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Geschrieben von Rio am 19.01.2006, 9:57 Uhrzurück

Re: Stern TV - Umfrage

Hi,

ohne den Stern-Bericht gesehen zu haben:
ich bin dagegen. Erstens weil es m.E. nichts bringt und zweitens wegen des Generalverdachts.

Kinder wurden schon immer von ihren Eltern mißhandelt, mißbraucht, vernachlässigt und auch getötet. So traurig das ist, es wird immer wieder solche Fälle geben und die werden durch solche punktuellen Checks nicht zu verhindern sein.

Im Übrigen ist es nicht so, dass diese Fälle in den letzten Jahrzehnten großartig zugenommen hätten. Es gab sie schon immer, nur wird ihnen heute mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Daher kann beim einzelnen Beobachter der Eindruck entstehen, sie HÄTTEN zugenommen.


Das Argument "Wenn dadurch nur ein einziges Kind gerettet würde, ist es das wert" ist keines. Denn mit dieser Art Argumentation kann mal ALLES rechtfertigen: Überraschungsbesuche vom Jugendamt bei ALLEN Familien (routinemäßig u. stichprobenartig), monatliche Zwangsüberprüfungen, gar wöchentliches Zwangsvorstellen beim Arzt kann damit "gerechtfertigt" werden.

Staatliche Zwangsmaßnahmen müssen in einem demokratischen Rechtsstaat adäquat sein. Und das sind solche staatlich erzwungenen Us nicht. Es setzt alle Eltern unter Generalverdacht und geht stillschweigend davon aus, dass alle Eltern in puncto Mißhandlung staatlich überprüft werden müssen.

Im Übrigen kann man das Argument "wenn nur ein einziges Kind..." auf die Spitze treiben, um dessen Unsinnigkeit zu verdeutlichen: Wenn die Verhinderung einer einzigen Mißhandlung alle Zwangsmaßnahmen rechtfertigt, dann können wir sämtliche Kinder zwangsweise vom "Staat", in Erziehungsheimen aufwachsen lassen.

Blöd nur, dass solche Vorfälle auch unter öffentlicher Trägerschaft immer wieder vorkommen und dass es sowas wie Hospitalismus gibt.

Um der Diskussion willen schließen wir diese Möglichkeiten mal aus: Hospitalismus, Mißhandlung/Mißbrauch durch Erzieher und andere schädliche Einflüsse sollen in unserem Modellstaat nicht existent sein in Erziehungsheimen. D.h. Kinder in Erziehungsheimen wachsen per Definition gesund, wohlbehütet und glücklich auf.
Sozusagen mit Garantie.

Würde es die Minderheit an mißhandelnden Eltern dann rechtfertigen, ALLE Kinder zwangsweise, vom Staat diktiert, in Erziehungsheimen aufwachsen zu lassen?
Oder gilt der Satz "wenn dadurch nur ein einziges Kind gerettet werden kann, ist es das wert" plötzlich nicht mehr?


Ich denke, sinnvoller als solche Zwangsuntersuchungen ist eine aufmerksame, weil sensibilisierte Umwelt des Kindes.
Dazu gehört m.E. auch, dass das Schlagen von Kindern generell nicht mehr bagatellisiert wird. Das neue Gesetz (seit 2000, Abschaffung des "Züchtigungsrechts") ist ein Schritt in die richtige Richtung. Nun muß sich das aber auch in den Köpfen der Menschen festsetzen. Viel zu oft hört man noch Sätze wie "hat und auch nicht geschadet", "der/die braucht das", mal 'ne Ohrfeige muß sein", etc.

Viele Grüsse,
Rio

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