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Geschrieben von sasu am 15.06.2003, 15:32 Uhrzurück

und weil's so schoen ist: der text nochmals mit den kommentaren eines dritten. die habe ich mit >>> gekennzeichnet (ich hoffe ihr steigt da durch... *g*)...mt

Der Soziologe Hondrich, 65, lehrt in Frankfurt am Main. Zuletzt erschienen von ihm bei Suhrkamp die Bände "Wieder Krieg" sowie "Enthüllung und Entrüstung. Eine Phänomenologie des politischen Skandals".

Die Zeichen am Himmel sind unübersehbar. Die apokalyptischen Reiter sind unterwegs. Unterm Sternenbanner, auf wilder Jagd um den Globus. Durch die Wolken stoßen sie, wo sie wollen. Heute gehört ihnen der Irak und morgen die ganze Welt. Wahnsinn. Die so denken, sind allerdings nicht Amerikaner, sondern Meister aus Deutschland. Der Größenwahn der Macht entsteht im Auge des Betrachters. Hitler spukt noch in unseren Köpfen. Es sind seine Träume von Weltherrschaft, die wir auf Amerika übertragen. Glaubt man den Auguren des alten Europa, dann kennt die Welt keine größere Gefahr als Amerikas Übermacht.
>>> Ja was denn nun? Alles nur Einbildung?

Wer könnte sich ihren Argumenten entziehen? Ja, Konflikte sollen gewaltlos, im Rahmen des Rechts beigelegt werden. Ja, den Vereinten Nationen und nicht den Vereinigten Staaten soll die Rolle des Weltenordners zuwachsen. Ja, bis dahin soll die Macht in der Welt "multipolar" verteilt sein. So eingängig die Forderungen sind, sie beruhen auf Illusion. Nicht Rechts-, sondern Gewaltordnung ist die Grundlage von Gesellschaft. In der Weltgesellschaft baut nicht die Uno, sondern bauen die USA an diesem Fundament. Verteilung der Gewalt auf mehrere Pole, wenn sie denn möglich wäre, würde nicht mehr Frieden bringen, sondern weniger. Die gewaltige Macht Amerikas ist nicht das Problem. Sie ist die Lösung.
>>> Aha! Der Autor bekennt Farbe!

Gerade die gewaltige Macht der Amerikaner ist das Problem. Der Staatswissenschaftler Leopold Kohr (1909-1994) hat in seinem Lebenswerk »The Breakdown Of Nations« (Dt. »Das Ende der Großen – Zurück zum Menschlichen Maß«) bewiesen, dass die Ursache allen menschlichen Elends nur durch die Tatsache begründet ist, dass etwas (Ein Staat, Ein Unternehmen, Eine Bewegung) zu groß geworden ist. Jenseits einer kritischen Größe entsteht soviel Macht, dass auch ein Staat der ursprünglich hohe gesellschaftliche Werte vermittelte, früher oder später zum Agressor wird.
Was aber ist das Problem?
Das Problem ist die Vielfalt und Streuung der Gewalt, weltweit.
>>> Das soll der Grund sein? Hier werden Ursache und Symptom verwechselt. Wodurch entstand die sogenannte »Vielfalt und Streuung der Gewalt, weltweit«?

Es spitzt sich zu: Immer mehr Staaten, Banden, Terroristen, Fanatiker können sich vernichtende Waffen verschaffen und die Welt in Schrecken versetzen.
>>> Das ist ersteinmal eine Behauptung. Die Frage, warum die sog. »Fanatiker« die Welt in Schrecken setzen wollen ist für den Autor unerheblich. Es ist so.

Mit Recht und Verträgen ist dem nicht beizukommen. Und doch hat die Geschichte eine Lösung, im kleineren Rahmen, vorgemacht. Hier in Europa gab es Multipolarität, eine Art Gleichverteilung der Gewalt auf viele Herren. Sie führte zu fortwährenden Machtproben.
Aus ihnen ging der moderne Staat als Monopolist der Gewalt hervor.
>>> Auch in Europas Geschichte hatten Staaten das Monopol der Gewalt. Es gab nur viel mehr „Staaten“ als im heutigen Europa! Im Hochmittelalter gab es keine Nationen in unserem heutigen Sinn. Es gab allerlei Königreiche und Fürstentümer. Bedingt durch ihre Kleinheit konnte zwar kein Krieg vermieden werden. Allerdings waren diese Kriege im Gegensatz zur Neuzeit mit ihren modernen Staaten und Großmächten regional sehr begrenzt. Und damit auch das Leid. Im Hochmittelalter wurde an jeder Ecke in Europa gekämpft. Nur die kriegerischen Parteien und deren Einwohner bekamen davon kaum etwas mit! Dieser Kriege waren also bedingt durch die Staatengröße sehr begrenzt.

Seine Hegemonie sichert den Frieden - allerdings nur nach innen.
Im Außenverhältnis der Staaten entsteht erneut Konkurrenz, nunmehr der nationalen Hegemonen, und damit erhöhte Gewaltgefahr.
>>> Und mit einem erheblich gesteigerten Vernichtungspotenzial.
So enstanden aus vielen Kleinen Staaten, in den nur ein begrenzter Krieg geführt werden konnte immer größere Staaten. In Kriegen wurde der Schwächere von dem Stärkeren einverleibt. So wurden die Staaten immer größer, und wurden immer weiter vereinigt. Daraus entstanden dann nach und nach die Großmächte.

Das "Gleichgewicht der Kräfte", auf das die europäische Neuzeit von Metternich bis Bismarck so stolz war, hat Gewalt nur zeitweilig gebannt, um dann in umso größerer Gewalt zusammenzubrechen.
>>> Weil die Staaten immer größer wurden, wurden auch ihre Kriege immer gigantischer und schrecklicher.

Nur glücklichen Umständen ist es zuzuschreiben, dass das "Gleichgewicht des Schreckens" zwischen Nato und Warschauer Pakt nicht in einem Inferno mündete. Es verwandelte sich in die
Vormacht der USA.
>>> Wieso Vormacht? Die USA sind die letzte Supermacht! Mit einer gigantischen Machtfülle.

Nach Plan, Recht und Gesetz verläuft dies alles nicht. Eine Rechtsordnung, die Gewalt an Regeln bindet, setzt hegemoniale Gewaltordnung voraus.
>>> Das versteh wer wolle.

Das alte Europa scheint die grundlegende Rolle von Gewalt vergessen zu haben. Es fühlt sich nicht angegriffen, weder von Bin Laden noch von Saddam, von den Hamas-Kommandos nicht und nicht vom Kongo. Es suggeriert sich, dass Gewalt nicht durch Gewalt, sondern durch Nichtgewalt zu bändigen sei;
>>> Wofür tritt den jetzt der Autor ein. Für Gewalt? oder Gegen Gewalt?

ist es ein Zufall, dass nur Briten und Spanier, die Terror im eigenen Land kennen, für eine Gewaltlösung im Irak eintraten?
>>> Ist es nicht merkwürdig, dass diese Länder, Israel möchte ich insbesondere hinzufügen, seit Jahrzehnten erfolglos gegen ihre Gewaltprobleme vorgehen. Es ist ein Trugschluss, das nur die Macht erhöht werden muss, um gegen ein altes Problem mit alten Mitteln erfolgreich kämpfen zu können.

Sowenig wir die ferne Gewalt fühlen, verstehen und uns als Problem zu Eigen machen, so schnell haben wir die Patentlösung zur Hand: Die Uno soll es richten. Sie kann es nicht. Sie hat keine Gewalt. Wo Recht nicht durchgesetzt werden kann, gibt es kein Recht. Was der Uno aber am meisten fehlt, ist die Wucht geteilter Interessen und Gefühle, die zu gemeinsamem Handeln nach außen erst befähigen. Die Uno hat kein Außen und bleibt deshalb uneins im Innern.
>>> Das ließe sich ändern, wenn die USA nur wollten...

Sie versteht sich als das Ganze - und kann deshalb, tragischerweise, für das Ganze nicht handeln. Was der Uno fehlt, haben die USA: wenn auch kein Weltgewaltmonopol, so doch die Führerschaft in einem Kartell der Waffenmächtigen. Was sie fähig macht zu handeln - die Unterscheidung zwischen Gut und Böse, innen und außen, Freund und Feind -,
>>> Wer nicht für uns ist, ist gegen uns!

scheint sie unfähig zu machen, für das Ganze zu handeln.
>>> Sie möchten auch nicht für das Ganze handeln. Wie sagte einst Madelaine Albright: Multilateral wenn wir es uns leisten können, und unilateral wenn wir müssen!

Auch wenn sie von der Uno gerufen werden - immer bleiben sie Nation, also nur Teil des Ganzen und ihren eigenen Interessen verhaftet. Allerdings, als Interessen einer Großmacht reichen sie weiter als die von anderen Staaten.
>>> Eben. Die USA haben ihre Nationalen Interessen globalisiert!

Sie kommen, zumindest was Schutz vor Gewalt angeht, den Interessen des Ganzen nahe.
>>> Was den nun, können die USA für da Ganze handeln oder gelingt es ihnen aufgrund der Eigeninteressen und der schieren Größe ihres Reiches immer weniger?

Auch ohne einen Ordnungswillen für das Ganze (der eher gefährlich werden kann) erfüllen sie, sei es unbeabsichtigt, eine zentrale Aufgabe aller Staatlichkeit: Gewalt dem freien Spiel der Kräfte zu entziehen und ruhig zu stellen - im Quasi-Weltstaat eine ungeheure Aufgabe. Weil niemand sonst sich ihr unterzieht, ist Weltgewaltordnung heute, notgedrungen, US-hegemonial.
>>> Ach Gottchen, notgedrungen, hoffentlich können die US-Boys die Last auch über eine längere Distanz tragen?

Überfordert die Aufgabe nicht die Kraft einer Nation? Amerika übernehme sich, sagen seine Kritiker; wirtschaftlich lebe es bereits auf Kosten der andern, es führt chronisch mehr ein als aus. Das kann man anders deuten: Die Welt gibt Amerika in Waren zurück, was sie an militärischen Diensten von ihm bekommt.
>>> Das ist ein phantasiereicher Denkansatz, erklärt es aber nicht!

Längst gibt es global eine Aufgabenteilung. Sie funktioniert ohne Vertrag und Recht, ja ohne Gerechtigkeit - aber sie funktioniert:
Für die Welt gearbeitet wird in Asien, in Arabien gebetet, in Afrika gelitten, in Amerika gerüstet und in Europa über alles geredet.
>>> Nett formuliert, aber erklärt es auch nicht.

Das eine wie das andere ist gemeinschaftsdienlich. Aber durch noch so viel Reden und Reflektieren auf das europäische Erbe lässt sich Gemeinschaft nicht herbeireden. Im Kampf dagegen (auch gegen den Hunger) entsteht sie von selbst.

Wie aller Macht sind auch der des Hegemonen Grenzen gesetzt. Von außen durch die Großmächte Russland, China, Indien; sie machen den USA nicht mehr, wie noch bis 1989, die Kontrolle über die weite Welt streitig, wohl aber über je eigene Einflusssphären. Allerdings sind diese, insbesondere für Russland, dramatisch geschrumpft; ganz Osteuropa ist zum Schutzpatron Nato übergelaufen
>>> alle suchen ihr Heil in der Vereinigung,

ja Russland selbst neigt, bedrängt von islamischem Terrorismus und der entfesselten Industriedynamik Chinas, de facto dem Nato-Gewaltkartell zu.
Und wenn dies eines Tages, als weltweites Sicherheitssystem, alle Mächte in sich aufgenommen hätte? Es würde dann auch seine äußeren Grenzen zu inneren machen. Schon jetzt zeigen sie sich im Widerstand der Nato-Partner gegen den Irak-Krieg. Je umfassender das Gewaltkartell, desto brisanter seine innere Einheit und desto größer die Zugeständnisse, die die Führungsmacht machen muss, um Einheit und Staffelung der Macht zu erhalten.

Die stärkste Begrenzung hegemonialer Macht kommt aus dem Innersten des Hegemonen selbst. Er verkörpert die älteste und populärste moderne Demokratie - ein Volk, das sich als sein eigener Herr fühlt, mehr als jedes europäische Volk sich dies träumen lässt.
Es will seine Soldaten nicht auf fremden Schlachtfeldern verbluten sehen. Es will auf die Dauer die Aufmerksamkeit seiner Regierung nicht mit Burundi, Berlin oder Bagdad teilen. Wenn es auswärts zu tun hat - "some business to do", wie Kriegführen auf Amerikanisch heißt -, dann will es das im eigenen Interesse tun und nicht für Weltbeglückungspläne, wie sie seit je in Europa ausgeheckt werden. Wenn von seinen Kriegen für andere Völker etwas abfällt, Freiheit und Demokratie etwa: they are welcome, Amerikaner sind stolz darauf. Dass sie anderen aber den American Way of Life aufzwingen - lachhaft: Was die Leute aus freien Stücken haben wollen, braucht man ihnen nicht mit Gewalt zu bringen.
>>> Deshalb kämpften die Amerikaner auch seit Ende des Zweiten Weltkriegs in mehr als 40 Kriegen. Ewiger Krieg für weigen Frieden.;-)

Und auch nicht mit Geld. Investieren möchte das amerikanische Volk lieber zu Hause: in Bildung, Gesundheit, Sicherheit.
>>>(=mehr Gefängnisse, mehr Wachpersonal, mehr Überwachungskameras. Kalifornien gibt bekanntermaßen mehr für Gefängnisse und Sicherheitsmaßnahmen aus als für Bildung)

Verfehlt er diese Interessen, wird der Präsident, wie damals sein Vater, gehen müssen.
>>> Er wird nicht gehen, wenn die USA einen weiteren Anschlag von den Ausmaßen 911 erleben.


Je weiter hegemoniale Macht ausholt, desto mehr stößt sie an finanzielle Grenzen. Schon deshalb braucht sie innere und äußere Zustimmung, also Legitimität.
>>> Die USA (GB) bomben, die EU und Natoländer sichern, und die UNO räumt auf, so war es bis zum Irak-Krieg.So ist es auch heute

Denn jeder Widerstand erhöht die Risiken, die Dauer und die Kosten eines Krieges.
Auch der scheinbar weltweit agierende Hegemon kontrolliert nicht die Welt. In der Ferne macht er vor dem Einflussgebiet anderer Großmächte Halt. In der Nähe ist er mit der groben Keule seiner Vernichtungswaffen machtlos gegen Gewaltsticheleien und Terror am eigenen Körper, in Belfast, San Sebastián, New York. Seine hegemoniale Kontrollzone auf der Welt ist nicht mehr als eine Schneise mittlerer Reichweite.
Das ist den Meisterdenkern eines imaginären Globalinteresses, auf Kreuzfahrt in ihrem europäischen Traumschiff, zu wenig. Sie wollen Ordnung für alle.
>>> Ordnung im Sinne von hygienischer Sauberkeit wird es niemals geben. Auch Kriege wird es immer geben. Nur je größer die Staaten, desto größer die Macht, desto größer und brutaler die Zerstörung.

Sie wollen die Vereinigten Staaten klein und groß zugleich haben. Als Flugzeugträger können die USA ihnen nicht klein genug sein, als Träger einer Idee vom allgemeinen Weltwohl nicht weit reichend genug.
Aber dass der Hegemon Nation ist und nichts sonst - nicht Rat der Weltweisen, nicht non-governmental organization, nicht Weltstaat -, ist alles andere als beklagenswert. Es bietet die Chance, dass er in begrenztem Eigeninteresse handelt und nicht aus ungezügelt-universalem Idealismus - mögen in seinem Innern noch so viele Irrlichter und Fundamentalismen flackern. Er kann sich irren, wie in Vietnam. Aber nichts weist darauf hin, dass er die Vernunft sich selbst begrenzender nationaler Interessen jemals über Bord geworfen hätte.
>>> Nein, rein gar nichts! ;-)


Sie ruht in der Erfahrung einer alten, gewachsenen, ungebrochenen, urdemokratischen und multikulturellen Nation. Entgegengesetzter könnten die deutschen Erfahrungen eines verspäteten, imperial pervertierten, gebrochenen Nationalismus nicht sein. Die Kluft zwischen den Erfahrungen lässt sich nicht füllen, außer mit Misstrauen.

Ist dies nicht rational? Eine Gewähr für immer währende Vernunft bietet die Verankerung der Hegemonie in der amerikanischen Demokratie ja nicht. So wie diese im Inneren durch checks and balances funktioniert, braucht sie Gegengewichte auch von außen. Dafür steht das schillernde Konzept der "Multipolarität". Sie kann vieles bedeuten: eine Realität, einen schönen Schein oder eine Eselei.
>>> Sehr diffus, der Autor möchte sich hier nicht fest legen.

Real sind die kleinen und großen Pole, die sich aus Machtbeziehungen herauskristallisieren. In Beziehung zu ihren ehemaligen Kolonien bilden Frankreich und Belgien einen Machtpol; so ist es nur konsequent, dass unter ihrer Führung eine EU-Truppe in den Kongo zieht. Die Länder des Balkans lehnen sich an Deutschland an - und machen es unwillkürlich zu einem Machtpol eigener Art. Multipolarität ist so gesehen vorhanden. Sie wird allerdings zum schönen Schein, wenn sie vergessen macht, dass sie als innere Machtstaffelung in ein größeres Hegemonialsystem eingebaut ist. Der Hegemon ist auf sie angewiesen und sie auf ihn. Frankreich, Großbritannien und Deutschland sind Unterworfene und Unterwerfer in einem. Sie sind Teil einer kollektiven Hegemonie. Denen draußen, im Süden und Osten, erklären sie, welche Grausamkeiten drohen, sollte man sich dem Hegemonen widersetzen. Umgekehrt erklären sie dem Hegemonen die Ängste und Widerstände der restlichen Welt. Aus deren Sicht bleiben die Europäer zugleich Unterteufel, sofern sie mitstrafen, und Halbgötter in Weiß, weil sie es mit Verständnis tun und Lazarettschiffe schicken. So finden sie ihre Funktion: als Vermittler zwischen Vormacht und Ohnmacht.
So stark ist das hegemoniale System bereits, dass es nach außen wie im Innern große Freiheiten lässt. Einen Feldzug des Hegemonen kann man mitmachen oder auch nicht. Auch ohne Parlament schafft sich das System eine Art außerparlamentarische Opposition: Gerhard Schröders Deutschland und das Frankreich Jacques Chiracs - mit Habermas, Derrida und Rorty in der Hinterhand - sind die Apo für George W. Bushs Amerika. Die 68er können das Arsenal alter Argumente verwenden: Gefährlichkeit und Gemeinheit Amerikas, Gefährdung der Demokratie und des Rechtsstaats. Alles nur Antiamerikanismen, heute wie gestern?
>>> Was ist eigentlich aus den 68ern und APO´s geworden? Otto Schily ist Innenminister und Joschka wird EU-Außenminister, da freut sich doch Uncle Sam;)

Es ist vielmehr Opposition im eigenen, atlantischen Haus. Die Deutschen sind angekommen im Westen. Zu dumm, dass er sich nicht nur als offene Gesellschaft entpuppt, sondern auch als ehernes Gehäuse der Hegemonie.
Heraus können sie nicht mehr. Sollten sie trotzdem von einem europäischen Eigenheim träumen, blind dafür, dass es, abgetrennt, am Abgrund balancieren würde? Es ist zu befürchten, dass ihnen genau dies vorschwebt: Europa als ein Machtpol außerhalb der US-Hegemonie, der, im Verbund mit anderen Polen - Russland, China, Indien, Afrika? - Hegemonie aufheben soll. "Multipolarität" wäre nicht das erste Fortschrittsprojekt, das sich - siehe Sozialismus - als Rückschritt erweist.
Wohl aber wäre es das törichteste und gefährlichste. Es würde zurückführen in neue Dimensionen von alten Gewaltkonkurrenzkämpfen, die wir hinter uns haben. Dank der US-Hegemonie. Möge uns diese Kröte ruhig im Hals stecken bleiben.
>>> Aha! Jetzt ist es raus! Weg mit der Multipolarität, und rann an US-Mamas Busen. Da ist es immer schön warm und gemütlich, und wenn ein böser Terrorist kommt, kriegt es eins in die Fresse!

Stephan


Auszüge aus »Das Ende der Großen«
...Bereits im Jahre 1950, als der Verteidigungsminister von Präsident Truman Louis Johnson die Möglichkeit eines Präventivkrieges andeutete. Oder als General Eisenhower bei einer Ansprache vor dem Kongreß erklärte, dass »wir vereint die ganze Welt niedermachen könnten« (1950).
...Passiv ausgedrückt: wenn wir vereint sind, können wir nicht von der ganzen Welt niedergemacht werden....

...Das irreführende Wort des Präventivkrieges deutet es schon an: man möchte eine Aggression verhindern, indem man für diese eintritt...

...Keine Ideologie des Friedens, mag sie auch noch so tief in einem Land verwurzelt sein, kann den Krieg verhindern, wenn einmal eine bestimmte Macht-Konstellation in Erscheinung getreten ist.
Sie mag einen verlangsamenden oder einen verschönenden Effekt haben, aber das ist auch schon alles.
Macht und Aggressivität sind zwei untrennbare Zwillingsphänomene in einem Staat von fast kritischer Größe und Unschuld ist eine Tugend, aber nur bis zu einem gewissen Punkt und Alter...

...Wenn es je ein mächtiges Land geben sollte, das den Wunsch nicht hat, die anderen Niederzumachen und zu unterdrücken, so wäre dies kein Zeichen von Tugend, sondern eher von Überalterung oder von mongoloider Entwicklung...

...Wenn die Welt von dem Drang nach aggressiver Kriegführung befreit werden soll, so wird dies bestimmt nicht erreicht, indem wir versuchen sie zu Vereinigen. Wir würden nur das Terrorpotential vergrößern, welches aus gigantischer Größe hervorgeht...

...Was erreicht werden muss ist genau das Gegenteil: die Zerstückelung der riesigen vereinigten nationalen Komplexe, die normalerweise Großmächte genannt werden. Denn nur diese besitzen in der heutige Welt die soziale Größe, die es ihnen gestattet, Elend zu verbreiten, das wir zu verhindern trachten, dies aber nicht tun können, solange wir die Macht unangetastet lassen, die sie hervorrief...

Leopold Kohr

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