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Geschrieben von maleja am 11.11.2005, 19:36 Uhrzurück

Re: Wie emanzipiert seid ihr wirklich?

Hallo Johanna,

also meine Mutter war eine ganz besondere Frau. Sie hat mit 17 meinen Vater (mit dem sie bis zu ihrem Tod verheiratet war) meinen vater geheiratet. Ihn hat sie während ihrer Ausbildung zur Bürokraft (oder wie das damals hieß) kennengelernt. Das Abitur durfte sie leider nicht amchen, obwohl ihr Lehrer oftmals bei meiner Oma vorsprach, weil sie ein Mädchen ist und kein Abitur braucht. basta! Und dabei wollte sie unbedingt Lehrerin werden.

So, mit 24 bekam sie dann mich als 4.Kind (ein Bruder starb 2 Tage nach seiner Geburt...auch darüber wurde früher nicht gesprochen, geschweigen denn ein Trara gemacht, von wegen Psychologische Betreuung o.ä.) Ich habe meine Mutter die ersten Jahre als nur als teilzeit bei einem Rechtsanwalt arbeitend kennengelernt.
Als sie 40 war traf sie die Kunst. Und wurde eine hier regional bekannte und geachtete Künstlerin. Unter anderem organisierte sie fast 20 jahre lang die Straßengalerie. Ein Künstlermarkt in der Altstadt, wunderschön!

Das was sie als Erziehung uns mitgegeben hat, war, dass wir eigentlich ihre ersten Jahre überspringen und gleich als selbstbewusste Frauen ins Leben treten.
Ob das so geklappt hat, wie sie sich das gewünscht hat? Bei meiner Schwester schon. Die ist 5 Jahre älter als ich und hatte mich leider immer ziemlich im Griff. Aber so im Groß und Ganzen bin ich doch zufrieden. Ich musste auch erst meinen Weg gehen, habe viel Demütigungen von seiten beider Geschlechter einstecken und darunter leiden müssen. Aber irgendwie hab ich mich immerwieder hochberappelt. Und jedes mal ein bißchen gestärkter. Was z.Z. mein Kampf ist, erzähl ich Dir in 2 Wochen. Das ist mein härtester.

Ich bin bestimmt keine radikale Feministin. Dazu mag ich die Jungs eigentlich zu gerne. Aber ich steh dazu, dass ich ein Mensch bin und als solcher behandelt werden möchte. Und erst dann bin ich eine Frau (mir braucht auch niemand die Tür aufhalten, weil ich eine Frau bin. Wenn es trotzdem gemacht wird, um mir eine Freude zu machen oder weil ich vollbeladen daher komme, dann ist´s ok.
Ich steh auch dazu, dass ich manche Dinge nicht so gut selber machen kann. Weil ich entweder zu schwach dazu bin oder weil ich zu blöd dazu bin. Und da lasse ich mir gerne helfen. Aber andersrum helfe ich dann auch.

Fazit: Ich geh auch gerne alleine abend fort, auch alleine in Urlaub (Mann darf das natürlich auch, macht das sogar öfter), bin gern engagiert tätig, hasse es, alleine heimlaufen zu müssen, hasse es, wenn mein hausfrauendasein keine Anerkennung bekommt, hasse es, dass ich auf der Stelle trete, hasse es, dass mein Mann lockerflockig Karriere machen darf, auch mit 2 kleinen Kindern und ich nicht, hasse es, dass er einfach geht, wenn er möchte, während ich immer alles organisieren muss, damit ich gehen kann, hasse es, wenn meine Schwiegermutter kommt, und dann MIR einen Gefallen tut, wenn sie auf die Kinder aufpasst (und es mir dann nachträglich zum 40. Geburtstag schenkt).......

Grüßle Silvia, die sich nie vorstellen konnte, wegen ihres Geschlechtes anders betrachtet und behandelt zu werden. Es aber leidvoll als Vorsitzende in einem Männerverein erfahren musste. Und auch jetzt im Gemeinderat.

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