Aktuelles und Neuigkeiten Aktuelles und Neuigkeiten
Geschrieben von marit am 12.07.2004, 9:49 Uhrzurück

stimme fiametta weitgehend zu...

...vor allem, was die mangelnde Bereitschaft zum Umzug angeht. Mir käme es gar nicht mal entfernt in den Sinn, wenn ich arbeitslos werde zu erwarten, daß ich genau am selben Ort wieder etwas finde, für mich ist es selbstverständlich, mich bundesweit und ggbf. auch ins Ausland zu bewerben.
Gut, ich bin nicht sehr heimatverbunden und es gibt viele Orte, an denen ich mich einleben kann. Aber es bringt doch nichts, abzustreiten, daß starke Heimatverbundenheit heute ein Berufsrisko darstellt. Vielerorts kommt man nur durch Geklüngel an vernünftige Stellen - da ist es nur gerecht, daß inzwischen auch Mobilität honoriert wird. Allerdings muß man schon sehen, daß das problematisch ist, wenn beide Partner arbeiten und der andere eben deshalb nicht umziehen kann. Eine Trennung auf Zeit, für ein Jahr oder so, bis auch der andere einen Arbeitsplatz am neuen Ort gefunden hat, würde ich aber auch für vertretbar halten. Schließlich gibt es ja auch noch Berufe, mit denen man problemlos woanders etwas finden kann (z.B. Ärzte oder Lehrer)oder die überhaupt nicht ortsgebunden sind.

Was die Ladenschlußzeiten angeht: es schreibt doch niemand vor, daß man künftig von 8-22 Uhr alles offenhalten soll. Eine Flexibilisierung dieser Zeiten kann doch auch bedeuten, daß der Bäcker z.B. von 5-11 und dann wieder von 15-19 Uhr öffnen kann, oder daß der Juwelier, der sein Hauptgeschäft sicher nicht morgens um 8 abwickelt erst um 16 Uhr öffnet, dann aber bis 23Uhr. Ich habe kürzlich eine Reportage gesehen, in der von der Pleite mehrerer Hugo-Boss-Filialen berichtet wurde, die sehr einleuchtend erklärten, daß ihr Publikum vor allem aus jungen Geschäftsleuten bestünde, die selten vor 21 Uhr aus ihren Büros kämen. um 20 Uhr müßten sie aber schließen, so daß ihre Hauptkäuferschicht gar nicht an sie ran käme und deshlab gezwungen sei, nur noch via Internet einzukaufen. Ich bin sicher, daß eine Flexibilisierung an den jeweiligen Kundenkreis sehr viele Internet-Käufer wieder an die Ladentheken zurückholen würde. Das wiederum würde vielleicht nicht die wirtschaftliche Gesamtbilanz ändern, würde aber verhindern, daß unsere Städte immer mehr herunterkommen und unattraktiv werden, weil ein Ladenlokal nach dem anderen gegen Lagerhallen auf der grünen Wiese ausgetauscht wird.

Ich sehe auch, daß an ihrem Ort fest verwurzelte Menschen mit schlechter Ausbildung - und vor allem Frauen, die Ausfälle durch lange Kindererziehungszeiten hatten heute zu wirklichen Hungerlöhnen arbeiten müssen - und das tut mir ehrlich leid, ich finde es skandalös - und würde auch nicht bei einem Betrieb einkaufen, der seine Angestellten weit unter Tarif bezahlt. Nur: es bringt gar nichts, darüber zu jammern. Viel wichtiger wäre, daß deren Kindern wieder vermittelt wird, wie wichtig und unabdingbar diszipliniertes Arbeiten, gute Ausbildung und die nötige Loslösung und Eigenständigkeit gegenüber dem Elternhaus sind. Daß man den jungen Mädchen klarmacht, wie leicht sie sich ihr Leben versauen, wenn sie zu früh schwanger werden und dann ihre Ausbildungen nicht beenden, daß man sich auch dieser emotionalisierten Baby Kampagne, die da gerade in den Medien gefahren wird auch ein Stück weit widersetzt. Was ich aber häufig genug sehe, ist eher eine "Kinder kriegt man immer irgendwie groß"-Mentalität, was ich sehe (auch in meiner direkten Nachbarschaft) ist Erleichterung, wenn die Kinder NICHT das elterliche Umfeld verlassen (bishin zur emotionalen Erpressung), was ich sehe sind sogar Großeltern, die ihre jung Mutter gewordenen Töchter beschimpfen, wenn diese arbeiten wollen und ihr Kind solange "abgeben".
Nicht daß ihr denkt, wir wären Großverdiener. Wir leben auch in einem unterpriveligierten Stadtteil, weil wir uns die Mieten woanders nicht leisten können (deshalb bekomme ich ja auch einiges mit). Man kann nun einerseits sehr viel Verständnis für Menschen haben, denen nie etwas geschenkt worden ist (so sehen sie das ja meist, in wirklichkeit ist ihnen einiges geschenkt worden, wie z.B. die Möglichkeit einer kostenlosen Ausbildung). Aber ehrlich gesagt hält sich mein Mitgefühl für einige unter ihnen, die nicht bereit sind auch nur einen Milimeter an sich zu arbeiten, auch mal etwas diszipliniert durchzuziehen, auch wenn es zunächst finanzielle Nachteile oder auch nur Unlust bringt, inzwischen in Grenzen. Louises beste Freundin z.B. kommt am Abend zu uns um nochmal ihre Hausaufgaben durchzugehen, weil ihre Eltern nicht bereit sind, mal für 2 Stunden am Tag die Glotze auszustellen und ihr die Geschwister vom Leib zu halten, für Klassenfahrten fehlt das Geld, aber für eine Stange Zigaretten die Woche reicht es, der Vater hat seinen Job verloren, weil er vom Arbeitsplatz aus wiederholt Pornos runtergeladen hat (übrigens mit Unrechtsbewußtsein: er könne danach besser arbeiten), die Mutter zieht sich auf den Standpunkt zurück, daß sie nicht arbeiten müsse, weil sie ja schließlich "die Kinder großziehe" (daß man, wenn der Vater arbeitslos ist, durchaus mal tauschen könne, kommt ihr gar nicht in den Sinn). Tut mir leid, aber ich kann SEHR gut verstehen, daß die beiden keiner mehr einstellt. Ich würde es auch nicht tun.

Beitrag beantworten

Zurück ins Forum

Unten der Beitrag und die bisherigen Antworten. Sie befinden sich in dem Beitrag mit dem grünen Pfeil.
Die letzten 10 Beiträge im Forum Aktuelles und Neuigkeiten