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Geschrieben von Elamaus am 22.02.2006, 10:47 Uhrzurück

Wissenswertes über die Geflügelpest

Geflügelpest
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Dieser Artikel beschäftigt sich allgemein mit Influenza-Erkrankungen bei Vogelarten. Informationen zu den aktuellen Ausbrüchen des Erregers Influenza A/H5N1 siehe im Artikel Vogelgrippe.

Die Geflügelpest wird auch als Aviäre Influenza, als Vogelgrippe und seit 1981 überwiegend als Hochpathogene Influenza-Virus-Infektion (HPAI, Highly Pathogenic Avian Influenza) bezeichnet. Sie ist eine durch Viren hervorgerufene anzeigepflichtige Tierseuche, von der Hühner, Puten, Gänse, Enten, wildlebende Wasservögel und andere Vögel betroffen sein können. Bei einer Infektion mit den aggressiveren Virusstämmen führt sie meist zum Tod der infizierten Vögel, sofern sie nicht zu den Reservoirwirten gehören. Einige Varianten der Geflügelpest-Viren, insbesondere die Variante A/H5N1, sind in Einzelfällen auf Menschen und Zootiere wie Leoparden übertragen worden.

Die Geflügelpest wurde erstmals 1878 in Italien beobachtet. Nach wiederholten Ausbrüchen in den 1930er Jahren in Europa, Amerika und Asien tauchte das Virus erst 1983 erneut auf; in Irland und den USA wurden damals Millionen Vögel getötet. Je einen weiteren Ausbruch gab es 1992 in Mexiko und 1997 in Hongkong.

Der Begriff Vogelgrippe wurde bis vor kurzem völlig gleichbedeutend mit dem Begriff Geflügelpest verwendet. Als Folge der aktuellen Vogelgrippe-Ausbrüche wird er inzwischen aber immer stärker eingeengt auf den Seuchenzug des Influenza-Subtyps A/H5N1 bezogen.


aviäres Influenzavirus (HPAIV), elektronenmikroskopische AufnahmeInhaltsverzeichnis [Verbergen]
1 Erreger
1.1 Subtypen
1.1.1 A/H5N1
1.1.2 A/H5N2
1.1.3 A/H7N2
1.1.4 A/H7N3
1.1.5 A/H7N7
1.1.6 A/H9N2
1.2 Übertragung
2 Symptome
3 Bekämpfung
4 Siehe auch
5 Weblinks



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Erreger

elektronenmikroskopische Aufnahme von H5N1 (Virus ist golden angefärbt)Der Erreger der Klassischen Geflügelpest (KP) ist ein als hoch pathogenes Aviäres Influenzavirus (HPAIV) bezeichnetes Influenza-Virus (also Grippevirus) und damit ein behülltes Einzel(-)-Strang-RNA-Virus [ss(-)RNA] aus der Familie der Orthomyxoviren. Bei diesen Influenzaviren gibt es vier Gattungen: Influenza-A, Influenza-B, Influenza-C und das Thogotovirus. Vögel werden nur von Influenza-A-Viren und deren Varianten bzw. Subtypen befallen. Die korrekte Bezeichnung eines Influenza-Virus würde wie folgt lauten: A/goose/Guangdong/1/96 (H5N1): "A" für den Influenza-Subtyp (A, B oder C); "goose" für die englische Bezeichnung des Wirts, aus welchem das Virus erstmals isoliert wurde; "Guangdong" für die Ortsbezeichnung des ersten Auftretens, die erste Zahl steht für die Nummer der Probe und die zweite Zahl bezeichnet das Jahr. Nur das hoch variable Influenza A erhält eine Hämagglutinin-/Neuraminidase-Bezeichnung. Bei einem menschlichen Wirt wird die Wirtsbezeichnung weggelassen.

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Subtypen
Durch ständige Genveränderungen entstehen laufend neue Varianten der Grippeviren. Diese werden nach bestimmten Oberflächeneigenschaften in Subtypen eingeteilt. Zur genauen Erläuterung der Variabilität der Erreger siehe unter Influenza. Bisher wurden 16 H-Untertypen und neun N-Untertypen erkannt. Typ A/H5N1 etwa hat auf seiner Oberfläche die 5. Variante des Hämagglutinins (H5) sowie die 1. Variante der Neuraminidase (N1). Diese Untertypen befallen üblicherweise jeweils nur bestimmte Wirte, während sie von einer weiteren Anzahl an Infektionsvektoren verbreitet werden können, ohne dass diese Tiere erkranken; in diesen Fällen werden die Erreger als minder pathogen bezeichnet ("low-pathogenicity"). Bei Wasservögeln wie Enten und Gänsen wurden sämtliche möglichen Kombinationen von H und N nachgewiesen, auch minder pathogene Varianten von H5N1. Da bisher kein natürliches Reservoir für hoch pathogene Varianten der Geflügelpest-Viren nachweisbar war, gehen die Virologen derzeit davon aus, dass der Übergang von einem minder pathogenen in einen hoch pathogenen Zustand die Folge einer Mutation ist, die es zugleich erlaubt, die Artengrenze von Entenvögeln (Anatidae) zu Hühnervögeln (Galliformes) zu überwinden. Laut Science (Band 310, S. 426) fanden solche Übergänge seit 1959 mindestens 19 mal statt und hatten jeweils eine Epidemie unter Zuchtgeflügel zur Folge. In einigen dieser Fälle konnte sogar der Weg von minder pathogenem Zustand bei Wasservögeln über minder pathogenen Zustand bei Hühnervögeln zu hoch pathogenem Zustand bei Hühnervögeln nachvollzogen werden.

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A/H5N1
Der Subtyp H5N1 gilt als besonders aggressiv (HPAI, Highly Pathogenic Avian Influenza). Ein verändertes Nichtstruktur-Gen führt bei ihm dazu, dass bestimmte Botenstoffe des Immunsystems, welche normalerweise Viren abwehren, keine Wirkung mehr gegenüber dem A/H5N1-Subtyp erzielen. Deshalb tötet er befallene Vögel, die nicht zu seinem Virusreservoir gehören, sehr schnell und wird von Wissenschaftlern wegen seiner pathogenen Eigenschaften auf Interdependenzen mit anderen Stämmen und Überschreitungen der Artenbarriere aufmerksam beobachtet; laut WHO ist A/H5N1 der einzige Subtyp der H5-Gruppe, der auf Menschen übertragbar ist. Weitere Einzelheiten zu den aktuellen Ausbrüchen von A/H5N1 unter Geflügel und Menschen siehe unter Vogelgrippe.

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A/H5N2
Dieser Subtyp trat u. a. im Sommer 2005 in Japan auf, weswegen Presseberichten zufolge mehr als 1,5 Millionen Hühner und anderes Geflügel getötet wurden. Bereits in den Jahren 1983 und 1984 hatte es mehrere Ausbrüche in Geflügelfarmen der USA gegeben, als deren Folge 17 Millionen Tiere getötet wurden. Zwischen 1992 und 1995 gab es zudem mehrere Ausbrüche in Mexiko.

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A/H7N2
Bei einer Epidemie in den USA 2002 wurde dieser Virussubtyp auch auf einen Menschen in Virginia übertragen sowie 2003 auf einen Menschen in New York.

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A/H7N3
In Nordamerika wurde die Ausbreitung dieses Subtyps mehrmals bestätigt. Zuletzt im April 2004 wurden 18 Farmen in British Columbia unter Quarantäne gestellt und zwei Fälle von Übertragung auch auf Menschen dokumentiert.

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A/H7N7
Zuletzt 2003 wurden in den Niederlanden auch 89 Infektionen von Menschen mit diesem (HPAI, Highly Pathogenic Avian Influenza) Subtyp bestätigt. Ein Fall verlief tödlich.

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A/H9N2
Dieser Subtyp wurde bislang auch beim Menschen nur in einer minder pathogenen Form (LPAI, Lowly Pathogenic Avian Influenza) von Peiris et al. 1999 isoliert und dokumentiert. Bei drei Fällen in Hongkong und China (1999, 2003) erholten sich die Patienten von dieser influenzaähnlichen Infektion.

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Übertragung
Die Geflügelpest kann alle Vogelarten infizieren. Als natürliches Reservoir für das Virus gelten wild lebende Enten und andere Wasservögel, die jedoch in der Regel nicht schwer erkranken, denn das Virus hat sich ihnen angepasst. Es benötigt diese Reservoirwirte für seine Vermehrung. Stärker gefährdet sind vor allem Hühner und Puten, aber auch Fasane, Wachteln, Perlhühner und Wildvögel. Wanderwasservögel, See- und Küstenvögel sind weniger anfällig zu erkranken. Sie sind jedoch Vektoren und ihr Wanderverhalten trägt zur weiten geografischen Verbreitung bei. Tauben sollen zwar selbst nicht sehr empfänglich für das Vogelgrippevirus sein, es wird jedoch befürchtet, dass sie die Erreger als mechanische Vektoren im Gefieder verbreiten. So wurde vom nordrheinwestfälischen Landesumweltministerium während einer grassierenden Geflügelpest im Jahre 2003 ein Taubenflugverbot ausgerufen.

Säugetiere sind weniger empfänglich für das Virus, werden aber - wie zum Beispiel Hausschweine - gelegentlich infiziert. Aus Thailand wurde berichtet, dass in zwei Zoos Tiger und Leoparden nach dem Verzehr von infiziertem Geflügel an A/H5N1 starben.

Grundsätzlich beobachtet man die gleichen Infektionswege wie bei anderen Influenzaviren. Die Viren verbreiten sich durch Tröpfcheninfektion über die eingeatmete Luft oder über Kotpartikel an der Kleidung und Geräten. Außerhalb ihrer Wirte sind die Erreger der Vogelgrippe meistens nur wenige Tage, unter günstigsten Bedingungen viele Monate lang funktionsfähig. Aviäre Influenzaviren bleiben im allgemeinen 105 Tage in Flüssigmist, 30 bis 35 Tage in Kot und Geflügelfleisch oder Eiern bei 4 °C und sieben Tage lang bei 20 °C intakt. Nach bisherigen Erkenntnissen ist eine Übertragung über durchgegarte Geflügel- und andere Fleischprodukte ausgeschlossen.

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Symptome
Die akute Form der Geflügelpest äußert sich in Zeichen allgemeiner Schwäche (Apathie, Inappetenz, stumpfes, struppiges Federkleid), hohem Fieber, erschwerter Atmung mit geöffnetem Schnabel, Ödemen an Kopf, Hals, Kamm, Kehllappen, Beinen und Füßen, Blauverfärbung der Haut und der Schleimhäute, wässerig-schleimigen und grünlichen Durchfall und neurologischen Störungen (sonderbare Haltung des Kopfes, Störungen der Motorik).

Bei chronischem Verlauf sinkt die Legeleistung, die Eier sind dünnwandig oder schalenlos.

Die Mortalität ist abhängig vom Alter der Tiere und der Virulenz des Erregers. Bei hochvirulenten Erregern endet die Krankheit bei nahezu allen Tieren tödlich. Mehr als 15 % einer Geflügelherde kann sterben, bevor Symptome auftreten (perakuter Verlauf).

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Bekämpfung
Bei Ausbrüchen der Geflügelpest in der Tierhaltung wird regelmäßig der gesamte Tierbestand der betroffenen Halter getötet. Die Kadaver werden verbrannt oder auf andere Weise unschädlich gemacht, um eine Übertragung auf andere Tierbestände zu verhindern. Daher ist die Anzahl der getöteten Tiere regelmäßig sehr viel größer als die Zahl der nachweislich infizierten Tiere.

In Deutschland erfolgt die Bekämpfung der Geflügelpest auf Rechtsgrundlage des Tierseuchengesetzes, der Geflügelpest-Verordnung und der Geflügelpestschutzverordnung.

Wegen der bei vielen Vögeln vorhandenen Übertragungsmöglichkeiten des Krankheitserregers (Vektoreigenschaften) muss der Handel oder die Zucht von beispielsweise Papageien und Sittichen behördlich genehmigt werden. Diese nichtheimischen Vogelspezies neigen trotz Käfighaltung zu gelegentlichem Ausbüchsen und können daher auch zu einer unkontrollierten Ausbreitung der Geflügelpest beitragen, wie zuletzt 2004/2005 in Köln geschehen.

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