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Geschrieben von maleja am 03.02.2006, 19:50 Uhrzurück

Tchibo Klamotten (&Co)

Heute hab ich das neue Schroth und Korn (die Zeitung aus dem Bioladen) gelesen und darim steht ein Riesenbericht über Tchibo & Co. Ich hatte zwar bereits davon gehört und mir vorgenommen, kene Kleider etc mehr bei Tchibo zu kaufen, aber der Bericht in der ZEitung hat es mir erst wieder klar gemacht. Es ist ein Unding, dass Menschen leiden müssen, nur damit wir billig billig geizig wie wir sind, T-Shirts zu Dumpingpreisen kaufen können. Wir kaufen bei Tchibo unser 30stes Shirt, während diese Arbeiter wahrscheinlich gerade mal eins haben.
Nein, das ist so pervers, es ist eigentlihc kaum zu glauben, oder? Wer kan da noch mit reinem GEwissen solche Kleider kaufen? Ich werde ganz bestimmt keins mehr bei tchibo kaufen. Und ich werde es ihnen mit Begründung auch mitteilen.

So, beim Googlen hab ich folgenden Beitrag gefunden: Er stammt zwar vom Herbst letzten Jahres, aber ich denke, er ist immernoch aktuell:



MONITOR Nr. 539 am 13. Oktober 2005

Schöne, billige Kleidung – und das Elend dahinter
Bericht: Andreas Maus



Sonia Mikich: "Wie schön, wieder mal ist das T-Shirt oder die Wellness-Hose ein paar Euro billiger als im letzten Jahr. Dank der fleißigen Näherinnen irgendwo in der Dritten Welt. Und noch schöner: Mein Gewissen darf ruhig bleiben. Bei der Herstellung ist ja alles anständig zugegangen. Damit werben Textilriesen wie der Hamburger Kaffeeröster Tchibo und andere der Branche. Sie garantieren ordentliche Arbeitsverhältnisse für jene weit entfernten Menschen, die unsere Schnäppchen nähen. Zum Beispiel in Bangladesch, das zu den ärmsten Ländern der Erde gehört. Armut macht die Menschen dort willig, gefügig, mundtot. Wir wollten wissen, wie es vor Ort in den Fabriken aussieht. Wir haben einen Reporter hingeschickt. Andreas Maus über schöne, billige Kleidung für uns … und das Elend anderer."


Billig soll es sein. Und auch schick. Qualität für wenig Geld. Aber was bedeutet das? Die Geschichten dahinter, wir ahnen sie. Es sind häufig Geschichten von Armut und Ausbeutung. Aber sie stehen nicht geschrieben auf dem Preisschild.

Tod eines Textilarbeiters. Am 11. April 2005 stürzt in Bangladesch eine Nähfabrik ein. Wegen Verstößen gegen Baurecht heißt es. 64 Menschen kommen dabei ums Leben. Das Unglück offenbart weitere Missstände. In einer Branche auf der Suche nach immer billigeren Nähfabriken. Oft finden sie die in Ländern, wo Verstöße gegen Arbeits- und Sicherheitsstandards häufig sind. Europäische Unternehmen, auch deutsche, hatten hier in den letzten Jahren nähen lassen, KarstadtQuelle etwa.

Bangladesch, eines der Armenhäuser der Welt. 4.000 Textilfabriken kämpfen um Aufträge. Wer überleben will, unterläuft häufig die geforderten Standards. Auditierungen, das heißt Kontrollen durch die Auftraggeber, sollen das verhindern. Wie war das bei der Unglücksfirma?

Jörg Howe, KarstadtQuelle AG: "Es ist nicht möglich, Produzenten vollständig zu überwachen. Das können auch wir nicht, das können auch die Firmen nicht, die das Auditing für uns machen. So. Die sind natürlich auf ihre Erfahrungen angewiesen und können hier und dort den Finger in die Wunde legen. Aber wir sind nicht in der Lage, sag ich ganz ehrlich, 24 Stunden am Tag dafür zu sorgen, dass alle Vorschriften eingehalten werden, das ist ja selbst in der Bundesrepublik nicht möglich."

Textilriesen wie Karstadt, Tchibo und andere versprechen ihren Kunden, nur mit Zulieferern zu arbeiten, die sich an ihre strengen Standards, den Code of Conduct halten. Ob in China, Indien oder Bangladesch. So seien garantiert:

Die Sicherheit und Gesundheit der Arbeiter,
die Einhaltung der gesetzlichen Arbeitszeiten,
dass Arbeiter nicht verbal oder körperlich bestraft werden dürfen,
dass sie sich organisieren dürfen, etwa in Gewerkschaften und
menschenwürdige Arbeitsbedingungen
Nachts in der Hauptstadt Dhaka. Wir treffen zwei Näherinnen. Aus Angst vor Entlassung wollen sie unerkannt bleiben. Sie arbeiten für einen Tchibozulieferer und kennen das Tchibo Label TCM. Und sie erzählen von ihrem Arbeitsalltag.
Frau (Übersetzung MONITOR): "Erst vorgestern haben mich meine Vorgesetzten wegen eines Fehlers beschimpft und ich bin geschlagen worden. Ich kann weder lesen noch schreiben und auch die Zahlen kenne ich nicht, darum mache ich manchmal einen Fehler. Durch den Schlag fiel ich hin. Dann musste ich bis 21 Uhr nacharbeiten. Die Überstunden wurden nicht bezahlt. Der Aufseher sagte, wenn du das nicht machen willst, dann kannst du gehen! Das heißt, er drohte mich zu entlassen. Aber ich bin eine arme, allein stehende Frau mit Kindern, ich muss weiter arbeiten."

Junge (Übersetzung MONITOR): "Kürzlich habe ich einen Fehler gemacht. Erst hat man mich beschimpft, dann musste ich eine halbe Stunde auf dem Tisch stehen. Wenn man verwarnt wird, weil man einen Fehler macht, ziehen sie einem manchmal den Lohn für den ganzen Tag ab."

Die Fabrik, in der Tchibo unter anderem produzieren lässt. Basic Apparel. MONITOR bat die Firma um eine Stellungnahme, worin sie erklärt:

"Arbeiter werden bei Fehlern weder verbal beleidigt oder geschlagen"
und
"Man nehme aber unsere Anfrage zum Anlass, die Arbeitsbedingungen erneut zu überprüfen."

Werbestimme: "Tchibo!"

Flott, nett, und alles für die Familie. Längst macht der Kaffeeröster einen Großteil seines Milliardenumsatzes nicht nur mit der braunen Bohne, sondern mit Kleidung.
Und verspricht:

Werbestimme: "Tchibo, jede Woche eine neue Welt!"

Jeden Tag eine elende Welt. In diesem Slum in Dhaka wollen wir eine weitere Zeugin treffen. Die meisten Näherinnen leben so. Zwanzig bis dreißig Euro im Monat, für mehr als einen Platz hier reicht der Verdienst nicht.

Rina Begum hatte auch für Tchibo genäht, auch bei Basic Apparel. Im August letzten Jahres, sagt sie uns, habe sie es gewagt, mit anderen vor dem Haus des Fabrikbesitzers für mehr Lohn zu demonstrieren. Da sei Polizei die gekommen und habe sie für neun Tage ins Gefängnis gesperrt.



Neil Kearney, Generalsekretär Internationale Textilarbeitergewerkschaft (Übersetzung MONITOR): "Auch die Einkaufspraktiken unserer Textilunternehmen führen dazu, dass der Verhaltenskodex nicht eingehalten werden kann. Bei den Preisen, die sie zahlen, rechnet sich der Auftrag für die Zulieferer nur durch exzessive Arbeitszeiten und die Zahlung von extrem niedrigen Löhnen. Dazu sind die Lieferfristen derart kurz, dass sie überhaupt nur eingehalten werden können, wenn die Maschinen rund um die Uhr laufen, und zwar sieben Tage die Woche."

Vor wenigen Wochen, wieder an der eingestürzten Fabrik. Ein halbes Jahr nach dem Unglück wird hier immer noch Schutt beseitigt. Was von der Katastrophe sonst noch übrig blieb: eine Nähmaschine.

Und in einem Nebengebäude, das wie durch ein Wunder stehen blieb, rattern schon wieder die Maschinen. Das Gebäude, versichert uns der Fabrikmanager, sei absolut sicher.
Frische T-Shirt-Ware für Europa.

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