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Geschrieben von Ralph am 18.09.2003, 14:01 Uhrzurück

Sehe ich anders! :-) sehr lang, sorry! :-)

Natürlich, da stimme ich Dir zu, gibt es heutzutage Probleme, die auch Munition für die Neonazis hergeben, keine Frage. Aber Du wirst nicht ernsthaft bestreiten können, daß wir heute in der "Wohlfahrt", wie es früher hieß, ganz andere Standards erreicht haben als vor noch rund 80 Jahren.

Das heißt aber nichts anderes, daß die politische Brutstätte "Armut" insofern heute gar nicht die Rolle spielen kann wie damals. Du hast Recht, wenn Du beklagst, daß die Reichen immmer reicher und die Armen immer ärmer werden. Das ist aber nur scheinbar ein ähnliches Thema. Es spiegelt eher die Gesamtentwicklung weltweit wieder, hat damit ganz andere Dimensionen und muß selbstverständlich behandelt werden, von wem auch immer. Mit Ausländerfeindlichkeit oder Sozialneid hat das nicht im geringsten zu tun. Eher hängt damit die Wut über "die Reichen" zusammen, die in Deutschland ihre Kohle machen, sich aber durch eine verfehlte Steuerpolitik - ganz legal übrigens - arm rechnen oder ihr Vermögen ins Ausland schleppen.
Ergebnis: Immer weitersinkende Steuereinnahmen bei anhaltender Inanspruchnahme aller Errungenschaften dieses Landes durch diese Bevölkerungsschicht, sei es Infrastruktur, kulturelle Einrichtungen (auch deren Opernkarten werden vom Staat fein subventioniert, nur ein Beispiel), wenn der Otto-Normal-verbraucher aber eine Karte für die Bayreuther Festspiele haben möchte, schaut er in die Röhre...

Eine sehr ärgerliche Sache mit bestimmt unendlich viel Sprengstoff, nur verbinden sich damit nicht automatisch tiefe Existenzängste, und das, finde ich, ist der große Unterschied zu damals.

Deine Ansicht von Integration von ausländischen Mitbürgern, genau da kommen wir dem eigentlichen Problem näher, und genau das ist es, womit man m.E. Deutschland und die Deutschen schlichtweg überfordert.

Wenn ich als Deutscher in ein anderes Land gehe, um dort zu heiraten, um dort zu arbeiten, um dort zu leben, dann muß ich mich der dortigen Kultur anpassen, ich muß es tun! Die gastgebende Nation kann es mir erleichtern, indem sie mir freundlich Zugang zu ihrer Kultur verschafft, das ist richtig, aber ich kann und darf nicht erwarten, daß dieses Volk seine Kultur ändert, damit es mir besser geht! Wie anmaßend wäre solch eine Einstellung!
Jeder regt sich zurecht über die deutschen Touristen auf, die in der Türkei oben ohne sich am Strand räkeln, und findet es richtig, daß sie von der Polizei aufgegriffen werden. Ja, es ist richtig! Diese Deutschen (oder meinetwegen auch Briten, Amerikaner usw.) haben sich in diesem Falle nicht an den Moralcodex der gastgebenden Nation gehalten und müssen dann halt die Konsequenzen tragen. Da wird auch nicht herumlamentiert, die Türken sollen sich doch mal nicht so haben und die Touristen gewähren lassen! :-)

Du schreibst, daß es wünschenswert wäre, wenn die deutschen Schulkinder etwas über die Identität der türkischen, kroatischen oder italienischen Mitschüler lernen würden. Das unterschreibe ich Dir blind! Keine Frage, solches Wissen erweitert den Horizont, erhöht damit Verständnis und Toleranz. Nur bin ich der Meinung, daß auch und vor allem die ausländischen Mitschüler und ihre Familien sich mit der deutschen Kultur auseinanderzusetzen haben. Diese Integrationsleistung, die Du erwähnst, wird doch von vielen Familien gar nicht erst erbracht, insbesondere in den sozialen Brennpunkten nicht! Da besteht null Interesse.

Ich habe langjährige Berufserfahrung in einem Hamburger Sozialamt mit absolut hohem Multi-Kulti-Anteil, glaub mir, ich weiß wovon ich spreche! Da habe ich Frauen vor mir sitzen gehabt, die seit 30 Jahren in Deutschland leben und kein Wort Deutsch verstanden haben, geschweige denn selbst sprachen! Kein Einzelfall! 30 Jahre, wo bitte ist da der Integrationswille?

Es hat keinen Sinn und demoralisiert einfach die eigenen Bemühungen, wenn offen auf fremde Eindrücke, Sichtweisen und Lebenseinstellungen eingegangen werden soll, das Ganze dann aber als Einbahnstrße sich entpuppt oder, noch viel schlimmer, schon als Erwartungshaltung an die Deutschen an den Tag gelegt wird.

Da gab es vor einigen Jahren einmal einen Beitrag in der ARD. Darin äußerte sich ein in Deutschland lebender türkischer Jugendlicher etwa folgendermaßen: "Deutschland ist voll Sch..., wenn ich da auf die Straße gehe, dann sind dort hauptsächlich Deutsche, die Türkei ist viel besser, wenn ich da auf die Straße gehe, treffe ich Türken!" In die Türkei wollte er aber auch nicht übersiedeln.
Gut, das ist ganz gewiß ein extremer Einzelfall, nur hatte ich keine Idee, was ich meinem Sohn, der damals 11 oder 12 Jahre alt war und den Beitrag auch gesehen hatte, daraufhin sagen sollte. Plausibel war das nicht. Als ich schwieg, entgegnete mein Sohn: "Ja, verdammt, dann soll er doch in die Türkei gehen!!" Ich habe dem nichts hinzugefügt, was sollte ich sagen? Einwenden, daß seine in meinen Augen dem puren Menschenverstand folgende Schlußfolgerung falsch, oder gar ausländerfeindlich sei?
Mein Sohn hat eine ganze Reihe ausländischer Freunde im Laufe der Jahre gehabt, und er weiß ganz genau, daß die Nationalität nichts damit zu tun hat, ob ein Mensch gut oder böse ist.

Ein weiteres Beispiel: Nach offziellen Schätzungen gibt es in Hamburg etwa 500 farbige Dealer. Asylbewerber oder illegal hier Lebende. Gleichzeitig leben etwa 17500 Menschen afrikanischer Herkunft in Hamburg. Dabei handelt es sich um eine bunte Mischung aus Sozialhilfeempfängern, Kaufleuten, Studenten, Ärzten, Straßenkünstlern etc. Diese beklagen, daß sie teilweise seit Jahrzehnten für einen guten Beumund in der Bevölkerung gekämpft haben, und das sei schwer genug. Diese 500 Dealer machten die Arbeit von Zehzntausenden kaputt. Warum, so die Frage, würde Hamburg denn diese "Brüder und Schwestern nicht endlich rausschmeißen"??

Ich schreibe und schildere dies, um darzulegen, wie grotesk unser (zutiefst deutsches) "Freiheitsverständnis" geworden ist.
Ich gebe auch zu, daß ich für's Erste keine Lösung habe, Grundgesetz, Humanitätsgedanken usw. spielen da ja auch hinein. Nur habe ich in einigen bereichen immer mehr den Eindruck, daß unser Land als einzige Nation Rechte verleiht, die andere, sehr wohl demokratische, Nationen so unumstößlich nicht aufrecht erhalten. Das nagt an der Glaubwürdigkeit und Nachvollziehbarkeit staatlichen Handelns.
Zumindest muß man über manche Bereiche nachdenken müssen, wenn selbst das nicht erlaubt ist, öffnet man grade dadurch rechtem Gedankengut Tür und Tor.

Tut mir leid, daß es so lang geworden ist. Dieses Thema kann man aber auch nicht in 2 oder 3 Sätzen abhandeln.

Viele Grüße
Ralph/Snoopy, der seine Mittagspause jetzt beendet... :-)

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