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Geschrieben von Rio am 06.11.2005, 11:25 Uhrzurück

Re: @astsilbe

Hi,

"Gewalttaten gab es leider schon immer. Leider haben sie aber zunehmende Tendenz. Und das liegt m.E. daran, dass in den Medien alles ausgewalzt und auch dezidiert der Tathergang beschrieben wird. So haben es Nachahmer deutlich leichter, müssen sich noch nicht mal selbst Gedanken machen, wie man es am besten bewerkstelligt..."


Das stimmt nicht. Gewaltverbrechen sind seit Jahren stagnierend bzw. eher abnehmend.

Die Berichterstattung in den Medien über Verbrechen (ganz allgemein gefasst der Begriff) ist zunehmend, aber nicht die Verbrechen selbst.

Zunehmend ist auch die Angst in der Bevölkerung, weil eben genau wie bei dir der Eindruck entsteht: es wird mehr über Verbrechen berichtet, also gibt es auch immer mehr davon. Das ist erwiesenermaßen ein Fehlschluß.

Es gibt Teilbereiche der Kriminalität, die zunehmend sind (soweit ich weiß, aber ohne Garantie: Jugendkriminalität und Wirtschaftskriminalität). Gewaltverbrechen sind - wie gesagt - stagnierend bis abnehmend.

Dazu ein Zitat aus einem Artikel des WDR:
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Beispiel Gewaltkriminalität: Steigende Wahrnehmung bei sinkenden Fallzahlen

Kinder außer Sichtweite verursachen Panik. Sämtliche Sittenstrolche, Verkehrsunfälle und sonstige Dramen fallen uns ein, obwohl wir doch erklärtermaßen gar keine Revolverblätter lesen. Kriminalisten konstatieren seit Jahren eine zunehmende Angst in der Bevölkerung bei häufig abnehmenden Verbrechensstatistiken. Es ist wichtig, dass man sich diese Zahlen nüchtern vor Augen hält. Zwar berichten Presse und Fernsehen jeden Tag von dramatischen Verbrechen und Unglücken, aber die Zahl der Gewaltverbrechen hat in den letzten Jahren eher ab- als zugenommen. Natürlich gibt es viele Verkehrsunfälle, aber Millionen Menschen kommen jeden Tag im Verkehr ganz gut nach Hause. Auch diese Wirklichkeit gibt es.
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Hier die Quelle:
http://www.wdr.de/tv/service/familie/inhalt/20031001/b_3.phtml

Der ganze Artikel ist übrigens lesenswert, es geht um Loslassen in der Erziehung.


Zurück zum Thema Verbrechen und Medien:
Du behauptest, je mehr über Verbrechen (wieder allgemein gehalten der Begriff) berichtet wird, desto mehr Verbrechen gibt es durch Nachahmungstäter.
Natürlich gibt es Nachahmungstäter tatsächlich. Aber der Effekt liegt wesentlich niedriger als gemeinhin angenommen.


Der grössere Effekt der vermehrten Berichterstattung ist Folgender: je mehr über Verbrechen berichtet wird, desto mehr fürchten sich die Menschen vor Verbrechen, für desto höher halten sie die Verbrechensquote.
Und zwar völlig unabhängig davon, ob die Kriminalstatistik in Wirklichkeit steigt oder sinkt.

Das sollte man sich immer wieder vor Augen halten, um nicht dem gleichen Fehlschluß zu erliegen.
Wenn du dich über Kriminaltstatistiken informieren willst, ist die HP des BKA die richtige Stelle - und nicht die Tages- oder gar Regenbogen-Presse.

Im Übrigen zeigt Michael Moore unter Anderem genau diesen Effekt in seinem genannten Film auf.

Viele Grüsse,
Rio

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