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Geschrieben von fusel am 01.09.2005, 16:39 Uhrzurück

@Schowba: Katastrophendenken

Hallo,

purer Zufall das ich deinen Beitrag gefunden habe (o:

Ich hoffe du nimmst mir nicht übel wenn ich dich auf den einen oder anderen Denkfehler hinweise.

1. Zitat von dir: Erstens diese Region mit Dresden zu vergleichen ist falsch, Dresden oder der Oderbruch wurde von der Katastrophe uberrascht und diese Flut passierte auch nicht (wie im Südosten der USA) in einer traurigen Regelmäßigkeit !
- Das stimmt nicht, es ist mitnichen falsch. Der Vater meines Sohnes kommt aus Dresden, seine Eltern haben ein Haus in Pirna, die Oma eine Wohnung direkt in DD und schlußendlich wohnt eine Schulfreundin von mir die vor paar Jahren in den Osten zog in´einem Dörfchen namens Schmilka, bei Bad Schandau, nahe der tschechischen Grenze.
Ich habe den Vater meines Sohnes (wohnhaft in München) Tage vor den ersten Evakuierung gefragt, warum er eigentlich nicht zu seiner Familie fährt um diese im Notfall zu untersützen. Antwort: "Och, da ist doch jedes Jahr Elbhochwasser."
Das Gleiche übrigens auch mit meiner Freundin, damals im 8. Monat schwanger. Ich fragte sie ob sie nicht besorgt sei und sie trat vors Haus und sagte: "Das Wasser steht schon bist zur Strasse. Aber hier ist doch jedes Jahr Elbhochwasser." - Sie blieb solange, bis sie mit dicken Bauch und einem Dreijährigen fluchtartig in der Nacht ihr Haus verlassen mußte, weil die Flutwelle aus Tschechen anrollte. Die Empfehlung zu verschwinden bekam sie übrigens von einem Bekannte der Feuerwehr, nicht von den örtlichen Behörden. Und btw.: Die Region um die Grenzgebiete, war härter betroffen als die von DD. Aber wegen ein paar Hillibillies macht man in den Medien nicht so einen Wind, wie um die Gemäldesammlung in Dresden (o:

Das mag deine Theorie bestätigen das die Leute an der Elbe vom Hochwasser überrascht wurden. Aber ich habe in den letzten Tage einige Beiträge gesehen bzw. gelesen in denen betroffene Amerikaner genau dasselbe sagten: "Och wir haben doch jedes Jahr Stürme. Wird schon schief gehen."
Ich denke mir deshalb das es nicht nur ein finanzielles Problem für viele war die Stadt zu verlassen. Sondern auch eine schlichter Denkfehler. Ich habe z.B. das Interview mit einer amerikanischen Mutter gesehen die meinte sie hätte ein Kleinkind und ein Neugeborenes, hoffe aber das "-es nicht so schlimm werden würde." Welche Mutter mit Neugeborenen und Kleinkind die noch alle ihre fünf Sinne beisammen hat, bleibt in einen zukünftigen Katastrophengebiet?
Eine ähnliche Paralelle sehe ich auch in der Weigerung mancher ihr Haus zu verlassen. Die Großeltern meines Sohnes haben sich ähnlich verhalten um ihr Hab und Gut vor Dieben zu schützen. Und als die Zwangsevakierungen in dem Gebiet stattfanden haben sie sich einfach versteckt um nicht rausgezerrt werden.
Du siehst: es gibt durchaus Ähnlichkeiten und zwar sehr deutlich. Für die Betroffenen in den USA kam dieses Ausmaß der Katastrophe genauso überraschen wie für die Elbanwohner. Lothar nannte es "Sand in den Kopf stecken." Ich sage da: Die Augen vor der Gefahr schließen.

2. Zwischenzeitlich wurde aus der Katastrophe im Oderbruch gelernt und entsprechende Gegenmaßnahmen vollzogen, in USA wird sich da nix tun, weil die Regierung da strickt zwischen Kosten und Nutzen (!) entscheidet.
- Über den Oderbruch weiß ich nichts, aber im Zuge der Flutkatastrophe in Bayern höre ich immer wieder den Ausdruck Klimaschutzfaktor der in den Berechnungen für Deiche gefehlt hätte. 20 - 30cm mehr an Höhe auf kilometerlangen Deichen sind natürlich teuer. Glaubst du tatsächlich das deutsche Behörden in klammen Zeiten lernfähig sind? Das ist aber sehr regierungskonform. Ich habe da meine berechtigten Zweifel, denn das wäre was ganz Neues.

3. Zitat: Wir haben hier auf der schwäbischen Alb eine Erdbebengefährdete Region ! Da musst Du erdbebensicher bauen ! Ganz einfach ! -
Na, so einfach ist das glaube ich nicht. Viele Hochwasserbetroffenen haben mit den Geldern der Versicherungen oder Hilfsfonds ihre Häuser die bis ins 2. Stockwerk unter Wasser lagen wieder aufgebaut, teilweise auch gründlich aufgehübscht. Die Häuser stehen noch immer in Hochwassergebieten, es ist verdammt schwierig ein gebautes Haus nachträglich in eine weiße Wanne zu stopfen, bzw. andere Hochwasserschutzmaßnahmen zu ergreifen. D.h. sollte es wieder zu einer solchen Flut kommen, die 2002 auch logistisch verursacht war, werden diese Häuser nochmal absaufen. Da denkt keiner daran sein Haus zu verlassen. Du solltest dich fragen ob du so einfach wegziehen würdest wenn dein Haus nach einem Erdbeben in Schutt und Asche liegt. Oder würdest du es nicht doch wieder aufbauen wollen? Ich frage mich nur ob das so einfach geht mit dem "erdbebensicher bauen" wenn dies nachträglich passieren muß.

4. Natürlich wäre es besser als Mitgleid einer Regierung solche Äußerungen zu unterlassen, doch hat Onkel Jürgen in seinen Äußerungen eher den Sarkasmus dahinter gesehen. Die USA ist unbestritten der größte globale Dreckspatz und wenn selbst 10% der Katastrophenursache Menschgemacht sind, sind es 10 % zuviel !

Natürlich tut es mir für die Bevölkerung leid, sie sind auch die Leidtragenden, doch zahlen sie die Rechnung die ihr Land verursacht hat.
Umweltkatastrophen bedingt durch menschlichen Eingriff ist wie Krieg. Das Volk blutet dafür, die Verantwortlichen kommen davon ! -
Keine Frage: Bush verdient einen A***Tritt für den Ausstieg aus den Kyoto-Abkommen... und für noch ein paar Sachen. Aber in irgendeinem Forum habe ich folgenen Satz gelesen: "Die Amis sind für 25% der CO2-Verschmutzung zuständig. Aber wer ist für die anderen 75% verantwortlich?"
Gute Frage.
Wie gesagt, das Umweltverhalten der amerikanischen Regierungen einschl. großen Teilen der Bevölkerung ist unter aller Sau. Aber es gibt viele Faktoren, warum die USA schmutzig sind und es immer sein werden. Vielleicht wäre es ein Ansatz die wirtschaftlichen Ergebnisse mit den Emmissonswerten in Zusammenhang zu setzen. Timbuktu hat keine Industrie, demzufolge verursachen sie keine Luftverschmutzung. "Unterentwickelte" Regionen verkaufen ihre ´Verschmutzungskärtchen an wohlhabendere Länder, und D-A-S ist allein dem Kyoto-Abkommen zu verdanken. Die Lizenz zum Dreckerln wird verschoben - mehr nicht. Die geographischen Ausmaße ist auch eine andere in den USA als in den europäischen Ländern, aber gut lassen wir das. Auch hier nimmt kaum ein Mensch die Bahn, wenn er große Strecken schneller und individueller mit Auto oder Flugzeug bewältigen kann.
Wenn Indien und China sich weiter industrialisieren, haben wir die nächsten Schmutzfinken die allein von der Bevölkerungszahl die Amis wie Hosenscheißer aussehen lassen. Niemals habe ich eine Tendenz der Chinesen bemerkt umweltfreundlich zu arbeiten.
Ich bin gespannt ob dann ähnlich auf sie eingeprügelt wird wie jetzt auf die USA.

LG

fusel

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