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Geschrieben von brockdorf am 03.02.2006, 21:30 Uhrzurück

zu ibn warraq

eine rezension zu seinem buch:
"warum ich kein muslim bin"

erklärt seinen teilweise etwasabgehobenen artikel im spiegel:

Der Titel des Buches trifft den Inhalt nur halb. Ibn Warraq bietet nicht nur eine schonungslose moralische Kritik des muslimischen Glaubens (in Anlehnung an Bertrand Russells Abhandlung "Warum ich kein Christ bin"), sondern auch eine historische Abrechnung, die man nach dem Vorbild Karl-Heinz Deschners am ehesten eine "Kriminalgeschichte des Islams" nennen könnte.

Als Moralist versucht Ibn Warraq die Unvereinbarkeit des traditionell verstandenen Islams, dem die überwiegende Mehrzahl der Muslime anhängt, mit modernen Vorstellungen von Demokratie, Meinungsfreiheit und der Gleichberechtigung der Frauen darzutun.

Als Historiker bemüht er sich - ohne Anspruch auf Originalität - darum, sämtliche negativen Informationen und Deutungen über den Islam zusammenzutragen, derer er in der Sekundärliteratur habhaft werden kann. Von Mohammed bis zur Gegenwart chronologisch angeordnet, ergibt dieses Material eine bedrückende Liste von Verbrechen, Niedertracht, Intoleranz, Heuchelei und Engstirnigkeit.

Thesenartig zusammengefaßt lauten seine Ergebnisse folgendermaßen:

- Fast alle Muslime sind Fundamentalisten in dem Sinne, daß sie den Koran für die wortwörtlich überlieferte Botschaft Gottes halten.
- Der Koran enthält Widersprüche und sachliche Irrtümer. Stilistisch ist er oft mittelmäßig. Er kann nicht die wörtlich überlieferte Botschaft Gottes sein.
- Wo der Koran keine klaren Anweisungen erteilt, richten fromme Muslime sich nach der "Sunna" des Propheten, d. h. Mohammeds Äußerungen und Handlungen, die in verschiedenen Sammlungen von "Hadithen" überliefert sind. Die meisten dieser Hadithe, wahrscheinlich sogar alle, sind gefälscht. Nicht ein einziger geht mit Sicherheit auf Mohammed zurück.
- Mohammed war ein skrupelloser, gewalttätiger und lüsterner Mensch. Seine - von islamischen Quellen - überlieferten Untaten (Kriege, Massenhinrichtung, Folterung, Auftragsmorde, Manipulation von Offenbarungen zur Befriedigung seiner sexuellen Gelüste) sind erschreckend.
- Sämtliche Stellen des Korans, in denen von Toleranz gegenüber anderen Religionen die Rede ist, werden von später offenbarten Passagen aufgehoben, die Feindschaft, Unterdrückung und Dschihad predigen.
- Die islamischen Eroberungen waren für die betroffenen Völker eine furchtbare Katastrophe. Aus heutiger Sicht sind sie genau so wenig zu rechtfertigen, wie die Kreuzzüge.
- Die Toleranz des mittelalterlichen Islams wird meist übertrieben. Im Jahre 1033 kamen in Fez 6000 Juden bei einem Pogrom um. In Granada wurde 1066 die gesamte jüdische Gemeinde ermordet (etwa 4000 Menschen).
- Die großen Leistungen der islamischen Kultur in Philosophie, Wissenschaft, Literatur und Kunst verdanken sich nicht dem islamischen Glauben. Sie entstanden unabhängig oder sogar im Gegensatz zu ihm.
- Gegenwärtig ist der Islam das größte Hindernis für Fortschritt in der muslimischen Welt.
- Die Grundprinzipien des traditionell verstandenen Islams (dem fast alle Muslime anhängen) stehen im Widerspruch zur UNO-Menschenrechtserklärung von 1948. Der Islam benachteiligt Andersgläubige (in Saudi-Arabien ist sogar der Besitz von Bibeln verboten), schreibt unmenschliche Strafen vor (Steinigung, Abhacken von Gliedmaßen, usw.), bedroht den Übertritt zu anderen Religionen mit der Todesstrafe, verlangt die Tötung von Atheisten, rechtfertigt die Sklaverei und lehnt die Gleichberechtigung von Mann und Frau ab.
- Im Islam gibt es keinen Platz für den Gedanken der Menschenrechte. Rechte hat allein Gott, Menschen haben nur Pflichten.
- Die größten Opfer des Islams sind die Muslime selbst. Ihre Rechte und Entfaltungsmöglichkeiten werden täglich millionenfach im Namen des Islams mit Füßen getreten.
- Der Islam ist die wichtigste Einzelursache für die Unterdrückung von Frauen in muslimischen Ländern.
- Aus Feigheit und Opportunismus scheuen sich viele westliche Intellektuelle, den Islam offen zu kritisieren. Diese Haltung ermutigt islamische Traditionalisten und erschwert eine echte Integration von Muslimen in westlichen Gesellschaften.

Die allgemeine Schlußfolgerung Ibn Warraqs lautet: das religiöse Grundproblem unserer Zeit ist der Islam als solcher, nicht sein Mißbrauch durch Fanatiker.

Dem Buch liegt ein radikaler Rationalismus und Atheismus zugrunde. Mit Vorliebe greift Ibn Warraq auf die klassische Religionskritik der Aufklärung und das im 19. Jh. entwickelte Instrumentarium der historischen Bibelforschung zurück. Seine Vorbilder sind Voltaire, Diderot und Hume, David Friedrich Strauss und Bruno Bauer.

Was immer man vom kämpferischen Atheismus des Autors halten mag, die von ihm präsentierten Fakten sind im Wesentlichen korrekt. Das Buch ist eine Fundgrube an Informationen über die heutzutage aus Opportunismus meist verschwiegenen Schattenseiten des Islams. Bei Ibn Warraq findet man, was Küng, Schimmel und andere nicht schreiben. (Bezeichnenderweise verweist Küng in seinem Buch über das Christentum auf die Anklagen Deschners, in seiner kürzlich erschienen Islam-Darstellung aber nicht auf jene Ibn Warraqs).

Ibn Warraqs Mut macht außerdem deutlich, daß auch dem Islam die Auseinandersetzung mit der radikalen Religionskritk der Moderne nicht erspart bleiben wird. Wahrscheinlich ist sie, mit all ihren Einseitigkeiten, sogar unverzichtbar, wenn es zu einer Modernisierung dieser Religion und der von ihr geprägten Gesellschaften kommen soll. Es bleibt abzuwarten, wie lange muslimische Denker brauchen werden, um sich dieser geistigen Herausforderung zu stellen.

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