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Geschrieben von Lynns Mama am 14.12.2005, 14:52 Uhrzurück

Zum Thema: Mädchen und Schminken etc. (lang)

Hallo,

möchte jetzt auch einmal meine Meinung schreiben zu diesem viel diskutierten Thema. Ich persönlich halte es für sehr gefährlich, ein Kind von vornherein in eine Rolle zu pressen. Ebenso wenig sollte man es aber verhindern, dass ein Kind sich in eine bestimmte Richtung entwickeln kann. Natürlich geht eine gewisse Prägung vom Elternhaus aus, die eigene Individualität sollte ein Kind/Mensch aber selbst entwickeln und entdecken dürfen. Vielleicht möchte ein Mädchen ja gerne unbedingt „mädchenhaft“ (geschminkt etc.) sein? Dann sollte es auch die Möglichkeit bekommen, dies zu sein. Eine konsequente Untersagung dies auszuleben, halte ich für fatal.

Da spreche ich aus eigener Erfahrung. Ich habe einen 3 Jahre älteren Bruder und als ich (ein Mädchen) als 2. Kind geboren wurde, fanden meine Eltern (krankhaft geizig veranlagt) es vollkommen überflüssig, für das 2. Kind noch Geld auszugeben. Das heißt, ich habe bis zu meinem Auszug mit 16 Jahren kein einziges neues Kleidungsstück bekommen, sondern nur die alten Sachen meines Bruders (selbstverständlich alles häßliche sackartige Jungssachen) aufgetragen. Auch Mädchenspielzeug gab es für mich nicht, da ich immer nur die abgelegten Spielsachen meines Bruders geschenkt bekam. Da ich mit Puppen an sich ohnehin nie viel anfangen konnte, war das nicht so ganz schlimm für mich, obwohl ungefähr 7 Jahre hinter einander ein Puppenhaus auf meinem Wunschzettel stand, was ich natürlich nie bekommen habe (ein echtes Trauma für mich, ich warte heute schon darauf, wann ich meiner Tochter endlich ein Puppenhaus kaufen kann...). Leider konnte ich auch mit dem Technikspielzeug meines Bruders nicht viel anfangen, so hab ich dann eben überwiegend Bücher gelesen und eigentlich nie wirklich gespielt. Ich durfte nicht in die Tanzschule und hübsch machen durfte ich mich schon gar nicht, alles nur überflüssiger und teurer Weiberkram. In der Schule wurde ich durch mein verschrobenes Aussehen (klamottenmässig) dauernd nur gehänselt und war eigentlich immer ein Außenseiter. Ich habe mich irgendwann richtig in meine mir übertragene Rolle hinein gesteigert und mir eingeredet, dass Mädchenkram ja auch total doof ist, habe nur noch raspelkurze Haare getragen und mich wie ein Bauer benommen. Wenn ich schon nicht Mädchen sein darf, dann eben richtig... Leider kam die Pubertät dazwischen, die dafür sorgte, dass mir zu allem Übel ein riesiger Busen gewachsen ist. Damit kam ich nicht zurecht, dass passte nicht mehr ins Bild. Wie sollte ich nicht mädchenhaft sein, wenn ich derartig ausgestattet bin? Um es abzukürzen, ich habe - um meinen verhassten Busen loszuwerden – eine Diät nach der anderen gemacht und bin schließlich mit nur noch 39 kg und einer massiven Magersucht in der Schule zusammengeklappt als ich gerade 15 Jahre alt war... Heute bin ich mehr als doppelt so alt und um einige Therapien reicher und habe trotzdem immer noch Probleme mit meiner Weiblichkeit....

Das war meine Geschichte zu diesem Thema. Wenn meine Tochter Puppen möchte oder Kleidchen oder rosa Rüschen und Plüsch, dann darf sie das haben... Aber aufzwängen werde ich es ihr im Gegenzug auch nicht. Sie soll einfach das tun dürfen, was sie glücklich macht!

LG

Katja

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