Aktuelles und Neuigkeiten Aktuelles und Neuigkeiten
Geschrieben von marit am 03.05.2005, 10:38 Uhrzurück

zur Staatskostendebatte

Hallo ihr,

also für mich selbst steht ein Leben auf Staatskosten, abgesehen von absoluten Notlagen nicht zur Debatte. Ich finde es für MEIN Selbstbewußtsein wichtig, mich finanziell selbst erhalten zu können, und mir ist es auch wichtig, ständig geistig gefordert zu sein. Allerdings ist dieser Drang nach ständigem intellektuellen Input, dieses Glücksgefühl nach einem erfolgreichen Berufstag auch der GRUND, warum ich beruflich schon recht weit gekommen bin. Kann man jetzt Menschen, die das nicht kennen, die weniger ehrgeizig oder diszipliniert sind nun VORWERFEN, daß sie es eben nicht sind? Ich denke nein. Ich finde es traurig, daß jemand für sich keine Perspektive mehr sieht, daß jemand sich nicht immer weiterentwickeln möchte. Ich finde es auch traurig für die Kinder, daß sie nicht erleben können, wie ihre Eltern sich selbst fordern und schwierige Situationen meistern. ABER: ich finde es nicht moralisch verwerflich.Vielleicht geben solche Eltern ihren Kindern ja anderes mit. Ich möchte in dieser Diskussion zu etwas mehr Gelassenheit aufrufen. In Deutschland hat jeder das Recht auf einen Wohnraum, auf Ernährung und Kleidung sowie aufeigene Ausbildung und Ausbildung der Kinder. Wenn da jemand sagt "ok, das reicht mir", dann muß sich sein Engagement für diese Gesellschaft nicht zwingend in eigenem Gelderwerb ausdrücken. Wer 2 Kinder zu verantwortungsbewußten Mitgliedern dieser Gesellschaft erzieht, wer vielleicht sogar ein Ehrenamt hat, wer hilfsbedürftigen Nachbarn hilft... der tut schließlich auch etwas. Und erlichgesagt erhält ein einzelner Mensch, der eines dieser Dinge tut im Schnitt nicht mehr Geld, als z.B. ein in die Gesellschaft voll intergrierter Ehegattensplittingnutznießer ohne Kinder oder ein Selbständiger, der es immer wieder leicht schafft, in großem Umfang Privatausgaben steuerlich abzusetzen.

Aber: ich finde auch, daß jemand, dem die Gesellschaft diese Grundbedürfnisse nach Wohnung, Nahrung. Kleidung und kostenloser Bildung erfüllt, dem steht es auch nicht zu, über seine Situation permanent zu jammern, "der Gesellschaft" die Schuld zu geben oder andere Menschen zu beneiden, die gut verdienen. Wir haben hier kostenlose Schulbildung, wir haben Abendschulen, wir haben Berufsakademien und Bafögregeln selbst für Erwachsene nach einer abgeschlossenen Lehre. Es gibt auch jede Menge freie Stellen, z.B. in der papierverarbeitenden Industrie (es muß also nicht immer ein Studium sein),JEDER, aber wirklich JEDER, der das diszipliniert durchzieht und auch mal Durststrecken in Kauf nimmt, KANN sich hierzulande weiterentwickeln. JEDER bekommt mehrere Chancen hierzulande. Selbst im Knast kann man in Deutschland noch ein Fernstudium machen oder einen Gabelstaplerführerschein... Insofern finde ich es absolut unangebracht, daß Bürger dieses Landes über Perspektivlosigkeit klagen.
Hier ist Perspektivlosigkeit eine sehr persönliche Sache, die viel mit Disziplinlosigkeit und mangelnder Mobilität zu tun hat. Ich akzeptiere voll, wenn jemand nicht aus seinem Heimatort ziehen möchte, weil er da eben voll integriert ist und Angst vor großen Herausforderungen und Entwurzelung hat. Ich akzeptiere dann aber nicht, daß derselbe Mensch den Staat oder die Unternehmer, oder die ausländische Mitbürgerin dafür verantwortlich macht, daß er keine Arbeit findet.

Beitrag beantworten

Zurück ins Forum

Postfach Mein Postfach 
Unten der Beitrag und die bisherigen Antworten. Sie befinden sich in dem Beitrag mit dem grünen Pfeil.
Die letzten 10 Beiträge im Forum Aktuelles und Neuigkeiten