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Geschrieben von sasu am 30.06.2003, 22:05 Uhrzurück

und weiter geht's....:USA erwägen gezielten Militärschlag gegen Iran

Perser wären trotz West-Orientierung zum Kampf im Namen Allahs bereit
von Peter Scholl-Latour

Die Zeichen stehen auf Sturm für Teheran. John Bolton, Staatssekretär im US-Verteidigungsministerium, hat wissen lassen, dass das militärische Eingreifen gegen die Islamische Republik Iran eine ernsthaft erwogene Option sei. George W. Bushs Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice sagte, die USA würden allein handeln, wenn die Europäer nicht bereit seien, den Iran an der Entwicklung von Atomwaffen zu hindern. Ihnen liege aber nichts daran, die Frage der Nicht-Verbreitung von Atomwaffen jedes Mal nach dem Muster Iraks zu behandeln, schränkte sie ein. Nach Meinungsumfragen sprechen sich 56 Prozent der US-Bürger für einen Militärschlag aus, um die Entwicklung nuklearer Waffen durch das Mullah-Regime zu verhindern.


Neben dem Vorwurf, Al-Qaida-Terroristen auf ihrem Staatsgebiet zu dulden, wirft Washington der schiitischen Geistlichkeit des Iran vor, die Glaubensbrüder im Irak gegen den US-Verwalter Paul Bremer zu mobilisieren. Ob die schiitische Bevölkerungsmehrheit Mesopotamiens aber einer solchen Ermunterung von außen bedarf, ist keineswegs sicher.


Sowohl der Irak als auch der Iran erleben derzeit eine signifikante Entwicklung - allerdings in konträrer Richtung: Während im Iran die Studentenproteste deutlich machten, dass der schiitische Gottesstaat, so wie ihn Ajatollah Ruhollah Khomeini im Jahr 1979 gegründet hatte, infrage gestellt wird, vollzieht sich bei den schiitischen Massen im Irak eine schwärmerische Hinwendung zum islamischen Eiferertum.


Die Frage ist nun, ob die Unruhen im Irak sowie die anarchischen Zustände in Afghanistan überhaupt ein zügiges militärisches Vorgehen der USA gegen das Regime in Teheran erlauben? Die Risiken sind erheblich. Der Iran hat 70 Millionen Einwohner und verfügt über ein extrem schwieriges Terrain. Im Übrigen können die Studenten-Kundgebungen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Intellektuellen und das Bürgertum zwar mit dem westlichen Lebensstil liebäugeln, im Falle einer ausländischen Bedrohung sich jedoch mitsamt den Elite-Einheiten der iranischen Revolutionsgarden und dem dubiosen Aufgebot der Bassidschi-Volksmiliz zu erbittertem Widerstand zusammenschließen dürften. In Teheran würde der Kampf im Namen Allahs und der iranischen Nation aufgenommen und nicht im Dienste eines Diktators wie Saddam Hussein.


Wird Bush mit einem Militärschlag gegen Iran abwarten, bis er die nächste Präsidentschaftswahl gewonnen hat? In der Zwischenzeit, so fürchtet das US-Verteidigungsministerium, könnte die persische Atombombe fertig gestellt werden. Jedenfalls wird Staatspräsident Mohammed Chatami, dessen mangelndes Durchsetzungsvermögen gegen die konservativen Mullahs viele seiner Anhänger enttäuscht hat, unter gewaltigen Druck geraten. Die Freigabe des persischen Territoriums für uneingeschränkte Inspektionen durch die Atomenergie-Behörde IAEA würde in den Augen des iranischen Generalstabs einer demütigenden Sicherheitsgefährdung gleichkommen.


In Teheran rechnet man nicht mit einer massiven Invasion der US-Streitkräfte nach irakischem Modell. Vermutlich würde sich Washington auf die Vernichtung der vermeintlichen nuklearen Rüstungsanlagen konzentrieren und durch die Bombardierung der Erdöl-Verschiffungsanlagen das ökonomische Potenzial Persiens blockieren. Zusätzlich geht die iranische Führung davon aus, dass die US-Navy die kleinen, aber strategisch wichtigen Inseln Abu Musa sowie Große und Kleine Tunb in der Straße von Hormus besetzen könnte, die seinerzeit vom letzten Schah willkürlich unter persische Kontrolle gebracht wurden. Ob solche gezielten Zugriffe ausreichen, um den Iran in die Knie zu zwingen oder ob sich dann in Persien lediglich Chaos und Fanatismus breit machen würden, ist eine Frage, die auch die Verbündeten Amerikas intensiv erwägen sollten.

Artikel erschienen am 29. Jun 2003

http://www.wams.de/data/2003/06/29/126151.html

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