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Geschrieben von maleja am 26.01.2006, 10:53 Uhrzurück

Zum "Deutschredenmüssen"

So, da ich nun einiges verpasst habe hier, muss ich jetzt doch noch meinen Senf dazu geben.

Ich habe eine Zeitlang als Spracherzieherin im Kindergarten für hauptsächlich türkische und russische (bzw DEUTSCHE russische) Kinder gearbeitet. Und habe mich natürlich sehr mit diesem Thema auseinandergesetzt.

Es ist sehr wichtig, dass die Kinder den Bezug zur Muttersprache haben und nicht verlieren. Denn pädagogisch bedeutet das Halt und Identifikation. Sie müssen doch erst einmal lernen, sich mit ihrer Herkunft zu identifizieren, um später sich mit der anderen Sprache und Kultur auseinadersetzen zu können. Nur starke Kinder werden später starke Erwachsene.

Gerade das Verbieten, ihre Muttersprache zu sprechen, bringt sie doch in Konflikte. Man muss ganz anders damit umgehen. Ihnen vermehrt Angebote in der Sprache machen, wo sie wohnen. Sprich, wie eben Spracherzieherinnen. Oder ich habe versucht, die Kids in den Sportverein zu bringen (ist mir auch in einigen Fällen geglückt).
Ichwürde mich z.B. sehr freuen, wenn mein Sohn im Kindi (mehr als 50% Ausländeranteil) ein bißchen die anderen Sprachen lernen würde. Warum denn nicht? Man kann doch auch davon profitieren.

Und was mir auch immerwieder aufgefallen ist: Wenn die Russlanddeutschen, die kein Wort deutsch mehr können, nach Deutschland kommen, wundert man sich schon sehr darüber, dass sie ihr deutsch doch so ganz vergessen haben. Es wird dabei aber nicht bedacht, dass es in Ruslland z.B. tatsächlich verboten war, deutsch zu sprechen.
Oder wenn sie im Ostblock ganz heimlich ihre Sprache weiterverfolgt haben? Immer im Angesicht der Strafe bei Erwischtwerden. In Rumänien war´s z.B. ganz schlimm. Übrigens konnten diese 100% Deutschen dann beim Umsiedeln überahupt nicht verstehen, dass sie wie Ausländer behandelt werden. Sie waren doch noch deutscher als die Deutschen... (und schimpften dafür ganz besonders über die Türken&Co - alles schon miterlebt und heftigst durchdiskutiert)
Oder wenn es in Südamerika Kolonien gibt, wo die deutschen kein einziges Wort spanisch können, sondern sich nach wie vor deutsch unterhalten, DAS wird als ok empfunden. Eben von denjenigen Menschen, die es nicht ok finden, dass die türkischen Kinder türkisch miteinander reden.
Bißchen komisch, oder?

Ich denke, die ausländischen Kindern sollte eine gute sprachliche Ausbildung geboten werden. Den Eltern auch (aber wie einfach ist es denn für Erwachsene, eine Sprache zu erlernen?). Aber wir dürfen auf keinen Fall verbieten, dass sie in ihrer Muttersprache miteinander sprechen. Wir wollen doch, dass auch aus diesen KInder später "normale" Jugendliche werden, ohne Idendifikationsproblemen, oder? Die Jugendlichen, die zwischen zwei Welten stehen, haben es viel schwerer und zeichnen sich meistens mit enormer Aggressivität aus.

Und ein (vielleicht kleiner, aber nicht unbedeutender) Punkt ist eben die Muttersprache.


Also, überlegt Euch doch auch mal, was ihr den Kindern antun würdet, bevor Ihr so Parolen "In Deutschland deutsch" herumschreit.

Grüßle Silvia

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