregt, obwohl sie bisher in jeder Hinsicht bevorzugt wurde, kann ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Meine Mutter hält es z.B. noch heute für mein persönliches Versagen, in einer 3-Zimmer-Wohnung zu leben. "Mieter" sind für sie fast so etwas wie "Zigeuner" (sie war halt der Eigenheim-Gehinrwäsche der fühen 60er ausgesetzt). Ihre üppige Hinterbliebenenrente (von der sie überzeugt ist, sie stehe ihr absolut zu und sei viel zu gering) bringt sie auf Reisen mit einem ebenfalls gut betuchten Rentner, mit dem sie zusammenlebt (sie heiraten nicht, weil dann eine Rente wegfiele) durch. An meiner Ausbildung hat sie sich mit keinem Cent beteiligt (O-Ton: ich verzichte für meine erwachsene Tochter doch nicht auf meinen "verdienten" Urlaub)und ihre Lebensarbeitsleistung besteht in einer kaufmännischen Ausbildung und 2 Jahren als Journalistin. Außerdem hat sie 3 Kinder in die Welt gesetzt, die die meiste Zeit sich selbst überlassen waren.

Subjektiv hat sie das Gefühl, vom Leben und vor allem vom deutschen Staat "massiv benachteiligt" zu sein, und zwar deshalb, weil ein Erbe auf das sie schon spekuliert hat vermutlich für die Heimpflege ihrer Schwiegermutter draufgeht.

Das ist eben AUCH Realität in Deutschland, es gibt nicht bloß die arme Alleinerziehende, die mit der Rente zwangsläufig in Armut versinkt.

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