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Geschrieben von Elisabeth mit Fumi & Temi am 01.06.2004, 11:13 Uhrzurück

Unehrlich

Hallo,

tja, unehrlich. Was ist unehrlich?

Ich behaupte mal, daß 99% der Deutschen irgendwann mal mindestens eine Unehrlichkeit der Gemeinschaft gegenüber begangen haben. Den Arbeitsweg für die Entfernungspauschale in der Steuererklärung etwas verlängert, das eine oder andere Nicht-wirklich-Sachbuch von der Steuer abgezogen, das Schonvermögen etwas geringer geschummelt im Antrag auf Sozialhilfe, die Freundin gefragt, ob sie die kaputte Brille über ihre Haftpflicht abrechnet..... Und wahrscheinlich hatte jeder einzelne dabei das Gefühl, daß er mit dieser Schummelei nur eine Ungerechtigkeit ausbügelt. Die wenigsten werden sich dabei kriminell gefühlt haben.

Wir haben ALLE das Gefühl, ständig ungerecht behandelt zu werden. Arbeitszeiterhöhungen? Ja, aber die anderen.... Arbeitsplatz wackelt? Ja, aber die anderen.... ALG gekürzt? Ja, aber die anderen.....

Das liegt aber auch daran, daß wir alle das Gefühl für Geben und Nehmen verloren haben. Wohin wandern unsere Steuern? Sicher nicht in die Yachten der Bankvostände. Oder vielleicht doch? Ich bezahle den städtischen Straßenkehrer, also darf ich auch meinen Hund in die Grünanlage scheißen lassen. Oder nicht? Ich habe jahrelang in die Sozialkassen eingezahlt, also steht mir die Sozialhilfe zu, auch wenn mein Vermögen das Schonvermögen überschreitet. Oder etwa nicht? Aber der böse Mann in der Nachbarwohnung hat nie eingezahlt, weil er säuft, also ist er ein Sozialschmarozer. Oder nicht?

Sozialsysteme funktionieren nicht, wenn jeder das rausbekommt, was er einzahlt. Dann könnten wir uns das auch schenken: Jeder kümmert sich um sich selber und fertig. Es muß Menschen geben, die mehr einzahlen als sie rausbekommen, sonst bricht der Laden zusammen. Das Problem ist, daß wir alle das Gefühl haben, wesentlich mehr zu bezahlen als rauszubekommen. Aber ist das auch so? (Das erinnert mich immer an die gefühlte Temperatur vs. die gemessene Temperatur.)

Ja, Unehrlichkeit ist übel. Aber fangen wir doch mal bei uns selber an. Natürlich ist es leichter, die Unehrlichkeit bei den anderen zu sehen, bei den Gewerkschaften, den Arbeitgeberverbänden, den Superreichen, den Politikern. Aber sind die nicht genauso wie wir, nur auf einem anderen Niveau?

Nur mal so zum Nachdenken,
Elisabeth.

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