Aktuelles und Neuigkeiten Aktuelles und Neuigkeiten
Geschrieben von Moneypenny77* am 11.10.2005, 12:14 Uhrzurück

Re: Umfrage, wie steht ihr zur Sterbehilfe?

Bei uns im Haus wohnt im EG eine alte Dame, Ende 80, die keinerlei Verwandte oder Freunde hat. Sie liegt den ganzen Tag im Bett und vegitiert vor sich hin, 3 mal täglich kommt der Pflegedienst, ebenso oft ein SEHR seltsamer älterer Mann mit seinem Neffen. Dieser wiederum bringt jedes Mal noch mindestens einen komischen Freund mit. Vor den Typen gruselt es uns total und ich will gar nicht wissen, was sie da mit der Frau und ihrem Hab und Gut machen! Manchmal sitzt sie am Fenster und winkt hinter der Gardine, wird aber von diesen Männern total abgeschottet. Die Pflegerin vom Pflegedienst erzählte mir, daß es ganz schrecklich sei, daß diese Frau nicht gehen dürfe, die so gern will! Wenn das "Essen auf Rädern" vor der Haustür steht, sagen wir auch manchmal, daß es kein Mensch merken würde, wenn man ihr was ins Essen tun würde, was sie erlöst. Kein Arzt würde da eine Obduktion machen, wenn es ganz klar nach einem Herzinfarkt o.ä. aussieht. (NEIN, WIR WERDEN ES NATÜRLICH NICHT TUN!)

Meine Mutter hatte voriges Jahr einen Schlaganfall. Innerhalb weniger Minuten mußte sie die Entscheidung zu einer Not-OP treffen, bei der ein Teil der Schädelplatte entfernt werden sollte, damit sich das Ödem ausweiten konnte, ohne weiteren Schaden am Gehirn verursachen zu können. Da sie noch sprechen konnte, mußte SIE "Ja" oder "Nein" sagen. Mein Großvater (Hitlers Euthanisie war sicher voll sein Ding!) stand neben ihrem Bett und erinnerte sie an ihre Patienteverfügung, in der steht, daß sie nicht beatmet werden wolle. Und sie solle sich mal vorstellen, was für eine Last sie für uns würde, wenn sie (Zitat) "bekloppt" werden würde. Dies geschah, während mein Vater zum Auto raste, um Fotos von mir und ihrem Enkel zu besorgen. Als er zurückkam, hatte mein Großvater es "geschafft" sie sagte zum behandelnden Arzt "Nein". Überlebenschance damit gleich Null. Mein Vater wußte nicht, was in seiner Abwesenheit gesprochen worden war, erst mir hat sie es vor ein paar Wochen anvertraut. Er hat ihr die Fotos vor die Nase gehalten und hat gesagt: "Willst Du die beiden wirklich NIE mehr wiedersehen?" Sie hat sich schlußendlich in letzter Sekunde (es mußte ein Not-Transport in die Uni-Klinik etc. organisiert werden und die Zeit lief uns davon) für die OP entschieden. Heute sitzt sie zwar im Rollstuhl, aber ist geistig voll da!

Was ich damit sagen will: bei der Sterbehilfe bewegt man sich hier und da auf dünnem Eis, wenn man eben nicht den genauen Ausgang bestimmen kann. Aber wenn ein kranker Mensch selbst und bei KLAREM Verstand darum bittet, seinem Leben ein Ende zu setzen und ihn von seinem Leiden zu erlösen, dann sollte man ihm m.E. diesen Wunsch erfüllen und sei es nur, in dem man ihm die entsprechenden Tabletten gibt, die er dann selbst nehmen muß.

Mein Mann ist Jäger und hat mir mal erzählt, daß ein Jagdhund normalerweise nicht vom Tierarzt eingeschläfert wird, sondern auf der Jagd von seinem Herrchen mit einem Blattschuß (so heißt das glaube ich) getötet wird. Am Anfang fand ich das absolut grausam und bestialisch: wie kann man nur sein eigenes Tier erschießen. Aber bei genauerem darüber nachdenken kam mir der Gedanke, daß es doch keinen schöneren Tod gibt, als unvorgewarnt (und jeder, der einmal ein Tier zum Einschläfern gebracht hat wird bestätigen, das Gefühl gehabt zu haben, daß Tier habe es geahnt), bei der Sache die man am liebsten getan hat ohne Leiden sterben zu dürfen. Mittlerweile denke ich, daß das ein würdevoller Tod ist, der vielen Mensch verwehrt bleibt, die dahinsiechen müssen.

Beitrag beantworten

Zurück ins Forum

Unten der Beitrag und die bisherigen Antworten. Sie befinden sich in dem Beitrag mit dem grünen Pfeil.
Die letzten 10 Beiträge im Forum Aktuelles und Neuigkeiten