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Geschrieben von junonie am 22.09.2004, 13:24 Uhrzurück

@dagmar

Hi Dagmar,

genau diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Du hast nicht zufällig in Leimen gewohnt? Dort wurde auch ein Stadtteil für die Deutschrussen gebaut, ein (ehemals) schönes Neubauviertel.
Ich bin durch Zufall dort hineingeraten, weil ich wegen meines Studiums nach HD ziehen musste. Wohnungen waren rar und teuer, und in Leimen bekam ich seltsamerweise sofort eine kleine Neubauwohnung zu einem erschwinglichen Preis. Ich kannte mich damals dort nicht aus, aber dachte, dass es in einem Neubauviertel nicht so schlecht sein kann.
Wir zogen alle gemeinsam am selben Wochenende ein, weil das Haus bzw. der Straßenzug gerade fertig geworden war.
Ich habe erstmal nichts gepeilt und mich nur gewundert, dass die Leute alle neue (noch verpackte) Möbel (Sofas, Kühlschränke usw.) in ihre Wohnungen schleppten, während ich mich etwas beschämt mit meinem alten Kram die Treppe hochgedrückt habe.

Ich habe nach einigen Wochen erst verstanden, wo ich hingeraten war, nachdem ich mich über die alten und jungen, saufenden Männergruppen vor den Häusern gewundert hatte und abends den wehmütigen Liedern aus der fernen Heimat lauschen durfte. Keiner sprach deutsch, keiner grüßte im Treppenhaus zurück, die Leute drehten sich weg.
Gut, dachte ich, muss ich mich halt anpassen und blieb weiter freundlich.

Ich habe dann versucht, bei dem fahrenden Lädchen zu kaufen, der oft in unserer Straße hielt. Dort bediente man mich aber nicht. Ich habe mangels Russischkenntnisse dann mit dem Finger auf die Tomaten gezeigt, die ich wollte, und der Typ drehte sich einfach um. Meine Stimmung schlug dann so langsam um.

Nach einer Woche war das Treppenhaus total versifft, das Geländer zerkratzt und die Tür zur Garage mit blöden und auch noch falsch geschriebenen Sprüchen verziert (Fik dich). Mein abgeschlossenes Fahrrad wurde über Nacht skelettiert, d.h. alles abgerissen, was man vielleicht verwerten konnte (Bremsen, Lichter, Kette, Reifen, alles war weg, nur der Rahmen hing noch).
Ich habe dann auch nicht mehr gegrüßt, und meine Vorurteile haben sich mehr und mehr bestätigt.

Als Kommunalwahl war, hatte ich die Wahlwerbung sämtlicher Parteien auf Russisch im Briefkasten, das hat mich richtig angekotzt. Dürfen die etwa wählen? Das darf doch nicht wahr sein!

Ein Gutes hatte es aber. Als ich auszog, stellte ich meinen Sperrmüll einfach auf die Straße. Zwei Stunden später war er weg.

junonie

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