Aktuelles und Neuigkeiten Aktuelles und Neuigkeiten
Geschrieben von like am 26.04.2010, 21:48 Uhrzurück

Wer Mikroben auf der Klobrille fürchtet, sollte nie wieder eine Küche betreten.

"Das Grauen wohnt im Kühlschrank. Meist bleibt es unerkannt, aber manchmal verrät es sich in Form von feinen braunen Schlieren. Im Rücken von Oliven, Marmelade und Putenschlegeln verleihen Millionen finsterer Keime Bauknecht, Bosch und Siemens ungewollte Lebendigkeit. Doch erst wenn die Übermacht der Mikroben allzu groß geworden ist, werden sie als jene braunen Schlieren sichtbar, die hinten im Kühlschrank den Weg nach unten antreten.

Zwar vermehren sich Bakterien in der Kälte lange nicht so sehr wie bei lebensfreundlichen 25 Grad, aber sie halten es im Kühlschrank ganz gut aus. Und manche besonders fiesen Gesellen verdoppeln sich selbst hier noch flott. Eben deshalb könne der Kühlschrank sogar Schuld daran sein, dass sich das schmerzhafte Darmleiden Morbus Crohn so stark ausgebreitet hat, mutmaßte vor kurzem Jean-Pierre Hugot vom Hôpital Robert Debré in Paris im Fachblatt Lancet.


Verdächtiges Muster in der Statistik
Denn Kälte liebende Mikroben wie Yersinien und Listerien könnten sich in ihm auf Lebensmitteln tummeln, ohne dass diese durch andere Keime so auffallend verderben, dass niemand sie mehr anrührt. Hugots Argumentation ist einfach: In den dreißiger Jahren sind Kühlgeräte in den USA zur Standard-Ausstattung privater Haushalte geworden. 1937 hielt schon jeder zweite US-Amerikaner sein Essen darin frisch – kurz bevor die Zahl der Morbus-Crohn-Kranken in den 40er-Jahren rasant anstieg.

In Europa eroberten die weißen Ungetüme dagegen erst nach dem Zweiten Weltkrieg die häuslichen Küchen – und hier schlug die Morbus-Crohn-Welle auch erst in den 60ern zu. Womöglich reagiere das Immunsystem der Patienten überheftig auf die aggressiven Keime und schade dabei dem eigenen Körper, so Hugot.


Unter Hygieniker gefürchtet
Auch wenn der Kühlschrank andere Mikroben mit seinen niedrigen Temperaturen ausbremst: Gefährliche Krankheitserreger wie Salmonellen und Campylobacter überdauern trotzdem lange in seinem feuchten Bauch. Als jener Ort, an dem das verseuchte Hähnchen seine Keime mit dem Auftauwasser an alle frei herumliegenden Lebensmittel abtreten kann, ist der Kühlschrank unter Hygienikern daher gefürchtet. Schließlich können Salmonellen für geschwächte Menschen tödlich sein.

Auch Kolibakterien lösen mitunter schwere Durchfallerkrankungen aus, und mit Listerien kontaminierter Rohmilchkäse führt immer wieder zu Massenvergiftungen. Der Helfershelfer dieser Killer-Keime hat einen Namen: Er heißt Kühlschrankrückwand. Hier, hinter Butterdose und rohem Schweinefilet, hat der Chemiker Udo Kasel vom Lefo-Institut für Lebensmittel- und Umweltforschung seinen bisherigen Rekordfund gemacht.

Er hatte eine ahnungslose, deutschsaubere Familie besucht und in allen Ecken ihres Haushalts Proben genommen. 11,4Millionen – so viele Keime lebten an der Ablaufrinne der Kühlschrankrückwand auf jedem Quadratzentimeter. Auch für Kasel ein unfassbares Ergebnis, denn bisher galten Spüllappen und Abfluss als die Brutstätten im Haushalt. Sie sind fast immer feucht, oft lebensbejahend warm und bieten mit den Resten des Abendessens üppige Mahlzeiten für Keime aller Art.


Klobrillen sauberer als Tastaturen
In Kasels Test brachte der gefürchtete Spüllappen immer noch 4,2Millionen Keime mit jedem Milliliter Wasser hervor, den der Chemiker aus ihm herauspresste. Im Vergleich zum Hot Spot Küche sind andere Räume der Wohnung fast schon leblos. Wer seine Hand auf seinem Schreibtisch ablegt, erwischt nur noch rund zehn Millionen Mikroben. Und einer der reinlichsten Plätze überhaupt ist – ausgerechnet – die Klobrille.

„Auf der Computertastatur findet man bis zu 400-mal mehr Mikroben als auf dem Toilettensitz“, sagt Charles Gerba von der Universität von Arizona, der sich seit dreißig Jahren mit dem unsichtbaren Leben um uns herum beschäftigt.

Klos verteidigt Gerba besonders gerne, denn über sie hat er schon so viel publiziert wie kaum ein anderer Forscher. Schon seine zweite Veröffentlichung – eine Arbeit aus dem Jahr 1975 – trug den verheißungsvollen Titel: „Mikrobiologische Risiken von Toiletten im Haushalt: Tröpfchenbildung und das Schicksal zurückgebliebener Organismen“.


Außerirdische würden sich die Hände im Klo waschen
Alles begann damit, dass sich Gerbas früherer Chef Joseph Melnick am Baylor College in Houston einmal mehr Zeit als sonst auf dem Ort der Stille ließ. Er saß noch in aller Ruhe, als er die Spülung betätigte – und so spürte er ein paar feine Spritzer.

Wie viele Keime darin wohl enthalten waren, fragte sich Melnick, wusch sich vielleicht noch die Hände und griff sich den jungen Charles. „Er setzte mich auf die Toilette und zog ein paarmal die Spülung“, erinnert sich Gerba. „Ich dachte schon, das sei ein Initiationsritus, aber es war der Beginn millionenschwerer Forschung für Procter & Gamble.“

Das Ergebnis war weniger spritzig als der Selbstversuch: Zwar fand Gerba einige Keime, aber ihre Zahl war nicht der Rede wert. „Wenn ein Außerirdischer aus dem All käme, würde er sich vermutlich die Hände in der Toilette waschen und ins Waschbecken scheißen“, sagt Gerba, der Germ Guru, wie er in den USA genannt wird. Über die Angst derer, deren Popo angestrengt über der Klobrille schwebt, kann Gerba deshalb nur lachen.

Auch der Hygiene-Experte Franz Daschner von der Universität Freiburg sagt: „Es ist albern, sich nicht auf die Toilette zu setzen.“ Denn dass man sich durch den Harn eines anderen Menschen etwas einfängt, ist höchst unwahrscheinlich. „Urin ist steril“, betont Daschner und sagt: „Wenn Männer früher sagten, sie hätten sich die Syphilis von einer Toilette geholt, war das garantiert gelogen.“


Keime in den Porridge gerührt
Auch der Mikrobiologe und Krankenhaushygieniker Reinhard Holländer vom Klinikum Bremen-Mitte betont: „Durch unsere Haut geht sowieso nichts durch.“ Falls auf dem Sitz tatsächlich Salmonellen oder Shigellen warten, müssten sie also erst einmal über Nase oder Mund ins Körperinnere gelangen. „Da genügen aber nicht ein, zwei Keime“, so Holländer. „Man muss mindestens 100.000 Kolibakterien essen, 50.000 Salmonellen oder 5000 Campylobacter.“

Letzteres habe der Brite Ashley Robinson auf durchschlagende Art herausgefunden: „Er hat sich einfach wachsende Mengen Campylobacter in sein Porridge gerührt“, so Holländer. „Solange, bis er saß.“

Ohnehin ist nicht alles des Menschen Feind, was leben will. Wenn es keine Mikroben mehr gäbe, müsste der Mensch jämmerlich verenden. Über und über ist seine Haut mit Bakterien besiedelt, und im Darm gibt es so viel Leben, dass mit einem einzigen Gramm Stuhl die unfassbare Zahl von 100.000.000.000.000 Keimen herausgedrückt wird. „Aber davon macht den gesunden Menschen kein einziger krank“, sagt Holländer.


Von der eigenen Darmflora aufgefressen
Auch dann nicht, wenn es sich um die Bakterien eines anderen handelt: „Solange sie gesund sind, haben sowieso alle Menschen samt Hund und Katze die gleiche Flora.“ Sogar in der Leberwurst finden sich pro Gramm 1000 bis 10.000 Darmkeime – von Rind oder Schwein. „Unsere Haut und unsere Schleimhäute schützen uns vor diesen gefräßigen Bakterien in unserem Darm“, sagt Franz Daschner. „Unmittelbar nach dem Tod aber werden wir von der eigenen Darmflora aufgefressen.“

In Körperöffnungen, in die sie nicht gehören, sollten unsere Mitbewohner deshalb nicht gelangen – durch Wunden etwa ins Gewebe oder durch die Nase in die Lunge. Hände waschen ist deshalb nach wie vor die Gesundheitsmaßnahme Nummer eins.

Unser Ekel vor unseren Mitmenschen müsste also eher dem Ekel vor dem lange nicht geputzten Kühlschrank weichen. „Fast alle Infektionen im Haushalt sind Lebensmittel-Infektionen“, sagt Reinhard Holländer. Und bei den Ursachen dafür stehe unzureichende Nahrungsmittelhygiene an oberster Stelle. „Dabei dürften wir mit der Ernährung eigentlich überhaupt keine Hygiene-Probleme haben.“


Lebensraum Arbeitsfläche
Wegen der industriellen Produktion aber sei zum Beispiel das Geflügel „rappelvoll mit Salmonellen und Campylobacter“, so Holländer. „Man überlässt es einfach den Konsumenten, sich zu schützen.“ Dabei sollte die oberste Devise in der privaten Biowaffen-Abwehr lauten: den Kühlschrank regelmäßig abtauen und den Spüllappen mehrmals pro Woche in die Waschmaschine werfen.

Auch Arbeitsflächen und Fußboden in der Küche bieten Bakterien guten Lebensraum – etwa wenn ein Salmonellen-Broiler dort in seine Einzelteile zerlegt wurde. Zwei bis drei Tage überleben Bakterien sogar auf trockenen Flächen. „In den leicht feuchten Ritzen der Arbeitsplatte können sie Monate durchhalten“, so Holländer. Rational aber gehe kaum jemand mit der Mikrobenwelt um, seufzt der Hygieniker. Letztlich werde die Hygiene mehr von ästhetischem Empfinden denn von Realitätssinn beeinflusst.

Und Charles Gerba wird wieder besonders plastisch:„Wenn Sie einen Salat zubereiten und Ihnen die Karotte in die Spüle fällt, waschen Sie sie ab und tun sie in den Salat“, sagt Gerba. „Aber in Ihrer Spüle sind mehr fäkale Bakterien als in Ihrer Toilette. Wenn Ihnen die Karotte in die Kloschüssel fallen würde, würden Sie sie dann auch noch essen?“"

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/panorama/349/372161/text/

Das ist auch interessant:

http://lifestyle.t-online.de/bakterien-im-haushalt-in-staubsauger-und-kuehlschrank-lauern-keime/id_15986350/index

"Keimschleuder Staubsauger

Staubsauger gehören zu den größten Bakterienschleudern im Haushalt. (Foto: Imago)Staubsauger, Waschmaschine und Kühlschrank - was jeder Mensch für den Inbegriff von Hygiene hält, ist häufig eine Brutstätte für Krankheitserreger. Wie englische Forscher an der University of Bath festgestellt haben, können Darmbakterien und Milbenkot bis zu zwei Monate im Staubsaugerbeutel überleben. Bei schlechter Abluft-Filterung oder übervollen Filterbeuteln werden die Keime dann in der Wohnung verteilt. Doch es gibt noch andere gefährliche Bakterienherde im Haushalt. Wir zeigen Ihnen, was sie gegen diese unangenehmen Zeitgenossen unternehmen können.

Hautausschlag aus der Waschmaschine

Auch Waschmaschinen bieten ein behagliches Nest für zahlreiche Bazillen. Bei energiesparenden Waschtemperaturen unter 40 Grad haben Erreger wie der Staphylococcus aureus ideale Bedingungen, um sich auszubreiten. Die Keime können unter anderem Hautinfektionen, Lungenentzündung und Blutvergiftung auslösen. Professor Martin Exner vom Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn rät daher, insbesondere Handtücher und Unterwäsche bei mindestens 60 Grad zu waschen, um die Krankheitserreger unschädlich zu machen. Im Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik empfiehlt er, bei niedrigeren Temperaturen unbedingt einen Hygienespüler zu verwenden und die Wäsche anschließend möglichst schnell trocknen, idealerweise in der Sonne. Denn UV-Strahlung tötet Bakterien. Handtücher, Spüllappen und Staubtücher, die bei der Zubereitung von Lebensmitteln eingesetzt werden, sollten generell getrennt von der übrigen Wäsche gewaschen werden.

In manchem Kühlschrank lebt es

Die meisten Bakterien lauern jedoch in der Küche. So leben beispielsweise in einem Kühlschrank bis zu 11,4 Millionen Keime pro Quadratzentimeter. Darum sollte man Lebensmittel - vor allem Gemüse - stets verschlossen halten und verdorbene Nahrung sofort wegwerfen. Wichtig sind außerdem eine Temperatur von fünf Grad und eine wöchentliche Reinigung des Geräts, auch wenn der Kühlschrank über eine antibakterielle Beschichtung verfügt. Besonders unhygienisch sind feuchte Geschirrhandtücher und Küchenschwämme. Sie sind häufig mit Escherichia-coli-Bakterien belastet. Diese Keime sind zwar in der Regel harmlos, können bei manchen Menschen aber Darmerkrankungen und Harnwegsinfektionen verursachen. "Wechseln Sie die Geschirrhandtücher wöchentlich und waschen Sie diese bei 60 Grad," rät Exner.

Legionellen-Nester in Duschköpfen

Auch im Bad sollte die Hygiene nicht vernachlässigt werden. Viele machen hier den Fehler, dass sie ihre Putzaktivitäten auf die Reinigung von Toilette, Waschbecken und Badewanne konzentrieren. Dabei werden die Duschen häufig vernachlässigt. "Duschköpfe, die über Wochen nicht benutzt wurden, tragen das Risiko der Besiedlung mit Legionellen", warnt Professor Exner. Daher sollten die Düsen vor dem ersten Duschen eine Zeit lang mit heißem Wasser durchgespült werden, um die Keime wegzuspülen. Das Wasser sollte dabei idealerweise eine Temperatur von 60 Grad haben. "


Ach ja:, Ich wasche meine Hände - täglich sicher 10 - 15 Mal - und immer, wenn ich etwas Ekliges, Schmutziges in den Händen hatte oder bevor ich mit Nahrungsmitteln hantiere.

 

Beitrag beantworten

Zurück ins Forum

Unten der Beitrag und die bisherigen Antworten. Sie befinden sich in dem Beitrag mit dem grünen Pfeil.
Die letzten 10 Beiträge im Forum Aktuelles und Neuigkeiten