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Geschrieben von dr.snuggles am 24.07.2011, 18:37 Uhrzurück

was für ein krankes hirn

Oslo, 24. Juli (AFP) - Zwar sind nur wenige Fotos bekannt von dem mutmaßlichen Attentäter von Norwegen. Doch sie reichen aus, um die mindestens zwei Seiten seiner Persönlichkeit zu zeigen. Da ist einmal das Foto des netten jungen Mannes von nebenan, das der 32-Jährige im Internetportal Facebook von sich veröffentlichte. Und dann ist da der Schütze mit dem Sturmgewehr im Anschlag in einem Youtube-Video des Mannes, der erst einen Anschlag in Oslo verübt und dann auf einer nahen Insel ein unvorstellbares Blutbad angerichtet haben soll.

Als netten Mann kennen die Nachbarn Anders B. B. Er lebte in einem roten Backsteinhaus im gediegenen Westen von Oslo. „Für mich war er ein Allerweltsmensch”, sagt Emil Finneruo, der mit dem 32-Jährigen in die Schule ging und um die Ecke lebt. „Der klassische Typ halt: weiß, Mittelklasse, immer sauber und ordentlich.” Finneruo ist einer der wenigen, die sich am Sonntag auf der Straße zeigen. „Die Menschen sind immer geschockt, wenn sie erfahren, dass sie Seite an Seite mit einem Terroristen gelebt haben”, sagte Finneruo.

Welch tiefer Hass sich in B. B. angestaut hatte, darüber gibt das 1500 Seiten starke Manifest Aufschluss, an dem das Ex-Mitglied der rechtspopulistischen Fortschrittspartei (FrP) seit Jahren schrieb. Kurz vor der Tat am Freitag wurde es ins Internet gestellt. In dem Pamphlet stilisiert sich B. B. zum Kreuzritter im Kampf gegen die seiner Meinung nach falsche Entwicklung in Europa. „Die Zeit des Dialogs ist vorbei”, heißt es, „die Zeit des bewaffneten Widerstands ist gekommen.” Dabei aber solle „der Kampf gegen die multikulturellen Eliten in Europa” nicht mehr als „45.000 Tote und eine Million Verletzte” haben - „wegen des Prinzips der Angemessenheit”.

Den Unterlagen zufolge wird der Norweger im Herbst 2009 richtig aktiv. „Ich bin in einer neuen Phase in meinem Projekt”, schreibt er. Er habe einen Bergbau-Betrieb und einen kleinen Bauernhof gegründet, um einen „Deckmantel” zu haben für seine beabsichtigten Sprengstoffkäufe. Dann schreibt der 32-Jährige gewissenhaft jeden Schritt der Vorbereitung seiner Taten auf. Unter eine Liste mit Zutaten zum Bau einer Bombe vermerkt er ironisch: „All das sollte nicht schwer zu bekommen sein, solange man nicht Abdullah Rachid Mohammed heißt.”

Von alldem hatte sein leiblicher Vater keine Ahnung. „Unter Schock” stehe er, seit er das Foto seines Sohnes im Internet gesehen habe, sagte Jens B. der Zeitung „VG”. B. B.s Eltern ließen sich kurz nach dessen Geburt scheiden, dann gab es während der Kindheit des Jungen „einige Kontakte”. „Als er jünger war, war er ein gewöhnlicher Junge, aber verschlossen”, sagte sein Vater.

Auch B.B. erwähnt den Vater, einen pensionierten Diplomat, in seiner Schrift. „Er mochte meine Graffiti-Periode zwischen 13 und 16 Jahren nicht sehr.” Der Vater habe dann später keinen Wert darauf gelegt, ihn wiederzusehen. Sowohl sein Vater als auch seine leibliche Mutter seien Sympathisanten der Arbeiterpartei gewesen - die am Freitag zum Ziel der Anschläge wurde.

An jenem Tag soll B. B. erst eine Bombe im Regierungsviertel von Oslo platziert haben; sie tötet sieben Menschen, mehrere Gebäude werden zerstört, Chaos bricht aus. Der mutmaßliche Täter ist da schon auf dem Weg zur nahen Insel Utöya, wo etwa 600 Jugendliche an einem Camp der regierenden Arbeiterpartei teilnehmen. Er zog extra einen Polizeipullover an, um möglichst viele Menschen in seine Nähe zu locken. Dann eröffnet er aus zwei Waffen das Feuer.

Erst nach eineinhalb Stunden ist der Horror zu Ende. Mehr als 80 zumeist junge Menschen sind tot. B. B. lässt sich von Spezialkräften der Polizei widerstandslos festnehmen. Am Samstag legt er ein Teilgeständnis ab. Maximal 21 Jahre Gefängnis drohen ihm für seine brutalen Taten. Bedauern tut er die offenbar nicht. Der 32-Jährige denke schon, „dass seine Taten grausam waren”, sagt sein Anwalt. „Aber in seinem Kopf waren sie notwendig.”

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