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Geschrieben von marit am 31.10.2003, 12:59 Uhrzurück

Wir drehen uns ein wenig im Kreis

Ist die Frage nicht die, ob man einer Religion vorwerfen kann, daß sie sich in ihrer aktuellen Ausfaltung und historischen Entwicklung an einem anderen Punkt befindet, als eine andere Religion.
Wenn es im Grunde das ist, was du kritisierst, Ralph, dann ist das ein wenig inkonsequent.
Entweder du sagst, islamische Fundamentalisten richten einen Flurschaden an, wie christliche zuletzt während des 30 jährigen Krieges; ok; dann kannst du aber nicht zugleich erwarten, daß jemand dieser Religion die Gefahr auf sich nimmt, sich in sich auf der anderen Seite öffentlich dagegen zu stellen (denn terroristische Gewaltakte sind ja gerade nicht auf Landesgrenzen beschrenkt). ODER aber du sagst, wir leben heute in einer globalisierten Welt, da diskreditiert man sich allein schon durch solche regionalen Streitigkeiten; dann verkennst du ein wenig die Realität. DU kannst dir mit orientalischen Gewürzen den Speicher vollmachen, wenn du magst. Ein muslimischer Nomade aus Somalia oder ein Palästinenser kann sich hingegen nicht in derselben Zeit gute deutsche Butter besorgen.
Unser "weltpolitischer Weitblick" verdankt sich eben auch unserem relativ friedlichen unangestrengtem Leben. islamisch bevölkerte Länder,denen es wirtschaftlich besser geht, wie z.B. die Türkei, Ägypten oder Jordanien haben nach dem 11. September öffentlich Stellung genommen und das Attentat verurteilt.
Also: ich fände es schön, wenn wir alle friedlicher miteinander umgehen könnten, ich fände es auch schön, wenn solche Anschläge öffentlich bedauert würden; andererseits kämen wir Europäer und Amerikaner aus dem Bedauern gar nicht mehr raus, wenn wir uns zu allem bekennen würden, wofür WIR die Verantwortung tragen (angefangen von der Ausbeutung und Zerstörung großer Teile Afrikas und Lateinamerikas durch Monokulturen bishin zum weltweiten Wasser- und energieverbrauch). Wenn man uns in 30 Jahren die Rechnung dafür Präsentiert, können Kulturen, die daran weniger beteiligt sind auch nur den Kopf darüber schütteln, wenn wir sagen, wir hätten das in unserer hochinformierten Zeit alles nicht besser gewußt oder anders handeln können. Aber mal ganz weg von diesen "großen" Problemen und wieder hin zum Irak-Konflikt:

Man darf allerdings auch nicht vergessen, daß auch die Amerikaner ihren Angriff mit christlicher Mythologie und Kreuzzugsromantik aufgeladen haben. Aus Sicht der arabischen Länder ist das ebenfalls ein religiös motivierter Angriffskrieg gewesen; und insofern ist es nicht verwunderlich, daß bei diesem Krieg nicht bloß Irakis sondern natürlich auch Amerikaner sterben.
Warum sollen die mehr bedauert werden, als die "eigenen" Leute?

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